#kinolog (198)

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Review-Rundumschlag #4

Da ich während meines Praktikums und in der ersten Vorlesungswoche nicht dazu gekommen bin, hier also meine Eindrücke der zuletzt angesehenen Kinofilme. (Und jetzt, wo ich wieder Vollzeitstudent bin, sollten auch wieder wesentlich mehr Lichtspieltheaterbesuche und ergo mehr Reviews drin sein.)

Wie das Leben so spielt

Wie das Leben so spielt, im Original einfach „Funny People“, ist der neueste Streich von Regisseur, Autor und Produzent Judd Apatow, dem Mann hinter so ziemlich jeder Komödie amerikanischen Ursprungs, die in den letzten Jahren an dieser Stelle gelobt wurde. Nachdem das Apatow-Konglomerat zuletzt mit Pineapple Express einen Ausflug in Actiongefilde und mit Year One in die abseitigere Historien-Parodie wagte, folgen nun wieder ernstere, in der Realwelt angesiedelte Töne. So geht’s in „Wie das Leben so spielt“ um das Comedy-Geschäft selbst: Als der erfolgreiche Star-Comedian George (Adam Sandler) schwer erkrankt, engagiert er den Nachwuchskünstler Ira (Seth Rogen) als seinen Assistent mit dem hintergründigen Ziel jemanden an seiner einsamen Seite zu haben. Schließlich hat George seine große Liebe mit zahlreichen Affären vergrault und wünscht sich im Angesicht des Todes nichts mehr als zu ihr zurückzukehren. Sie hat mittlerweile zwar Familie, doch George nutzt seine Lage, um seine Chancen zu steigern – was für Ira mehr als verwerflich ist…

Nein, man hat es hier wahrlich nicht mit der seichten Komödie zu tun, die manch einer bei den Namen erwartet hätte. Vielmehr ist „Funny People“ eine wahre Tragödie – die, auch bedingt durch das Setting, zu Scherzen aufgelegt ist. Ganz Apatow bewegt sich der Humor dabei unter der Gürtellinie, verfehlt sein Ziel meistens jedoch nicht. Ärgerlich ist dabei nur, dass die eigentlichen Auftritte der Comedians die humorigen Tiefpunkte darstellen. Alltagssituationen und beiläufige Äußerungen weisen da viel mehr Witz auf. Womit wir auch bei der Stärke des Films wären: der Alltäglichkeit der Handlung. Was hier passiert, passiert tausende Male am Tag. Und genau so witzig und unterhaltsam ist „Wie das Leben so spielt“. Oder eben nicht.

EMDb – Rating: 3/5

Die nackte Wahrheit

Eine Komödie von ganz anderem Schlag wäre dann Die nackte Wahrheit („The Ugly Truth“). Sparta-König Gerard Butler und Grey’s Anatomy-Flitte Katherine Heigl, die ja nach dem von Apatow produzierten Knocked Up eigentlich nicht mehr in diesen furchtbaren frauenfeindlichen RomComs mitspielen wollte, kämpfen sich unter der Regie von Robert Luketic durch, richtig, eine Romantic Comedy.1 Genauer gesagt soll er, der Frauenheld und Amateur-Moderator, der in seiner Sendung im offenen Kanal Beziehungstipps gibt und damit sämtliche Quotenrekorde einfährt, ihr dabei helfen, ihre etablierte, aber zunehmend schwächelnde Sendung im ortsansässigen Network auf Vordermann zu bringen. Dass er ihr dabei früher oder später nicht nur beruflich unter die Arme greift, sondern auch das Privatleben der Karrierefrau aufpeppeln will, ist Ehrensache. Wenn da nur nicht diese blöden Gefühle füreinander wären…

Über den Ausgang des Films müssen wir hier keine Worte verlieren, den kann jeder auf Anhieb richtig erraten. Widmen wir uns also dem Weg zum Ziel: Während Katherine Heigl lediglich Stangenware ist, hat man den selbstsicheren TV-Playboy mit Gerard Butler so perfekt besetzt, dass einem das Zusehen und -hören wirklich Spaß macht. Leider hat man jedoch davon abgesehen ihn alleine für 96 Minuten vor die Kamera zu setzen, wodurch das Endergebnis solide, aber nicht umwerfend oder geschweige denn innovativ geworden ist. Sprich: Kann man machen, muss man aber nicht. (Und nur am Rande, weil’s mich im Kino wohl als einzigen gestört hat: der Film ist beschissen geschnitten, aber maybe that’s just me…)

EMDb – Rating: 2/5

Oben

Und dann war da noch Oben („Up“), der neue Pixar-Film. Wie die Stammleserschaft weiß, bin ich ja alles andere als ein „Pixar-Fan“, wenngleich mir WALL-E zuletzt richtig gut, um nicht zu sagen überaus sehr gut gefallen hat. Ansonsten kann ich dem Hype aber ausnahmsweise nichts abgewinnen und es interessiert mich dementsprechend kaum bis gar nicht, in welchen verrückten Mikrokosmos John Lasseter & Co. uns im nächsten ihrer Filme entführen. So auch bei „Oben“: alter, verbitterter Mann fliegt mit seinem Haus nach Südamerika; an seiner Seite ein kleiner, dicker Junger. Mit diesem Vorwissen belastet, sollte ich den Kinosaal betreten und in den nächsten 96 Minuten erfahren, dass es in Pixars zehntem Spielfilm jedoch um so viel mehr geht. So flüchtet der 78 jährige Carl, der Zeit seines Lebens als Luftballonverkäufer gearbeitet und zusammen mit seiner Frau Ellie gelebt hat, nach deren Tod vor der Abschiebung ins Altenheim, indem er eben unzählige Ballons an seinem Haus befestigt und damit gen Südamerika, Ellies und seinem Traum entgegen, fliegt. Dass er nebenher den ungeschickten Pfadfinderjungen Russel, der unbedingt ein Abzeichen für „den Alten helfen“ bekommen möchte, mitgenommen hat, trägt nicht unbedingt zu Carls Laune bei. Ebenso wenig, dass am Ziel angekommen ganz neue Probleme auf ihn warten.

