#journalismus (38)

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Your favorite tumblr for the next 5 minutes (31): Wir schicken wen

Ralf Heimann, seineszeichens Lokalreporter bei der Münsterschen Zeitung, sammelt in seinem Tumblelog „Wir schicken wen“ Missgeschicke seiner Kollegen und Kuriositäten des Lokaljournalismus. Außerdem hat er das Thema bereits in Buchform verarbeitet. Mit Perlen des Lokaljournalismus gibt es zudem eine Facebook-Seite, die in dieselbe Richtung geht. (via Phänomeme)

LSR- und Depublizierungs-Rant

Ich habe vorgestern die Übersetzung eines Textes von Jeff Jarvis gelesen, dann aber das Original zitiert und verlinkt, weil der Akt der Überführung von Besuchern auf deutsche Verlagsangebote hierzulande ja eventuell – wer weiß das schon genau? – nicht rechtens ist. Stichwort Leistungsschutzrecht.

Ron hat mich daraufhin per Twitter darauf aufmerksam gemacht, dass Der Freitag, bei dem Jarvis‘ Text u.a. auf deutsch erschienen ist, damals „feierlich“ erklärt hat, das LSR nicht wahrnehmen zu wollen. Solche Erklärungen gibt’s auch von SpOn und sicherlich auch Zeit.de, wo ich den Text ursprünglich gelesen habe. Das ist schön und gut und wäre auch ganz lobenswert, wenn die Branche als ganzes das LSR zuvor nicht, indem kaum bis gar nicht berichtet wurde, toleriert hätte. Ist ja auch klar: Man weiß nicht, wo die Reise hingeht und wenn da wer mit einer potentiellen Einnahmequellen daherkommt, hält man lieber die Füße still. Möglicherweise lesen die Kids bald gar nicht mehr. Oder noch schlimmer: Nur noch die Headlines via Google, Facebook und Konsorten. Oder aber sie „setzen“ Links wie es ihnen beliebt. Womöglich sogar auf Opel.de. Ich schweife ab.

Jedenfalls weiß man nicht, ob Erklärungen darüber, dass weiter verlinkt und zitiert werden darf, rechtsgültige Freifahrscheine oder lediglich Lippenbekenntnisse sind. So lange dieses Unsinnsgesetz also weiterhin besteht und sei es nur als Papiertiger, werde ich – wann immer möglich – lieber auf ausländische Medienhäuser oder Nicht-Verlage verweisen. Und meinen Unmut darüber kundtun. Aus Prinzip.

Und wo wir schon dabei sind: Die Depublizierung von Inhalten der Öffentlich-rechtlichen halte ich für gleichwertigen Gesetzesmist, der 2009 eigentlich einen bundesweiten medialen #Aufschrei zur Folge hätte haben müssen. Aber hier wie da sah sich die schreibende Zunft nicht in der Lage ihrer einzigen Aufgabe, dem Bericht erstatten und Informieren, nachzukommen. Denn anstelle von Empörung darüber, dass Millionen von Deutschen das, was sie per Rundfunkbeitrag schon bezahlt haben, wieder weggenommen wird, herrschte großes Schweigen. Weil weniger tagesschau.de-Leser ja mehr Reichweite für Spiegel-, Bild-, FAZ- und Kunz Online bedeutet. Also danke auch dafür.

Oder um es kurz zu machen: Die Übersetzung von Jarvis‘ Text wird weiterhin nicht verlinkt. Trotzdem danke für den Hinweis, Ron. 😉

35 Jahre Nachrichten auf 140.000 Videokassetten

Verrückte Geschichte: Die US-Amerikanerin Marion Stokes, die 2012 im Alter von 83 Jahren verstorben ist, hat 1977 damit begonnen, die Nachrichtensendungen etlicher US-Fernsehsender aufzuzeichnen. Teilweise mit acht Videorekordern im Parallelbetrieb. Um den Bandwechsel nicht zu verpassen, schlief sie nie länger als sechs Stunden und verabschiedete sich schon mal früher von Restaurantbesuchen. Auf die Frage, was sie das eigentlich mache, sagte sich nur „Ich archiviere, sonst nichts“ – vermutlich darum wissend, dass ihr Archiv für Medienwissenschaftler mal eine wahre Goldgrube sein wird.

Ihr Nachlass befindet sich mittlerweile in den guten Händen des Internet Archive und wird im Idealfall irgendwann irgendwie öffentlich zugänglich gemacht. Gäbe es einen offiziellen Geek- und Nerd-Award sollte der Frau Stokes posthum unbedingt verliehen werden. <3

„So cool wird das neue iPhone!“

Weil wir uns hier ja auch schon so einige Gedanken zum ominösen Apple-Tablet gemacht haben, möchte ich euch folgendes nicht vorenthalten: ein Artikel aus einem „German Kids Magazine“, der nicht nur besagtes Gerät abbildet, sondern das Kind auch gleich beim Namen nennt. Demnach soll es „iPad“ heißen – Allways und Carefree werden sich freuen. Und man weiß sogar noch weitere Details zum „Nachfolgemodell des iPhones“: es soll ein 10,7″ Display haben, dass sich „super für Games, Videos und HD-Filme“ eignet, im Januar vorgestellt werden und im Mai auf den Markt kommen. Nur warum das Ding zwei Home-Buttons hat, wird aus dem Artikel nicht ersichtlich.


(via)

Seid ihr irre?


„Ist Knut irre?“, fragt der Berliner Kurier. Und weiter: „So böse haben wir unser Bärchen noch nie gesehen. Was sagen Experten:“ Aber Expertenmeinung ist hier gar nicht nötig, schließlich gibt’s ja schlaue Menschen in Berlin, die sich zu Wort melden und mit allerlei rhetorischen Wassern gewaschen sind. So fragt und erklärt da einer:

Wollen Sie wirklich das Ansehen eines jungen Eisbären zerstören? Knut ist fasziniert von Kindern, seit er mit einem kleinen Jungen gespielt hat.

„WTF?!“ würde der geneigte, Internet-affine Leser jetzt sagen. „Ich bin fasziniert von Pizza, seit ich das erste Mal mit Pizza gespi…“ — aber bevor man über die Kinder-Faszination eines Eisbären philosophiert, packt jemand anders schon die Mitleidskeule aus:

Sicher ist Knut nicht irre, aber er wurde ja von dem Menschen, den er als Mutter ansah, allein gelassen. […] Jetzt ist Knut ein Waisenkind.

Und, ooh, Waisenkinder gehen schließlich immer. Und wie würden Sie sich fühlen, wenn den ganzen Tag über jemand an ihre Scheibe klopft? Hm? Das ist nicht lustig! — Was hingegen lustig ist, sind solche Schlagzeilen und Menschen, die darauf reagieren (und Menschen, die dann darauf reagieren: me!). Manchmal glaube ich ja, dass die Boulevardmedien von den selben Leuten betrieben und gelesen werden, die auch auf YouTube kommentieren. Gleich weich. Und wäre ich Journalist da, ich würde mich in Grund und Bogen schämen die Leute tagtäglich für so dumm zu verkaufen. Aber es klappt ja anscheinend. (Aufmerksamkeit und Foto via Popmoderne)

PS: Mich interessiert dieser ganze Eisbärenmist natürlich nicht, aber ich habe Knut auch gesehen!!!!!!!1!! Als er noch süß war!!!!!! Hier ein Foto!!!!