#komödie

Review-Rundumschlag #1

Damit die Reviews hier wieder halbwegs aktuell sind (der Wrestler und die Watchmen wollen ja besprochen werden!) und nicht weil die jetzt besprochenen Filme so wenig her geben folgt nun ein kleiner Review-Rundumschlag.

Der Ja-Sager

Nach seinem eher mäßig gelungenen Abstecher ins Thriller-Genre macht Jim Carrey wieder das, was er am besten kann bzw. was wir von ihm erwarten. In Der Ja-Sager spielt Carrey Carl, der nach einer fehlgeschlagenen Beziehung sichtlich vereinsamt und desinteressiert ist, bis er von einem Freund überzeugt wird, an einem Seminar der Ja-Sager teilzunehmen. Fortan bejaht er jede ihm gestellte Frage, rutscht von einer Chance zur nächsten, von einem Fauxpas ins nächste und trifft zwischendurch die große Liebe. Dabei sind die Gags und Wendungen der Story so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Dann und wann bietet das zwar ein paar Lacher, insgesamt handelt es sich jedoch um eine mittelmäßige Vorstellung, der man keine weitere Beachtung zukommen lassen muss. Wenn also, dann auf DVD, bitte.

EMDb – Rating: 2/5

Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht

Vor einem Jahr war ich – wie auch der Rest der Filmwelt der über Film schreibenden Welt – sehr von Juno, dem „etwas anderen Teeniefilm“ (Zitat El Jefe), angetan. Und es liegt natürlich in der Natur des Business, dass erfolgreiche Ideen ausgeschlachtet oder geklaut werden oder man sich zumindest stark von ihnen inspirieren lässt. Nachdem Juno zumindest schon musikalisch fortgesetzt wurde, kommen nun also die Nachahmer. So einer ist Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht. Look & Feel sind nämlich einfach mal dem Achtungserfolg des letzten Jahres entliehen, thematisch aber beleuchtet man anstelle der ungewollten Schwangerschaft eher seichtere Teenie-Themen: die erste/große Liebe. Nick und Norah sind beide 16 Jahre alt und fahren beide auf total alternative Musik ab, die zwar zum Großteil gut ist, von der ich aber überwiegend noch nie etwas gehört hab. Er ist Hetero-Bassist in einer Schwulen-Band und trauert seine Ex Tris hinterher, indem er ihr unentwegt sorgsam zusammengestellte Mixtapes zukommen lässt. Sie ist die Tochter eines Plattenproduzenten und unbekannterweise in den Jungen verliebt, dessen unmittelbar entsorgte Mixtapes sie immer wieder aus dem Schulpapierkorb fischt. In einer ziemlich verrückten Konzertnacht lernen sich die beiden kennen und so weiter und sofort. Leider geht irgendwo zwischen der sichtlich bemühten Story deren Tiefgang verloren, was wirklich schade ist, denn dieser nächtliche Einblick in die New Yorker Indie-Szene hatte so viel mehr Potential.

EMDb – Rating: 2,5/5

Vorbilder

Und dann sind da noch die Vorbilder, der Film, der schon oben in der Überschrift am meistens geteasert wurde, woraus der Eindruck entstehen könnte, dass mir diese Komödie von den besprochenen Filmen am wenigsten gefallen hat. Der Eindruck täuscht! Die Story in der zwei Energy-Drink-Vertreter nach einem Ausraster dazu verdonnert werden, 150 Sozialstunden als „große Brüder“ zu verbringen, ist zwar alles andere als neu, dafür aber sehr sympathisch und, klar, so soll’s ja sein: lustig. Das liegt natürlich zum Großteil an den gegenteiligen Figuren die hier aufeinander treffen: der sarkastische, lustlose, frisch von seiner Freundin verlassene Danny wird dem 15 jährigen zurückgezogenen Live-Rollenspieler Augie zugeteilt; Partylöwe und Energy-Drink-Maskottchen Wheeler wird dem frühreifen, 10 Jahre alten Ronnie zugeteilt, mit dem ihm immerhin das Interesse am weiblichen Körper eint. Obwohl es keine allzu großen Überraschungen geben wird, werden Feunde der Apatow-Komödien (der mit Vorbilder erstaunlicherweise rein gar nichts mit zu tun hat) ihre Freude haben. Und Kiss-Fans auch.

