#fantasy

King Arthur: Legend of the Sword

Nach den unsäglichen »Sherlock Holmes«-Verfilmungen nimmt sich Guy Ritchie der nächsten klassischen, gar klassischsten, britischen Heldenfigur an: König Arthur. Sein Arthur hat dabei wenig mit der Artussage zu tun, aus der er nur ein paar Figuren und Motive abgreift. Stattdessen inszeniert Ritchie »King Arthur: Legend of the Sword« als alternative Origin-Story, in der ein verwaister, nicht um seinen Stammbaum wissender Arthur widerwillig vom Bordellbetreiber zum König aufsteigt. Direkt aus dem »Herr der Ringe« kommen – Flashback if you use it – Excalibur, das Schwert to rule them all, und die magisch beschworenen Riesentiere, die es zwischendurch immer wieder zu bekämpfen gilt. Dazu gibt’s stimmigen Folk-Rock und Ritchie’eske Heist-Montagen, die den Eindruck vermitteln, dass man hier vielmehr einen mittelalterlichen Gangster-Streifen guckt, anstatt den Auftakt von Warner Bros.‘ neuem, bei Erfolg sechsteiligem (!) »Knights of the Roundtable«-Filmuniversum.

Ich für meinen Teil hätte erstmal auch nichts dagegen. »King Arthur« hat für mich als wenig tiefsinniger Fantasy-Action-Hybrid bestens funktioniert, Stichwort: Popcornkino. Ritchies Stil ist dabei eine willkommene Abwechslung zum seelenlosen Geplänkel der Konkurrenz und mir allemal lieber als die drölfte Fassung eines »Fluch der Karibik«. 

Rating: 3.5/5

»Exordium«, rotoskopierter Fantasy-Short

 
(YouTube Direktlink)

Wer nach/vor/statt dem/des Hobbit/s mehr/andere Fantasy braucht, dem sei der rund 8 Minuten lange Animationskurzfilm »Exordium« von Gorgonaut empfohlen. Mittels Rotoskopie haben Morgan Galen King und seine Mannen dem Kurzfilm, in dem wenige überlebende Krieger mit einem übermächtigen Gegner konfrontiert werden, einen ganz besonderen, anderen Look verliehen, wie man ihn dieser Tage selten zu sehen bekommt. Hier ein Bild des Rotoskopie-Verfahrens und hier noch ihr Erstling »Mongrel & The Wrath of the Ape King«, der technisch aber noch nicht ganz so ausgereift ist. (via Super Punch)

Game of Thrones: Sportlogos und RPG

Gerade haben wir die zweite Staffel von »Game of Thrones« zu Ende geschaut1, waren sehr davon angetan und können es nun kaum verkraften, dass wir noch bis April nächsten Jahres warten müssen, um zu erfahren, wie es weitergeht. Machen wir also das, was wir hier immer so machen, wenn wir auf etwas warten: drüber bloggen.

Wie passend also, dass diese Woche zwei besonders sehenswerte »Game of Thrones«-Fan-Artworks in meinem Feedreader aufgepoppt sind: Zum einen hat nämlich Society6-User Vanadium zu jedem Haus ein passendes und extrem schickes Sports Team-Logo entworfen, zum anderen hat Pixelart-Koryphäe Doctor Octoroc, der auch schon für die genialen Verpixelungsfilmchen von Battlestar Galactica und Dr. Horrible verantwortlich war, ein sehr unterhaltsames und sehr spoilerhaltiges Fake-RPG zur zweiten GoT-Staffel gemacht, das ihr euch im folgenden ansehen könnt (das zur ersten Staffel findet ihr hier).

[CollegeHumor Direktrpg]

Dass es die Sportlogos auch auf Shirts und Hoodies gibt, ist für meinen PayPal-Kontostand jedenfalls nicht sonderlich förderlich.2 (via Laughing Squid & Mister Honk)

  1. Warum erst jetzt? Wir haben zunächst auf die deutsche Fassung der zweiten Staffel gewartet, dann die ersten fünf Folgen bei Sky Atlantic HD geguckt und es dann nicht mehr aushalten können, so dass wir zur englischen Fassung geswitcht sind…
  2. Ich denke, es wird Team Lannister – wegen Tyrion, klar.

