The Shape of Water (2017)

Das für 13 (!) Oscars nominierte Fantasy-Märchen von Guillermo del Toro, in dem sich die Putzfrau einer geheimen 60er-Jahre-Forschungsstation in einen dort gefangenen Fischmann verliebt. Sicherlich das, worauf del Toros Karriere stets hinauslief, aber: What the fuck is wrong with you people?

Wir haben hier hauchdünne Figuren, die in ihrer Einfachheit kaum zu unterbieten sind1, einfallslos besetzt wurden2, alibihaft divers konstruiert sind3 oder zutiefst unglaubwürdig agieren4. Eine Romanze die das Wort nicht verdient, wirkt sie doch so als hätte sie ein pubertierender Junge erdacht.5 Und schließlich einen Konflikt zwischen Geheimdiensten, der für die Handlung vollkommen irrelevant ist.

Um für mehr als ein Dutzend Academy Awards nominiert zu werden, reicht es zudem anscheinend aus, seinen Film mit einer Vielzahl von unnötigen, weil absolut unbedeutsamen Referenzen auf’s Kino und Classical Hollywood zu spicken. Eine Prise Gesellschaftskritik und fertig ist der Best Picture-Nominee. Ich kann das alles beim besten Willen nicht verstehen. Ja, der Film ist solide gemacht, das war’s dann aber auch. Rating: 1/5

  1. TIL: Frauen, die in der Badewanne masturbieren, sind offen für speziesübergreifende Liebschaften mit Wasserlebewesen.
  2. Michael Shannon, der einzige Hoffnungsschimmer in dieser grotesken Horror-Hommage, darf 1:1 seine Paraderolle aus »Boardwalk Empire« aufleben lassen – ein Hoch auf die einfallsreiche Casting-Agentin!
  3. Der schwule Nachbar, der sich nach Zurückweisung durch einen heterosexuellen Mann gezwungen sieht, seine zuvor getroffene, kategorisch ausgeschlossene Entscheidung keine Straftat zu begehen, zu revidieren.
  4. Der Wissenschaftler, der seiner Staatszugehörigkeit trotzt und eine folgenschwere Entscheidung für die Wissenschaft trifft, opfert im Moment des Sieges doch alles.
  5. Eier. Das Geheimnis sind Eier.

Get Out (2017)

Guter, kleiner „Social Thriller“ von Jordan Peele, der gekonnt den Alltags­rassismus, dem sich Schwarze in den USA ausgesetzt sehen, aufzeigt und auf die Spitze treibt, indem er einen Schwarzen die zunächst freundlich-bemühte Familie seiner weißen Freundin in der Provinz besuchen lässt, was alsbald in ein beunruhigendes, rassistisches Mysterium umschlägt. Rating: 3.5/5

Follow Friday: Kulturindustrie

Ich möchte mal etwas neues versuchen und hier regelmäßig kleine Follow-Empfehlungen aussprechen, die jenseits der Einzelverweise auf rezipierens­werte Artikel, Projekte, Audiobeiträge oder Videos liegen. Anstatt also Owleys lesenswerten Check der Oscar-Animationsfilme 2018 zu verlinken, würde ich in diesem neuen Segment Owley selbst empfehlen und euch dazu auffordern, ihm möglichst überall zu folgen.1 Doch soll es dabei nicht nur um Personen gehen, sondern um alles, was ich für folgenswert halte: Neben Bloggern und Twitterern auch Podcasts, Newsletter, YouTube-Channels, Vero-User, und und und. Das ganze dann als wöchent­liche Serie am Freitag, benannt nach dem einst auf Twitter entstandenen Follow Friday.

Den Anfang macht mit Kulturindustrie ein Podcast „in dem vier Menschen miteinander über Pop- und andere Kultur sprechen“. Diese vier sind Alexander Matzkeit, Sascha Brittner, Lucas Barwenczik und Mihaela Sartori. Die besprochene Pop- und Restkultur umfasst dabei neben Film und Fernsehen, auch Bücher, Comics und Musik. Die Diskussion lebt dabei wie so oft von den unterschiedlichen Interessen und der offenkundigen Expertise der vier. Neue Folgen gibt’s ca. alle anderthalb Wochen und auch wenn ich nicht immer mit den vieren d’accord gehe, hat Kulturindustrie zuletzt doch den Sprung ins Favorites-Folder meines Podcatchers geschafft.

  1. Was ihr auch tatsächlich tun solltet. Sorry for being an example, Owley. 😉

Three Billboards outside Ebbing, Missouri (2017)

Der neue, für sieben Oscars nominierte Film von Martin McDonaghIn Bruges«, »Seven Psychopaths«). Vordergründig geht es um den brutalen Mord an einer Jugendlichen und wie deren Mutter das Versagen der örtlichen Polizei mit den titelgebenden Billboards öffentlich anprangert. Tatsächlich geht es aber viel­mehr um den Einblick in die fiktive Kleinstadt Ebbing und wie die Bewohner mit dieser Ausnahmesituation umgehen.

McDonagh-typisch geht es dabei mitunter sehr derbe zur Sache. Und gerade bei dem Wechsel zwischen diesen komischen und all den tragischen Momenten, in denen sich kurz zuvor verhasste Figuren tolerieren, helfen, zu Menschen werden, trifft »Three Billboards« auf hervorragende Weise stets den richtigen Ton. So gutes Schauspiel1, so gut inszeniert. Alles richtig gemacht, Highscore. Rating: 5/5

  1. Allen voran Frances McDormand und Sam Rockwell. McDormand spielt damit bereits in dreien meiner All-Time Favorites mit: »Fargo«, »Moonrise Kingdom« und ja neuerdings auch »Three Billboards outside Ebbing, Missouri«.

Your favorite tumblr for the next 5 minutes (51): Front Facing Simpsons

JJB ist nicht nur aufgefallen, dass wir hier schon länger kein kurzzeitiges Lieblings­tumblr mehr im Programm hatten, nein, er sorgt auch gleich für Abhilfe und macht mich auf Front Facing Simpsons aufmerksam, wo all die Frontalaufnahmen Frontalzeichnungen gesammelt werden, die in den profil­präferierenden Simpsons schon immer etwas off und falsch aussahen. Spätestens dann einen Blick wert, wenn ihr eine Jahrzehnte lang laufende Animationsserie starten wollt.

📺 Auf Empfehlung von @supergarv habe ich mir die erste Staffel von »Future Man« angesehen – und bin begeistert. In den dreizehn jeweils 30 minütigen Episoden der Hulu-exklusiven Science-Fiction-Parodie geht es um Josh Futturman, der sich durch’s durchspielen eines Videospiels als vermeintlich größter Krieger aller Zeiten entpuppt und daraufhin von Zeitreisenden rekrutiert wird, um das Ende der Menschheit, wie wir sie kennen, abzuwenden.

»Future Man« strotzt dabei vor Popkultur­referenzen, ist wunderbar bizarr („Cameronium!“) und genau das, was man sich als Kind der 80er, das mit dem Action- und Science-Fiction-Kino der Zeit aufgewachsen ist, von einer Timetravel-Comedy wünscht. Umso besser, dass die zweite Staffel bereits bestätigt wurde.