EMDb – Rating: 3/5

1 1/2 Ritter zuviel

„Hey Stefan, kommst du heute Abend mit ins Kino und danach einen trinken?“ Mit diesen Worten und vor allem dem letzten Satzteil lockten mich meine Freunde in der vergangenen Woche ins Kino. Und dann, gut, in ne Bar. Seit dieser Woche bin ich Nachts schweißgebadet aufgeschreckt und habe selbst im Tiefschlaf geschrien und gewimmert. Der Grund für meinen schlechten Schlaf war das, was mir im Kino vorgesetzt wurde – namentlich 1 1/2 Ritter und wahrhaftig der größte Mist, für den ich jemals Geld bezahlt habe. Und glaubt mir, ich habe für sehr viel großen Mist sehr viel Geld bezahlt…

Auf die schwachsinnige, tot langweilige Story möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen. Ein Bild sagt da mehr als tausend Worte. 1 1/2 Ritter funktioniert von vorne bis hinten nicht, die Gastauftritte sind zutiefst peinlich und lediglich Rick Kavanian weiß ab und an zu überzeugen. Zumindest für die Verhältnisse dieses Films. Dass 99,9% der Witze platteste Rohrkrepierer sind, rundet das eh schon negative Gesamtbild gekonnt nach unten ab.

Es ist mir wirklich ein Rätsel wie Til Schweiger, dessen schauspielerisches Potential zwar offensichtlich sehr beschränkt ist, der aber mit seinen letzten, überraschend passablen Eigenproduktionen Barfuss und Keinohrhasen Erfolge einfuhr, einen derartigen Dreck produzieren konnte und es sich tatsächlich wagt, Menschen in Zeiten von Finanzkrise und Hungerlohn dafür an die Kinokassen zu bitten. Meines Erachtens ist „1 1/2 Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“, wie das ganze Elend mit vollem Titel heißt, eine Beleidigung für den Zuschauer. Ganz davon zu schweigen, dass zumindest ich es mehr als bedenklich finde, dass Herr Schweiger seine sexistischen Testosteron-Trips, die meistens willenlose, einfältige Frauen beheimaten, tatsächlich seinen Kindern widmet. Ich würde mich schämen. Aber Scham dominiert hier eh das Rezeptionserlebnis. Und Aggression. Darüber, dass es sowas ins Kino schafft.

(Dabei kann er’s doch eigentlich besser, der Til.)

EMDb – Rating: 0,5/5

Vier Weihnächte

Um uns auf die familiären Feierlichkeiten der Festtage bestens einzustimmen, haben die Freundin und ich uns kurz zuvor die romantische Weihnachtskomödie „Four Chistmases“ gegeben, die hierzulande den schon mindestens tausend Mal gehörten Titel Mein Schatz, unsere Familie und ich trägt. Eine weitere Beziehungskomödie, die irgendwas mit Weihnachten zu tun hat. Aber was? Der ebenso unspektakuläre Original-Titel offenbart: irgendjemand ist hier in vier Weihnachtsfeste involviert. Klar, dass es sich dabei um „mein Schatz“ und „ich“ handelt. Konkret liest sich das dann so:

Das Mittdreißiger-Pärchen Kate und Brad, beide Scheidungskinder, hasst Weihnachten. Also verabschieden sie sich jedes Jahr in den Urlaub bis der Spuk vorüber ist. Doch dieses mal geht etwas schief und die beiden sind gezwungen bei Kates Mom, Kates Dad, Brads Mom und Brads Dad aufzulaufen. Und wie könnte es anders sein: die Familien überbieten sich gegenseitig im WTF-Faktor. Etwa wenn sich herausstellt, dass der erfolgreiche Anwalt Brad (Vince Vaughn) eigentlich Orlando heißt, da er ebenso wie seine Brüder Denver und Dallas, beide übrigens leicht aggressive Amateur-Wrestler, nach seiner Zeugungsstadt benannt wurde. Und natürlich hat auch Kate (Reese Witherspoon) einige übergewichtige Leichen im Keller. Kurzum: es wird außerordentlich peinlich für die beiden.

Alles bis hierher beschriebene ist ziemlich unterhaltsam, selten zu platt und durch die fast episodenhafte Aufteilung in die vier Familienbesuche nett erzählt. Doch irgendwann schlägt auch „Four Christmases“ gewohnte Pfade ein: das überraschend unkonventionelle Pärchen zerbricht fast, als Kate sich wünscht die lockere Beziehung zu Brad zu festigen. Folglich müssen sie sich wieder zusammenraufen, was sie natürlich schaffen und unter dem Schlussstrich steht im Endeffekt natürlich, dass Familie was ganz tolles ist.

