#kinolog

Geostorm (2017)

Meine Frau und ich haben ein Guilty Pleasure: Katastrophenfilme. Und zwar die seichte Sorte von Katastrophenfilm, die gerade noch so viele Hollywood-Dollars zugesteckt bekommen hat, um vom Direct-to-DVD-Stigma verschont zu bleiben.

»Geostorm« ist der neueste Vertreter dieser Zunft und steht den Days after Tomorrow und San Andreasen in nichts nach. Nur dass der Klimawandel hier die Erde schon fast zerstört hat, was man mit einem globalen Wetter­satelliten­netz aber noch in der Griff bekommen hat. Doch – oh no! – wird eben diese Technik jetzt von konspirativen Kräften als Waffe eingesetzt. Klar, dass nur Erfinder des Systems und Part-Time-Badass Gerard Butler Tag und Planeten retten kann.

Captain Obvious war dabei besonders fleißig, hält »Geostorm« dank offensichtlicher Besetzung und „beiläufig“ erwähnter Plot Points genau gar keine Überraschungen betreit. Ordentliche Effekte und Kinder-Voiceover runden das platte, aber überraschend amüsante Erlebnis ab. Prädikat: Schreck- und herrlich zugleich. Rating: 3/5

Blade Runner 2049 (2017)

Wenn Art Direction, Score und World Building das sind, was einen Film alleine ausmacht, würde hier die volle Punktzahl stehen.

Leider gehört jedoch noch ein bisschen mehr dazu und dahingehend fand ich den Film eher enttäuschend. Chosen One mit Kafka-Referenz? Geschenkt. Die Handlung ist komplett irrelevant und scheinbar nur auf ein Wiedersehen mit Harrison Ford ausgelegt.1 Das Schlimmste (für Science Fiction): Es gibt hier keine Botschaft. Während das Original essentielle Fragen aufwirft2, vermittelt uns »Blade Runner 2049« was genau? Dass Spike Jonzes »Her« ein ziemlich guter Film ist. Und nur weil wir sehen, wie Schnee auf die Hand eines zweifelnden Protagonisten fällt, ist das noch lange kein Tiefgang.

Dennoch: Meckern auf ästhetisch so hohem Niveau, dass sich ein Kinobesuch dennoch lohnt.3 Rating: 3/5

  1. Mr. Ford, please stop destroying my childhood!
  2. Was macht einen Menschen zum Menschen? Sind Maschinen, die wie Menschen fühlen, nicht auch Menschen?
  3. Es sei denn, ihr habt ein kräftiges 4K-Heimkino-Setup. Dann könnt ihr auch getrost noch etwas warten.

Kingsman: The Golden Circle (2017)

Nach dem hervorragenden ersten Teil war das Sequel um Eggsy und Konsorten trotz abge­hakter Origin-Story leider etwas enttäuschend. Der Film verliert sich in langweiligen Subplots und legt seine top­besetzten Neuzugänge unver­ständlicher­weise im wahrsten Sinne des Wortes auf Eis. Der Charme des Originals scheint zwar hier und da durch, aber das war’s dann auch. Vielleicht reißt’s der unvermeidliche dritte Teil ja nochmal raus. Rating: 2.5/5

The Circle (2017)

Oh mein Gott. Eine oberflächliche, eindimensionale Kritik an Technologie und Social Media ohne Sachverstand und den Hauch von Logik. Wenn der Film dem Buch gerecht wird, scheint mir Dave Eggers jemand zu sein, der keinerlei Ahnung von der Materie hat und zudem nichtmal in der Lage ist, zwei Schritte weiterzudenken. Nur konsequent, dass der Film genau dann endet, als es auch nur ansatzweise interessant wurde. Rating: 1/51

  1. Und dass es für einen ganzen Stern gereicht hat, ist nur der Tatsache geschuldet, dass die eingeblendeten Nutzerkommentare bei Maes Livestreams mitunter ganz amüsant waren.