Was sich nun nach der umfassenden Nacherzählung von Ellie & Carls Leben anhört, wird tatsächlich in einer zwanzig Minuten kurzen, absolut beeindruckenden, fast dialoglosen Montage abgehandelt, die zeigt, wie sehr man die Animations- und Erzählkunst auf dem Pixar-Campus bereits perfektioniert hat. Danach geht’s zwar konventionell, aber nicht weniger gut weiter: Carl und Russel kommen nach Südamerika, wo ihnen nun jedoch der ortsansässige Altabenteuer das Leben schwer macht. Während dieser Part gewohnte Erzählmuster bietet und alles von sprechenden Hunden zu actionreichem Slapstick zeigt, ist die Tragödie, in der dieser alte Mann steckt, indes jedoch keineswegs vergessen. Umso mehr freut man sich mit ihm, wenn er wieder auf Russel zugehen und schließlich auch Ellies Tod verkraften oder zumindest akzeptieren kann. Unabdingbar für dieses Gefühlschaos ist natürlich ein mitreißender Soundtrack – und den hat Michael Giacchino hier in perfekter Form abgeliefert. Dass die Animationen gewohnt überzeugend sind, ist sowieso klar, so dass mir nur noch folgendes zu sagen bleibt:

„Oben“ ist meiner bescheidenen Meinung nach der bisher beste Pixar-Film und ein wirklich, wirklich, wirklich fantastischer Film. Das ist Kino wie es sein soll. Die Herren Docter und Peterson, ich ziehe meinen virtuellen Hut.

EMDb – Rating: 5/5

  1. Keine Ahnung, was Luketic bisher so geleistet hat, aber er ist immerhin im Gespräch für das Remake des besten Psychodelic-SciFi-Steifen aller Zeiten: Barbarella. Streng dich also an, Junge! []

District 9 – Review

Einmal mehr besser spät als nie1: Als ich irgendwann im August erfuhr, dass der hoch- und viel gelobte SciFi-Streifen Moon im Rahmen des Fantasy Filmfest gezeigt werden würde, war klar, dass ich dahin musste. Diese selbst auferlegte, aber gern erfüllte Pflicht verstärkte sich dann wenige Tage später immens, als klar wurde, dass nicht nur Duncan Jones‘ Debüt, sondern auch das von Neill Blomkamp, namentlich District 9, es ins Programm schaffte – und das nur knapp zwei Wochen nach US-Start. Respekt! Ehrensache, dass ich am ersten Verkaufstag die Kasse des Kölner Cinedoms stürmte, um auf Nummer Sicher zu gehen und Tickets für besagte Filme zu erstehen. Gesagt, getan, standen die Freundin und ich also am dritten Festivaltag vor dem größten Kinosaal des Cinedoms, in den District 9 eigens verlegt wurde und der dennoch ausverkauft war.2

Einige fremdsprachige, blutige und sehenswerte Trailer später durften wir dann miterleben, wie es aussieht, wenn ein kleines Stückchen Genre-Geschichte geschrieben wird. Dabei beginnt alles ganz ruhig: 1982 tritt ein außerirdisches Raumschiff in die Erdatmosphäre ein, stoppt über der südafrikanischen Metropole Johannesburg und verharrt dort. Nach Wochen des ereignislosen Wartens entschließen sich die Menschen in den unbekannten Flugkörper einzudringen, wo sie über eine Million insektoide Außerirdische vorfinden – halb verhungert und ohne irgendeinen Anführer. Die Außerirdischen werden aus dem Flugkörper in ein zunächst provisorisch errichtetes Flüchtlingslager namens District 9 gebracht, welches sich jedoch rasch zu einem Slum entwickelt. Jahrzehnte vergehen und die Bevölkerung Johannesburgs fühlt sich zusehends unwohler mit den abfällig als „prawns“ (Garnelen) bezeichneten Nachbarn aus District 9. Das private Sicherheits- und Militärunternehmen Multinational United (MNU), das mittlerweile über die nun 1,8 Millionen Aliens wacht, sieht sich gezwungen, die Umsiedlung dieser in das weiter entfernte und angeblich sehr viel humanere Lager District 10 zu veranlassen. Als der niedere MNU-Beamte Wikus van de Merwe sich der Aufgabe annimmt, passiert jedoch das Unvorhersehbare: <spoiler>nachdem er im Alien-Lager einer außerirdischen Flüssigkeit ausgesetzt wurde, beginnt er, sich selbst in einen der „prawns“ zu verwandeln und erfährt am eignen Leib, dass es der MNU tatsächlich nicht um das Wohl der Aliens, sondern vielmehr um deren hoch-effizientes, aber für Menschen bisher nicht benutzbares Waffenarsenal geht…</spoiler>

Dabei macht besagter MNU-Mann Wikus nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Wandlung durch: vom unbeholfenen Bürokraten, der nur die eigene kleine Karriere im Blick hat, zum Gejagten und Rächer zwischen den Fronten. Dass diese Verwandlung so greifbar und glaubwürdig ist, ist zum einen der mit Sharlto Copley hervorragenden Besetzung, zum anderen dem Stil des Films selbst zu verdanken. Denn wie aus den Trailern und der Kurzfilmvorlage Alive in Joburg bekannt, beginnt District 9 als Dokumentarfilm und nimmt erst nach Wikus‘ Unfall dessen Position und damit typischere Erzählweisen ein – hierbei dennoch immer wieder durch vermeintliche O-Töne unterbrochen. Eine solche Vorgehensweise und viele weitere, auch und vor allem narrative Elemente des Films sind zwar alles andere als neu3, in dieser Kombination jedoch ungesehen. Beispielsweise kennen wir Xenophobie gegenüber Außerirdischen von Kindesbeinen an (E.T. anyone?), hier wird sie aber erstmals wirklich aussagekräftig: denn so selbstverständlich und glaubwürdig wie Blomkamp sein Szenario auf die Apartheid Südafrikas transferiert, zeigt er doch selbst dem unbedarftesten Zuschauer unausweichlich diesen Schandfleck menschlicher „Zivilisation“ auf. Und schließlich ist es genau dieser Moment, den die Science Fiction zu leisten vermag und der leider allzu gerne zwischen all den Special Effects und Bunnies vergessen4 oder übersehen wird.

