#kinolog (198)

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Wolverine-Doppel-Review-Action!

Eigentlich sollte dieses spektakuläre Doppel-Review vom Wolverine-Film und -Videospiel schon vor über einem Monat an dieser Stelle veröffentlicht werden, aber leider hat mir der Zoll einen Strich durch die Rechnung gemacht und mein Xbox-Spiel einkassiert, woraufhin ich es erstmal freikaufen und zwecks Vergleich durchspielen musste. Und das – nehmen wir das Fazit ruhig vorweg – hat sich gelohnt. Während X-Men Origins: Wolverine im Kino nämlich lediglich magere Actionkost ist, erweist sich das gleichnamige Wolverine-Spiel als kleine Perle. Dabei ist der Ausgangspunkt der Handlung weitestgehend gleich: Wolverine, der noch nicht auf Wolverine, sondern Logan hört, kämpft an der Seite seines Bruders Victor und einigen anderen Mutanten in einer Spezialeinheit. Während eines Einsatzes in Afrika verlässt Logan die Truppe, da er nicht mit deren brutaler Vorgehensweise einverstanden ist. Sechs Jahre ziehen ins Land, das Team wird aufgelöst und Logan zieht sich mit seiner Freundin nach Kanada zurück – bis sein ehemaliger Chef auftaucht und ihm offenbart, dass Victor Jagd auf seine alten Teamkollegen macht und er ihm doch bitte helfen soll, das zu verhindern. Ein undurchsichtiges Heckmeck beginnt, dessen Ausmaße Logan noch längst nicht überblicken kann…

… und der Zuschauer im Gegensatz zum Spieler auch nicht. Denn was sich hier noch einigermaßen spannend anhört, ist auf Zelluloid gebannt alles andere als das. Motive der einzelnen Figuren werden hier nur im Ansatz erkennbar und unser aller Wolverine, der in der chronologisch später angesiedelten X-Men-Trilogie noch der coolste Bastard vor dem Sentinel ist, ist im Origins-Film ein seelenloses Adamantium-Skelett mit platten Sprüchen, das zwar auf großer, aber dem Zuschauer absolut egaler Rachetour ist. Hinzu kommen größtenteils schwache CGI-Effekte und unspektakuläre, weil auf PG-13 getrimmte Kampfszenen. Ausnahmen hiervon sind das wirklich sehenswerte Intro und immerhin der finale Showdown. Die 100 Minuten Mittelmaß dazwischen kann man sich getrost sparen.

Im Spiel macht man hingegen storytechnisch alles richtig. Mittels eigener Handlungsfäden und Flashbacks wird die dürftige Film-Story hier zu einem spannenden Rachefeldzug ausgebaut, der sogar die Beweggründe von Stryker & Co. verdeutlicht und das ganze für Kenner des Marvel-Universums noch mit einigen Referenzen und Gastauftritten versüßt. Außerdem und für uns Killerspieler wohl am wichtigsten, fliegen hier – FSK18 sei dank – wortwörtlich die Fetzen. Das artet zwar teilweise in eine kleine Gewaltorgie aus, ist dabei allerdings überaus unterhaltsam (Gegner an Gabelstaplern aufspießen ist toll!). Zwar ist’s kein Metal Gear o.ä. und es gibt auch ein paar kleinere Designfehler, den Spielspaß trübt das jedoch keineswegs, so dass „X-Men Origins: Wolverine“ absofort die soeben eingeführte „GamEMDB“ rockt und als alleiniger Kandidat anführt.

EMDb – Rating: 1,5/5 GamEMDb – Rating: 4/5

Star Trek 2.0

Ich stehe ja eigentlich seit jeher auf Star Wars. Jedis, Wookiees, Todessterne – das ist meine Welt! Natürlich habe ich in jungen Jahren auch intensiv die Abenteuer des Raumschiff Enterprise, sowie der Next Generation verfolgt, fand das ganze aber im direkten Vergleich zu meiner weit, weit entfernten Galaxie eher lahm. Spätestens mit Deep Space Nine, der Krönung der SciFi-Langeweile, hab ich mich dann endgültig damit abgefunden, dass die ganzen Trekkies einen am Warp-Antrieb haben. Dennoch: so ganz konnte ich mich nie abwenden (die Borg sind ja wohl großartig!) und die Kinofilme, mal mehr, meistens weniger gut, hab ich mir natürlich auch immer angesehen.

