#kinolog (198)

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Review-Rundumschlag #1

Damit die Reviews hier wieder halbwegs aktuell sind (der Wrestler und die Watchmen wollen ja besprochen werden!) und nicht weil die jetzt besprochenen Filme so wenig her geben folgt nun ein kleiner Review-Rundumschlag.

Der Ja-Sager

Nach seinem eher mäßig gelungenen Abstecher ins Thriller-Genre macht Jim Carrey wieder das, was er am besten kann bzw. was wir von ihm erwarten. In Der Ja-Sager spielt Carrey Carl, der nach einer fehlgeschlagenen Beziehung sichtlich vereinsamt und desinteressiert ist, bis er von einem Freund überzeugt wird, an einem Seminar der Ja-Sager teilzunehmen. Fortan bejaht er jede ihm gestellte Frage, rutscht von einer Chance zur nächsten, von einem Fauxpas ins nächste und trifft zwischendurch die große Liebe. Dabei sind die Gags und Wendungen der Story so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Dann und wann bietet das zwar ein paar Lacher, insgesamt handelt es sich jedoch um eine mittelmäßige Vorstellung, der man keine weitere Beachtung zukommen lassen muss. Wenn also, dann auf DVD, bitte.

EMDb – Rating: 2/5

Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht

Vor einem Jahr war ich – wie auch der Rest der Filmwelt der über Film schreibenden Welt – sehr von Juno, dem „etwas anderen Teeniefilm“ (Zitat El Jefe), angetan. Und es liegt natürlich in der Natur des Business, dass erfolgreiche Ideen ausgeschlachtet oder geklaut werden oder man sich zumindest stark von ihnen inspirieren lässt. Nachdem Juno zumindest schon musikalisch fortgesetzt wurde, kommen nun also die Nachahmer. So einer ist Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht. Look & Feel sind nämlich einfach mal dem Achtungserfolg des letzten Jahres entliehen, thematisch aber beleuchtet man anstelle der ungewollten Schwangerschaft eher seichtere Teenie-Themen: die erste/große Liebe. Nick und Norah sind beide 16 Jahre alt und fahren beide auf total alternative Musik ab, die zwar zum Großteil gut ist, von der ich aber überwiegend noch nie etwas gehört hab. Er ist Hetero-Bassist in einer Schwulen-Band und trauert seine Ex Tris hinterher, indem er ihr unentwegt sorgsam zusammengestellte Mixtapes zukommen lässt. Sie ist die Tochter eines Plattenproduzenten und unbekannterweise in den Jungen verliebt, dessen unmittelbar entsorgte Mixtapes sie immer wieder aus dem Schulpapierkorb fischt. In einer ziemlich verrückten Konzertnacht lernen sich die beiden kennen und so weiter und sofort. Leider geht irgendwo zwischen der sichtlich bemühten Story deren Tiefgang verloren, was wirklich schade ist, denn dieser nächtliche Einblick in die New Yorker Indie-Szene hatte so viel mehr Potential.

EMDb – Rating: 2,5/5

Vorbilder

Und dann sind da noch die Vorbilder, der Film, der schon oben in der Überschrift am meistens geteasert wurde, woraus der Eindruck entstehen könnte, dass mir diese Komödie von den besprochenen Filmen am wenigsten gefallen hat. Der Eindruck täuscht! Die Story in der zwei Energy-Drink-Vertreter nach einem Ausraster dazu verdonnert werden, 150 Sozialstunden als „große Brüder“ zu verbringen, ist zwar alles andere als neu, dafür aber sehr sympathisch und, klar, so soll’s ja sein: lustig. Das liegt natürlich zum Großteil an den gegenteiligen Figuren die hier aufeinander treffen: der sarkastische, lustlose, frisch von seiner Freundin verlassene Danny wird dem 15 jährigen zurückgezogenen Live-Rollenspieler Augie zugeteilt; Partylöwe und Energy-Drink-Maskottchen Wheeler wird dem frühreifen, 10 Jahre alten Ronnie zugeteilt, mit dem ihm immerhin das Interesse am weiblichen Körper eint. Obwohl es keine allzu großen Überraschungen geben wird, werden Feunde der Apatow-Komödien (der mit Vorbilder erstaunlicherweise rein gar nichts mit zu tun hat) ihre Freude haben. Und Kiss-Fans auch.