Nichtsdestotrotz ist natürlich auch District 9 ein spektakulärer Actionknaller, der – zumindest im letzten Drittel – Explosionen und Splatter en masse bietet und dessen vorderstes Ziel die Unterhaltung des Publikums ist. Dass er dabei nebenbei neue Standards in Sachen SciFi-Action setzt und für das Minibudget von 30 Millionen Dollar nahezu fantastisch aussieht, ist umso beeindruckender.5 Ganz klar: wir haben hier mit Neill Blomkamp und Sharlto Copley zwei fortan äußerst gefragte Männer vor uns, von denen wir noch sehr viel hören und sehen werden.

Kurzum: District 9 ist genau der Science-Fiction-Film (mit Action-Anspruch), den ich mir jedes Mal wünsche, wenn das Licht im Kinosaal ausgeht – und den ich vor District 9 bisher nur ein einziges Mal bekommen habe: 1999 mit The Matrix.

EMDb – Rating: 5/5

  1. Ich bin es zwar leid, jedes Review mit einer Entschuldigung zu beginnen, aber was soll ich tun? Zur Zeit bin ich nun mal voll ausgelastet, da bleibt mir nur der Urlaub um was ordentliches zu schreiben. In diesem Sinne: erneut fettes Sorry, für die überaus späte Veröffentlichung dieses Reviews. []
  2. Manch einer muste sogar mit einem Platz auf der Treppe vorliebnehmen… []
  3. Man denke nur an Cronenbergs Fliege oder die TV-Serie Alien Nation. []
  4. Ja, Mr. Bay, Sie sind gemeint. []
  5. Und wo wir gerade bei Ihnen, Mr. Bay, sind, gerade Blomkamps Minibudget lässt Sie mit Ihren quasi unbegrenzten Mitteln wie einen Dilettanten aussehen. []

Inglourious Basterds – Review

Da hätten wir ihn also endlich1: Inglourious Basterds, Quentin Tarantinos neuesten Streich, der irgendwo zwischen „Blut beim Gerinnen zuschauen“ und seinem Meisterwerk liegt, wie man dieser Tage in den Feuilletons und Blogs der Republik lesen konnte. Und ehrlich gesagt, ich hatte auch meine Zweifel, ob die Basterds das werden könnten, was Millionen Filmfans sich erhofften. Denn seien wir mal ehrlich: die bei jedem neuen Tarantino geäußerte Kritik, dass der Regisseur einmal mehr den selben Film in ein anderes Genre transferiert, ist nicht unbegründet. Bei Tarantino sind alle Figuren Tarantino. Ob Auftragskiller, Bauernopfer oder Nazi-Oberst – sie alle sind wahre Film- und Popkulturfreaks, die nebenbei ganz selbstverständlich über Dinge philosophieren, von denen der gemeine Zuschauer noch nie etwas gehört hat. Auch Inglourious Basterds ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme.

Doch – wie die meisten von euch bereits wissen – ist die Geschichte um die Truppe jüdischer US-Soldaten auf Nazijagd nicht nur eine Geschichte um eben diese Inglourious Basterds. Aldo Raines (Brad Pitt) Mannen sind nur ein Puzzleteil in Tarantinos Kriegsfilmpuzzle. Ein anderes ist die Geschichte von Shosanna Dreyfus, einer jungen Jüdin, die mit ansehen muss, wie SS-Mann und Oberpuzzleteil Hans Landa (Christoph Waltz) ihre Familie ermorden lässt. Sie selbst kann zwar fliehen, doch wie es der Autor so will, kreuzen sich Shosannas und Landas Wege einige Kriegsjahre später erneut: sie betreibt mittlerweile unter falschem Namen ein Kino in Paris, in dem die Weltpremiere zu Goebbels neuestem Propagandafilm „Stolz der Nation“ stattfinden soll, Landa ist für die Sicherheit der Veranstaltung zuständig – denn die gesamte nationalsozialistische Führungsetage hat sich angekündigt. Hier kommen wiederum die Basterds ins Spiel, die hier die einmalige Chance wittern, besagte Veranstaltung zu sprengen und Hitler & Co. auszuschalten. Doch natürlich plant auch Shosanna ihren ganz eigenen Rachefeldzug…

Der Triumpf des Kinos über Nazi-Deutschland! – Wer das nicht liebt, der kann kein guter Mensch sein. Aber ist Inglourious Basterds wirklich so gut, wie man überall liest? Kurz und knapp: Ja. Ausführlicher: Der Film ist großartig. Selten hat man so lange Dialoge so spannend inszeniert gesehen, selten so gutes Schauspiel in einem Film und ja, auch in einer Person vereint. Ungeachtet der Tatsache, dass es sich bei Tarantinos Buch und seiner Figur Hans Landa um kleine Geniestreiche handelt: Chistoph Waltz brilliert als Landa. Wenn der SS-Standartenführer spricht, dann brennt die Luft. Wenn er in einer Szene nicht mitspielt, so ist er dennoch präsent. Fantastisch und zu Recht Oscar-… äh, in Cannes prämiert.2

Doch auch seine Kollegen können sich sehen lassen: Aldo Raine lässt Tyler Durden fasst schon alt aussehen und selbst unser Kartoffelkopf Til Schweiger kommt ungeahnt cool rüber (was aber vor allem daran liegt, dass er so gut wie nichts sagen, sondern nur finster dreinschauen muss). Selbst kleine(re) Rollen wie die von August Diehl als SS-Sturmbannführer Hellstrom, der einige Basterds in einer Bar aufmischt, zeigen derart große Schauspielkunst, so dass deren Darsteller demnächst wohl vermehrt in Hollywood-Produktionen auftauchen werden.