Als ich dann vor mehr als zwei Jahren erfuhr, dass sich niemand geringeres als J.J. Abrams dem elften Star-Trek-Film annahm1, wurde ich natürlich hellhörig. Schließlich hat der Mann bei Lost nicht nur einen entscheidenen Teil zu einer der besten TV-Serien der letzten Jahre beigetragen, sondern ist auch ausgewiesener Star-Wars-Fan. Dass er sich nun aber an einen Reboot des Star-Trek-Franchises wagt, konnte ein Indiz für Größenwahn aber auch größter Kompetenz sein. Dementsprechend war ich auf die gestrige Vorpremiere gespannt

Und was soll ich sagen? Wäre der Mann nicht erst 42 Jahre alt, ich würde sagen, dass er sein popkulturelles Meisterstück abgeliefert hat. Star Trek ist ein großartiger Film! Viel (vielleicht zuviel) Humor, fantastische Bilder, grandiose Schauspieler2 und eine packende Story. Diese ist natürlich vornehmlich den M:I3– und Transformers-Autoren Roberto Orci und Alex Kurtzman zu verdanken, die Kirks Weg zur Sternenflotte und die Anfänge der Enterprise komplett von vorne aufrollen, ohne sich dabei über die Kontinuität des Serienuniversums hinweg zu setzen. Und gerade das, was manchem Trekkie in den nächsten Wochen feuchte Träume bereiten wird, ist mein größter Kritikpunkt. Denn ohne zuviel verraten zu wollen: der Reboot ist nicht wirklich einer.3 Alle Anfänge hinter sich zu lassen, hätte ich da konsequenter und besser gefunden.

Nichtsdestotrotz kann man darüber hinwegsehen und wunderbare zwei Stunden im Star-Trek-Universum verbringen. Ob mit oder ohne Vorkenntnisse ist dabei relativ egal, wobei Kenner der Materie natürlich noch mehr Spaß haben werden. Ich alter Star-Wars-Fanboy freue mich jedenfalls wirklich, bald wieder an Bord der Enterprise gehen zu können.

EMDb – Rating: 4,5/5

  1. Damals noch mit anderer, etwas verrückterer Besetzung: Matt Damon als Kirk, Adrien Brody als Spock und Gary Sinise als Pille. Ja, da war wohl wer auf die Physiognomie fixiert. []
  2. Chris Pine, der Darsteller von Kirk, bewegt sich so gekonnt auf dem Parkett des Actionfilms und der Komödie, wie es zuvor nur Harrison Ford in Star Wars und Indiana Jones getan hat. []
  3. Lost-Fans wissen, was ich meine… []

Radio brennt

Radio Rock Revolution, der mit Originaltitel übrigens völlig alliterationsfrei „The Boat That Rocked“ heißt, handelt von einem Piratensender in den 1960er Jahren, der die britischen Inseln mit Rock’n’Roll und Schimpfworten versorgt. Und zwar von einem Schiff inmitten der rechtsfreien Nordsee. Klar, dass Obrigkeit und Sittenwächter toben, weshalb dennoch ein Verbot des Senders in die Wege geleitet wird – doch indes können sich die Piraten des Volkes Rückhalts sicher sein. (Angelehnt ist das ganze an die wahre Geschichte des von der See aus sendenden Piratensenders Radio Caroline, den es heute übrigens immer noch gibt.)

Im Klartext heißt Radio Rock Revolution: 120 Minuten intelligenter Klamauk und feinste British Invasion á la Beatles, Kinks und Rolling Stones. Da schlägt das Musikliebhaberherz um einiges höher – und ehe man sich versieht, kauft man sich mir nichts, dir nichts, wie meiner einer den wunderbaren Soundtrack, der – wie sollte es bei einem Musikfilm anders sein? – ganz klar Herzstück und Motivation des Films ist. Hinzu kommen grandiose Schauspieler (Philip Seymour Hoffman anyone?!) und einige aufgesetzte Nebenplots, die die Geschichte des rockenden Boots um rivalisierende DJs, eine ominöse Vater-Sohn-Beziehung und ein bisschen Sex erweitern, aber lediglich wie ein notwendiges Übel wirken. Denn hier geht’s – abgesehen von der überaus leckeren Portion zivilen Ungehorsams – tatsächlich nur um Musik. Wer aber diese Musik liebt, wird auch Radio Rock lieben.

