#kinolog (198)

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The Mandalorian & Grogu (2026)

Ich habe heute die vierte Staffel von »The Mandalorian« gesehen, der nach »Andor« zweitbesten Star-Wars-Serie. Die neue, diesmal nur 130 Minuten lange Staffel rund um Din Djarin und seinen Sprössling Grogu knüpft an das Erfolgs­rezept der vorherigen Staffeln an: Folge für Folge reiht sich Quest an Quest, Showdown an Showdown. Es bleibt keine Zeit zum Durchatmen, bis dann im letzten Drittel etwas Tempo heraus­genommen wird. Dabei treffen wir auf alte Bekannt, erbitterte Feinde und neue Freunde, mit denen es sicherlich & hoffentlich das ein oder andere Wiedersehen geben wird.

Grogu und Mando spähen hinter einer sandigen Düne hervor.

Nur: es handelt sich nicht um eine TV-Produktion, sondern um einen Kinofilm. »The Mandalorian« Season 4 heißt »The Mandalorian & Grogu« – und erfreu­licher­weise sieht man auch, dass das erstmal(s) auf der Leinwand und nicht auf Disney+ kommt. Denn visuell ist das hier sicherlich der Höhepunkt der Serie.

Die bisherigen Staffeln waren immer roundabout 260 Minuten lang. Anstatt also hieraus einfach ein verkürz­tes, halb so langes Abenteuer zu machen, ist es ein abend­füllender Film geworden. Warum? Das wissen nur die Verantwort­lichen von Disney. Vermutlich hat es mit Geld zu tun. Mir erschließt es sich jedenfalls nicht, denn bringt es die Storyline der beiden weiter? Mit­nichten. Aber es hat eine Menge Spaß gemacht.

So bleibt: Ein Spektakel ohne das Spektakel eines Star-Wars-Films. Quasi Star Wars für die Generation TikTok. Verrückt.  

Joker (2019)

Wie verfilmt man die Origin-Story einer Comicfigur ohne Origin-Story? Dieses grundlegende Problem löst Todd Phillips‘ »Joker« auf famose Art und Weise. Er zeigt wie der psychisch kranke Arthur Fleck vom gebrochenen Clowns­dar­steller zum skrupellosen Mörder wird, nachdem ihm sämtlicher gesell­schaft­liche und familiäre Halt entzogen wird. Im ungerechten 80er-Jahre-Molloch Gotham City führt das sogar zu Akzeptanz und Nachahmern als er Vertreter der Oberschicht tötet.

»Joker« ist damit eine gelungene Parabel der auch gegenwärtigen gesell­schaftlichen Entzweiung, die hervorragend – wenngleich auch fast schon zu „artsy“ – verfilmt wurde und Joaquin Phoenix zu Recht einen Oscar garantiert. Dennoch verließ ich das Kino ungewohnt unschlüssig und musste erstmal für mich definieren, ob und wo hierbei aus meiner Sicht Probleme bestehen. Zum einen störe ich mich an dem gezeigten, fast schon unausweichlich erscheinen­den Zusammenhang von Krankheit und Gewalt. Zum anderen habe ich ein anderes Verständnis vom Joker, den ich vielmehr als maximal anarchistischen Terroristen verstehe, denn als psychisch krankes Opfer seiner äußeren Umstände. Heath Ledgers Joker passt daher nach wie vor besser für mich, Joaquin Phoenix‘ Joker reiht sich aber ohne Frage in die Reihe herausragender Joker-Interpretationen ein.

Good Boys (2019)

Wenn Seth Rogen & Co. sich anderen Genres annehmen, ist dass gemeinhin ein Grund zur Freude. »Sausage Party« ist einer der krassesten Computer­animations­filme out there, »Long Shot« eine der lustigsten RomComs des Jahres.