Kurzum: ein geniales Buch und ein fabelhaft inszenierter Film, der uns hier und da mit leckersten stilistischen Schmankerln (und natürlich Damenfüßen) versüßt wird und überragendes Schauspiel zeigt. Großartig! – Was wohl auch Tarantino selbst weiß, lässt er doch Aldo Raine in der letzten Einstellung – Minispoiler! –, nach getaner Arbeit in die Kamera blicken und zu seinem Co-Basterd sagen:

Weißt du was, Utivich, ich glaube, das könnte mein Meisterwerk sein.

Und, Quentin, das glaube ich auch.

EMDb – Rating: 5/5

  1. Ich wäre wegen der Uraufführung im Mai ja fast nach Cannes gereist… []
  2. Aber keine Angst, die Academy rockt der eher früher als später auch noch… []

Review-Rundumschlag #3 (Teil 2)

Und weiter geht’s mit dem dritten Review-Rundumschlag, der ganz – wir erinnern uns – im Zeichen von Filmen stand, die meine Erwartungen nicht erfüllten.

Zack and Miri make a Porno

… womit wir bei Zack and Miri make a Porno wären, Kevin Smiths Version einer Romatic Comedy und ergo des Fanboys Hoffnung auf eine Popkultivierung des Genres. Der Titel des bereits Mitte 2008 in den USA erschienenen Films (dafür ein lautes „Was soll der Scheiß?“ an den Verleih) klang jedenfalls sehr vielversprechend und offenbarte bereits die Story: Zack und Miri, zusammenwohenende Schulfreunde Mitte / Ende Zwanzig und von chronischem Geldmangel geplagt, entschließen sich angesichts ihrer wasser- und stromlosen Wohnung dazu, ins Pornobusiness einzusteigen. Neben ein paar anderen „Amateuren“, sollen auch sie beide eine gemeinsame Szene drehen. Klar, das ihre Gefühle füreinander das Vorhaben nicht unbedingt erleichtern…

Steigen wir einfach mal direkt ein: hätte ich noch nie was von Kevin Smith gehört und keinen seiner Filme gesehen, ich hätte nach Zack & Miri keinerlei Bedarf mehr, dies nachzuholen und würde Herrn Smith in meine „Uninteressant“-Schublade stecken und wohl nie wieder rausholen. Nun kenne ich seine Filme aber, liebe Clerks, Dogma und natürlich die Figuren Jay & Silent Bob, und bin dementsprechend maßlos enttäuscht. Hier herrscht lange Zeit Lachflaute und die erhoffte Revolution des Genres passiert auch nicht. Für letzteres kann der Film zwar wenig, aber in Zeiten von Apatow & Co. sollte man sich lieber zwei Mal überlegen, ob ein derart unspektakulärer Liebesstreifen so betitelt, besetzt und vermarktet werden sollte wie hier geschehen. Denn ganz klar: Zack and Miri make a Porno gibt sich bitterböse und versaut, bietet im Endeffekt aber nur durchschnittlichen Blümchensex, wie ihn die Filmografie von Kevin Smith sicher nicht gebraucht hätte.

EMDb – Rating: 2/5

Public Enemies

Und dann war da noch Public Enemies von Michael Mann, in dem Johnny Depp den Gangster John Dillinger mimt, der zusammen mit seiner Bande in den 1930er Jahren das US-Justizsystem vorführte und nebenbei der Geburtsstunde des FBI beiwohnen durfte. Tatsächlich ist dieser auf den wahren Begebenheiten basierende 140-Minuten-Film aber ein mal mehr die typische Geschichte zweier Männer, deren Lebenswege aufeinander treffen und dabei zielgerade auf die Katastrophe zusteuern. (Und wer dieser erliegt, entnehmen wir ganz einfach – und oh, wie langweilig – den Geschichtsbüchern…)

Während Johnny Depp dabei wie immer glänzt, kann zur Abwechslung auch mal Christian Bale mit seiner an Arbeitsverweigerung grenzenden Ausdrucksstärke punkten, denn zu der Figur des Dillinger jagenden FBI-Beamten passt sie diesmal tatsächlich. Und das ist auch das einzige was bei Public Enemies passt. Denn ansonsten ist der Film oberflächlich, seine Szenen und Einstellungen sind austauschbar und alles wirkt – weil irgendwer irgendwann mal gesagt hat, dass es so sein muss – wie eine bloße Aneinanderreihung von historischen Fakten. Da kommt kein „Feeling“ auf und für diese offensichtliche Diskrepanz zwischen Regiestuhl und Kinosessel sorgt hier meines Erachtens die Form selbst: Mann setzt nämlich in großen Teilen auf den Einsatz der (verwackelten) Handkamera, mit dem Ziel den Rezipienten mitten ins Geschehen zu versetzen. Das Gegenteil ist hier aber der Fall, denke ich: der Film sieht billig aus, ganz als würde man einer brasilianischen Tele Novela folgen. Ein in den 30ern angesiedeltes Gangsterepos stelle ich mir aber allein schon äußerlich ganz anders vor…

EMDb – Rating: 1,5/5

Und, liebe Leserinnen und Leser, was lernen wir aus dieser Geschichte von drei verheißungsvollen, aber enttäuschenden Filmen und einem überraschend guten Außenseiter? Dass die Marketingmaschinerie funktioniert. Oder unsere Erwartungen bei großen Namen zu groß sind. (Womit wir dann bei Inglourious Basterds wären…)

Review-Rundumschlag #3 (Teil 1)

