Nicht vergleichbar mit der Vor-Pandemie- oder Vor-Kind-Phase, aber ich war die letzten drei Monate unglaubliche sechs Mal im Kino. Und zwar in »The Mandalorian & Grogu«, »Masters of the Universe«, »Supergirl«, »Disclosure Day«, »Spider-Man: Brand New Day« und heute Abend in »The Odyssey«.
#kinolog (199)
The Mandalorian & Grogu (2026)
Ich habe heute die vierte Staffel von »The Mandalorian« gesehen, der nach »Andor« zweitbesten Star-Wars-Serie. Die neue, diesmal nur 130 Minuten lange Staffel rund um Din Djarin und seinen Sprössling Grogu knüpft an das Erfolgsrezept der vorherigen Staffeln an: Folge für Folge reiht sich Quest an Quest, Showdown an Showdown. Es bleibt keine Zeit zum Durchatmen, bis dann im letzten Drittel etwas Tempo herausgenommen wird. Dabei treffen wir auf alte Bekannt, erbitterte Feinde und neue Freunde, mit denen es sicherlich & hoffentlich das ein oder andere Wiedersehen geben wird.

Nur: es handelt sich nicht um eine TV-Produktion, sondern um einen Kinofilm. »The Mandalorian« Season 4 heißt »The Mandalorian & Grogu« – und erfreulicherweise sieht man auch, dass das erstmal(s) auf der Leinwand und nicht auf Disney+ kommt. Denn visuell ist das hier sicherlich der Höhepunkt der Serie.
Die bisherigen Staffeln waren immer roundabout 260 Minuten lang. Anstatt also hieraus einfach ein verkürztes, halb so langes Abenteuer zu machen, ist es ein abendfüllender Film geworden. Warum? Das wissen nur die Verantwortlichen von Disney. Vermutlich hat es mit Geld zu tun. Mir erschließt es sich jedenfalls nicht, denn bringt es die Storyline der beiden weiter? Mitnichten. Aber es hat eine Menge Spaß gemacht.
So bleibt: Ein Spektakel ohne das Spektakel eines Star-Wars-Films. Quasi Star Wars für die Generation TikTok. Verrückt.
Zombieland 2 (2019)
»Zombieland 2« ist der verwesende Korpus eines einst lebendig, lustigen Freundes, der zwar auch im untoten Zustand noch für ein, zwei Lacher gut ist, nun aber nur noch ein Best Of der immer gleichen Gags abspielt. Man wünscht ihm, dass er das nicht hätte erleiden müssen.
Joker (2019)
Wie verfilmt man die Origin-Story einer Comicfigur ohne Origin-Story? Dieses grundlegende Problem löst Todd Phillips‘ »Joker« auf famose Art und Weise. Er zeigt wie der psychisch kranke Arthur Fleck vom gebrochenen Clownsdarsteller zum skrupellosen Mörder wird, nachdem ihm sämtlicher gesellschaftliche und familiäre Halt entzogen wird. Im ungerechten 80er-Jahre-Molloch Gotham City führt das sogar zu Akzeptanz und Nachahmern als er Vertreter der Oberschicht tötet.
»Joker« ist damit eine gelungene Parabel der auch gegenwärtigen gesellschaftlichen Entzweiung, die hervorragend – wenngleich auch fast schon zu „artsy“ – verfilmt wurde und Joaquin Phoenix zu Recht einen Oscar garantiert. Dennoch verließ ich das Kino ungewohnt unschlüssig und musste erstmal für mich definieren, ob und wo hierbei aus meiner Sicht Probleme bestehen. Zum einen störe ich mich an dem gezeigten, fast schon unausweichlich erscheinenden Zusammenhang von Krankheit und Gewalt. Zum anderen habe ich ein anderes Verständnis vom Joker, den ich vielmehr als maximal anarchistischen Terroristen verstehe, denn als psychisch krankes Opfer seiner äußeren Umstände. Heath Ledgers Joker passt daher nach wie vor besser für mich, Joaquin Phoenix‘ Joker reiht sich aber ohne Frage in die Reihe herausragender Joker-Interpretationen ein.
