Joker (2019)

Wie verfilmt man die Origin-Story einer Comicfigur ohne Origin-Story? Dieses grundlegende Problem löst Todd Phillips‘ »Joker« auf famose Art und Weise. Er zeigt wie der psychisch kranke Arthur Fleck vom gebrochenen Clowns­dar­steller zum skrupellosen Mörder wird, nachdem ihm sämtlicher gesell­schaft­liche und familiäre Halt entzogen wird. Im ungerechten 80er-Jahre-Molloch Gotham City führt das sogar zu Akzeptanz und Nachahmern als er Vertreter der Oberschicht tötet.

»Joker« ist damit eine gelungene Parabel der auch gegenwärtigen gesell­schaftlichen Entzweiung, die hervorragend – wenngleich auch fast schon zu „artsy“ – verfilmt wurde und Joaquin Phoenix zu Recht einen Oscar garantiert. Dennoch verließ ich das Kino ungewohnt unschlüssig und musste erstmal für mich definieren, ob und wo hierbei aus meiner Sicht Probleme bestehen. Zum einen störe ich mich an dem gezeigten, fast schon unausweichlich erscheinen­den Zusammenhang von Krankheit und Gewalt. Zum anderen habe ich ein anderes Verständnis vom Joker, den ich vielmehr als maximal anarchistischen Terroristen verstehe, denn als psychisch krankes Opfer seiner äußeren Umstände. Heath Ledgers Joker passt daher nach wie vor besser für mich, Joaquin Phoenix‘ Joker reiht sich aber ohne Frage in die Reihe herausragender Joker-Interpretationen ein.

Rating: 4/5
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5 Reaktionen / Kommentar schreiben

  1. Ich glaub, die Leute schieben das alles auf Depressionen, vergessen aber vermutlich, dass Arthur durch die Misshandlungen ja physische Schäden / Hirnschäden hat, die seine Probleme verursachen. Depression ist da dann nur eines der Symptome.
    Zumindest hab ich das so verstanden.

  2. Meiner Freundin, die beruflich im Bereich der Familien- und Strafrechtsgutachten tätig ist, hat der Film sehr gut gefallen. Sie brachte den Vergleich, der Film würde sich fast wie ein psychologisches Gutachten durch die Vorgeschichte des Arthur F. entlang hangeln und einen Einblick geben, wie er entwickelte, bevor er der uns bekannte Joker wurde.
    Ich kann aber auch gut nachvollziehen, dass es irgendwie „cheap“ wirken kann, alles allein Krankheit und/oder Trauma zuzuschreiben.

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