EMDb – Rating: 3/5

Ein Mann und sein Ohrläppchen

… kämpfen gegen die Finanzkrise! So geschehen in Tom Tykwers neuestem Film The International, der von der aktuellen akuten Wirtschaftslage wie kein anderer profitiert, verleiht sie ihm doch ungeahnte Relevanz. The International handelt nämlich von nichts anderem als dem Kampf gegen ein korruptes Bankensystem. Hauptprotagonisten sind hier nicht die Finanzminister und Staatschefs dieser Welt, sondern ein Interpol-Agent (gespielt von Clive Owen) und eine ihn unterstütztende New Yorker Staatsanwältin. Gemeinsam ermitteln sie gegen die fiesen Machenschaften der „International Bank of Business and Credit“, die neben Geldwäsche und Waffenschieberei so ziemlich alles kriminelle anstellt, was sich mit Geld so anstellen lässt. Und natürlich werden etwaige Kritiker sofort und raffiniert um die Ecke gebracht.

Am Ende des Films möchte man ganz klar nichts mehr mit Bankern zu tun haben. Was noch durch die Aussage von Tykwer unterstrichen wird, dass das Treiben der fiktiven Bank tatsächlich auf dem Treiben realer Banken basiert. Quasi also so ähnlich wie die Pseudo-Umweltschützer-Thematik im letzten Bond. Und dass dieser Name hier fällt kommt nicht von ungefähr, denn wäre James Bond eine real existierende Person und nicht nur eine seinerzeit zur absoluten Unglaubwürdigkeit hochstilisierte Filmfigur, dann wäre dieser Real-Life-Bond der von Owen verkörperte Interpol-Agent. Wem all das zu trocken klingt, der sollte sich The International vielleicht trotzdem zu Gemüte führen, denn inmitten der Films erwartet einen eine der besten Actionszenen der letzten Zeit. Und wem das wiederum missfällt, dem sei gesagt: The International ist ein intelligenter Thriller, der nicht nur fantastisch aussieht und die Action an der richtigen Stelle einzusetzen weiß, sondern auch noch bis zum Abspann zutiefst konsequent ist.

Womit wir beim Ende wären. Das stößt den gemeinen Kinogänger vor den Kopf und verärgert ihn vielleicht sogar, ist aber das beste, was dem Film passieren konnte. Kurzum: toll.

EMDb – Rating: 4/5

Disney’s Superhund

Wann immer ein neuer Pixar-Film in die Kinos kommt, regnet es Vorschusslorbeeren: die Geschichte ist traumhaft, die Figuren liebenswert und es sieht fantastisch aus – Eltern wie Kinder sind begeistert. Lange bevor es Computeranimation und Pixar gab, wehte dieser filmische Feenstaub um die Firma Disney. Seitdem ist bekanntlich viel Zeit vergangen und in den letzten zehn Jahren waren die wirklich guten Disney-Filme von Pixar. Also machen nun auch die Walt Disney Animation Studios unabhängig von Pixar CGI-Filme. Nach Meet the Robinsons, zu dessen Sichtung ich keine Lust habe und daher nichts zu sagen kann, kam dieser Tage nun Bolt – Ein Hund für alle Fälle in die Kinos. Nix Pixar, aber vielleicht ja trotzdem sehenswert?