Und als Bonustrack bietet sich noch eine ganz andere, nicht so weit hergeholte, aber unkonventionelle Lesart an: Wie die Rock-Piratensender dem Volk ihrerzeit das gaben, was ihnen Obrigkeit und Sesselpupser verwehrten: nämlich Rock’n’Roll anstelle von Schlagern und Operetten, so sind es heute die Piraten, vom Pirate Bay und der Partei, die in die Breche springen und die kriminalisierte Bevölkerung mit dem versorgen, was sie will. Was wir natürlich auf eine legale Art und Weise gut finden. Es bleibt also nur eine Frage der Zeit, bis die Geschichte des auf einer Bohrinsel stationierten Torrent-Trackers verfilmt wird…

EMDb – Rating: 4/5

Dick und doof

Die Geschichte der Komödie ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Der Kaufhauscop hat dies erneut eindrucksvoll bewiesen. Es geht darum, dass Doug Heffernan Kevin James den motiviertesten Sicherheitsmann der örtlichen Mall mimt, eigentlich aber viel lieber ein richtiger Polizist geworden wäre. Doch dies hat wegen Übergewicht und Zuckerkrankheit nicht sollen sein – zumindest bis ein paar hyperaktive Möchtegern-Terroristen das Einkaufszentrum überfallen, Geißeln nehmen und der schwerfällige Kaufhauscop endlich die Chance wittert, sich zu beweisen.

Doch Obacht, die Autoren haben sich für den Kaufhauscop ganz was feines ausgedacht: im Gegensatz zu anderen, ähnlich tiefsinnigen Filmen mit Amüsementabsichten sehen wir hier nicht, wie sich der (Anti-)Held 91 Minuten abschuftet und letztendlich doch der sympathische Sieger wird, der den American Dream lebt und das hübsche Mädchen kriegt, nein, in Der Kaushauscop bekommen wir einen sich abschuftenden Kerl vorgesetzt, der zwar hier und da Erfolge einfahren kann, letztendlich aber bis zur letzten Minute der vorgeführte Volltrottel bleibt. Und genau so funktionieren (gute) Komödien eben nicht! Warum lieben wir McLovin aus Superbad? Weil er seine vermeintlichen Defizite positiv besetzen kann und so der uncoole Fogell zum coolsten Gangster alive mutiert. Ebenso Napoleon Dynamite, die Kleine aus Little Miss Sunshine oder meinetwegen auch Homer S. und Peter Griffin.

Doch anstatt sich am „aus sich heraus gehen“ der Figur zu erfreuen, herrschen beim Kaufhauscop zumeist nur die Gefühle des Fremdschämens und der Schadenfreude vor: Oh, ein unbeholfener Kerl robbt über den Fußboden! Oh, das Mädel ist sowas von out of his league! Oh, jetzt macht er bei einem Fresswettbewerb mit! Oh, jetzt erleidet er einen Zuckerschock! Oh, ist das alles langweilig…

EMDb – Rating: 1/5

PS: Ich weiß, der deutsche Verleih hat sich unsinnigerweise gegen die deutsche Sprache oder einen Bindestrich gewehrt und anstelle „Der Kaufhauscop“ lieber „Der Kaufhaus Cop“, also mit Deppenleerzeichen (via), gewählt; diese Schreibweise ist mir aber irgendwie zu blöd.

Who wants to be a Slumdog?

