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15 Jahre

Heute vor 15 Jahren beschloss mein 17 jähriges Ich seine statischen Webpublikationsbemühungen durch dieses damals in Fachkreisen gehypte, ansonsten eher unbekannte oder allenfalls belächelte „Bloggen“ auszuweiten. Also wandte er sich von den bisher verwendeten Tripods und Geocities ab und schloss mit Omas volljähriger Absegnung einen Vertrag bei einem günstigen Hoster ab. Nach Anmeldung bei Blogger.com versorgte er den einen Monat später von einer aufstrebenden Suchmaschine aufgekauften Dienst mit seinen frisch erstandenen FTP-Credentials, haute in die Tasten und schließlich auf „Publish“.

Seitdem ist viel passiert. Ich habe bereits beim 12 jährigen begonnen das einzuordnen:

Am 13.01.2003 gab es weder Facebook, noch Twitter. Der iPod war erst ein halbes Jahr alt, der iTunes Music Store noch nicht da. Das iPhone wäre pure Science Fiction gewesen. Gerhard Schröder war Bundeskanzler, Duke Nukem Forever noch sieben Jahre vom Release entfernt. Der dritte Golfkrieg stand noch bevor, ebenso wie Lothar Matthäus‘ dritte Ehe. Der zweite Harry Potter-Film lief gerade im Kino und Episode III war noch zwei Jahre entfernt.

Es ließe sich beliebig fortsetzen: Der Benzinpreis pro Liter Super lag bei 1,12 Euro. Der sieben Wochen die Charts dominierende „Steuersong“ wurde gerade von einem Song der ersten (!) DSDS-Staffel abgelöst (ich hab das gerade recherchiert: zuletzt lief Staffel 14). Die vorherrschende Konsole war die PS2, das meistverkaufte Spiel »Grand Theft Auto: Vice City«. Ich selbst war noch einen Monat von der Volljährigkeit und echten Autos entfernt und gerade ein halbes Jahr mit meiner Freundin zusammen (die ich wie das Bloggen behalten habe).

Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich 15 Jahre später immer noch bloggen würde, hätte ich das wahrscheinlich belächelt. Heute steht das außer Frage: Klar, werde ich auch in 15 Jahren noch dabei sein. Und ihr hoffentlich auch. Denn es gilt wie immer: Danke für’s Mitlesen! Und auf die nächsten 15!

*Publish*

Kinostatistik 2017

Letzte Amtshandlung für dieses Jahr, ist wie immer meine alljährliche Kino­statistik! Auch im elften Jahr in Folge möchte ich den letzten Tag des Jahres nutzen, um nachzuhalten, wie oft es mich in den vergangenen 52 Wochen ins Kino zog und wieviel mich der Spaß insgesamt und durch­schnitt­lich (ohne Speisen und Getränke) kostete und ob der stetige Preisanstieg sich auch in diesem Jahr unaufhaltsam fortsetzte. Wollen wir mal gucken…

Nach dem Rückgang von 2014 konnte ich trotz Arbeit- und Freizeitstress auch 2017 wieder etwas mehr ins Kino gehen und komme dieses Jahr auf 49 Kinobesuche. Der Durchschnittsdeutsche geht 1,47 mal pro Jahr (!) ins Kino1, ich brauche dazu mit 0,9 Besuchen pro Woche rund anderthalb Wochen. Wie bereits in den letzten zehn Jahren konnte erneut mein Stammkino in Kerpen mit 18 Besuchen am meisten davon profitieren (Support your local cinema!). Erstmals belegte aber nicht das Kölner Mulitplex Cinedom den zweiten Platz, sondern das Luxuskino Residenz, das mittlerweile das Fantasy Filmfest beherbergt und mich allein dadurch schon 11 mal zu sich holen konnte.2

Von den 49 Filmen sah ich einen als kostenlose Preview, weshalb nur 48 Kinobesuche zu Buche schlagen. Aber, auweia, das hat mich insgesamt 543,25 Euro gekostet, was 11,32 Euro pro Kinobesuch bedeutet. Das bedeutet ein Plus von 1,87 Euro, womit nicht nur erstmals die magische Grenze von 10 Euro pro Kinobesuch durchbrochen, sondern gleich noch einer drauf gesetzt wurde. Damit gleichen die Gesamtkosten mit nur fünf Cent Unterschied denen von 2013, wo ich aber für dasselbe Geld sage und schreibe 19 Filme mehr (!) gesehen habe. 😳