In Bolt geht’s um den gleichnamigen kleinen Hund Bolt, der wiederum Star der Fernsehserie Bolt ist, in der der Superhund Bolt (ziemlich viele Bolts, he?) und sein Frauchen Penny gemeinsam gegen die fiesen Dr. Calico kämpfen. Leider weiß der Hund nicht, dass er der Protagonist einer fiktiven Serie und ergo ohne Superkräfte ist. Als sein Frauchen in einer Episode entführt wird, bricht er kurzerhand aus dem Studio aus, um sie aus den Klauen von Calico zu befreien. Auf seinem Weg trifft er auf die zynische Katze Mittens und das Fanboy-Meerschweinchen Rhino, die ihn auf seinem Weg der Erkenntnis und zu Penny begleiten.

Es ist schon verwunderlich, dass diese Big-Brother-Thematik und die Kritik an diesen Reality-Formaten Einzug ins Familienkino findet, daher aber umso begrüßenswerter. Die Kleinen wird’s nicht stören, die großen haben ihren Spaß, denn der kleine Bolt kann sich ganz genau zwischen Truman Burbank und Buzz Lightyear einreihen, die ja beide ebenfalls nicht wissen wie ihnen geschieht. Allein dieser Ansatz würde Bolt zu einem der sehenswerteren Animationsfilme mit sprechenden Tieren machen. Jedoch ist der Film auch noch über alle Altersgrenzen hinweg zutiefst amüsant (die Tauben! Ich habe geheult vor lachen…), eine wirklich nette Superhelden-Hommage und weiß zu allem Überfluss die Pixar-Fans durch zahlreiche Verweise auf deren Werke zu unterhalten (immerhin haben die Verantwortlichen zuvor dort ihren Lebensunterhalt bestritten). Da sieht man dann auch schon mal über die schwächere zweite Hälfte und die Disney-typische Gesangseinlage hinweg.

EMDb – Rating: 3,5/5

PS: Ich habe leider nicht die 3D-Version von Bolt gesehen, sondern nur die klassisch zweidimensionale. Die 3D-Variante lief hier nur zu studentenunfreundlichsten Uhrzeiten…

Der cruise’sche Stauffenberg

Operation Walküre, der Film über das Stauffenberg Attentat und den versuchten Staatsstreich vom 20. Juli 1944 wurde hierzulande ja bereits von jedem, warum auch immer dazu befähigten und/oder berufenen Medienmenschen von allen erdenklichen Seiten beleuchtet und durchgekaut. Während der Dreharbeiten, längst bevor der Film die hiesigen Kinos erreichen sollte, während der Premiere und danach. Alles nur, weil der (unter)durchschnittliche Hauptdarsteller ein der Scientologe per se ist und so einer natürlich nicht das Gesicht des Deutschen Widerstands verkörpern sollte. Die ganze Diskussion ist vielleicht nicht gerechtfertigt, wahrscheinlich ist sie es schon, aber auf jeden Fall ist sie ermüdend und im Endeffekt mehr als ertraglos. Euer schreibfauler Lieblingsrezensionist wird seine kostbaren Ressourcen daher also nicht für diesen Diskurs aufbringen, sondern direkt im eigentlichen Film einsteigen.

Bryan Singer, der immerhin immer wieder für die leblosen Reinkarnationen von Superman verantwortlich ist, hat mit Operation Walküre einen typischen Heist-Movie geschaffen. Zu jeder Zeit beschäftigt sich der Film mit dem Plan Hitler zu töten und seine Regierung abzusetzen. Warum dass getan werden muss, ist natürlich nicht weiter erwähnenswert und wird daher nur obligatorisch abgehandelt. Die Beweggründe vom, von Tom Cruise dargestellten Claus Schenk Graf von Stauffenberg dürften meines Erachtens jedoch elementar für die Entwicklung des Films und die Einbeziehung des Zuschauers sein, dennoch werden sie ebenso übergangen. Er hat halt was gegen die Nazis und ihre Methoden. Und daher muss er ein super Typ sein. (Dass das historisch zumindest bezweifelt werden kann, zeigen verschiedene Briefe von Stauffenberg, in denen er nationalsozialistisches Gedankengut offenbart. Diese berechtigten Zweifel an Stauffenberg verschweigt der Film natürlich und verständlicherweise weitestgehend.)

