Der Film, der alles sein wollte

Gestern im Sneak Preview Doomsday gesehen – und sowas hab ich bisher außerhalb fragwürdiger Spoof-Movies noch nicht gesehen, denn Doomsday versucht alle erfolgreichen Genres und alle Kultfilme der letzten Jahre in sich zu vereinen. 28 Days later trifft die Klapperschlange trifft Mad Max trifft Herr der Ringe trifft Gladiator trifft I am Legend und wird versüßt mit ner Prise Kannibalismus und Splatter. Story-technisch kommt uns der ganze Spaß dementsprechend bekannt vor: In Schottland bricht ein tödlicher (Zombie-)Virus aus, weshalb Großbritannien das Land aufgibt, zehn Meter hohe Mauern drum errichtet und die Schotten sich selbst überlässt. Soweit so gut bis besagter Virus plötzlich in London auftaucht und man geheimen Satellitenfotos zufolge bemerkt, dass es wieder menschliches Leben auf Glasgows Straßen gibt. Grund genug ein Team (inklusive Ex-Schottin) ins heruntergekommene Schottland zu schicken, um vor Ort nach einem Impfstoff zu suchen. Auf die Hilfe der „Wilden“ vor Ort kann das Team indes nicht hoffen, denn diese vertreiben sich ihre Zeit lieber mit Kannibalismus und Ritterspielchen und sind vom eingetroffenen Besuch gar nicht begeistert.

Was nach einer gehörigen Portion Trash klingt, die Regisseur und Autor Neil Marshall betrunken auf eine Serviette gekritzelt hat, ist genau das: Trash auf einer Serviette. Aber die Erfahrung zeigt ja, dass das nicht unbedingt was schlechtes sein muss: Schließlich gibt’s hier explodierende Häschen, geröstete Soldaten, Axtkämpfe, wilde Verfolgungsjagden und eine weibliche Snake Plissken in Form der Protagonistin. Doch während andere Trash-Produktionen á la Planet Terror oder Ebola Syndrome einfach ihr Ding durchziehen und Kultstatus erreichen, wirkt Doomsday viel zu bemüht und will es jedem Recht machen. Doch so einfach lässt sich das Trash-Feuilleton nicht beeindrucken – ansehen wird es sich Doomsday aber trotzdem…

PS: Wer mit der beschriebenen Art von Film so rein gar nichts anfangen kann, sollte um Doomsday natürlich einen weiten Bogen machen. Oder sich währenddessen betrinken.

Shortlink: eay.li/f3 Format: JSON

6 Reaktionen

  1. Okay, eher DVD, oder?

  2. Jap, ich hab den Streifen ja auch gesichtet und würd ih nur für Genre-Freunde empfehlen.
    ABER: wenn man nicht Bierernst an die Sache geht ist der Film extrem unterhaltsam – das konnte man so von „The Eye“ nicht behaupten. Vollpreiskinogänger sei aber eher einer der anderen Popcorn-Kracher ans Herz gelegt (also Indy 4, Iron Man oder auch Sex and the City – im Falle einer weiblichen Kommentarleserin 😉 ).

  3. Tonitos Kommentar hab ich eigentlich nichts weiteres hinzuzufügen. B)

  4. Naja, das „n“, was in der ersten Zeile bei „ihn“ ([…] und würd ihn nur für Genre-Freunde […]) fehlt wär nich schlecht! 😉

  5. Oha, am Donnerstag bin ich ja auch mal wieder in der Sneak. Ich hoffe bis dahin läuft „The Eye“ schon regulär…? Doomsday dürfte sicherlich ganz unterhaltsam sein in ’ner Sneak, allerdings hoffe ich sehr auf „Baker Street“ mit Statham, doch auch „Nim’s Island“ ist wohl nich ganz auszuschließen, also mal sehen, wie schlimm es mich erwischt. *g* Ich werde natürlich ebenfalls Bericht erstatten. Ich kann übrigens allen wärmstens „In Bruges“ auf Deutsch „Brügge sehen… und sterben?“ empfehlen, großartiger Film, den ich in der letzten Sneak sah…

  6. @ Tonito: Quatsch, ohne „n“ wars schön kryptisch, quasi Grimme-Preis verdächtig. 😉

    @ Asphar: The Eye läuft seit letzter Woche. Und ja, in ner Sneak könnte es einen schon schlimmer treffen als mit Doomsday. Und Brügge will ich auch noch sehen. Läuft der(nächste Woche) noch irgendwo in Köln?