#kinolog

King Arthur: Legend of the Sword

Nach den unsäglichen »Sherlock Holmes«-Verfilmungen nimmt sich Guy Ritchie der nächsten klassischen, gar klassischsten, britischen Heldenfigur an: König Arthur. Sein Arthur hat dabei wenig mit der Artussage zu tun, aus der er nur ein paar Figuren und Motive abgreift. Stattdessen inszeniert Ritchie »King Arthur: Legend of the Sword« als alternative Origin-Story, in der ein verwaister, nicht um seinen Stammbaum wissender Arthur widerwillig vom Bordellbetreiber zum König aufsteigt. Direkt aus dem »Herr der Ringe« kommen – Flashback if you use it – Excalibur, das Schwert to rule them all, und die magisch beschworenen Riesentiere, die es zwischendurch immer wieder zu bekämpfen gilt. Dazu gibt’s stimmigen Folk-Rock und Ritchie’eske Heist-Montagen, die den Eindruck vermitteln, dass man hier vielmehr einen mittelalterlichen Gangster-Streifen guckt, anstatt den Auftakt von Warner Bros.‘ neuem, bei Erfolg sechsteiligem (!) »Knights of the Roundtable«-Filmuniversum.

Ich für meinen Teil hätte erstmal auch nichts dagegen. »King Arthur« hat für mich als wenig tiefsinniger Fantasy-Action-Hybrid bestens funktioniert, Stichwort: Popcornkino. Ritchies Stil ist dabei eine willkommene Abwechslung zum seelenlosen Geplänkel der Konkurrenz und mir allemal lieber als die drölfte Fassung eines »Fluch der Karibik«. 

EMDb – Rating: 3,5/5

Guardians of the Galaxy Vol. 2

Nicht nur dass »Guardians of the Galaxy« 2014 aus dem Stand in die Top 2 der Marvel-Filme einstieg, nein, Regisseur und Autor James Gunn schaffte damit auch noch das Unmögliche, indem er im streng reglementierten Marvel-Kosmos einen Film mit Herz und Seele produzierte, der durch seine ungewöhnliche Figuren, seinen Witz und seine unzähligen Popkultur­referenzen bestechen konnte. Wie sollte Volume 2 das toppen können?

Gar nicht. Aber indem man bei Dialogen und Witz nochmal eine Schippe drauf legt, kommt man immerhin schon ganz gut ran. Da sieht man auch über die hauchdünne Story hinweg, die schließlich in einem zu langen und belanglosen Showdown endet, zu dessen Ausgang zu keinem Zeitpunkt Zweifel besteht. Dennoch: Der Weg dorthin macht Spaß, so dass es eigentlich nur noch einen Wermutstropfen gibt – dass es bis Volume 3, der bisher für 2020 angedacht ist, noch so lange hin ist.

EMDb – Rating: 4/5

Fast & Furious 8

Nicht nur, dass die achte Episode von »The Fast and The Furious«, dem »Police Academy« der Neuzeit, das Kunststück gelungen ist, mit 532,5 Millionen Dollar am Startwochenende aus dem Stand den erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten hinzulegen, nein, sie hat es sogar geschafft, mich als alten Fast-and-Furious-Verweigerer1 dazu zu bewegen, mich freiwillig in einen von Testosteron durchtränkten Raum voller Autofanatiker zu setzen und 135 Minuten dem Nonsens um „La Familia“ zu folgen. Denn auch, wenn dieses Review jetzt gleich andere Töne anschlägt, genau das ist auch »The Fate of The Furious«: Nonsens. Abermals wendet sich einer aus dem Raser-Team gegen seine Kollegen, es wird „gehackt“ bis sich die Balken biegen und Autos zerstört bis zum Geht-nicht-mehr. Getreu dem Motto mit Pferdestärken den dritten Weltkrieg abwenden.

Capital-A-Aber: Die größte Stärke von »Fast & Furious 8« ist, dass der Film um genau diese Schwächen weiß und sie bis zur Perfektion zelebriert: Gut aussehende Menschen, die sich in Traumautos die Köpfe einschlagen und dabei immer einen coolen Spruch auf den Lippen haben. Und weil das alles schon sieben Mal da war, übertrifft jede Szene die nächste. Wenn die Qualität von Filmen in „What The Fucks per Minute“ gemessen würde, wäre das hier das Meisterstück. Wenn man sich darauf einlassen kann, hat man einen Mordsspaß. Wenn nicht, wird man jede Sekunde hassen.