Historisch hat man also das ein oder andere Mal ‚geschummelt‘, damit der Film überhaupt funktioniert und unterhaltsam wird. Und wenn man davon absieht, dass es Cruise zu keiner Zeit gelingt, seine eigene Haut abzustreifen und den Deutschen wirklich zu verkörpern, dann gelingt es Valkyrie seinen Anspruch auf Unterhaltung zu erfüllen – untermauert mit der richtigen (und notwendigen!) Portion Respekt, ergo Bedrückung. Zumindest außerhalb von Deutschland. Hier jedoch ist jeder dank des Geschichtsunterricht mit dem Verlauf und Ausgang der Geschehnisse vertraut und wenn man Plan, Probleme und Ende kennt, funktionieren Heist-Movies natürlich nicht.

EMDb – Rating: 2,5/5

Bis(s) zum nächsten Mal

Wenn man dieser Tage 13 bis 30 jährige Mädels nach ihrem aktuellen Lieblingsfilm befragt, dann hat man gute Chancen die Vampir-Romanze Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen genannt zu bekommen. Der Film basiert auf der gleichnamigen Jugendbuch- Reihe von Stephenie Meyer und kann somit als nächste Reihe angesehen werden, die im potter’schen Fantasy-Roman-Verfilmungswahn schleunigst in die Kinos gebracht werden will – bevor die Kids wieder auf Pokemons stehen. Soweit so unspektakulär, wäre da nicht die Tatsache, dass Twilight derzeit enorme Erfolge an den Kinokassen einfährt, so dass man sich den Spaß auch mal geben kann, wenn man nicht gleich feuchte Träume von/mit Hauptdarsteller Robert Pattinson bekommt.

Es ist die alte Geschichte: ein Mädchen kommt an eine neue Schule und verliebt sich in den gutaussehenden Außenseiter, der natürlich auch von allen anderen Mädels angehimmelt wird, davon allerdings erstaunlich unbeeindruckt bleibt. Nicht weil er andere Ufer im Sinn hat, sondern weil er sich schlicht und ergreifend zügeln muss, nicht gleich über das Objekt seiner Begierde herzufallen (eigentlich alles noch ganz normal, aber nur fast:), weil er ein Vampir ist. Doch bald kommt Bella, das besagte Mädchen, dem Geheimnis des merkwürdigen Edward auf die Spur und er offenbart ihr, dass seine Familie eine vegetarische Vampir-Clique ist. Die beiden beginnen in endlos langen Einstellungen rumzuturteln – zumindest solange Edward die Kontrolle über sein Verlangen nach Blut behält -, doch wie das halt so ist, tauchen urplötzlich andere, böse Vampire auf und drohen das junge Glück zu zerstören…

Zuerst einmal: dem Liebesfilm und dem Fantasy-Gerne kann ich gemeinhin nicht allzu viel abgewinnen. Vampire finde ich hingegen okay (wer nicht?). Ohne Buchkenntnisse, vom Trailer abgeschreckt und insgesamt in der schlechstmöglichen Ausgangssituation für’s Gefallen des Films habe ich Twilight also an Limpis Seite auf mich zukommen lassen. Und war, ich hätte es ja selbst nicht gedacht, positiv überrascht. Das, was der Film erreichen möchte, ein Coming-of-Age-Szenario mit einer Vampir-Romanze zu kreuzen, meistert er mit Bravour. Freilich habe ich dabei keine Ahnung, wie er sich im Vergleich zum Buch schlägt.

Natürlich schießt man auch hier und da über’s Ziel hinaus, so dass einige Szenen auf den nicht ganz so involvierten Zuschauer ungewollt komisch wirken. Neben einigen (Traum-?)Sequenzen seien hier vor allem die wirklich grottigen Special-Effects erwähnt, die ILMs Anspruch Klassenbester zu sein einmal mehr deutlichst untergraben. Zumeist hat man stilistisch aber Feingefühl bewiesen. Und so bleibt zusammenfassend zu sagen: Für Freunde der Genres bzw. des Genre-Mix ein Muss. Für alle anderen gutes Mittelmaß, sofern man sich auf den Film einlässt. Wer hingegen starke Zweifel hegt, sollte es lieber dabei belassen.

