#netzkultur

„The web is under threat.“

Tim Berners-Lee bleibt auch zum am Montag stattgefundenen 29. Geburtstag des World Wide Web seiner alten Tradition treu und beschrieb den aktuellen Zustand seiner Erfindung. Neben der Herausforderung, die noch nicht vernetzte Hälfte der Weltbevölkerung online zu bringen, macht er als größtes Hindernis für ein innovatives, inklusives Web die dominanten Plattformen aus:

The web that many connected to years ago is not what new users will find today. What was once a rich selection of blogs and websites has been compressed under the powerful weight of a few dominant platforms. This concentration of power creates a new set of gatekeepers, allowing a handful of platforms to control which ideas and opinions are seen and shared.

These dominant platforms are able to lock in their position by creating barriers for competitors. They acquire startup challengers, buy up new innovations and hire the industry’s top talent. Add to this the competitive advantage that their user data gives them and we can expect the next 20 years to be far less innovative than the last.

Gerade der Punkt des Aufkaufens von Startups und Talenten ist ein interessanter, strebt anscheinend doch ein jeder den lukrativen Exit durch Google & Co. an. Tatsächlich ist auch bekannt, dass etwa Facebook ganze Datenbanken mit Konkurrenzprodukten und innovativen, möglicherweise gefährlich werdenden Startups betreibt, die im besten Fall gekauft, im schlechtestem Fall durch Copycats aus dem Markt gedrängt werden.

Die Abschaffung der Netzneutralität und weitere Nonsens­reglementierungen tun ihr übriges, so dass Sir Tim womöglich recht behalten wird. Andererseits befinden wir uns dann schon inmitten der zweiten 20 Jahre und können langsam wieder daran arbeiten, aus dem Tal der Innovations­losigkeit herauszukommen. Webstandards wie Webmention und Micropub stimmen mich zuversichtlich, dass wir den Plattformen bald doch etwas entgegen­zusetzen haben. So oder so: Es bleibt spannend.

Follow Friday: Five Things

Nachdem es letzte Woche eine Empfehlung für euren Podcast-Client gab, folgt heute eine für eure Inbox: „Five Things“ ist ein aus fünf Lesetipps bestehender, täglicher Newsletter von Nico Lumma, seineszeichens Netzmensch und u.a. Co-Vorsitzender des SPD-nahen Digitalvereins D64, der passenderweise auch über einen hervorragenden Netzpolitik-Newsletter verfügt. Dem­entsprechend befassen sich die fünf, bewusst kurz kommentierten Artikel zumeist mit Digitalthemen (Themen von heute: „Self-Aware People, AI Gang Crimes, Smart Warehouses, Self-Driving Cars, AI reconstructs Brain Scans“) und haben eine ausgesprochen hohe „Add to Reading List“-Quote bei mir.

Bundesrechnungshof veröffentlicht Bericht über Planungschaos bei Breitbandausbau

Die Rüge der Kassenprüfer für den früheren Minister für digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, ist neuerdings schwarz auf weiß nachzulesen: Mitten in den schwarz-roten Koalitionsgesprächen hat der Bundesrechnungshof seine Kritik am Berliner Breitband-Planungschaos publik gemacht.

Man kann ja viel über die Herausforderungen der Digitalisierung für Industrie und Gesellschaft sprechen, wenn es aber an der flächendeckenden Infrastruktur für eben diese fehlt, ist das alles eine Luftnummer.

Den Bericht sandten die Kontrolleure vor zwei Jahren an die Berichterstatter im Haushaltsausschuss des Bundestags. Große Folgen für Dobrindt und seine Breitbandpolitik hatte dies nicht.

Weiter so. 😐

Altkanzler Schmidt wollte Glasfaser-Spitzenreiter werden

Bereits Anfang der Achtzigerjahre wurde der Ausbau des Glasfasernetzes von der damaligen Bundesregierung geplant. Wäre der Plan umgesetzt worden, hätte Deutschland heute das beste Glasfasernetz der Welt.

Doch dann:

Nach seinem Wahlsieg 1983 stoppte Schmidts Nachfolger Helmut Kohl das Projekt und startete stattdessen den Bau von TV-Kabelnetzen. Heute gehört Deutschland mit gerade mal 2,7 Millionen Haushalten, die direkt an Glasfasernetze angeschlossen sind, zu den Schlusslichtern unter den Industrieländern.

Bezeichnend, dass die CDU-geführte Regierung auch heutzutage nicht in der Lage ist, adäquat auf die Anforderungen des Digitalwandels zu reagieren.

Listen to Wikipedia

Listen to the sound of Wikipedia’s recent changes feed. Bells indicate additions and string plucks indicate subtractions. Pitch changes according to the size of the edit; the larger the edit, the deeper the note.

Überraschend beruhigend. (via Adactio)

Twitter erhöht Zeichenlimit auf 280 Zeichen

Ich persönlich fand die 256 Zeichen von App.net immer etwas angenehmer, weshalb ich diesen Schritt begrüße, aber nach elf Jahren wird das Twitter auch nicht mehr den Durchbruch bringen.

Wie so oft startet Twitter das neue „Feature“ erstmal auf unbestimmte Zeit nur für eine kleine Testgruppe, anstatt das ganze mit einem groß angelegten PR-Paukenschlag zu veröffentlichen. Machen sie schon seit Jahren so und ist mir schon genauso lange ebenso unverständlich.

Update, 13:00 Uhr: Hier übrigens mein erster 280-Zeichen-Tweet. Nicht dass ich dafür freigeschaltet wäre, aber es ist ziemlich einfach dennoch mit 280 Zeichen zu zwitschern, siehe hier oder hier.

Update, 19:30 Uhr: Oder diese Chrome-Extension. Ehrlich: der Zug ist abgefahren, Twitter sollte die 280 Zeichen sofort für alle freischalten.