#netzkultur

FFFFOUND!

In anderthalb Wochen schließt mit FFFFOUND!, einem im Juni 2007 von der japanischen Design-Agentur Tha gestarteten „Visual Bookmarking“-Dienst, einer meiner Lieblings­webdienste seine Pforten. Lange bevor das Konzept mit Pinterest & Co. in der breiten Masse ankam, konnte man hier schon über ein cleveres Bookmarklet Bilder von anderen Webseiten speichern – was meinen bis dahin stetig wachsenden, lokalen „Webfounds“-Ordner endlich ablöste. Durch die eigenen Likes und die Likes anderer erstellte die Plattform selbst Follower und präsentierte den Usern fortan die Bilder von Usern mit ähnlichem Bildergeschmack.

Ich selbst war bereits fünf Monate nach dem Start, seit dem 5. November 2007, mit von der Partie, nachdem aus irgendeinem Grund eine der seltenen Einladungen für die „Invite only“-Plattform ihren Weg zu mir fand. Bis 2015 habe ich den Dienst regelmäßig genutzt1 und so insgesamt 6765 Bilder in meinem Profil angehäuft. Das brachte mir immerhin 5969 Follower ein, was mich im Vergleich zu den Followerzahlen meiner Mitstreiter wohl zu einem der Heavy User von FFFFOUND! gemacht hat.2

Dass am 8. Mai Schluss ist, ist natürlich schade, aber nach dem Ende von The Deck, dem Werbenetzwerk, das wahrscheinlich die Betriebskosten gedeckt hat, auch nachvollziehbar. Eines allerdings nicht: Es gibt keinen Export, also keinerlei Möglichkeit die Stunden, die man in das Sammeln ansehnlicher Bilder investiert hat, irgendwie zu sichern. Dass sich das Internet Archive seinerzeit eine Kopie unserer Fundstücke anlegte, wurde leider über die robots.txt verboten.3 Andy Baio hat das Ende von FFFFOUND! dem ebenfalls bevor­stehenden Ende von Mlkshk gegenübergestellt, einer sehr ähnlichen Plattform, die mit Exportfunktion und Zusammenarbeit mit dem Internet Archive zeigt, wie’s richtig geht, wenn’s mal soweit ist.

FFFFOUND! exportieren

Um die eigenen (oder andere) FFFFOUND!-Sammlungen zu sichern, muss man also auf Dritt-Lösungen zurückgreifen. Es finden sich auch ein paar Skripte, das zuverlässigste scheint mir ffffound-export von Phil Gyford zu sein, der hier näher darauf eingeht. Das Python-Skript speichert nicht nur die Bilder, sondern auch die HTML-Seiten, was wegen der Metadaten (Quelle, Datum) interessant sein könnte und erstellt darüber noch eine maschinenlesbare JSON-Datei mit all diesen Daten. Ich habe damit gerade jedenfalls direkt 146 meiner 271 Profil­seiten sichern können und kann mir jetzt überlegen, wie ich an den Rest komme und was ich mit diesem Backup anfange.4

Jedenfalls: Danke, FFFFOUND!! Ich hab dich gerne befüllt und stundenlang in dir gestöbert. Sterben üben wir aber nochmal.

 
Update, 27.04.: Ich habe mittlerweile alle Bilder mit ffffound-export backupen können. Das Script läuft zwar nicht in einem durch, aber nach vier Anläufen hatte ich alles. Dazu habe ich in der ffffind.py jeweils die Start, mit der begonnen werden sollte, angepasst (Zeile 22: page = 1), so dass der nächste Durchlauf immer da startete, wo der letzte aufhörte.

Darüber hinaus bin ich auf diesen Quora-Beitrag von Christoph gestoßen, der Gründer von Wookmark, einem Bilder-Bookmarking-Dienst aus Deutschland, ist und der dort interessierten Nutzern, die sich für 20 Dollar einen Wookmark-Account schießen, anbot, deren FFFFOUND!-Library zu importieren. Gutes Angebot, hab ich ihn direkt mal machen lassen und hat super geklappt.

Update, 09.05.: Pinterest ist kurz vor knapp mit einem eigenen Importer auf den Plan getreten, woraufhin FFFFOUND! die Deadline vom 8. auf den 15. Mai verlängert hat.