King Arthur: Legend of the Sword

Nach den unsäglichen »Sherlock Holmes«-Verfilmungen nimmt sich Guy Ritchie der nächsten klassischen, gar klassischsten, britischen Heldenfigur an: König Arthur. Sein Arthur hat dabei wenig mit der Artussage zu tun, aus der er nur ein paar Figuren und Motive abgreift. Stattdessen inszeniert Ritchie »King Arthur: Legend of the Sword« als alternative Origin-Story, in der ein verwaister, nicht um seinen Stammbaum wissender Arthur widerwillig vom Bordellbetreiber zum König aufsteigt. Direkt aus dem »Herr der Ringe« kommen – Flashback if you use it – Excalibur, das Schwert to rule them all, und die magisch beschworenen Riesentiere, die es zwischendurch immer wieder zu bekämpfen gilt. Dazu gibt’s stimmigen Folk-Rock und Ritchie’eske Heist-Montagen, die den Eindruck vermitteln, dass man hier vielmehr einen mittelalterlichen Gangster-Streifen guckt, anstatt den Auftakt von Warner Bros.‘ neuem, bei Erfolg sechsteiligem (!) »Knights of the Roundtable«-Filmuniversum.

Ich für meinen Teil hätte erstmal auch nichts dagegen. »King Arthur« hat für mich als wenig tiefsinniger Fantasy-Action-Hybrid bestens funktioniert, Stichwort: Popcornkino. Ritchies Stil ist dabei eine willkommene Abwechslung zum seelenlosen Geplänkel der Konkurrenz und mir allemal lieber als die drölfte Fassung eines »Fluch der Karibik«. 

Rating: 3.5/5

Guardians of the Galaxy Vol. 2

Nicht nur dass »Guardians of the Galaxy« 2014 aus dem Stand in die Top 2 der Marvel-Filme einstieg, nein, Regisseur und Autor James Gunn schaffte damit auch noch das Unmögliche, indem er im streng reglementierten Marvel-Kosmos einen Film mit Herz und Seele produzierte, der durch seine ungewöhnliche Figuren, seinen Witz und seine unzähligen Popkultur­referenzen bestechen konnte. Wie sollte Volume 2 das toppen können?

Gar nicht. Aber indem man bei Dialogen und Witz nochmal eine Schippe drauf legt, kommt man immerhin schon ganz gut ran. Da sieht man auch über die hauchdünne Story hinweg, die schließlich in einem zu langen und belanglosen Showdown endet, zu dessen Ausgang zu keinem Zeitpunkt Zweifel besteht. Dennoch: Der Weg dorthin macht Spaß, so dass es eigentlich nur noch einen Wermutstropfen gibt – dass es bis Volume 3, der bisher für 2020 angedacht ist, noch so lange hin ist.

Rating: 4/5

Fast & Furious 8

Nicht nur, dass die achte Episode von »The Fast and The Furious«, dem »Police Academy« der Neuzeit, das Kunststück gelungen ist, mit 532,5 Millionen Dollar am Startwochenende aus dem Stand den erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten hinzulegen, nein, sie hat es sogar geschafft, mich als alten Fast-and-Furious-Verweigerer1 dazu zu bewegen, mich freiwillig in einen von Testosteron durchtränkten Raum voller Autofanatiker zu setzen und 135 Minuten dem Nonsens um „La Familia“ zu folgen. Denn auch, wenn dieses Review jetzt gleich andere Töne anschlägt, genau das ist auch »The Fate of The Furious«: Nonsens. Abermals wendet sich einer aus dem Raser-Team gegen seine Kollegen, es wird „gehackt“ bis sich die Balken biegen und Autos zerstört bis zum Geht-nicht-mehr. Getreu dem Motto mit Pferdestärken den dritten Weltkrieg abwenden.