EMDb – Rating: 3/5

Le Transporteur Trois

Letzte Woche habe ich Transporter 3 gesehen und seitdem nicht mehr an diesen Film gedacht. Dass es dennoch zu diesen wenigen Zeilen kommt, ist einzig und allein meinem Wunsch auf Vollständigkeit des Kinologs zu verdanken. Nicht, dass Transporter 3 ein schlechter Film wäre, aber seien wir doch mal ehrlich: wie schon die beiden Vorgänger handelt es sich dabei um kurzweilige Unterhaltung ohne jeden Anspruch auf Tiefgang. Fast zumindest: den der Rhythmus des aktuellen Films wird zwischenzeitlich durch eine öde Lovestory gestört. Nichtsdestotrotz: Die Actionszenen werden auf gewohntem Niveau fortgeführt und weiterentwickelt, ergo werden Fans und Freunde der vorherigen Episoden auch am dritten Transporter ihre (wie schon gesagt, aber um es nochmal zu unterstreichen: kurzweilige) Freude haben. Hatte ich schließlich auch.

EMDb – Rating: 2,5/5

Das dynamische Duo

Damit ich die 51 Kinobesuche von 2008 in diesem Jahr noch toppen kann, sind die Freundin und ich Neujahr direkt ins Kino marschiert. Und seien wir ehrlich: nach diesem grausigen Paradebeispiel für „Exkrementenkino“ (SEO-Battle anyone?) hätte mich jeder Film versöhnlich gestimmt, bei dem die Schauspieler zwei Sätze fehlerfrei vortragen können. Wenn es sich dabei dann auch noch um die Altherren Al Pacino und Robert De Niro handelt – noch besser. Nachdem die beiden also vor dreizehn Jahren in Heat das erste Mal aufeinander trafen, ist es nun mit Jon Avnets Serienkiller-Hatz Kurzer Prozess – Righteous Kill zum dritten Mal soweit.

Rooster (Pacino) und Turk (De Niro) sind zwei Cops, die im Normalfall zwar kurz vor ihrer Pension stehen würden, tatsächlich aber viel zu sehr an ihrem Job hängen, um die Verbrecherjagd schon aufzugeben. Bei ihrem letzten großen Fall sind sie einem Serienkiller auf den Fersen, der für die beiden Polizisten sympathischer kaum sein könnte: er tötet die Verbrecher, die ihnen spätestens im Gerichtssaal durch die Lappen gegangen sind. Kaum verwunderlich, dass zwei jüngere Detectives einen Selbstjustiz verübenden Polizisten hinter den Morden vermuten und schon bald den aufbrausenden Turk verdächtigen…

Natürlich kommt alles anders und endet mit einem nicht allzu spektakulären, aber durchaus netten Twist. In der Zwischenzeit ist der Film leicht verwirrend, etwas zu dialoglastig und beschäftigt sich zur sehr mit belanglosen Kleinigkeiten. Dennoch: es ist eine Freude Pacino und De Niro beim Spielen zuzusehen, wenngleich sie die Cop-Rolle fast schon zu routiniert abarbeiten. Unterm Strich also nicht der großartige Film, der sich mit dem Gespann hätte realisieren lassen, aber immer noch solide, gute Unterhaltung.