Update, 15.05.:

  1. Zu der Zeit gab es immer mehr Probleme, weil FFFFOUND! nicht auf HTTPS lief und das Bookmarklet so nicht auf den ganzen neuen, mit SSL-Zertifikaten ausgestatteten Seiten genutzt werden konnte.
  2. Funfact: Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich René, der drüben bei Nerdcore auch vom Aus von FFFFOUND! berichtet, damals eingeladen.
  3. Das Internet Archive hat gerade erst letzte Woche angekündigt, dass es sich fortan nicht mehr an die robots.txt-Anweisungen halten wird. 👍🏻
  4. Ich hatte mal überlegt, die Bilder in Zufallswiedergabe auf einem Display/digitalen Bilderrahmen in meinem Arbeitszimmer laufen zu lassen, weil… weil es geht. 🤔

Best of the web

Tim Carmody, seineszeichens regelmäßige Urlaubsvertretung von Jason Kottke, sammelt seit ein paar Tagen mit Hilfe der Leser von und auf kottke.org das Beste, was das Web zu bieten hat. Mittlerweile fast ein Dutzend Beiträge, randvoll mit Internetgold. Blogging at it’s best.

Update, 28.04.: Jason hat Tims Treiben nun auch kommentiert: „I always enjoy Tim’s residencies here, but this one made me clap my hands in joy and stomp my feet in a jealous rage. It’s not entirely fair that he does the site better than I do, but I’m glad he does.“ 😅

#YourFirstAmazonOrder

Schöner Hashtag bei Twitter für etwas persönliche Webnostalgie (und Verwunderung wie spät manch einer Amazon erst für sich entdeckt hat). Meine erste Bestellung ging am 25. November 2002 raus und umfasste zwei Mal die damals frisch erschienene System of a Down-Platte „Steal this Album“ zum Preis von je 14,99 Euro. Eine CD war für mich, die andere für meine damalige Freundin – und jetzige Frau. 😄

Bestellung Nr. 2 war dann im Dezember 2002 schon ein aus diversen Alben, Büchern und Filmen bestehender Rundumschlag, den ich mir selbst zu Weihnachten gönnte. Damals noch mit Spannung erwartet, trudeln hier heutzutage so oft und so viele Amazon-Bestellungen ein, dass ich mir fast gar nicht mehr vorstellen kann, dass es jemals anders war.

Twitter might build a paid subscription service for power users

Ungefähr acht Jahre zu spät liebäugelt Twitter mit der Einführung von bezahlten Pro-Accounts. Mehrwert: eine „more enhanced version of Tweetdeck“, die Journalisten und Konsorten mehr Statistiken bereitstellen soll. Mit anderen Worten: eher uninteressant.

Interessanter wären hingegen simple Premium-Accounts, für die keine Werbung angezeigt wird und deren Profil mit einem entsprechenden Badge ausgestattet wird. Hier und da noch ein Extra-Feature obendrauf und fertig wäre ein Bezahlmodell für die breite Masse an Power Usern, die sich nicht um irgendwelche Analytics-Tools kümmern, sondern einfach nur ihr favorisiertes Social Network unterstützen wollen.

Update, nach Durchlesen meines Feedreaders: Nico sieht das ganz genau so und fordert außerdem „eine Twitterwall im Eingangsbereich der Twitter­zentrale“ auf der die Fotos der Abonnenten „in Dauerrotation gezeigt werden, mit dem Hinweis »@[username] saves your fucking job, stupid!«.“ 😄👍🏻

Animiertes GIF als tödliche Waffe

René berichtet von einem Fall aus Texas, bei dem jemand einem Journalisten ein Flacker-GIF zugetwittert hat, um bei ihm einen epileptischen Anfall auszulösen. Leider mit Erfolg, weshalb eine Grand Jury den Kerl nun verurteilt hat und ein derartiges, animiertes GIF zur tödlichen Waffe erklärt hat. 😳

Designing blogs for readers

Als ich heute in meinem Pinboard-Archiv stöberte, bin ich auf diesen vier Jahre alten Artikel von Matt Gemmell gestoßen, in dem er erklärt, welche Features moderne (as in 2013) Blogs brauchen und auf welche man getrost verzichten kann.

Da ich gerade an der neuen Version dieses Blogs arbeite, eine interessante Lektüre – vor allem weil der Beitrag nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.1 Die Erkenntnis: Man soll den Lesern das bestmögliche, einfachste Leseerlebnis bereiten – obwohl sie eigentlich nur die zweite Geige spielen:

I think that blogs are for their authors first, and their readership second.

  1. Auch weil quasi keine Weiterentwicklung bei Blogs stattgefunden hat.

What Comes Next Is the Future

A documentary film about the web created by Bearded founder Matt Griffin. It is the story of Tim Berners-Lee’s creation – how it came to be, where it’s been, and where it’s going – as told by the people who build it.

Nette, einstündige Dokumentation über die Geschichte des World Wide Web. Mit vielen bekannten Gesichtern, wenn man sich in der Webentwicklungs- und vor allem Frontend-Szene herumtreibt. Hier die offizielle Webseite.