Review: John Carter – Zwischen zwei Welten

Bevor ich »John Carter« im Kino sah, hatte ich keine Ahnung von der Materie. Nur vom Hickhack, das um die Verfilmung gemacht wurde, hatte ich dann und wann etwas mitbekommen.

Erstmals sollte Edgar Rice Burroughs Romanserie um John Carter, die in ihrer ursprünglichen Magazinform zwischen 1912 und 1943 erschien, nämlich bereits in den 1930er Jahren von MGM als Animationsfilm verfilmt werden. Doch nach weniger erfolgreichen Testscreenings verlor MGM Vertrauen in eine SciFi-Produktion – woraufhin Universal mit dem Flash Gordon Serial ironischerweise große Erfolge feierte. In den 80ern kaufte Disney dann die Rechte, um einen Konkurrenten zu Conan und Star Wars aufzubauen. Tom Cruise wurde als Hauptrolle gehandelt. Doch nachdem die Rechte wegen Disneys Nichtstun zurück an Borroughs Erben gingen, ging der Irrsinn weiter: Nach Lektüre der Biografie von Filmgeek Harry Knowles (von Ain’t It Cool News) wollte sich Paramount-Produzent James Jacks (»Die Mumie«) John Carter annehmen. Aus einem Bidding war1 mit Columbia um die Rechte ging Paramount schließlich als Sieger hervor und kann 2004 sogar Robert Rodriguez als Regisseur gewinnen. Dieser tritt jedoch wegen Ärger mit der Directors Guild of America aus selbiger aus und da Paramount nur DGA-Regisseure beschäftigen darf, lag das Projekt erstmal auf Eis. 2005 sollte dann Jon Favreau übernehmen, bestand aber darauf, weniger auf CGI als vielmehr auf klassische Effekte und Makeup zu setzen. 2006 wurde es Paramount dann doch zu bunt, man gibt »Star Trek« den Vorzug, und Favreau zieht weiter zu »Iron Man«, womit ihm dann der große Durchbruch gelingt.

2007 ersteht Disney schließlich erneut die Rechte und leiht sich aus der hauseigenen Gelddruckerei2 den »Findet Nemo«- und »Wall-E«-Regisseur Andrew Stanton aus, um John Carter vom Mars endlich, endlich auf die Leinwand zu bannen. Stanton bekommt daraufhin eine Viertel Milliarde Dollar an die Hand und schickt den amerikanischen Bürgerkriegsveteranen John Carter (gespielt von Taylor Kitsch), der eigentlich nur eine Höhle voller Gold sucht und sich ansonsten aus allem heraushalten will, auf den Mars. Während Carter versucht zu verstehen, an welch merkwürdigem, von Menschen- und Marsmännchen-ähnlichen Völkern bewohnten Ort er sich da eigentlich befindet, passiert es dann doch wieder: Der mürrische Carter gerät zwischen die Fronten. Klar, dass er sich auf die Seite des Volkes mit der hübschesten (und menschlichsten) Prinzessin schlägt und 132 Minuten später der gefeierte und nicht mehr ganz so mürrische Marsheld ist.3 In der Zwischenzeit wird uns der Konflikt von „Barsoom“, so wird der Mars von den Marsianern genannt, näher gebracht, der den Planeten langsam aber sicher sterben lässt. Wir erfahren, dass dunkle Mächte für diese Entwicklungen verantwortlich sind und lernen immer mal wieder ein paar CGI-Figuren und -Monster kennen, die immerhin mehr Na´vi und weniger Gungans sind. Hinzu kommen Steampunk-ähnliche Flugschiffe, über die John Carter genauso verblüfft ist, wie die Prinzessin vom Mars über irdische Schiffe, die sich auf dem Wasser fortbewegen. Eine interessante, zu Beginn überaus amüsante und schlussendlich grandiose Rahmenhandlung erklärt, warum und wie Carter von der Erde nach Barsoom kam.

