Enzyklika Magnifica Humanitas des heiligen Vaters Leo XIV. über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz

Schon zu Recht überall durchgereicht, ist das doch für eine Enzyklika unge­wöhnlich aktuell und trifft den Zeit­geist und die bevor­stehenden Heraus­forderungen für unseren globalen und gesamt­gesellschaftlichen Umgang mit Künst­licher Intelligenz, der Konzen­tration von Kapital und Macht doch sehr genau.

Hier z.B. Definition und Abgrenzung von KI [Absätze und Soft-Hyphens von mir für etwas bessere Lesbarkeit hinzugefügt; das Zitat ist im Original ein einzelner, langer Absatz (#99).]:

Es ist nicht möglich, eine eindeutige und umfassende Definition von Künst­licher Intelli­genz zu geben. Fest steht jedoch, dass das Miss­verständnis zu vermeiden ist, diese „Intelli­genz“ mit der menschlichen gleich­zusetzen. Diese Systeme ahmen bestimmte Funktionen der menschlichen Intelli­genz nach. Dabei übertreffen sie sie oft an Geschwindig­keit und Rechen­leistung und bieten somit in zahlreichen Bereichen konkrete Vorteile. Diese Leistungs­fähigkeit hat jedoch ausschließlich mit der Daten­verarbeitung zu tun: Sogenannte Künstliche Intelli­genzen machen keine Erfah­rungen, besitzen keinen Leib, empfinden weder Freude noch Schmerz, reifen nicht in Bezie­hungen, wissen nicht von ihrem Inneren her, was Liebe, Arbeit, Freund­schaft und Verant­wortung bedeutet.

Sie haben auch kein moralisches Gewissen: Sie unter­scheiden nicht zwischen Gut und Böse, sie erkennen nicht den eigentlichen Sinn von Situa­tionen und sie nehmen die Last der Konse­quenzen nicht auf sich. Sie können Sprache, Verhalten und Beur­teilungen imitieren, sie können Empathie oder Verständnis simulieren, aber sie verstehen nicht, was sie damit bewirken, denn sie bewegen sich nicht in jenem affektiven, relationalen und geistigen Horizont, in dem der Mensch zur Weisheit gelangt.

Auch wenn diese Werkzeuge als „lernfähig“ dargestellt werden, unter­scheidet sich ihre Art des Lernens von der einer menschlichen Person. Es handelt sich nicht um die Erfahrung eines Menschen, der sich vom Leben formen lässt und im Laufe der Zeit durch Entschei­dungen, Fehler, Vergebung und Treue wächst; vielmehr ist es eine statistische Anpassung auf der Grundlage von Daten und Rück­meldungen, die zwar sehr effektiv sein kann, aber kein inneres Wachstum impliziert.

Und Tolkien zitiert er dann auch noch (#213).

Bevor ihr euch aber jetzt das sehr lange, sehr päpstliche Dokument durchlest, sei euch die Episode „API et Orbi“ von Haken dran vom vergangenen Freitag empfohlen, in der Gavin Karlmeier und Stefan Schulz sich der Einordnung des Papstes annehmen:

Wir versloppen uns zu Tode: Der Papst hat eine Meinung zu KI – und sie fällt sehr deutlich aus. Die KI ist kein Mensch, die Tech-Broligarchie ist moderner Kolonialismus, KI muss entwaffnet werden und unsere Daten gehören uns und nicht denen, die sie verarbeiten. Über diese Deutlichkeit, über den Widerstand, den wir dagegen aufbringen müssen […]. Der Podcast zum größten Raubzug der Menschheit gegen die Menschheit.

Darüber hinaus haben sich beide noch weiter mit der Thematik beschäftigt: Gavin in seinem Blogeintrag „Ist Claude ein ‚Kind Gottes‘?“ und Stefan in der aktuellen Ausgabe (hier z.B. auf YouTube) seines Podcasts Die neuen Zwanziger.

Enzyklika von Papst Leo XIV. „Magnifica Humanitas“ (15. Mai 2026) | OpenGraph Preview Image
vatican.va

Enzyklika von Papst Leo XIV. „Magnifica Humanitas“ (15. Mai 2026)

ENZYKLIKA MAGNIFICA HUMANITAS DES HEILIGEN VATERS LEO XIV. ÜBER DIE BEWAHRUNG DES MENSCHEN IM ZEITALTER DER KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ [ Multimedia ] ___________________________

Shortlink: https://eay.li/42k Geolocation: 50.9739, 6.6828 Syndication: bsky.app, eay.social, eay.social
Format: JSON

Support your local eay!

Dir gefällt, was ich hier tue? Du kaufst gerne bei Jeff Bezos ein? Dann empfehle ich dir meinen Amazon-Partnerlink und einen Blick in meine Wunschliste für Ideen zum Geld ausgeben.

14 Reaktionen / Kommentar schreiben

  1. Kommentar von Inspektor Skadget auf Bluesky, der nicht hier hin synchronisiert wird weil Privat-Account, den ich aber nicht missen möchte, weil on point:

    Screenshot eines Bluesky-Threads. Ein Post von „Inspektor Skadget“ zeigt ein dreiteiliges Meme mit Szenen aus einem Fantasyfilm: Zwei Figuren unterhalten sich, wobei einer eine stilisierte Papst-Mitra trägt. Der Text lautet: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal an der Seite des Papstes gegen KI bin“ – „Und wie klingt ‚an der Seite eines Freundes‘“ – „Scheiße nein, aber ich nehme wen ich kriegen kann.“ Darunter antwortet Stefan: „Genau so. 🙈“

    Permalink Permalink In reply to post
  2. von Haken dran am Repost Permalink Quelle
  3. von Gavin Karlmeier am Repost Permalink Quelle
  4. von #blogpost am Repost Permalink Quelle
  5. von Journalism & Comment Feed am Repost Permalink Quelle
  6. von EchoFeed Amplify am Repost Permalink Quelle
  7. von KF am Repost Permalink Quelle
  8. Ich weiss, das der Vergleich zum Menschen sehr verlockend ist (habe ich doch neulich erst Agenten und Göttwr gleichgesetzt). Aber ich fürchte, das führt am Kern der Herausforderung vorbei. Agenten sind die Industriealisierung von aller Arbeit, die an einem Computer gemacht werden kann, which is an awful lot by now. Es spielt keine Rolle, ob sie irgendwelche anderen Ähnlichkeiten mit Menschen haben. Ich fürchte es wird auf eine Industrialisierung 3.0 hinauslaufen und wir alle wissen, wie kacke die ersten beiden gelaufen sind. Aber ach … danke trotzdem!

    Permalink Permalink In reply to post

Kommentieren