EMDb – Rating: „3,5/5“

  1. Ich habe Teil 1-6 erst kurz vor dem Release von Teil 7 in einem wahnwitzigen Filmmarathon bei Freunden nachgeholt.

Ghost in the Shell

Seit Sichtung der grandios aussehenden Trailer freute ich mich auf die Realverfilmung des populären Animes, der mir damals™ zwar gut gefiel, mich aber zugegebenermaßen nicht weiter beeindruckte und -flußte, weshalb ich das weitere Franchise-Treiben auch nicht weiter verfolgte. Die dann veröffentlichten Realfilm-Trailer versprachen jedenfalls nicht zu viel: Rupert Sanders‘ »Ghost in the Shell« sieht grandios aus. Die Special Effects überzeugen, der eigentliche Star des Films sein Setting: die futuristische Stadt mit all ihren Hologramen, Reklamen, Technologien und Bewohnern sieht fantastisch aus.

Das war’s dann allerdings auch (für mich). Die Neuauflage der 22 Jahre alten Story ist weitestgehend belanglos. Bösewichte sind böse, weil sie böse sind – na vielen Dank. Der Vordergrund der Szenerie verdeckt den Blick auf die Kulisse, die ach so schwerwiegenden Beweggründe der Figuren unterbrechen die immerhin halbwegs unterhaltsamen Actionsequenzen. Und was Scarlett Johansson anstelle einer asiatischen Schauspielerin da macht, weiß ich immer noch nicht.

Nichtsdestotrotz wegen der tollen Präsentation:

EMDb – Rating: „2,5/5“

Rogue One – A Star Wars Story

Ich habe »Rogue One – A Star Wars Story« mitterweile bereits zwei Mal gesehen (einmal synchronisiert, einmal im O-Ton) und kann den Eindruck, den ich nach meiner ersten Sichtung hatte, weiterhin bestätigen: »Rogue One« ist der viertbeste Star Wars-Film – gleich nach der unantastbaren Original Trilogy, versteht sich. Die ganzen Anspielungen, das originalgetreue Szenenbild, die Liebe zum Detail (X-Wing-Piloten mit Schnäuzern, die Retrotechnologie!) und dieser fantastische Schluss lassen das Herz eines jeden Fanboys höher Schlagen.

Allerdings gibt es auch ein paar Wermutstropfen: Neben ein paar Längen wirkt die Handlung teilweise etwas zu sehr konstruiert und theatralisch. Darüber kann man jedoch hinweg sehen. Über den größten Kritikpunkt eher nicht – oder vielmehr „nicht hinweg hören“. Denn diesmal stammt die Musik nicht von Star Wars’ Haus- und Hofkomponisten John Williams, sondern von Michael Giacchino, der zwar einige nette Referenzen auf Williams’ Musik schafft, mit seinen eigenen Stücken aber oft fehl am Platz wirkt. Außerdem finden wir uns zum Teil inmitten des Uncanny Valley wieder, wenngleich der CGI-Droide K-2SO jederzeit zu überzeugen weiß und gleich zum neuen Publikumsliebling aufsteigt.

Den unausweichlichen Vergleich zu Episode VII gewinnt »Rogue One« bei mir übrigens auch. Ich fand »The Force Awakens« bis zum Auftritt von Han & Chewie überragend, danach nur noch besseres Mittelmaß, wurde hier doch jegliche Innovation einem Marketing-technischen Coup zugunsten geopfert. »Rogue One« stellt den Bezug zum Alten viel pointierter und geschickter her.

Und dann diese eine Szene am Schluss – so gut! 😏

EMDb – Rating: „3/5“

Frank

Als sich dem Möchtegern-Musiker Jon die Gelegenheit bietet, Teil der experimentellen Pop-Band The Soronprfbs zu werden, muss der nicht lange überlegen und schließt sich der Truppe um den mysteriösen Frontmann Frank, der immerzu eine große, debil dreinschauende Pappmaschémaske auf seinem Kopf trägt, unbeirrt an. Überzeugt von Franks Genie befeuert Jon fortan den Kult um die aufstrebende Band und ihren undurchdringlichen Sänger.