Teuerster Kinobesuch war mit 20 Euro »Blade Runner 2049« in besagtem Luxuskino, gefolgt von »Wonder Woman« (15,50 Euro, Cinedom) und »Star Wars: The Last Jedi« (14,85 Euro, Euromax). 36 der 49 Kinobesuche haben zehn Euro oder mehr gekostet, dabei war meine Wochenverteilung recht ausgeglichen – abermals war Dienstag Kinotag.3 Im Vergleich zu den letzten drei Jahren musste ich 2017 zwei mal mehr die 3D-Brille aufsetzen, was mit 185,50 Euro für 14 3D-Filme 34 Prozent der Gesamtkosten ausmachte. Der Durchschnittspreis lag damit bei 13,25 Euro pro 3D-Film, was immerhin 73 Cent weniger als im letzten Jahr sind. Der Übeltäter für den Preisanstieg ist also woanders zu suchen.

Genre-technisch war auch 2017 wieder ein Action- und Adventure-dominiertes Filmjahr für mich.4 Auch der SciFi-Hype der letzten Jahre scheint ungebrochen und als regelmäßiger Besucher des/der Fantasy Filmfest (White/Nights) war für mich wieder sehr viel fantastischer Stoff drin.

Zurück zum Übeltäter: Die 11 Filme des Fantasy Filmfests waren mit 12 bzw. 13 Euro sicherlich sehr teuer, den Hauptverursacher für die derart explodierten Kosten sehe ich aber im verstärkten Aufkommen von Buchungsgebühren, die ich im letzten Jahr schon angesprochen habe:

Im Kölner Raum lassen sich seit diesem Jahr fast alle Kartenkäufe online, meist von Kinoheld.de abgewickelt, tätigen. Dafür wird bei frühzeitiger Auslastung und ohne Kassenpersonal absurderweise meist ein Aufschlag von 50 Cent pro Karte berechnet. Das treibt die eh schon übertriebenen Ticketpreise noch weiter in die Höhe und verstärkt den (elitären) Eventcharakter eines Kinobesuchs immer mehr.

Die Situation hat sich dahingehend nochmal verschärft, dass nicht mehr ein Aufpreis von 50 Cent pro Karte aufgeschlagen wird, sondern einen Aufpreis von 10 Prozent (!). So kostet eine 10-Euro-Karte direkt einen Euro mehr, usw.


(Screenshot vom über Kinoheld abgewickelten Bestellvorgang beim Euromax)

Eine Entwicklung, die in keinem Fall zu begrüßen ist und auch verwundert: Wo frühzeitige Auslastung und Automatisierung doch eigentlich Kosten einsparen sollte (in diesem Fall leider beim ortsansässigen Kinopersonal), werden die Kosten zur Nutzung des Kinoheld-Services offensichtlich direkt an die Kunden weitergegeben. An sich ist die Online-Bestellung eine super Sache und wird von meiner Frau und mir auch rege genutzt, da wir selten Zeit haben, reservierte Karten rechtzeitig abzuholen. Dennoch ist es eine Schande, dass der sich sowieso seit Jahren abzeichnende Trend der steigenden Kosten für einen Kinobesuch dadurch nochmal so deutlich und so schnell verstärkt.

Nichtsdestotrotz: Ich möchte die 5.786 Minuten, also 96,4 Stunden bzw. 4 Tage, im Kinosessel nicht missen (der teuerste Film war übrigens mit 2h 44min auch der längste: »Blade Runner 2049«, Durchschnittslänge lag bei 118 Minuten pro Film) und hoffe, dass sich das auch im neuen Jahr halten oder gar steigern lässt. Auf ein filmisch, wie sonstwie gutes 2018!

  1. Vgl. Statistisches Jahrbuch 2017, S. 658
  2. Genaue Verteilung: 18x Euromax, Kerpen; 12x Residenz, Köln; 10x Cinedom, Köln; 3x Filmpalast, Köln; 2x Cinenova, Köln; 1x Odeon, Köln; 1x Cineplex, Passau; 1x Bioscoop Kok CinemaxX, Harderwijk; 1x UCI, Hürth
  3. Genaue Verteiung: 11x Dienstag, 10x Samstag, 8x Donnerstag, 8x Sonntag, 7x Mittwoch, 4x Freitag, 1x Montag
  4. Die Genrezuordnung der Filme fand wie immer anhand der Top-Genres der IMDb statt.