EMDb – Rating: 3/5

1 1/2 Ritter zuviel

„Hey Stefan, kommst du heute Abend mit ins Kino und danach einen trinken?“ Mit diesen Worten und vor allem dem letzten Satzteil lockten mich meine Freunde in der vergangenen Woche ins Kino. Und dann, gut, in ne Bar. Seit dieser Woche bin ich Nachts schweißgebadet aufgeschreckt und habe selbst im Tiefschlaf geschrien und gewimmert. Der Grund für meinen schlechten Schlaf war das, was mir im Kino vorgesetzt wurde – namentlich 1 1/2 Ritter und wahrhaftig der größte Mist, für den ich jemals Geld bezahlt habe. Und glaubt mir, ich habe für sehr viel großen Mist sehr viel Geld bezahlt…

Auf die schwachsinnige, tot langweilige Story möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen. Ein Bild sagt da mehr als tausend Worte. 1 1/2 Ritter funktioniert von vorne bis hinten nicht, die Gastauftritte sind zutiefst peinlich und lediglich Rick Kavanian weiß ab und an zu überzeugen. Zumindest für die Verhältnisse dieses Films. Dass 99,9% der Witze platteste Rohrkrepierer sind, rundet das eh schon negative Gesamtbild gekonnt nach unten ab.

Es ist mir wirklich ein Rätsel wie Til Schweiger, dessen schauspielerisches Potential zwar offensichtlich sehr beschränkt ist, der aber mit seinen letzten, überraschend passablen Eigenproduktionen Barfuss und Keinohrhasen Erfolge einfuhr, einen derartigen Dreck produzieren konnte und es sich tatsächlich wagt, Menschen in Zeiten von Finanzkrise und Hungerlohn dafür an die Kinokassen zu bitten. Meines Erachtens ist „1 1/2 Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“, wie das ganze Elend mit vollem Titel heißt, eine Beleidigung für den Zuschauer. Ganz davon zu schweigen, dass zumindest ich es mehr als bedenklich finde, dass Herr Schweiger seine sexistischen Testosteron-Trips, die meistens willenlose, einfältige Frauen beheimaten, tatsächlich seinen Kindern widmet. Ich würde mich schämen. Aber Scham dominiert hier eh das Rezeptionserlebnis. Und Aggression. Darüber, dass es sowas ins Kino schafft.

(Dabei kann er’s doch eigentlich besser, der Til.)

EMDb – Rating: 0,5/5

Vier Weihnächte

Um uns auf die familiären Feierlichkeiten der Festtage bestens einzustimmen, haben die Freundin und ich uns kurz zuvor die romantische Weihnachtskomödie „Four Chistmases“ gegeben, die hierzulande den schon mindestens tausend Mal gehörten Titel Mein Schatz, unsere Familie und ich trägt. Eine weitere Beziehungskomödie, die irgendwas mit Weihnachten zu tun hat. Aber was? Der ebenso unspektakuläre Original-Titel offenbart: irgendjemand ist hier in vier Weihnachtsfeste involviert. Klar, dass es sich dabei um „mein Schatz“ und „ich“ handelt. Konkret liest sich das dann so:

Das Mittdreißiger-Pärchen Kate und Brad, beide Scheidungskinder, hasst Weihnachten. Also verabschieden sie sich jedes Jahr in den Urlaub bis der Spuk vorüber ist. Doch dieses mal geht etwas schief und die beiden sind gezwungen bei Kates Mom, Kates Dad, Brads Mom und Brads Dad aufzulaufen. Und wie könnte es anders sein: die Familien überbieten sich gegenseitig im WTF-Faktor. Etwa wenn sich herausstellt, dass der erfolgreiche Anwalt Brad (Vince Vaughn) eigentlich Orlando heißt, da er ebenso wie seine Brüder Denver und Dallas, beide übrigens leicht aggressive Amateur-Wrestler, nach seiner Zeugungsstadt benannt wurde. Und natürlich hat auch Kate (Reese Witherspoon) einige übergewichtige Leichen im Keller. Kurzum: es wird außerordentlich peinlich für die beiden.

Alles bis hierher beschriebene ist ziemlich unterhaltsam, selten zu platt und durch die fast episodenhafte Aufteilung in die vier Familienbesuche nett erzählt. Doch irgendwann schlägt auch „Four Christmases“ gewohnte Pfade ein: das überraschend unkonventionelle Pärchen zerbricht fast, als Kate sich wünscht die lockere Beziehung zu Brad zu festigen. Folglich müssen sie sich wieder zusammenraufen, was sie natürlich schaffen und unter dem Schlussstrich steht im Endeffekt natürlich, dass Familie was ganz tolles ist.