Dieser Tage habe ich ja bedingt durch mein Streetart-Praktikum eher weniger Zeit ausführliche Filmrezensionen in die Tasten zu zimmern, weshalb ich im folgenden einmal mehr ein paar Filme etwas verkürzt abhandeln möchte. Und auch wenn es sich dabei um äußerst unterschiedliche Filme handelt, haben sie doch alle etwas gemein: nie habe ich das bekommen, was ich eigentlich erwartete…

Brüno

Brüno ist das quasi-Sequel zu Sacha Baron Cohens Überraschungs- und Achtungserfolg Borat von 2006. Wie schon im Film um den schrulligen, antisemitischen Journalisten aus Kasachstan handelt es sich auch bei Brüno um eine Mockumentary, die geskriptete Szenen mit solchen mischt, in denen unbeteiligte Dritte mit der Kunstfigur Brüno interagieren und ergo vorgeführt werden. Brüno ist dabei stockschwul, politisch unbedarft und immer nur auf seinen eigenen Vorteil aus, so dass er ähnlich viel Angriffsfläche wie Borat bietet, der Film aber dennoch nicht annähernd so gut wird. Das liegt vor allem am Drehbuch. Die Story ist wie im Vorgänger nur wenig interessant, nimmt aber einen Großteil der Spielzeit ein. Das größte Manko dabei ist jedoch, dass geskriptete und (vermeintlich) reale Ereignisse ineinander übergehen, so dass beim Zuschauer nicht der „Das kann doch nicht deren Ernst sein“-, sondern der „Fake“-Gedanke einsetzt. Natürlich finden sich dennoch einige großartige Momentaufnahmen, insgesamt ist der Auftritt des österreichischen Modejournalisten aber eher schwach.

(Dennoch fand ich die Botschaft ganz nett und mich würde mal interessieren, wie die Schwulenszene Brüno denn aufgenommen hat, falls da jemand mehr weiß…)

EMDb – Rating: 2/5

Selbst ist die Braut

Meistens versucht Mann den einschlägigen Romantic Comedies ja aus dem Weg zu gehen. Die Titel sind meist ein guter Indikator für ein vorausschauend ausgesprochenes „Schatz, geh besser mal mit ner Freundin in den Film“, aber manchmal kommt Mann dennoch nicht drumherum und findet sich plötzlich mit ein paar Leidensgenossen und deren besseren Hälften zum Pärchenabend im Kinosaal wieder. Während die Damen der schon 1000 Mal gesehenen Romanze erliegen, klammert Mann sich verzweifelt an das vorsorglich bestellte Bier und zieht sich geistig zu seinem Happy Place zurück.

Und genau das habe ich auch bei Selbst ist die Braut erwartet (dessen Originaltitel „The Proposal“ natürlich ungleich besser ist, weil ‚proposal‘ sowohl Angebot als auch Heiratsantrag bedeutet). Es geht jedenfalls darum, dass die erfolgreiche und von ihren Mitarbeitern gehasste Lektorin Margaret (Sandra Bullock) als Kanadierin ohne Aufenthaltsgenehmigung des Landes verwiesen werden soll, weshalb sie kurzerhand ihren Jahre jüngeren Assistenten Andrew (Ryan Reynolds) nötigt, sie zu heiraten. Der Deal: sie darf in den USA bleiben und er wird selbst zum Lektor befördert. Wenn da nur nicht das bevorstehende Wochenende bei seinen Eltern und die Untersuchung der Einwanderungsbehörde wären…

Wenngleich die Ausgangssituation hier zwar eine willkommene Abwechslung darstellt, bleibt sie dem Schema F zu Konstruktionen einer romantischen Komödie treu, was hier aber nicht weiter stört, denn schließlich ist der Weg das Ziel. Und dieser ist hier mit allerlei witzigen Dialogen, Slapstick-Einlagen und vor allem der wunderbaren Hassliebe der Protagonisten gespickt, so dass nicht nur unsere Frauen ihren Spaß haben werden. Überraschend gut, hätte ich nicht nie gedacht!

EMDb – Rating: 3/5

Warum auch Kevin Smiths „Zack and Miri make a Porno“ und Michael Manns „Public Enemies“ nicht meine Erwartungen erfüllten, steht (morgen übermorgen jetzt) im zweiten Teil dieses Rundumschlags.

Harry Potter 6 – Review

Mein erster Harry Potter, Teil 5, konnte mich vor zwei Jahren nicht wirklich überzeugen. Damals schrieb ich, dass der Film „erwartungsgemäß nur für Fans respektive Kenner der Materie und weniger als Standalone-Film für Potter-Noobs geeignet“ sei und war von der narrativen Langatmigkeit und dem unspektakulären Showdown bestenfalls gelangweilt. Seitdem hat sich viel getan: In den vergangenen Wochen habe ich durch weibliche Initiative und zur Vorbereitung auf Harry Potter und der Halbblutprinz sämtliche Potter-Filme erstmals bzw. Teil 5 erneut gesehen. Und es ist natürlich wie mit allen großen Geschichten: wenn man Ausgangspositionen, Zusammenhänge und Motivationen kennt, wird die Handlung packender. So auch geschehen bei Harry Potter und mir.1 Jetzt wo ich weiß, wo die Reise ungefähr hingeht, was Gryffindor und wer Tom Riddle ist und was es mit den Dementoren auf sich hat, interessiert mich das Treiben von Harry, Hermine und Ron2 natürlich umso mehr, so dass ich schließlich auch wirklich auf „den Halbblutprinz“ gespannt war.