Aus all dem kreieren Stanton & Co. eine glaubhafte Welt mit liebenswerten CGI- und Nicht-CGI-Figuren, einem charismatischen Helden und einer ausreichend spannenden Story. Der einzige große Kritikpunkt, der eigentlich gar keiner ist: All das hat man schon mal irgendwo anders gesehen. Auf Tatooine, auf Pandora, auf Arrakis und irgendwo dazwischen. Kein Wunder: Burroughs Barsoom-Serie hat so ziemlich alle fantastischen Science-Fiction-Werke, die wir kennen und lieben beeinflusst. James Cameron verriet, dass er sich bei den Tharks für die Na´vi hat inspirieren lassen. Frank Herbert ist es so ergangen, ebenso wie George Lucas. Man kann den Einfluss von Burroughs Schundromanen auf die Macher unserer heutigen Popkultur eigentlich nicht zu hoch einschätzen. Die Konsequenz: Die Arena in »John Carter» sieht der Arena in »Episode II« sieht der Arena in Burroughs Büchern sehr ähnlich. »John Carter« nun vorzuwerfen, er wäre ein billiger Abklatsch, ist also mehr als unberechtigt. Schließlich funktioniert das alles auf Barsoom, im Film.

Wenn man jetzt noch davon absieht, dass Carters Entwicklung zwischenzeitlich etwas zu schnell abläuft, der Soundtrack zwar solide aber beim Verlassen des Kino sofort vergessen ist und man mit Mark Strong auf Hollywoods Bösewichtfertiggericht gesetzt hat, muss ich sagen, dass ich überraschenderweise überaus begeistert war. George Lucas hat im Rahmen seiner Promotiontour zu »Red Tails« gesagt, dass der WW2-Fliegerfilm „as close as you’ll ever get to Episode 7“ wäre. Ich würde sogar soweit gehen – auch wenn ich nun ein gefährliches, verachtetes Leben führe – und sagen, dass das »John Carter« ist. »John Carter« ist der Star Wars-ähnlichste Film, den ich in den letzten Jahrzehnten gesehen habe. Und das sage ich ganz objektiv als größter Star Wars-Fan auf dieser Webseite. Ist »John Carter« so gut wie (irgendein alter) Star Wars? Nein. So gut wie »Avatar«? Nein. Aber die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Wäre ich zum Zeitpunkt der Sichtung 13 Jahre alt gewesen (und nicht 13×2+1), hätte ich den Film ohne jeden Zweifel geliebt. Und immerhin kann ich auch heute noch erkennen, warum.

Daher ist es auch eine Schande, dass Stanton mit dem Unterfangen Disneys neuestes SciFi-Franchise zu erschaffen, – das können wir zwei Wochen nach dem weltweiten Kinostart leider mit Fug und Recht sagen – gescheitert ist4. Auch wenn »John Carter« international um ein Vielfaches erfolgreicher war als in den USA: Die Hoffnung auf ein Sequel, das der Film definitiv in die Wege leitet und an dem Stanton bereits arbeiten soll, stirbt im Angesicht von 200 Millionen Miesen bei Disney augenblicklich. Eine Schande. Ich wäre so gerne nach Barsoom zurückgekehrt.

EMDb – Rating: 4,5/5

  1. „MORE than one studio wants to buy your movie. Then you get to hear two of the most wonderful words you can hear as a writer: Bidding war! Woo-hoo! Two studios (or, super woo-hoo, more than two studios) have to outbid each other for your movie. And that´s superfun. Then who knows—the sky is the limit.“ aus Writing Movies for Fun and Profit von Robert Ben Garant and Thomas Lennon. Lese ich gerade, bisher sehr gut.
  2. also known as Pixar.
  3. Seriously: Wer jetzt „SPOILER!!!“ ruft, hat bisher nichts verstanden.
  4. Wie zuvor schon sein Kollege Joseph Kosinski mit dem unsäglichen »Tron: Legacy«, wo das Scheitern jedoch vollkommen gerechtfertigt war.

Review-Rundumschlag #16

So, liebe Filmfreunde, die Sommerpause ist beendet – es kommen wieder Film-Reviews. Den Anfang machen zwei halbwegs alte Schinken, namentlich »Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2« und »Green Lantern«, und dann kämpfe ich mich zu den aktuellen Neustarts vor.1

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2

Harry und ich hatten es nie leicht. Als Klassenkameraden, wobei das, wenn ich mich richtig erinnere, fast ausschließlich Klassenkameradinnen waren, die Bücher für sich entdeckten, interessierte ich mich für alles, nur eben nicht für schwächliche Zauberlehrlinge. Jahre später hatte sich das zugegebenermaßen kaum geändert, aber die damalige (und hey, bis dato aktuelle) bessere Hälfte bestand darauf, dass wir uns »Harry Potter und der Orden des Phönix« im nächstgelegenen Lichtspielhaus ansahen. Auch wenn ich dem ganzen Zauberzirkus zu diesem Zeitpunkt weiterhin nichts abgewinnen konnte, sah ich – eventuell durch die Begeisterung der besagten besseren Hälfte angefixt – doch ein gewisses Potential in den Abenteuern von Harry, Ron und Hermine.2 So gab ich mir schließlich auch die vorherigen Teile und angereichert durch das Buchwissen der Freundin war ich spätestens beim Halbblutprinz wirklich interessiert und nach dem ersten Heiligtümer des Todes tatsächlich Feuer und Flamme.