Weiter geht’s mit dem Review-Nachholen und mit einem Film, der in der Oscar-Nacht die Aufmerksamkeit auf sich zog wie kein anderer: Slumdog Millionär, die als „feel-good film of the decade“ angepriesene, fiktive Geschichte vom bettelarmen Jamal Malik, der es irgendwie zu Indiens „Wer wird Millionär?“ schafft und dort, während ihm die ganze Fernsehnation zuschaut, die Chance hat, das ganz große Geld zu gewinnen. Doch ganz so einfach macht es Danny Boyle seinem Slumdog nicht: In der Nacht auf die alles entscheidende Sendung wird Jamal kurzerhand festgenommen, da Polizei und Moderator davon überzeugt sind, der arme, halb kriminelle Junge habe in der Sendung betrogen. Während des Verhörs – und das ist das Grundkonzept des Films – kann Jamal haarklein rechtfertigen, wieso er die Antworten wusste, da diese natürlich unmittelbar mit seiner Lebensgeschichte zusammenhängen.

Meines Erachtens wirkt das ganze ziemlich konstruiert. Wobei Konstruiertheit natürlich nicht unbedingt was negatives sein muss, sondern eine Erzählung mitunter erst erzählenswert machen kann. Hier jedoch wirkt alles aufgesetzt und angestrengt und es scheint mir, als hätte man regelrecht auf diesen Achtungserfolg hinproduziert. Größter Stein des Anstoßes ist jedoch dieser „feel-good film of the decade“-Marketing-Mist! In Slumdog Millionär geht’s um menschenunwürdige Zustände: Armut, Kinderarbeit und Klassenunterschiede, denen man – es sei denn es tritt der höchstunwahrscheinliche Fall ein, dass man es ins Fernsehen schafft – einfach nicht entrinnen kann. Wie kann ich da, auch wenn dem Jungen am Ende Reichtum und seine große Liebe zuwinken, noch von einem „feel-good film“ sprechen? Das kann nicht mal die Tanzsequenz am Ende rechtfertigen! Die selben Marketing-Menschen hätten wahrscheinlich auch Meirelles‘ City of God, der übrigens IMHO in allen Belangen besser ist als Slumdog Millionär und „nur“ für vier Oscars nominiert war, zum „feel-good film“ des Jahrhunderts gekürt. Na dann: Bamboocha!

Nun soll aber nicht die Werbung über die Qualität eines Films entscheiden, sondern die Academy. Aber bekanntlich sind deren Wege unergründlich. So auch hier. Zwar ist Slumdog Millionär keinesfalls ein schlechter Film, aber höchstens Durchschnitt und allenfalls so originell, wie es die wöchentliche Folge „Wer wird Millionär?“ nach einem Jahrzehnt Laufzeit sein kann – formell und narrativ. Nein, mir wären das keine acht Oscars wert gewesen1. Aber ich bin ja auch nicht die Academy. Noch nicht.

EMDb – Rating: 2,5/5

  1. Der Frage, ob und welche Aussagekraft die Oscars über die Qualität eines Films haben, soll sich in diesem Blog – verzeiht! – ein anderes mal gestellt werden. []

Chev Chelios is back

Crank 2, die unmittelbare Fortsetzung des Überraschungserfolgs von 2006, ist genau die Nonsens-Gewaltorgie, die wir uns alle seit der Ankündigung des Sequels erhofft haben. Eine Prise Gesellschaftskritik und eine gehörige Portion Trash runden das Geschmacksbild gekonnt ab. Natürlich wirkt das ganze nicht mehr ganz so originell wie noch vor drei Jahren, aber Fans & Freunde von Chev Chelios und Kaiju werden vollends auf ihre Kosten kommen. Guten Appetit!

EMDb – Rating: 4/5

The Ram

Es ist mal wieder an der Zeit ein paar Reviews nachzuholen. Den Anfang macht heute The Wrestler, den ich zwar bereits vor über einem Monat gesehen habe, der euch allen aber dank der Oscar-Berichterstattung immer noch präsent sein dürfte. Immerhin war Schönheitskönigin Mickey Rourke als bester Hauptdarsteller nominiert, was nicht nur seiner grandiosen schauspielerischen Leistung als vielmehr auch seiner eigenen Lebensgeschichte zu schulden ist. Die Karriere des Wrestling-Profis Randy „The Ram“ Robinson, den Rourke hier verkörpert, weist nämlich einige Parallelen zur Rourkes Schauspielkarriere auf. Wie die Figur „The Ram“, so war auch Rourke in seinem Gebiet in den 80ern ein gefragter Mann, konnte aber in den 90ern nicht an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen.