Doch einiges hat sich auch nicht geändert: Daniel Radcliffes Spiel ist weiterhin begrenzt und die Wiedergabe der Story abermals überflüssig – denn entweder ist der Verlauf der Handlung eh bekannt oder ihr würdet eh kein Wort verstehen, womit wir auch beim Hauptmanko des Films wären. Drehbuchautor Steve Kloves hat sich nämlich dazu entschieden, den aktuellen Film soweit auf Vor-, also Buchkenntnis der Zuschauer herunterzubrechen, dass diejenigen, die nur mit den Filmen vertraut sind, das ein oder andere schlichtweg nicht verstehen oder zumindest übersehen werden. Dadurch verblasst die eigentliche Handlung des Films (das Wiedererstarken von Voldemort und seinen Todfressern, sowie Harrys Suche nach einem Weg Voldemort zu besiegen), weshalb vielerorts zu lesen ist, dass der Film lediglich ein großes Warten auf die finalen Teile 7 und 8 sei. Dass man da kurzerhand den Showdown aus dem sechsten Buch rausgekürzt hat und wohl im nächsten Film aufgreift, erscheint da nur konsequent. Schwache Enden gehören wohl zu Harry Potter wie das Grinsen zu Dreamworks.

Doch wenngleich „Der Halbblutprinz“ den narrativen Stillstand propagiert, ist er sehr unterhaltsam3. Was vor allem dem charmanten Coming of Age-Part zu schulden ist, in dem Hogwarts‘ Schüler noch mehr als bereits beim Orden des Phönix mit den Fragen „Wer mit wem?“ und „Warum?“ beschäftigt sind. Der von Rupert Grint verkörperte Ron fungiert hierbei als Comic Relief par excellence, so dass es eine wahre Freude ist, ihm zuzusehen und selbst Radcliffe hat in seinem albernsten, von Drogen beeinflussten Moment seinen größten Auftritt. Abgerundet wird der Cast von den wirklich guten bis teilweise überragenden anderen (Emma Watson…) und älteren Schauspielern (Michael Gambon, Helena Bonham Carter…). Schließlich besticht der Film noch durch seine fantastischen Bilder und eine überragende, atmosphärische Tonebene, die fast schon alleine den Kinobesuch rechtfertigen.

Kurzum: trotz der erwähnten Schwächen, der vielleicht bisher beste Potter4, an dem sich die zwei Heiligtümer des Todes erstmal werden messen müssen.

EMDb – Rating: 3/5

  1. Auch wenn gerade die Filme unter Chris Columbus, der auch für die unsäglichen Fantastic Four-Verfilmungen mitverantwortlich war, harte Kost sind… []
  2. … und natürlich Neville! []
  3. Hier bei Bedarf das warnende „für Fans und Kenner der Materie“ einsetzen! []
  4. Ich schwanke noch zwischen 6 und meinem bisherigen Favoriten 4… []

The Hangover – Review

Heute startet The Hangover, den ich wie bereits erwähnt schon vor zwei Wochen sehen durfte, in den deutschen Kinos. Und wie meine Follower und aufmerksame Leser dieses Blogs bereits wissen, hat mir Todd Phillips‘ neue Komödie1 ausgesprochen gut gefallen. Aber, fragt ihr zu Recht, warum eigentlich?

Handlungstechnisch wurde das Rad zwar keineswegs neu erfunden2, aber der Ausgangspunkt ist durchaus interessant (und ja, für den ein oder anderen Rezipienten hat er sicherlich auch Identifikationscharakter): Bevor ein Viertel einer Männerclique vor den Traualtar tritt, wird er von seinen drei Freunden geschnappt und über’s Wochenende nach Las Vegas gekarrt, wo ausgelassenes Feiern und exzessiver Alkoholkonsum auf der Agenda stehen. Schließlich will die letzte Nacht „in Freiheit“ gefeiert werden und dann macht’s auch nichts, wenn man am nächsten Morgen mit intensivem Kater aufwacht. Doch irgendwie gerät der Junggesellenabschied der Vier außer Kontrolle3: am nächsten Morgen ist das Hotelzimmer in seine Einzelteile zerlegt, der Bräutigam ist verschwunden, im Badezimmer brüllt ein Tiger, im Schrank ein Baby, Gangster und Mike Tyson haben es gleichsam auf sie abgesehen und zu allem Überfluss erinnern sie sich an rein gar nichts. Dass das geliebte Auto des Schwiegervater in spe verschwunden, man dafür aber im Besitz eines Streifenwagens ist, stört da auch nicht weiter. Erstmal muss nämlich Schadensbegrenzung betrieben, die Nacht rekonstruiert und vor allem der Bräutigam werden.

Das ganze erreicht eine herrliche Absurdität, weiß oft zu überraschen und ist wunderbar gespielt, wobei vor allem Zach Galifianakis als skurriler Schwager Alan zu überzeugen weiß. Im Preview war gar vor lauter Lachen teilweise kein Wort mehr zu verstehen und das, wenn wir mal davon ausgehen, dass nicht nur Bild.de-Publikum vor Ort war, soll schon was heißen.

Bei all den positiven Eindrücken reicht es dennoch nicht für viereinhalb oder sogar die volle Wertung, weil sich dennoch einige Kritikpunkte ansammeln. So fügen sich einige Szenen einfach nicht in die Rahmenhandlung ein, wirken aufgesetzt und wären anderswo sicherlich der Schere zum Opfer gefallen (bspw. die Polizei-Taser-Szene). Generell verliert der Film in seiner zweiten Hälfte einiges an Tempo und Schlagfertigkeit und versöhnt bzw. verhöhnt den Zuschauer schlussendlich mit einem zu friedfertigen Happy End. Hätte sich The Hangover von diesem vermeintlichen Muss befreien können, wäre da sicherlich mehr und vor allem Tiefe drin gewesen. Schade. Dennoch eine feine, anstandslose Komödie, die einem überaus unterhaltsame anderthalb Stunden Chaos beschert.

Empfehlung für alle Anwesenden!