Capital-A-Aber: Die größte Stärke von »Fast & Furious 8« ist, dass der Film um genau diese Schwächen weiß und sie bis zur Perfektion zelebriert: Gut aussehende Menschen, die sich in Traumautos die Köpfe einschlagen und dabei immer einen coolen Spruch auf den Lippen haben. Und weil das alles schon sieben Mal da war, übertrifft jede Szene die nächste. Wenn die Qualität von Filmen in „What The Fucks per Minute“ gemessen würde, wäre das hier das Meisterstück. Wenn man sich darauf einlassen kann, hat man einen Mordsspaß. Wenn nicht, wird man jede Sekunde hassen.

Rating: 3.5/5
  1. Ich habe Teil 1-6 erst kurz vor dem Release von Teil 7 in einem wahnwitzigen Filmmarathon bei Freunden nachgeholt.

Ghost in the Shell

Seit Sichtung der grandios aussehenden Trailer freute ich mich auf die Realverfilmung des populären Animes, der mir damals™ zwar gut gefiel, mich aber zugegebenermaßen nicht weiter beeindruckte und -flußte, weshalb ich das weitere Franchise-Treiben auch nicht weiter verfolgte. Die dann veröffentlichten Realfilm-Trailer versprachen jedenfalls nicht zu viel: Rupert Sanders‘ »Ghost in the Shell« sieht grandios aus. Die Special Effects überzeugen, der eigentliche Star des Films sein Setting: die futuristische Stadt mit all ihren Hologramen, Reklamen, Technologien und Bewohnern sieht fantastisch aus.

Das war’s dann allerdings auch (für mich). Die Neuauflage der 22 Jahre alten Story ist weitestgehend belanglos. Bösewichte sind böse, weil sie böse sind – na vielen Dank. Der Vordergrund der Szenerie verdeckt den Blick auf die Kulisse, die ach so schwerwiegenden Beweggründe der Figuren unterbrechen die immerhin halbwegs unterhaltsamen Actionsequenzen. Und was Scarlett Johansson anstelle einer asiatischen Schauspielerin da macht, weiß ich immer noch nicht.

Nichtsdestotrotz wegen der tollen Präsentation:

Rating: 2.5/5

Rogue One – A Star Wars Story

Ich habe »Rogue One – A Star Wars Story« mitterweile bereits zwei Mal gesehen (einmal synchronisiert, einmal im O-Ton) und kann den Eindruck, den ich nach meiner ersten Sichtung hatte, weiterhin bestätigen: »Rogue One« ist der viertbeste Star Wars-Film – gleich nach der unantastbaren Original Trilogy, versteht sich. Die ganzen Anspielungen, das originalgetreue Szenenbild, die Liebe zum Detail (X-Wing-Piloten mit Schnäuzern, die Retrotechnologie!) und dieser fantastische Schluss lassen das Herz eines jeden Fanboys höher Schlagen.

Allerdings gibt es auch ein paar Wermutstropfen: Neben ein paar Längen wirkt die Handlung teilweise etwas zu sehr konstruiert und theatralisch. Darüber kann man jedoch hinweg sehen. Über den größten Kritikpunkt eher nicht – oder vielmehr „nicht hinweg hören“. Denn diesmal stammt die Musik nicht von Star Wars’ Haus- und Hofkomponisten John Williams, sondern von Michael Giacchino, der zwar einige nette Referenzen auf Williams’ Musik schafft, mit seinen eigenen Stücken aber oft fehl am Platz wirkt. Außerdem finden wir uns zum Teil inmitten des Uncanny Valley wieder, wenngleich der CGI-Droide K-2SO jederzeit zu überzeugen weiß und gleich zum neuen Publikumsliebling aufsteigt.

Den unausweichlichen Vergleich zu Episode VII gewinnt »Rogue One« bei mir übrigens auch. Ich fand »The Force Awakens« bis zum Auftritt von Han & Chewie überragend, danach nur noch besseres Mittelmaß, wurde hier doch jegliche Innovation einem Marketing-technischen Coup zugunsten geopfert. »Rogue One« stellt den Bezug zum Alten viel pointierter und geschickter her.

Und dann diese eine Szene am Schluss – so gut! 😏

EMDb – Rating: „3/5“