Man kann also sagen, ich habe mich auf das Finale gefreut. Schließlich habe ich in all den Reviews immer wieder das Fehlen eines standesgemäßen Showdowns bemängelt und den sah ich nun in »Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2« endlich, endlich auf mich zukommen. Und siehe da (Achtung, Mini-Spoiler!): Die Schlacht um Hogwards war tatsächlich genau so episch, wie ich sie mir in meinen kühnsten Zauberlehrlingsfantasien ausgemalt habe. Doch dann, das finale Finale, der ultimative Kampf zwischen Voldemort und Harry, ging ja mal gehörig daneben. Was für ein Scheiß: Da kämpft der Auserwählte gegen den mächtigsten und bösesten Zauberer aller Zeiten und, flutsch, das wars. Friede, Freude, Butterbier nach gefühlten dreißig Sekunden. Das ist ja so als würde das neueste Mitglied des Green Lantern Corps. die größte Bedrohung, der das Universum je ausgesetzt war, so mir nichts, dir nichts zur Strecke bringen! … Moment, das war ein anderer Film. Zurück zu Harry und dem miesesten Endkampf, der je auf Film gebannt wurde.

Okay, das ist vielleicht was hart, aber dafür ist der Rest ganz nett anzusehen. Denn abgesehen vom schwachen Ende ist der Film ein durchaus gelungener Abschied von einem (auch von mir) liebgewonnen Franchise. Und das Ende nach dem Ende fand ich auch irgendwie gut.

EMDb – Rating: 3/5

Green Lantern

Auch wenn ich in den letzten Jahren immer weniger Superheldencomics gelesen habe, bleibt ein Naturgesetz für mich alten DC-Fanboy natürlich unumstößlich: meine Superhelden-Nummer-Eins bleibt auf ewig Batman, die Nummer Zwei Green Lantern – erst danach kommen die Supermannen und -frauen von Marvel, Image & Co., sowie die restliche DC-Schickeria. Einer Green Lantern-Verfilmung fiebere ich also bereits seit Anbeginn der Zeit entgegen, wenngleich mir die Cheesiness des Stoffs ständig bewusst war. Doch DC und Warner brauchen verfilmte Superhelden, denn während Marvel einen Erfolg an den nächsten reiht, läuft im Hause DC lediglich der dunkle Ritter. Der zugegebenermaßen fast schon besser als alle Marvel-Filme zusammen, aber es müssen neue Filme, neue Actionfiguren, neue Comicleser her. Also trotzt man Aliens und Farblehre und steckt kurzerhand Ryan Reynolds ins grüne CGI-Kostüm. Die Space Opera kann beginnen!

Die Story von »Green Lantern« ist dabei hinlänglich bekannt: Der selbstsichere und von Selbstzweifeln geplagte (yes, I know) Hal Jordan erhält vom grünsten aller Green Lanterns, Abin Sur, einen grünen Power Ring samt Power Battery und nachdem er den Power Schwur geleistet hat, findet er sich auch schon auf Oa, dem Heimatplaneten der Guardians und dem Hauptquartier des Green Lantern Corps., wieder. Nach (leider viel zu) kurzem Training mit Kilowog erfährt er dort von Parallax, der größten Bedrohung der das Universum jemals ausgesetzt war. 60 Minuten später stellt eben dieser Parallax für unseren – höhö – Grünschnabel allerdings kein unlösbares Problem mehr dar und man bleibt ungläubig und erschlagen im Kinositz sitzen, sofern man denn auch nur den Hauch einer Ahnung hatte, wie das alles tatsächlich und besser hätte ablaufen können und müssen