Es ist zwar schade, dass Mein Schatz und der Rest das allseits bekannte Muster tausender anderer Romantic Comedies aufgreift, aber verwundern tut es leider nicht. Damit ist zu rechnen und das fordert das (weibliche) Publikum ja auch. Dennoch: andere Familien haben auch einen Hau weg – sehr beruhigend vor dem alljährliche Weihnachtstreffen in der eigenen Sippe. In diesem Sinne:

EMDb – Rating: 3/5

Du weißt, dass du nichts weißt

Wie jeder halbwegs vernünftige Filmfreund habe auch ich mich in die Filme von Ethan und Joel Coen verguckt. Kaum jemand anders weiß sich derart auf dem Parkett von Komödie & Tragödie zu bewegen. Und mit Burn After Reading tun sie natürlich erneut genau dies. Klar, es ist wieder einer der „lustigeren“ Filme der Coens, aber wer mit ihrem Gesamtwerk vertraut ist, weiß, dass das Komische eben wieder aus der individuellen und interdependenten Tragik der Figuren herrührt. In Burn After Reading heißt das, dass die Figuren zwar ein (vergleichsweise lächerliches) Ziel verfolgen, aber im Grunde gar keine Ahnung haben, was sie da eigentlich tun…

Der Film zoomt zu Beginn aus Sicht eines Spionage-Satelliten ins Geschehen. In den folgenden 96 Minuten lernen wir in aller, aller Ruhe die Protagonisten kennen. Den wegen Alkoholsucht entlassenen CIA-Agenten Osbourne Cox (John Malkovich), seine biedere Ehefrau Katie (Tilda Swinton), ihre Affäre, den notorischen Fremdgänger Harry Pfarrer (George Clooney) und die beiden Fitness-Club-Mitarbeiter Chad (Brad Pitt) und Linda (Frances McDormand). Cox plant, nachdem er von der CIA entlassen wurde, seine Memoiren zu verfassen. Diese pseudo-brisanten Dokumente fallen jedoch ins Chads und Lindas Hände, die bei dem „großen Scheiß“ ihre Chance auf ein bisschen Geld wittern. Nach dem erfolglosen Erspressungsversuch gegen Cox wenden sie sich an die russische Botschaft. Doch irgendwie läuft alles aus dem Ruder und selbst die CIA-Oberen haben keine Ahnung, was da eigentlich warum geschieht.

Während in früheren Coen-Werken immer das spontane, impulsive Versagen einzelner Figuren im Vordergrund stand, so scheint es, als habe man es in Burn After Reading nur mit vollkommenen Vollidioten zu tun. Opfer und Täter sind gleichermaßen diffus. Zumindest aber sind es hauptsächlich Menschen, die nichts wirklich böses im Schilde führen und sich urplötzlich in einem für sie nicht greifbaren System von Überwachung, Kontrolle und Paranoia befinden. Derweil ist dieses Überwachungssystem, dieser Überwachungsstaat, selbst nicht in der Lage die Geschehnisse zu begreifen oder auf sie zu entsprechend zu reagieren. Stattdessen agiert das System irgendwie – und so kommt es zu einem des besten Epiloge, die man in letzter Zeit im Film zu sehen bekommen hat.

Die einfache Botschaft dahinter: die Überwachung der kompletten Bevölkerung führt das Prinzip Überwachung ad absurdum. Klar, dass ganze scheint kein Meisterwerk á la No Country for Old Men zu sein, gehört aber trotzdem zum besten, was man dieser Tage und dieses Jahr im Mainstream-Kino zu sehen bekommt. Apropos Mainstream: Während die männliche Hälfte von Brangolina auf den ersten Blick ein Zugeständnis gen Massenpublikum und Teenie-Girls zu sein scheint, so offenbart sich während Burn After Reading doch das wahrlich großartige und unterhaltsame komödiantische Talent eines Brad Pitt, von dem ich mir alsbald mehr (im Coen-Kosmos) wünsche.