Blade Runner – The Game

Die Sichtung von »Blade Runner 2049« hat mir – wie auch jede Sichtung des Originals –, eines der besten Gaming­erlebnisse meiner Jugend1 in Erinnerung gerufen: Westwoods offiziell lizensiertes Blade Runner-Game von 1997.

Das auf vier CD-ROMs unter gebrachte Adventure bestach nicht nur durch original­getreue Atmosphäre und eine packende Story, die für damalige Verhältnisse hervorragend präsentiert wurde, sondern auch durch einiges an Innovation: So fand das Spiel in „Real-Time“ statt, d.h. das jede Figur ihren eigenen Tagesrhythmus hatte und nur zu bestimmten Zeitpunkten an bestimmten Schauplätzen angetroffen werden konnte – oder gar nicht.

Es gab insgesamt 13 unterschiedliche Enden, in denen der vom Spieler gesteuerte Blade Runner Ray McCoy wahlweise ein Mensch oder Replikant war oder sein Hintergrund nicht geklärt werden konnte. Ich habe damals in Speed-Run-artigen Sessions alle Enden erspielt (die Spiellänge variiert von rund 5 bis 25 Stunden) und würde das gerne wiederholen, am besten mit einem modernisierten HD-Remake. Das scheint jedoch leider unmöglich zu sein, da der Quellcode als verloren gilt:

Speaking in 2015 regarding a possible re-release of the game via Steam or GOG.com, Louis Castle explained the source code and assets were lost when Westwood moved its studio from Las Vegas to Los Angeles, thus making a re-release or a HD-remaster impossible. Even if the code was found, to restore almost a terabyte of assets, whether for new pre-rendered backdrops or full real-time 3D, would cost tens of millions of dollars, making a re-release as unlikely as a sequel.

Zum Glück’s gibt, aber YouTube, wo man sich in dieser rund siebenstündigen Playlist einen Lauf durch’s Spiel ansehen kann. Zugegebenermaßen sieht das heute etwas befremdlich aus, aber 1997 war das ziemlich high end, so dass Westwoods »Blade Runner« seinen Platz in meinem All-Time-Gaming-Top-Ten auf ewig sicher hat.

  1. Hach, damals™ 😘

A good science fiction story should be able to predict not the automobile but the traffic jam.

Frederik Pohl, US-amerikanischer Science-Fiction-Autor über gute Zukunftsgeschichten. (via Dave Rupert, der mit dem Zitat seine Beobachtung illustriert, dass die sozialen Medien unfähig/unwillig waren/sind ihre Nebenwirkungen – Stichwort „The Donald“ – zu antizipieren)

Nobel geht die Welt zugrunde

 
(YouTube Direktlink)

Man kann die G20-Gipfel verurteilen und die Krawalle von Hamburg sowieso, aber mit dieser Übertragung des Beethoven-Konzerts aus der Elbphilharmonie und gleichzeitigem Live-Bild der Ausschreitungen per Splitscreen (!) hat N24 – bewusst oder nicht – ganz große Medienkunst geschaffen. Auf der linken Seite Aufbegehren und Zerstörung, auf der rechten Hochkultur und Unterhaltung. Rechts für die Führungselite des Planeten, links für die übrigen Milliarden vor ihren heimischen Fernsehgeräten oder Social-Media-Screens. Alles live und in Farbe dokumentiert von Fernsehteams und den anwesenden Passanten.

Der Titel, den N24 dafür bei YouTube gewählt hat („G20-Kulturunterschied: Beethoven in der Elbphilharmonie – Rock’n Roll im Schanzenviertel“), ist in Anbetracht der Ausmaße der Ausschreitungen zwar sehr unglücklich, aber das ist medienwissenschaftlich auf so viele Weisen interessant (René, bei dem ich das Video entdeckt habe, bringt selbst zu Recht ein »Clockwork Orange«-Zitat an), ich erwarte Dutzende von Aufsätzen dazu in den nächsten Jahren.