Wenn man allerdings keine Ahnung hatte, so konnte ich es an meinen Freunden beobachten, ist »Green Lantern« durchaus okay. Halt so wie eine schlechtere Marvel-Verfilmung (aber immer noch besser als »Thor«). Dabei war beileibe nicht alles schlecht: Mark Strong, Hollywoods total überschätzter 08/15-Bösewicht, war als Sinestro ganz ansehnlich, Peter Sarsgaard, als Hector Hammond leider zum überflüssigen Nebendarsteller verkommen, war richtig gut und selbst Ryan Reynolds, mein rotes Tuch, war nicht so schlecht, wie es seine bisherige Karriere befürchten ließ. Selbst das CGI-Kostüm war – bis auf die Maske – in Ordnung und sogar vom Ring erzeugte Waffen usw. wirkten richtig cool.

Dennoch: Insgesamt war das zu wenig. »Green Lantern« sollte DCs »Iron Man« werden, das war fortwährend zu spüren. Jedoch ist Ryan Reynolds nicht mal annähernd so cool wie Robert Downey Jr. (wenngleich Hal Jordan es natürlich jederzeit mit Tony Stark aufnehmen kann), der ständige Wechsel zwischen den Welten funktioniert genau so gut wie bei »Thor« – nämlich gar nicht -, und bis zum Schluss weiß man nicht, was der Film eigentlich will: Eine Superhelden-Origin-Story sein? Von seinem größten Abenteuer erzählen? Einen auf »Space-Avatar« machen? Oder einfach nur Spielzeug verkaufen?

Ein bisschen mehr »Batman Begins«, sprich: von allem ein bisschen weniger, hätte dem ganzen mehr als gut getan.

EMDb – Rating: 1,5/5

  1. Viel wichtiger aber folgende Frage: Was mache ich mit all den Filmen von Januar bis Juni, die ich nicht rezensiert habe? Wäret ihr mit einem ultimativen Review-Rundumschlag der ersten Jahreshälfte einverstanden, in dem ich all die Filme mit nur einem Satz abhandele? Oder ist’s euch schlichtweg egal? (Geheimtipp: mir nicht.)
  2. Die Heldenreise bleibt halt die Heldenreise bleibt halt die Heldenreise.

Review-Rundumschlag #14 ¼

Bevor ich zum großen Oscar- und Blockbuster-Kino (und schließlich meiner Oscar-Prognose!) komme, hier noch die letzten Review-Schnellschüsse. Diesmal mit dabei der Zugthriller »Unstoppable«, das Politmischmasch »Fair Game«, die Fantasyschmu »Narnia 3« und der Familienwitz »Meine Frau, unsere Kinder und ich«.

Unstoppable

Eigentlich klingt »Unstoppable – Außer Kontrolle« wie der lächerlichste Actionfilm aller Zeiten: Ein mit gefährlichen Chemikalien befüllter, unbemannter Güterzug macht sich selbstständig und rast übers amerikanische Schienennetz. Niemand kann ihn stoppen. Doch Gott sie dank gibt es da diesen alten, abgebrühten von Denzel Washington gespielten Lokführer und seinen jungen, tollkühnen, von Chris Pine gespielten Kollegen, die auf einem ebenso schwerfälligen Güterzug die Jagd auf die „tickende Zeitbombe“ aufnehmen. Oh my, was habe ich Tränen beim Trailer gelacht! Nur um dann eines besseren belehrt zu werden: Altmeister Tony Scott beweist, dass er selbst aus dem zähsten Stoff eine action- und vor allem spannungsgeladene Achterbahnfahrt machen kann. Dass sich dabei dann auch ein paar Polizeiautos überschlagen, ist Ehrensache und wirkt tatsächlich weit weniger trashig als man sich das bei einem Actionfilm, dessen Grundkonstellation bereits durch die Erfindung der Schranke einiges an Potential einbüßt, vorstellt. Kurzum: Nichts weltbewegendes, dafür aber sehr, sehr grundsolide Actionkost.