Was wir dabei zu sehen bekommen, ist nicht nur eine wunderbare Analogie auf den Ausverkauf der Kunst, sondern auch ein durch und durch wunderbarer Film, der uns mit Respekt gegenüber seinen Figuren aufzeigt, wie nah Genie und Wahnsinn beieinander liegen und dass das alles eigentlich nur eine Frage fragwürdiger Konventionen ist. Frank & Co. sind perfekt besetzt, der Soundtrack ist einmalig (seit Sichtung quasi Hauptbestandteil meiner Heavy-Rotation) und der Film wächst mit jedem Moment, in dem ich an ihn zurückdenke.

EMDb – Rating: 5/5

Lipstick, kiss me, lipstick, Ringo
That’s the way you like it

Ant-Man

Die neueste Episode und letzter Bestandteil der „zweiten Phase“ des Marvel Cinematic Universe macht nach der overhypten und underdeliveredten Teambildungsmaßnahme vom April – Stan Lee sei Dank! – wieder deutlich mehr Spaß. Der Mix Origin-Story trifft auf Heist-Movie funktioniert und der stets sympathische Paul Rudd darf hier trotz Schrumpfanzug weiterhin Paul Rudd sein. Die restliche Truppe passt, wie der Ant-Man durch’s Schlüsselloch. Die filmübergreifenden Elemente sind nett, wirken aber etwas erzwungen (Falc–who?). Da ich humortechnisch mittlerweile bzw. seit »The World’s End« mehr bei Adam McKay als bei Edgar Wright bin, trauere ich letzterem auch nicht hinterher.

Kurzum: Die beste Marvel-Nummer seit »Guardians of the Galaxy« – wenngleich der aber weiterhin ungeschlagen bleibt. Gerne mehr davon!

EMDb – Rating: 4/5

Abschussfahrt

Wahrscheinlich war es so, dass Regisseur und Autor Tim Trachte eines Abends auf einer langweiligen Studentenparty den beschwipsten Ausführungen eines angehenden Juristen lauschte, als er von dessen Lieblingsfilmen »Eurotrip«, »Hangover« und »Hostel« erfuhr. Wie von der Tarantel gestochen schreckte der studierte Dramaturge auf, kippte seinen Wodka-Red-Bull herunter und raste in seine Wohnung. Dort verbrachte er die folgende Nacht – ach was, die folgenden Nächte – an seinem Schreibtisch und schrieb das, was den Filmförderern der Republik das Oettinger im Mund zusammenlaufen lassen sollte: eine Teenie- und Trunkenbold-Komödie, die das beste aus ominösen US-Partyfilmen und »Harte Jungs« vereint, zur Not aber auch noch mit Mutti geguckt werden kann. Genial.

Auch die Jungschauspieler überzeugen auf ganzer Linie, wirken sie doch ab und an wie echte Menschen. Mir ist es ein Rätsel, dass dieses Vorzeigeexemplar des deutschen Films nicht als neues »Fack Ju Göhte« gehandelt wird, ist doch jede noch so belanglose Anekdote aus jedermanns eigener Klassen- und Kursfahrt unterhaltsamer als das hier.1

EMDb – Rating: 1/5

  1. Zu meiner Verteidigung: Ich habe den Film im Rahmen eines Sneak Previews sehen müssen, das ich aufgrund kurzzeitigen Selbsthasses nicht verlassen konnte.

Ex Machina

108 Minuten langer Turing Test eines von Sinister Sergey Brin in der gesetzlosen Google-Zone gebauten Fembots. Visuell, akustisch und schauspielerisch top, teilweise gar kubrickesk. Bekommt dann erfreulicherweise auch die Kurve vor Captain Obvious und weiß, obwohl es (natürlich) nicht der erhoffte große Singularity-Wurf war, schlussendlich als empfehlenswerter Genre-Vertreter zu überzeugen.

EMDb – Rating: 3,5/5

Avengers: Age of Ultron

Das zweite Klassentreffen des Marvel-Universums, in dem vor allem die Rächer, die bisher nicht mit einem Solo-Abenteuer bedacht wurden, mit ein bisschen Background aufgewertet werden. Black Widow, Hulk und Hawkeye sind dann auch das einzige was in Erinnerung bleibt, denn Bösewicht Ultron bleibt meilenweit hinter Loki zurück. Die restlichen Rächer und deren hochbezahlte Freundinnen werden für ihr Heimspiel aufgespart, die sicherlich jeweils genauso werden wie Avengers 2 (und 3 und 4): solide Unterhaltung nach dem bewährten Prinzip. Kann man gut weggucken, das „Wow!“ des ersten Teils bleibt aber leider aus.

EMDb – Rating: 3/5