EMDb – Rating: 4/5

  1. Der Mann ist ein wahrer Quell einschlägiger Komödien: Regisseur von Road Trip, Old School, Starsky & Hutch, Autor von Borat… []
  2. Siehe den Vergleich mit Ey Mann – Wo is‘ mein Auto? []
  3. Also noch mehr als es eh schon bei solchen Feierlichkeiten der Fall ist… []

Michael Bay ist ein 13 jähriger Junge

Ein Vogel? Ein Flugzeug? Superman? Oder ist das etwa … nein, das kann doch nicht sein?! Aber doch: Verehrte Damen und Herren, liebe Kinder, der anzüglichste antizyklischste unter den Filmbloggern ist wieder da und liefert sensationelle dreiundzwanzig Tage nachdem er Transformers 2 gar an einem Premieren-Mittwoch rezipiert hat, endlich das Review zu selbigem nach, womit er endlich wieder up-to-date ist, was sein Kinolog betrifft (und hey, vielleicht wollen sich den Film ja einige von euch noch am Kinotag geben oder falls schon gesehen, mir die Birne abreißen oder nickend zustimmen…).

„Transformers 2: Die Rache“ also, der neue Film Michael „Bamm-Bamm“ Bay, dem Meister der gepflegten Explosion und der überaus seichten Story. So auch hier: Die Decepticons, die vor zwei Jahren von den Autobots besiegt wurden, wollen sich rächen. Dazu reaktivieren sie ihren im Meer versunkenen Anführer Megatron und schon kann die Schlacht gegen Optimus Primes Autobots, die mittlerweile eine geheime Spezialeinheit der US-Regierung bilden, beginnen. Derweil kommt der menschlische Transformerfreund Sam Witwicky (Shia LaBeouf) in die Pubertät und sieht fortwährend komische Schriftzeichen.1

Das klingt zwar etwas wirr, steht dem Rest des Films damit aber in nichts nach. Denn gäbe man einem 13 jährigen Jungen 194 Millionen Dollar in die Hand und würde ihn beauftragen, einen Actionfilm mit kämpfenden Robotern zu produzieren, dann würde der Junge, Sklave seines Testosterons, genau diesen Film produzieren: riesige Transformers in einem nie gekannten Ausmaß, Explosionen und anderen Action-Spökes wo man nur hinsieht, eine Story, die sich in all ihren Superlativen, zu oft verrennt2 und natürlich eine Megan Fox, deren Flucht im weißen Trägertop mit Hauptaugenmerk auf ihre hüpfenden, sekundären Geschlechtsmerkmale in Zeitlupe (!) gefilmt wird. Abgerundet wird das alles ganz konsequent mit einer ordentlichen Prise Pubertärhumor von schwingenden Robotorklöten bis hin zu Fox anbumsenden Minirobotern.

Aber: Roboter und Effekte sehen fantastisch und nochmal um einiges besser als im ersten Transformers aus, der Dampfhammerhumor zündet dann und wann tatsächlich3 und sogar Sektor-7-Witzfigur John Turturro hat seine guten Momente, so dass ich mich im Endeffekt – trotz obiger Kritikpunkte und einiger Längen – gut unterhalten fühlte. Und genau das soll hier ja auch der Standard zur Punktevergabe sein, weshalb ich den Film wohl besser bewerte als viele meiner professionellen und semi-professionellen Kritikerkollegen. (Aber mir doch egal…)

EMDb – Rating: 3/5

  1. Aber erinnern wir uns an unsere eigene Jugend zurück: das ist doch ganz normal… []
  2. Dass die Handlung so überaus zäh und unlogisch ist, verwundert vor allem wenn man bedenkt, dass hier mit Orci und Kurtzman die selben Autoren am Werk waren, die uns mit dem neuen Star Trek den besten Blockbuster der letzten Monate bescherten. []
  3. Ein kleiner 13 jähriger steckt doch in uns allen! []

Eine kleine Abrechnung mit dem fiktionalen Universum des Terminators

Auch die Geschichte des Terminators ist eine Geschichte voller Missverständnisse: Arnold Schwarzenegger, der zuvor bereits in Herkules in New York und Conan der Barbar durch seine schauspielerische Ab- und seine körperliche Anwesenheit auf der Leinwand glänzte, wird als unzerstörbare Killermaschine gecastet und soll den ersten einer ganzen Reihe von so genannten Terminatoren zu seinem Besten geben. Wie bei den bereits genannten Filmen durfte man auch beim Terminator überrascht sein, wie gut Schwarzeneggers Körperlichkeit den personifizierten Einfallspinsel darzustellen vermag. Und ja, seien wir ehrlich, gerade Arnies Manko machte den Reiz des Terminators aus: ein gefühlloses Ungetüm, das in seinem todbringenden Feldzug nicht zu stoppen ist. Perfektioniert wurde das ganze spätestens in Terminator 2 vom nicht ganz so körperlich präsenten Robert Patrick als T-1000 und Kontrahent von Arnie. Dass die Logik dabei das ein oder andere Mal auf der Strecke bleibt, ließ sich verkraften, denn hey, ein praktisch unzerstörbarer Roboter auf Menschenjagd? Das kann nur gut gehen! Ein, zwei Mal.

Doch dann treten andere Endzeitvisionen auf den Plan. Endzeitvisionen á la Matrix, in denen ebenfalls Krieg zwischen Mensch und Maschine herrscht – nur wissen hier sowohl Maschinen als auch Autoren, wie man’s richtig anstellt1. Skynets nächster Versuch John Connor zu terminieren, geht dementsprechend & erwartungsgemäß in die filmische Hose. Aber kein Grund aufzugeben!2 Gute und weniger gute Ideen sind nämlich auch in der Traumfabrik rar gesät, warum also nicht weiter auf der verhältnismäßig unterentwickelten Terminator-Fiktion beharren? Womit wir beim vierten Teil der Serie und dem Anfang einer neuen Trilogie wären: Terminator: Die Erlösung featuring everybody’s favorite Batman als John Connor und neuerdings einem Mensch-Maschine-Hybriden, der die Entscheidung für und gegen eine Seite treffen muss. Plaziert wird das alles in der Jetztzeit der Terminatoren, in der ein Überbleibsel der Menschheit zum vermeintlich letzten großen Schlag ansetzt.