EMDb – Rating: 4,5/5

Dumm und Dümmer 2008

Stiefbrüder, den neuen Film von Will Ferrell und John C. Reilly, könnte man getrost als infantilen, regressiven Mist abtun. Aber stattdessen kann man sich auch 100 Minuten zurücklehnen und sich von den infantilen, regressiven Taten zweier 40 jähriger Männer, die noch Zuhause wohnen, belustigen lassen. Ich habe mich standesgemäß für letztere Sichtweise entschieden und konnte den Stiefbrüdern daher doch einiges abgewinnen. Gut, man muss schon etwas für den Ferell-, Reilly-, Apatow-typischen Humor (also Furzwitze, von Kindern verprügelte Männer und hilflos überforderte Eltern im Rentenalter) übrig haben, aber dann hat man eine gute Zeit. Vor allem das Spiel der beiden Hauptdarsteller ist eine wahre Freude, spielen sie sich doch gekonnt gegenseitig an die Witz-Wand. Und mit den biederen, ernsten Eltern und der gemeinsamen Hassfigur des Bruders TJ (der eigentlich perfekt für Tom Cruise gewesen wäre) hat man ihnen ideale Gegenparts gegenübergestellt.

Wie gesagt – und man kann das hier nicht oft genug betonen -, Stiefbrüder ist keine Hochkultur und mit Sicherheit auch nicht die beste Komödie des Jahres. Wer aber auf der Suche nach leichter Kost für einen DVD-Abend mit Currywurst und Bier ist, kann demnächst getrost zu dieser Erwachsenen-Dystopie greifen.

EMDb – Rating: 3/5

Tropisches Donnerwetter

Selbstredend bin ich ein großer Fan von Ben Stiller, Jack Black und, klar, Robert Downey Jr.. Ich habe Zoolander geliebt, verehre Tenacious D und denke, dass Downey Jr. die coolste Sau auf dem Planeten ist. Dementsprechend erfreut war ich, als ich hörte, dass die drei im Rahmen einer Komödie unter Stillers Regie zusammengefunden haben. Und daher wiederum trugen mich meine Füße am Release-Donnerstag ins hiesige Lichtspielhaus, um mit einer nicht zu knappen Erwartungshaltung Tropic Thunder zu begutachten…

Tropic Thunder ist ein Film im Film. Besagte Schauspieler spielen nämlich Schauspieler, die in dem Vietnam-Action-Epos Tropic Thunder mitspielen. Doch gestalten sich die Dreharbeiten mit den Stars schwieriger als gedacht. Die Tage vom einstigen Actionstar Tugg Speedman (Stiller) scheinen gezählt, die Eddy-Murphy-Fatsuit-Parodie, der Komödiant Jeff Portnoy (Black), hat ein Drogenproblem und Oscarpreisträger Kirk Lazarus (Downey Jr.), der sich extra für die Rolle in einen Schwarzen umpigmentieren ließ, verliert sich in seiner Rolle. Auf Druck des cholerischen Produzenten (Tom Cruise) entschließt sich der Regisseur dazu, die Dreharbeiten weg vom Set in den echten Dschungel zu verlegen. Dort befinden sich die Stars jedoch inmitten der vietnamesischen Drogenmafia und die Gefahr wird real.

Bevor der eigentliche Film allerdings beginnt, bekommt der Kinozuschauer Faketrailer á la Grindhouse zu sehen, in denen die Paraderollen der fiktiven Tropic-Thunder-Stars vorgestellt werden. Allein hierfür würde sich der Gang ins Kino bereits lohnen, doch keine Angst: auch der Film selbst hat mir gut gefallen. Während die erste Hälfte schlichtweg überragend ist und zum Unterhaltsamsten gehört, was man in diesem Kinojahr bisher zu sehen bekommen hat, bleibt die zweite Hälfte, der Main-Plot, nur gut. Zwar verbirgt sich dahinter auch ein guter Actionfilm, aber Timing & Witz der ersten Hälfte sind hinterher irgendwie verloren gegangen. Generell wäre da noch viel mehr politisch unkorrektes Potential drin gewesen, doch hat man sich hier zugunsten des Mainstream in Verzicht geübt. Schade.

Und dann war da noch was, von dem ich nie gedacht hätte, dass es möglich ist: Tom Cruise, der im fiesen Fatsuit den fiesen Produzenten mimt, ist angenehm uneitel und zutiefst unterhaltsam. Während Jim Carreys Karriere unter Stillers Regie fast zerstört worden wäre, ja, dann hat der neue Stiller-Film die Karriere vom fiesen Cruise vielleicht auch nicht gerettet, ihn aber zumindest in ein besseres Licht gerückt. Wer hätte sowas erwartet?