Good Boys (2019)
Wenn Seth Rogen & Co. sich anderen Genres annehmen, ist dass gemeinhin ein Grund zur Freude. »Sausage Party« ist einer der krassesten Computeranimationsfilme out there, »Long Shot« eine der lustigsten RomComs des Jahres.
Mit »Good Boys« nun also ein Kinderfilm oder ein Film über Kinder. Und das ist genau das Problem: Die Geschichte um 12 jährige Jungs vor ihrer ersten Knutschparty kann sich nicht so richtig entscheiden, in welche Richtung sie geht. Will sie kindgerecht sein oder lieber (junge) Erwachsene ansprechen? Das spiegelt zwar konsequent das Coming-of-Age-Dillema in dem sich die drei Protagonisten befinden (Spielen oder Mädchen?), hat für mich aber nicht wirklich funktioniert. Unter anderem weil »Stranger Things 3« das zuletzt als Nebenhandlung (!) so viel charmanter gemacht hat.
Toy Story 4 (2019)
Nett. Die ach-so-andere Story wird abermals von altbekannten Motiven anstelle von Neuerungen dominiert und dabei in gewohnt hervorragende Animation gehüllt. Ich freue mich immer Woody und die Gang zu sehen, aber danke, absofort reichen dann auch Rewatches der Vorgänger.
Once Upon a Time in Hollywood (2019)
Tarantino nimmt sich in seinem neunten Film1 der Tate-Morde von 1969 an. Hervorragendes Zusammenspiel von DiCaprio und Pitt in einem einerseits typischen, andererseits untypischen Tarantino. Größte Stärke und Schwäche ist das Setting, sowie die Erwartungshaltung der Zuschauer und die Erwartungshaltung der/des Filmemacher an sich selbst. Fazit: Meh.
- Btw: Ich finde dieses „Der neunte Film von Quentin Tarantino“-Marketing unabhängig von Tarantino nach wie vor großartig. [↩]
Shazam (2019)
Kurz nach Marvels »Captain Marvel« kommt nun DCs »Captain Marvel« in die Kinos, der wegen Rechtsstreitigkeiten heutzutage allerdings auf den Namen »Shazam« hört. Shazam wiederum ist nun DCs Interpretation einer Superheldenkomödie, die unweigerlich Erinnerungen an »Kick-Ass« oder »Deadpool« weckt. Während diese jedoch durch Grenzüberschreitungen punkten, bleibt »Shazam« jugendfrei und brav und erinnert mit seinem Superkraft verleihenden Zauberer eher an einen 80er-Jahre-Fantasyfilm.
Konsequenterweise steht dann auch eine Familie aus Pflegekindern im Mittelpunkt der Geschichte, aus deren Reihen Neuzugang Billy zu Shazam und schließlich zum festen Bestandteil der Familie wird. Eben diese Familie ist dann auch der eigentliche USP des Films, funktioniert die Konstellation der Kinder doch hervorragend. Aber: Während die Verwandlung zum Superhelden sehr amüsant ist, ist alles originär superheldenhafte in Anbetracht des Marvel-Kanons eher mäßig und unspektakulär. Dennoch: Guter Film, vielleicht sogar der beste DCEU-Eintrag seit »Man of Steel«.
Captain Marvel (2019)
»Captain Marvel« ist die nette Vorband vor dem eigentlichen Haupt-Act und eine willkommene Variation von der 08/15-Origin-Story, garniert mit viel Fan-Service in einem unterhaltsamen 90er-Jahre-Setting.
Cold Pursuit (2019)
»Cold Pursuit« (hierzulande »Hard Powder«) ist das neueste Abenteuer aus dem Liam-Neeson-verse. Diesmal als Schneepflugfahrer, dessen Sohn von der ortsansässigen Drogenmafia ermordet wird, was den unausweichlichen, hier bewusst überzeichneten, komischen Rache-Plot anstößt. Was der Trailer gut ankündigt, ist in Langform viel zu gewollt. Dennoch: Es gibt einige Momente und gute, skurrile Figuren. Für eine Fargo-esque Erfahrung, die hier offensichtlich das Ziel war, reicht das aber nicht.