Mit »Good Boys« nun also ein Kinderfilm oder ein Film über Kinder. Und das ist genau das Problem: Die Geschichte um 12 jährige Jungs vor ihrer ersten Knutschparty kann sich nicht so richtig entscheiden, in welche Richtung sie geht. Will sie kindgerecht sein oder lieber (junge) Erwachsene ansprechen? Das spiegelt zwar konsequent das Coming-of-Age-Dillema in dem sich die drei Protagonisten befinden (Spielen oder Mädchen?), hat für mich aber nicht wirklich funktioniert. Unter anderem weil »Stranger Things 3« das zuletzt als Nebenhandlung (!) so viel charmanter gemacht hat.  

Once Upon a Time in Hollywood (2019)

Tarantino nimmt sich in seinem neunten Film1 der Tate-Morde von 1969 an. Hervorragendes Zusammenspiel von DiCaprio und Pitt in einem einerseits typischen, andererseits untypischen Tarantino. Größte Stärke und Schwäche ist das Setting, sowie die Erwartungshaltung der Zuschauer und die Erwartungs­haltung der/des Filmemacher an sich selbst. Fazit: Meh.  

  1. Btw: Ich finde dieses „Der neunte Film von Quentin Tarantino“-Marketing unabhängig von Tarantino nach wie vor großartig. []

Shazam (2019)

Kurz nach Marvels »Captain Marvel« kommt nun DCs »Captain Marvel« in die Kinos, der wegen Rechtsstreitigkeiten heutzutage allerdings auf den Namen »Shazam« hört. Shazam wiederum ist nun DCs Interpretation einer Superhelden­komödie, die unweigerlich Erinnerungen an »Kick-Ass« oder »Deadpool« weckt. Während diese jedoch durch Grenzüberschreitungen punkten, bleibt »Shazam« jugendfrei und brav und erinnert mit seinem Superkraft verleihenden Zauberer eher an einen 80er-Jahre-Fantasyfilm.

Konsequenterweise steht dann auch eine Familie aus Pflegekindern im Mittelpunkt der Geschichte, aus deren Reihen Neuzugang Billy zu Shazam und schließlich zum festen Bestandteil der Familie wird. Eben diese Familie ist dann auch der eigentliche USP des Films, funktioniert die Konstellation der Kinder doch hervorragend. Aber: Während die Verwandlung zum Superhelden sehr amüsant ist, ist alles originär superheldenhafte in Anbetracht des Marvel-Kanons eher mäßig und unspektakulär. Dennoch: Guter Film, vielleicht sogar der beste DCEU-Eintrag seit »Man of Steel«.  

Cold Pursuit (2019)

»Cold Pursuit« (hierzulande »Hard Powder«) ist das neueste Abenteuer aus dem Liam-Neeson-verse. Diesmal als Schneepflugfahrer, dessen Sohn von der ortsansässigen Drogenmafia ermordet wird, was den unausweichlichen, hier bewusst überzeichneten, komischen Rache-Plot anstößt. Was der Trailer gut ankündigt, ist in Langform viel zu gewollt. Dennoch: Es gibt einige Momente und gute, skurrile Figuren. Für eine Fargo-esque Erfahrung, die hier offensichtlich das Ziel war, reicht das aber nicht.  

Vice (2018)

»Vice« erzählt vom Werdegang Dick Cheneys, der als Vize-Präsident unter Obermarionette George W. Bush zum de-facto mächtigsten Mann der Welt wurde. Das ganze ist hervorragend geschminkt, besetzt und gespielt (Chirstian Bale als Cheney, Sam Rockwell als Bush und Steve Carell als Donald Rumsfeld) und zeigt in ungewohnter Essayform, wie der Taugenichts Cheney zum rücksichts­losen Taktierer wurde. Regisseur und Autor Adam McKay reiht dabei absurd Komisches und abartig Erschreckendes so gekonnt aneinander, dass außer Frage steht, dass die politischen Geschehnisse von damals das mehr als beunruhigende, politische Amerika der Gegenwart zu verantworten haben.