EMDb – Rating: 4/5

Lass knacken!

Man kommt ja zu nichts mehr. Nur: exzessives Feiern mit Italienern, exzessives Arbeiten für Italiener und exzessives Kümmern um erkrankte Familienmitglieder. Da bleiben Film-Reviews schon mal auf der Strecke, sorry. Trotzdem möchte ich euch heute ganz vorbildlich mitteilen, wie mir Leg dich nicht mit Zohan an letzte Woche gefallen hat. Und ja, ich rede hier bewusst von „Leg dich nicht mit Zohan an“ anstatt „You Don’t Mess with the Zohan“, weil der von mir gesichteten synchronisierten Fassung wohl viel Wortwitz abhanden kommt. Die Autoren haben nämlich eine Vielzahl von hebräisch-englischen Neologismen erdacht, die wohl im Deutschen nicht so zünden bzw. gar nicht möglich sind. Nichtsdestotrotz kann ich schon verraten, dass man sich auch um unsere Synchronfassung bemüht hat.

Zur Story: Der israelische Top-Anti-Terror-Kämpfer Zohan (Adam Sandler) täuscht in seinem letzten Einsatz seinen eigenen Tod vor, um in New York unbemerkt ein neues Leben zu beginnen und endlich seiner heimlichen Leidenschaft dem Haare schneiden nachzukommen. Zohan, der erstaunt feststellt, dass Juden und Araber hier friedlich Tür an Tür leben, ist alles andere als ein konventioneller Frisör – um seine ältere, weibliche Kundschaft kümmert er sich schon mal mit vollstem Körpereinsatz. Klar, dass sein Tun nicht unbemerkt bleibt und schon bald sind ein paar Amateur-Terroristen hinter ihm her.

Obwohl uns die Handlung inmitten des Nahostkonflikts versetzt, was ich durchaus sehr begrüßenswert finde, bleibt sie doch eigentlich nur Grundgerüst für Gags. Das alles hätte auch einem Franzosen in Ostberlin oder einem Iren im Vatikan passieren können. Obwohl – oder gerade weil – das Niveau der Witze Sandler-typisch irgendwo zwischen Bauchnabel und Kniekehle angesiedelt ist und auch hier von der Gag-Schrotflinte Gebrauch gemacht wird, hat man genug zu lachen. Am Ende des Tages ist’s vielleicht nicht mehr als ein Mashup von Borat und Hot Shots, versehen mit ner Packung Adam Sandler und ner Prise Judd Apatow, aber eurem einfältigen Eay hat’s ganz gut gefallen.

EMDb – Rating: 3/5

Nicht noch ein Geheimagentenfilm (?)

Obwohl die letzten beiden Filme mit Steve Carell eher enttäuschend waren, fand ich mich vorgestern Abend in Get Smart wieder. Eigentlich ist Carell ja schon ein lustiger Typ – geben wir ihm also eine letzte Chance fernab seiner Paraderolle als Bürochef. In Get Smart spielt Carell Max Smart, einen ambitionierten, aber inkompetenten Geheimagenten einer Geheimorganisation namens CONTROL, der gegen die Terroristen von KAOS kämpft.1 Unterstützt wird er dabei von seiner Kollegin Agent 99 (Anne Hathaway), die – das kennen wir schon seit Inspector Gadget – seine Tollpatschigkeit relativiert. Ihr gemeinsamer Kampf gegen KAOS endet schließlich mit einem Atom-Attentat auf den Präsidenten und L.A., das vereitelt werden muss.

Wer hier die 08/15-Agentenkomödie vermutet, hat nur zum Teil recht. Klar, viele Gags sind altbekannt, bereits im Trailer durchgekaut und viele auch einfach nur olle Rohrkrepierer ohne Daseinsberechtigung. Zudem ist der Film teilweise zu langatmig und versucht seine Komik durch die Zurschaustellung irgendwelcher – entschudligt den Ausdruck – Freaks zu erreichen. Kann man machen, muss man aber nicht gut finden. Was hingegen toll ist, ist dass Carells Figur sich ernst nimmt und nicht in die Peinlichkeiten eines Johnny English abdriftet. Und ja: manche (wenn auch wenige) Gags hatten es dermaßen in sich, dass mir das Pipi in die Augen schoss2. Hier sei vor allem der grandiose Auftritt vom König der Tragödie Bill Murray erwähnt.