Quasi genau das, was sich jeder Terminator-Fan inklusive meiner Wenigkeit seit je her gewünscht hat: Skynet beherrscht die Welt und John Connor führt das letzte bisschen Menschheit in ihrem schwersten Kampf an. — Und trotzdem funktioniert’s nicht, was meines Erachtens daran liegt, dass man genau das Gegenteil von dem macht, was die Vorgänger ausgemacht hat und oben beschrieben wurde. Anstelle seelenloser Exekutionsmaschinen gibt’s hier mit Marcus einen semi-sympathischen Hybriden, der zuviel Herz zeigt, und einen abgebufften, absolut unsympathischen John Connor, gespielt von einem außerordentlich schwachen Bale, bei dem es mir nicht weniger als scheißegal ist, ob er Skynet irgendwann mal in den kommenden Teilen besiegt oder nicht.

Die CGI-Effekte sind standesgemäß, hauen aber gerade angesichts eines neuen Transformers niemanden vom kinosesselförmigen Hocker. Ebenso wenig der Verlauf der Story. Spannung kommt wenn nur versehentlich auf und der Schrecken vor dem Terminator, wie er in Teil 1 und 2 herrschte, ist trotz Arnie-Look-a-like nicht vorhanden. Womit wir beim größten Schwachpunkt von Salvation wären: PG-13. Hallo? Wenn ich einen Terminator sehe, will ich, dass die Fetzen fliegen. Wenn einer der Metalkolosse zuhaut, müssen Menschenknochen zerbersten! Hier jedoch nichts davon; die Terminators sind so angsteinflößend wie Hütchenspieler. Nein, das hat nichts mehr mit meinem Terminator zu tun…3

EMDb – Rating: 1,5/5

  1. Also zumindest der erste Teil der Matrix ist plausibler als alles, was das Terminator-Universum je zustande gebracht hat. []
  2. Die TV-Serie Sarah Connor Chronicles hab ich leider noch nicht gesehen, daher beziehe ich mich in meiner Kritik nur auf die Kinofilme. []
  3. Übrig bleibt ein durchschnittlicher SciFi-Streifen, der, ließe man seine filmische Vergangenheit außen vor, vielleicht ein Pünktchen mehr verdient hätte. []

Der Geist der vergangenen Freundin

Man kennt das ja: die Mädels sehen sich gerne Romantic Comedies an, wir Jungs stehen auf Brachialgewalt, Autos und, ja, Möpse1 (womit wir bei Transformers 2 wären, aber das Review kommt später). Umso verwunderlicher also, wenn einer meiner männlichen Freunde mich auf einen dieser vermeintlichen „Mädchen-Filme“ aufmerksam macht und empfiehlt die Freundin dahin auszuführen, weil die auf jeden Fall ihren Herzschmerz-Spaß haben wird, ich mich aber auch richtig amüsieren werde2. So geschehen bei Der Womanizer. Also die Freundin eingepackt und ab ging’s ins hiesige Kino.

Und das gab’s zu sehen: Connor Mead (Matthew McConaughey) ist Frauenheld aus Überzeugung, beendet schon mal drei parallel stattfindende Beziehungen per iChat-Konferenz und frönt ansonsten seinem extravaganten Leben als Mode- und Celebrity-Fotograf. Dass sein kleiner Bruder kurz davor ist, vor den Traualtar zu treten, verläuft daher natürlich völlig konträr zu seinem Lebensstil. Also macht Connor sich auf, seinen Bruder zur Vernunft zu bringen und die Ehe zu vereiteln. Vor Ort angekommen gelingt ihm das zunächst ganz gut. Nur die Anwesenheit seiner Jugendliebe Jenny (Jennifer Garner) als Brautjungfer setzt ihm etwas zu. Das verändert sich schlagartig als Connor auf den Geist seines verstorbenen Onkels Wayne (Michael Douglas) trifft, der ihn nach dem Tod seiner Eltern aufgenommen und zu dem gemacht hat, was er heute ist. Nun aber schickt eben dieser Onkel Wayne ihm den Geist der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht Freundin vorbei, damit Connor doch noch die Kurve kriegt und nicht wie einst Wayne als einsamer Playboy altern muss…

Der Womanizer ist in jeder Hinsicht ein zweischneidiges Schwert. Zum einen ist’s das übliche, wohl romantische Hin und Her, dass die Frauen unter uns schon im Schlaf runterbeten können, aber anbetracht des Erfolgs dieser Filme scheinen sie dies ja äußerst gerne zu tun. Sicherlich haben diese Filme zwar auch ihre Daseinsberechtigung, wären hier aber nicht weiter der Rede wert.

Womit wir bei der anderen Seite der, so die deutsche Tagline, „Nacht der Ex-Freundinnen“ wären: What the fuck? Ein toter Playboy-Onkel, der von niemand geringerem als Michael Douglas verkörpert wird und seinen zuvor so selbstsicheren und -bewussten Neffen mit drei Geistern vor dem Verderben retten will und dabei fast in den Wahnsinn treibt? Seriously? Klingt wie Ende der 80er, prädestiniert zum Recycling im werktäglichen Sat.1-Abendprogramm. Aber gerade das, denke ich, ist es, was den Reiz des Films ausmacht: Ich habe den Film völlig unwissend, um seine Handlung, lediglich wegen der Empfehlung angesehen und ständig schwirrte mir ein „Das kann doch nicht deren ernst sein?“ durch den Kopf. Und das, liebe Filmschaffende, kann manchmal auch etwas gutes bedeuten. Was es hier tat. (Dass Der Womanizer letztendlich doch wieder in die altbekannten Handlungsmuster verfällt, ist zwar schade, aber hey: der Weg ist das Ziel.)

EMDb – Rating: 3/5

  1. eayz.net – Puts the Quality back in Film Reviews! []
  2. Und das ohne Hugh Grant, der zumindest für mich schon einige dieser herzzerreißenden Komödien ins überaus Erträgliche gerettet hat. []