EMDb – Rating: 3/5

Fair Game

Trotz geschickt gestreuter Fehlinformationen seitens der Werbung darf man sich nicht darüber hinweg täuschen lassen: »Fair Game«, „der neue Thriller von Die Bourne Identität-Regisseur Doug Liman“, ist eins dieser zutiefst US-amerikanischen Politdramen, für die sich hier hierzulande höchstens ein paar Politikstudenten und Verschwörungstheoretiker interessieren. Denn erzählt wird nicht weniger als eine tatsächliche so stattgefundene Verschwörung bei der CIA, in der plötzlich das Privatleben einer in Ungnade gefallenen Agentin öffentlich durchleuchtet wird. Perfekter Stoff für Hollywood also. Doch leider kommt »Fair Game«, obwohl handwerklich mehr als solide gemacht, einfach nicht richtig in Fahrt. Die absolut gähnende Langeweile bleibt uns zwar erspart, aber andere, ebenso actionlose Politdramen bieten da einfach mehr an Spannung und Mitgefühl.

EMDb – Rating: 1,0/5

Die Chroniken von Narnia – Die Reise auf der Morgenröte

»Die Reise auf der Morgenröte« ist die dritte Verfilmung von Clive Staples Lewis‘ Narnia-Reihe. Doch nachdem zwei der vier Hauptdarsteller mittlerweile zu alt für die Märchenwelt geworden sind, begleiten wir diesmal nur noch die zwei leider sehr unsympathischen jüngeren Geschwister zurück nach Narnia. Doch als wären sie nicht unsympathisch genug, bekommen wir noch einen äußerst ätzenden Cousin oben drauf, der in die Geschichte des Fantasyfilms als Narnias Jar Jar Binks eingehen wird. Nun denn, worum geht’s? Scheißegal, denn Narina 3 ist nicht mehr als eine bloße Aneinanderreihung von scheinbar glücklichen Zufällen. „Was? Wir brauchen ein seit Jahrtausenden verschollenes Schwert? … Och, guck mal, da vorne liegt’s ja!“ Dieses Nichtvorhandensein eines Handlungsbogens, geschweige denn eines alle drei Filme übergreifenden Handlungsbogen, hat bei den »Chroniken von Narnia« schließlich System, wird eine neue Fortsetzung von Disneys Gegenstück zu Warners Fantasy-Monopol (a.k.a. »Harry Potter«) doch nur dann gedreht, wenn der Vorgänger Erfolg an den Kinokassen hatte.

In »Die Reise auf der Morgenröte« wird dieses Improvisationserzählen zwar bis zur fast schon unterhaltsamen Absurdität perfektioniert, dass das aber irgendjemand ohne filmisch-masochistische Ader wirklich gut findet, wage ich jedoch stark zu bezweifeln. (Doch, oh je, man hört bereits von einem vierten Film mit diesem Jar Jar Binks-Verschnitt als Titelhelden…)

EMDb – Rating: 1,5/5

Meine Frau, unsere Kinder und ich

»Meine Frau, unsere Kinder und ich« [hier Kommentar über die wahnwitzige deutsche Betitelung einsetzen] ist der dritte Teil der Focker-Trilogie und wie bei den Vorgängern liegt das Thema auch hier auf dem schwierigen Verhältnis zwischen Greg Focker (Ben Stiller) und seinem Schwiegervater Jack Byrnes (Robert De Niro). Und wie schon bei seinen Vorgängern ist die Story mehr als belanglos und austauschbar. So habe ich beispielsweise alle drei gesehen, deren Handlung jedoch wiederzugeben, geschweige denn einem Film zuzuordnen, bin ich nicht im Stande. Doch das muss nichts schlechtes sein, denn Greg und Jack sind und waren seit eh und je die tragenden Elemente des Focker-Universums. Steck die beiden in ein Bällebad und der gemeine Zuschauer hat Spaß. Ich bin da keine Ausnahme. Und wenn’s ewig so weiter geht, weil die Herren Stiller und De Niro das Geld brauchen, soll es wohl einfach so sein. Ich wehre mich nicht.

EMDb – Rating: 2,5/5

Review-Rundumschlag #7

Der Januar nähert sich seinem Ende und wie ihr vielleicht bemerkt habt, gab es im nun nicht mehr ganz so neuen Jahr noch kein einziges Film-Review. Weil ich als viel beschäftigter, viel gefragter und auch noch mit anderen Interessen ausgestatteter Mann mal wieder nicht dazu gekommen bin. Daher im folgenden fünf Review-Schnellschüsse, der Vollständigkeit halber (und wie ihr seht, habe ich eine Karte verbummelt; für die Statistik: Surrogates kostete 6,30 im UCI Hürth).