Kurzum: hier wird mit der Gag-Schrotflinte ins Kinopublikum gefeuert, um es jedem einzelnen Recht zu machen. Das klappt natürlich nicht immer, aber eben manchmal. Und da Get Smart mich besser unterhalten hat als erwartet, konnte ich zufrieden das Kino verlassen.

EMDb – Rating: 2,5/5

  1. Es handelt sich hierbei übrigens um die Verfilmung der gleichnamigen US-TV-Serie aus den 60ern, auf die ich hier wegen meiner (und eurer!) Unkenntnis nicht weiter eingehe. []
  2. Ja, mit diesem Halbsatz habe ich mir sehenden Auges jegliche Chance verbaut irgendwann mal Filmkritiken auf professioneller Ebene zu veröffentlichen. Spätestens. []

You name it, we shoot it

Am Wochenende Be Kind Rewind gesehen, den ich lange und sehnsüchtigst erwartet habe. Die Idee ist großartig: Jack Black wird beim Versuch ein Kraftwerk lahm zu legen magnetisiert. Als er die Videothek seines besten Freundes betritt, löscht er sämtliche VHS-Kassetten. Um die Videothek vor dem Bankrott zu retten, entschließen sich die zwei die gelöschten Filme selbst nachzudrehen, zu „sweden„. Schon bald erreichen die Filme Kultstatus in der Nachbarschaft. So wunderbar und innovativ das alles klingt, kann es natürlich nicht sein – wäre ja auch zu schön gewesen. Stattdessen geht dem Film die Luft aus: Man bekommt nur eine Hand voll geswedeter Filme zu sehen und anstatt hier auf nachgedrehte Blockbuster zu setzen, gibt’s Filme, die beim Großteil des Publikums nur ein großes Fragezeichen über dem Kopf hervorriefen. Auch die schlussendliche Kritik an Hollywoods bizarrem Copyright-Konstrukt kann – obwohl ebenso wunderbar – nicht mehr viel ausrichten. Die Idee von „Abgedreht“ (selbst der deutsche Titel ist gut) ist schlichtweg genial und auch die Webseite ist toll (zu welcher Film-Webseite kann man das schon sagen?). Gäbe es Schulnoten, wäre für den sympathischen Film eine 1+ mit Sternchen und stolzer Lehrerin drin. Leider hapert’s an der Umsetzung: die verdient nur eine 3-. Die Revolution, der Regisseur Michel Gondry hier ein Manifest hätte setzen können, bläst er leider bereits ab bevor es richtig losgeht. Zu schade.

Hardcover – Weltexklusiv erstes Review

Zu Beginn war die gestrige Sneak von Vorurteilen geprägt: Finanziert durch die Filmförderung NRW, produziert vom WDR und Arte. Och Gott, was wird da auf uns zukommen? Hardcover kam auf uns zu und darum geht’s in der deutschen Produktion: Christoph ist Teilzeit-Autor eines drittklassigen Krimiheftchens und arbeitet hauptberuflich bei einer Autovermietung. Als eines Tages Vollzeit-Assi Dominik auftaucht und ein Auto bei Christoph klaut, dennoch aber von Christoph gedeckt wird, schließen die beiden einen Deal: Christoph begleitet Dominik bei seinem Alltag als „real gangster“, um darüber ein richtiges Buch (mit Hardcover) zu schreiben. Klar, dass die beiden ein ungleiches Paar sind und Christoph immer mehr ins Milieu rutscht. Und was wir dabei zu sehen bekommen, ist nicht weniger als der Beweis dafür, dass deutsche Komödien auch richtig gut sein können sobald man sich vom Comedy-Freitag-Format der Bully- und Wixxer-Filme verabschiedet. Wer über sonnenbankgebräunte Düsseldorfer Gangster lachen kann, die auf nichts mehr als ihre „street credibility“ achten, der ist hier gut aufgehoben. Ja, der Film hat Kultpotential. Wenn ihr ab dem 3. April ins Kino eurer Wahl geht und euch Hardcover anseht, habt ihr meinen Segen.

Hui, der Film hat erst heute Abend seine Premiere. Mensch sind wir wieder schnell hier…