Randy „The Ram“ Robinson hält sich dabei mit so genannten Hardcore-Wrestling-Kämpfen über Wasser, die mit dem hierzulande bekannten Hulk Hogan-Entertainment-Wrestling der WWE so viel gemein haben wie eine Guppy-Zucht mit Guantanamo Bay. Medikamenten- missbrauch und Matches haben ihre Spuren an The Ram hinterlassen, er lebt in einem Trailerpark, hat keine Frau und keinen Kontakt zu seiner Tochter und wenn er die Kids zum NES-Spielen in seinen Wohnwagen einlädt, sind die von Oldschool-Konsole und -Wrestler schnell genervt. Einzig und allein die Wrestling-Kämpfe am Wochenende scheinen Randys Leben einen Sinn zu verleihen, wird er doch hier von allen akzeptiert und sogar bewundert. Doch als er dabei einen Herzinfarkt erleidet und der Stripperin Cassidy näherkommt, scheint er sich nach einem normalen Leben zu sehnen. Nach einigen Rückschlägen steigt Randy schließlich jedoch wieder in den Ring…

The Wrestler ist einer der brutalsten Filme, die ich je gesehen habe. Das liegt weniger an der expliziten Darstellung der Gewalt und vor allem der Verletzungen, noch an der überaus schmutzigen Ästhetik, in der das Geschehen präsentiert wird, sondern vielmehr an der Tatsache, dass es Menschen gibt, die sich zum Vergnügen anderer solcher Qualen aussetzen müssen, um selbst überleben zu können. Klar, wissen die Wrestler hier um die Schmerzen, haben sich selbst für diesen Weg entschieden und überdies motiviert sie natürlich auch der sportliche Ehrgeiz, aber wie Randy selbst immer wieder andeutet, können sie halt „nichts anderes“. Und die Gesellschaft, die sie am Wochenende für ihr Tun vergöttert, ächtet sie wochentags. Ein filmgewordenes Armutszeugnis unserer Zeit.

Mittendrin Mickey Rourke. Vermutlich in der Rolle seines Lebens: ein absolut sympathischer Kerl, der sich zwischen Schein und Sein verliert und letztendlich selbst zerstört. Ich weiß nicht, was Sean Penn in Milk gerissen hat, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es tatsächlich besser ist als Rourke in The Wrestler. Bester Film des (deutschen) Kinojahres, so far.

EMDb – Rating: 5/5

Vorsicht, Comedians im Kino

Eigentlich wollte ich mir Männersache, den Kinofilm von Mario Barth, gar nicht ansehen. Auch wenn Herr Barth einen super Einstand hinlegte und mich in der Nachbarkleinstadt im privaten Rahmen mit seinem Programm wirklich begeistern konnte, ließ mein Enthusiasmus zu Beginn seines zweiten Programms doch recht schnell nach, da seine Geschichten beim ersten Hören zwar witzig sind und natürlich auch die gewünschten Kabbeleien unter Pärchen erreichen, jedoch beim zweiten Mal schon eher ausgelutscht wirken. Jedenfalls überzeugte mich überraschenderweise ein Fernseh-Special zum Film und so ging ich am Freitagabend eben doch ins Kino.

Leider war mein Geld nicht gut angelegt. Ich hätte besser auf meine weibliche Intuition vertraut und mir Shopaholic angesehen. Alle (!) guten Witze sind mal wieder im Trailer oder in den allseits bekannten Outtakes verbraten worden. Ansonsten war der Film einfach nur vorhersehbar und zu sehr gewollt. Ich habe keine außergewöhnliche Story erwartet, aber mir einfach etwas mehr Ideenreichtum gewünscht. So hören wir schon wieder die selben Sprüche wie schon im ersten realen Programm von Mario (der im Film übrigens Paul heißt und Paul Panzer heißt Hotte, WTF?) zu hören waren – nur eben schlechter.

Zur Story: Paul (also Mario) lebt mit seinem Vater Rudi im selben Haus wie sein bester Freund Hotte (Paul, also Dieter Tappert) und dessen Freundin Susi, welche dem besten Freund ihres Liebsten so rein gar nichts abgewinnen kann. Paul tritt abends ziemlich erfolglos als Komiker auf, bis er eine Geschichte aus Hottes und Susis gemeinsamem Leben erzählt. Dieser Ausrutscher landet durch eine nette Freundin von Susi prompt in der Zeitung und Hotte und Paul streiten sich. Immer weiter. Und weiter. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es natürlich ein Happy End gibt.