Mitternachtszirkus: Noch so eine Fantasy-Buchreihe, die im Rahmen von Harry und Edward auf die große Leinwand kommt – muss das denn sein? Sicherlich nicht, aber trotzdem lässt es sich im Cirque du Freak gut aushalten. Was vor allem daran liegt, dass man sich hier nicht zu ernst nimmt: John C. Reilly und Willem Dafoe als freakige Vampire, Salma Hayek als bärtiges Orakel und ein fetter Bösewicht mit dem Namen Mr. Tiny – was will man mehr? Schade nur, dass Mitternachtszirkus alles nur anschneidet und daher lediglich wie der Prolog einer Geschichte daherkommt, deren Fortgang wir wegen bescheidenem Einspielergebnis eventuell nie mehr zu sehen bekommen. Ein in sich geschlossener Film hätte da nicht nur von weiser Voraussicht gezeugt, sondern dem Endergebnis auch besser getan. 2,5/5

Haben Sie das von den Morgans gehört?: Diese RomCom ist schnell gepitcht: „Sarah Jessica Parker ist Carrie Bradshaw, die mit Hugh Grant, der seinen Standard-Hugh Grant spielt, in Trennung lebt. Urplötzlich finden die beiden sich im Zeugenschutzprogramm wieder und rütteln sich wieder zusammen. Bäm!“ Der Rest ist Standardkost, aber weil mir die Ausgangssituation gefällt und ich Hugh Grant irgendwie mag, gibt’s gute zwei von fünf Punkte auf der ‚Romantic Comedies aus männlicher Sicht‘-Skala. 2/5

Avatar (zweite Sichtung): Wie im Review angekündigt, wollte ich mir Camerons „Der mit dem Wolf tanzt“ nochmal geben. Schließlich bekommt man ihn aller Voraussicht nach, so bald nicht mehr im Kinoformat-großen 3D zu sehen und außerdem hat er mir gut gefallen. Und was soll ich sagen? Auch beim zweiten Mal war ich begeistert. Storytechnisch wird das Rad hier nicht neu erfunden, das stimmt, aber insgesamt ist das perfektes Kino. Sehr klassisch, aber perfekt, ich bleibe dabei. 5/5

Surrogates: Bruce Willis in einer Utopie, die sich ziemlich schnell als Dystopie herausstellt. Denn im Jahr 2017 verlassen die Menschen ihre eigenen vier Wände nicht mehr selbst, sondern nur noch über ferngesteuerte, menschlich aussehende Roboter, s.g. Surrogates – weil das sicherer ist. Als eine Art Virus aber nicht mehr nur den Surrogate zerstört, sondern auch den vermeintlich sicheren Menschen tötet, gerät diese Stellvertretergesellschaft ins Wanken… Surrogates basiert auf der gleichnamigen Comicserie und hört sich in der Tat sehr vielversprechend und interessant an. Und tatsächlich ist dieser von Blade Runner und I, Robot inspirierte Mix auch recht unterhaltsam, schwächelt dann aber leider aufgrund diverser Logiklöcher und Unstimmigkeiten doch zu sehr. 2/5

Friendship: Äußert sympathischer, klassischer Roadmovie, der den Titel wunderbar bebildert. Denn genau darum geht’s in dieser „fast auf wahren Begebenheiten basierenden“ Komödie: Freundschaft, ergänzt um Völkerverständigung und der an hiesigen Kinokassen (und bei der Filmförderung) immer gut kommenden Prise Deutsche Geschichte. Teilweise läuft die USA-Reise der Freunde zwar etwas zu rund und wirkt arg konstruiert, aber dennoch: 110 Minuten gute Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger. 2,5/5

Harry Potter 6 – Review

Mein erster Harry Potter, Teil 5, konnte mich vor zwei Jahren nicht wirklich überzeugen. Damals schrieb ich, dass der Film „erwartungsgemäß nur für Fans respektive Kenner der Materie und weniger als Standalone-Film für Potter-Noobs geeignet“ sei und war von der narrativen Langatmigkeit und dem unspektakulären Showdown bestenfalls gelangweilt. Seitdem hat sich viel getan: In den vergangenen Wochen habe ich durch weibliche Initiative und zur Vorbereitung auf Harry Potter und der Halbblutprinz sämtliche Potter-Filme erstmals bzw. Teil 5 erneut gesehen. Und es ist natürlich wie mit allen großen Geschichten: wenn man Ausgangspositionen, Zusammenhänge und Motivationen kennt, wird die Handlung packender. So auch geschehen bei Harry Potter und mir.1 Jetzt wo ich weiß, wo die Reise ungefähr hingeht, was Gryffindor und wer Tom Riddle ist und was es mit den Dementoren auf sich hat, interessiert mich das Treiben von Harry, Hermine und Ron2 natürlich umso mehr, so dass ich schließlich auch wirklich auf „den Halbblutprinz“ gespannt war.