Es ist zwar schade, dass Mein Schatz und der Rest das allseits bekannte Muster tausender anderer Romantic Comedies aufgreift, aber verwundern tut es leider nicht. Damit ist zu rechnen und das fordert das (weibliche) Publikum ja auch. Dennoch: andere Familien haben auch einen Hau weg – sehr beruhigend vor dem alljährliche Weihnachtstreffen in der eigenen Sippe. In diesem Sinne:

EMDb – Rating: 3/5

Der Tag, an dem Klaatu kam

Vor einer Woche überlegten sich die zwei New York City Boys und meine neidische Wenigkeit den Abend mit leichtester Kost á la Death Race ausklingen zu lassen. Also Uhrzeit der Aufführung gecheckt, zum Kino gefahren und an der Kasse drei Karten bestellt. „Oh, die Herren, der läuft heute nicht.“ Aber, aber! „Es sind noch Plätze in der Premiere von Der Tag, an dem die Erde stillstand frei…“ Na gut! Drei Getränkebestellungen später betreten wir den menscheleersten Saal, den das Kino wahrscheinlich jemals bei einer Premiere hatte. Es handelt sich um ein Remake eines Sci-Fi-Streifen aus den 50ern, Neo spielt die Hauptrolle und auf dem Original-Poster ist ein Roboter, der Laserstrahlen aus seinem Auge schießt, zu sehen, soviel wussten wir. Und dass der Trailer beschissen war. Aber wir wollen ja fair bleiben und erst mal abwarten…

Da saßen wir also, sahen wie Sphären auf der Erde auftauchen und aus der größten ein riesiger Roboter und ein schmieriges Keanu-Reeves-Alien mit dem klangvollen Namen Klaatu rausstolpert. Die amerikanische Regierung bekommt’s natürlich mit der Angst zu tun und macht einen Film mehr alles falsch, was man nur falsch machen kann. Klaatu (Klaatu!) kann derweil flüchten und was der Zuschauer schon in den ersten zwanzig Minuten erahnt, erfahren die Verantwortlichen erst endlos lange 80 Minuten später: <Spoiler>Klaatu will die Menschheit vernichten, weil diese die Erde vernichtet. Und das, da sind sich Klaatus Volk und Al Gore einig, geht ja mal gar nicht.</Spoiler>

Woah. Ein weiteres Beispiel dafür, wie man 100 Minuten seines Lebens verschwenden kann und auch noch dafür zur Kasse gebeten wird. Während die Original-Story die Zuschauer 1951 noch fesseln, zum Nachdenken bewegen und schockieren konnte, ist das, was man dem Zuschauer 2008 vorsetzt einfach nur noch nervig. Liebe Filmemacher, wir wissen doch bereits das wir den Planeten zerstören! Warum also muss Klaatu kommen und erstmal sein Tänzchen aufführen, bevor er ebenfalls zu diesem Schluß kommt, dann aber doch irgendwie die Kurve kriegt? Ja, „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ ist in keiner Weise überraschend oder interessant und nur im Entferntesten unterhaltsam. Die Animationen sind schlechter als – festhalten! – bei Fantastic Four 2 und alles in allem verlässt man den Kinosaal mit dem Gedanken, dass es produktiver und amüsanter gewesen wäre, hätte 20th Century Fox die 80 Millionen Dollar, die der Film gekostet hat, im und mit dem Regenwald verbrannt und kurzen Prozess mit unserem Planeten gemacht. Damit die Erde nie mehr stillstehen muss.

Einziger Pluspunkt: Der M. Night Shyamalan-Film The Happening vom Sommer diesen Jahres, der uns ja mit einer ähnlich innovativen Handlung bekehren wollte, ist noch schlechter.

EMDb – Rating: 0,5/5