Etwas Gutes zum Film? Die beste Szene hat Sido als Guido, aber auch dies ist kein Grund sich den Film anzusehen. Ganz eventuell als Riesenfan mal auf DVD, aber eher nicht im Kino.

EMDb – Rating: 0,5/5

I watched the Watchmen

Wir hatten ja erfreulicherweise das Glück Watchmen bereits am Mittwoch zu sehen. Seitdem kündige ich ein Review an dieser Stelle an, schreibe die ersten Zeilen nieder, verwerfe sie wieder und fange von vorne an. Scheinbar brauchte ich erstmal Abstand von dieser Adaption eines etwas anderen Comics, zu dem ich ja bereits eine zwiespältige, aber schließlich doch positive Beziehung hatte. Bei Zack Snyders Watchmen sieht das prinzipiell nicht anders aus, was vor allem daran liegt, dass er sich fast Eins zu Eins an die Story des Comics hält. (Mehr über die Handlung könnt ihr dementsprechend meinem Comic-Review entnehmen. Wer sich im Kino überraschen lassen möchte, sollte jedoch davon absehen.) Zwar werden die von mir bemängelten, teilweise recht langweiligen Subplots des Comics zumeist rausgekürzt, dennoch hat dieser aber auch einige Längen. Während die Verfilmung also an den selben Schwächen wie der Originalstoff leidet, ist genau diese originalgetreue Umsetzung eine der Stärken des Films: Dialoge wurden übernommen, Panels haargenau aufs Zelluloid gebannt, dazu zahlreiche selbstreferenzielle Verweise aufs Comic. So wird der Watchmen-Film in der Tat zu einem wahren Fest für Leser und Kenner des Watchmen-Comics. Ein Film „von Fanboys für Fanboys“, wie vielerorts zu lesen war.

Wer sich jedoch nicht dazu zählt, der könnte Probleme mit den Wächtern haben, denn Watchmen ist die unkonventionellste und ergo unzugänglichste aller Comicverfilmungen der letzten Jahre. Bei meinem Kinobesuch konnte ich den anderen Zuschauern die über ihren Köpfen schwebenden, riesigen Fragezeichen förmlich ansehen. Alles was man an anderen Superheldenfilmen mag, existiert hier nicht oder ist anders. Zwar gibt’s im Film mehr und andere Actionsequenzen als im Comic, diese sind aber durchweg durchschnittlich und unspektakulär. Von den Kostümen, Special Effects und Dr. Manhattans Dödel ganz zu schweigen! Und, Gott, der Soundtrack?! – Ein Kapitel für sich.

Doch wenn man von all diesen Kritikpunkten und der unsäglich überproportionalen Nutzung der Snyder-typischen Zeitlupen, die ich schon als Hauptschuldige für die Laufzeit von 163 Minuten ausmachte, absieht, dann kann Watchmen durchaus gefallen. Vor allem eben wenn man mit der Vorlage vertraut ist. Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass man diese, einst als unverfilmbar gegoltene Geschichte hätte besser adaptieren können, doch auch mit der vorliegenden Version kann ich mich anfreunden. Zudem das filmische Ende sehr viel logischer und glaubwürdiger ist, als das von Alan Moore erdachte.

Allerdings ist der Hauptgrund, weshalb ich den Film letztendlich mochte, ein anderer: Der im Comic vom Schurken nach der Offenlegung seines Plans geäußerte Satz „Ich bin kein billiger B-Film-Schurke“ wird auf der Leinwand zu „Ich bin kein billiger Comic-Schurke“, und weist gekonnt daraufhin, womit wir es hier eigentlich zu tun haben: einem Film in der Tradition alter B-Movies. Samt unnötiger Brutalität, übertriebener Splatter-Effekte, einem grotesken Soundtrack, Männern in Strumpfhosen und einem schlecht animierten, blauen Nackedei.

EMDb – Rating: 4/5