Doch einiges hat sich auch nicht geändert: Daniel Radcliffes Spiel ist weiterhin begrenzt und die Wiedergabe der Story abermals überflüssig – denn entweder ist der Verlauf der Handlung eh bekannt oder ihr würdet eh kein Wort verstehen, womit wir auch beim Hauptmanko des Films wären. Drehbuchautor Steve Kloves hat sich nämlich dazu entschieden, den aktuellen Film soweit auf Vor-, also Buchkenntnis der Zuschauer herunterzubrechen, dass diejenigen, die nur mit den Filmen vertraut sind, das ein oder andere schlichtweg nicht verstehen oder zumindest übersehen werden. Dadurch verblasst die eigentliche Handlung des Films (das Wiedererstarken von Voldemort und seinen Todfressern, sowie Harrys Suche nach einem Weg Voldemort zu besiegen), weshalb vielerorts zu lesen ist, dass der Film lediglich ein großes Warten auf die finalen Teile 7 und 8 sei. Dass man da kurzerhand den Showdown aus dem sechsten Buch rausgekürzt hat und wohl im nächsten Film aufgreift, erscheint da nur konsequent. Schwache Enden gehören wohl zu Harry Potter wie das Grinsen zu Dreamworks.

Doch wenngleich „Der Halbblutprinz“ den narrativen Stillstand propagiert, ist er sehr unterhaltsam3. Was vor allem dem charmanten Coming of Age-Part zu schulden ist, in dem Hogwarts‘ Schüler noch mehr als bereits beim Orden des Phönix mit den Fragen „Wer mit wem?“ und „Warum?“ beschäftigt sind. Der von Rupert Grint verkörperte Ron fungiert hierbei als Comic Relief par excellence, so dass es eine wahre Freude ist, ihm zuzusehen und selbst Radcliffe hat in seinem albernsten, von Drogen beeinflussten Moment seinen größten Auftritt. Abgerundet wird der Cast von den wirklich guten bis teilweise überragenden anderen (Emma Watson…) und älteren Schauspielern (Michael Gambon, Helena Bonham Carter…). Schließlich besticht der Film noch durch seine fantastischen Bilder und eine überragende, atmosphärische Tonebene, die fast schon alleine den Kinobesuch rechtfertigen.

Kurzum: trotz der erwähnten Schwächen, der vielleicht bisher beste Potter4, an dem sich die zwei Heiligtümer des Todes erstmal werden messen müssen.

EMDb – Rating: 3/5

  1. Auch wenn gerade die Filme unter Chris Columbus, der auch für die unsäglichen Fantastic Four-Verfilmungen mitverantwortlich war, harte Kost sind…
  2. … und natürlich Neville!
  3. Hier bei Bedarf das warnende „für Fans und Kenner der Materie“ einsetzen!
  4. Ich schwanke noch zwischen 6 und meinem bisherigen Favoriten 4…

Viele Grüße aus Albion!

Fall ihr euch wundert, warum euer Feedreader seit mehr als 24 Stunden keine neuen Einträge aus Richtung eayz aufgeführt hat und/oder warum ich nicht in der Uni war, dann liegt das daran, dass mich das wunderbare Fable 2 vollends eingespannt hat. Erst- und Zweiteindruck nach einigen Stunden Spiel: macht mir sehr viel Spaß und sieht wunderbar aus. Abzugspunkte gibt’s nur für ein paar Interface-Patzer. Bisher aber auf jeden Fall weiterempfehlenswert!

(Ich habe übrigens gerade Zeit gefunden, diesen Blogeintrag zu schreiben, da ich derart viele Häuser und Läden in Albions Städten und Dörfern erworben und ergaunert habe, dass ich mir Goldstück-technisch keine Sorgen mehr machen muss. Die Bewohner zahlen ihre Miete nämlich alle 5 Minuten – auch bei ausgeschalteter Xbox.)