Follow Friday: LangweileDich.net

Nach der Podcast-Empfehlung von vorletzter und der Newsletter-Empfehlung von letzter Woche, folgt in dieser Woche endlich ein Blog: LangweileDich.net, das 2006 (!) „aus Lange­weile heraus gegen die Langeweile“ gegegründete Blog von Maik Zehrfeld, der dort mit beeindruckender Konstanz und Frequenz ein großes Feuerwerk an sehenswerten Netzfundstücken und lesenswertem Original Content abfackelt. Wenn ihr mit Katzen nachgestellte Plattencover, redende Dinge oder ein Küchenmesser aus Pastateig sehen wollt, seid ihr hier genau richtig. Ausbleibende Langeweile garantiert.

(Allerdings täuscht sich Maik, was die neue Platte der Wombats, deren Bassist er kürzlich im Interview hatte, angeht. Die ist nämlich großartig. 😌)

„The web is under threat.“

Tim Berners-Lee bleibt auch zum am Montag stattgefundenen 29. Geburtstag des World Wide Web seiner alten Tradition treu und beschrieb den aktuellen Zustand seiner Erfindung. Neben der Herausforderung, die noch nicht vernetzte Hälfte der Weltbevölkerung online zu bringen, macht er als größtes Hindernis für ein innovatives, inklusives Web die dominanten Plattformen aus:

The web that many connected to years ago is not what new users will find today. What was once a rich selection of blogs and websites has been compressed under the powerful weight of a few dominant platforms. This concentration of power creates a new set of gatekeepers, allowing a handful of platforms to control which ideas and opinions are seen and shared.

These dominant platforms are able to lock in their position by creating barriers for competitors. They acquire startup challengers, buy up new innovations and hire the industry’s top talent. Add to this the competitive advantage that their user data gives them and we can expect the next 20 years to be far less innovative than the last.

Gerade der Punkt des Aufkaufens von Startups und Talenten ist ein interessanter, strebt anscheinend doch ein jeder den lukrativen Exit durch Google & Co. an. Tatsächlich ist auch bekannt, dass etwa Facebook ganze Datenbanken mit Konkurrenzprodukten und innovativen, möglicherweise gefährlich werdenden Startups betreibt, die im besten Fall gekauft, im schlechtestem Fall durch Copycats aus dem Markt gedrängt werden.

Die Abschaffung der Netzneutralität und weitere Nonsens­reglementierungen tun ihr übriges, so dass Sir Tim womöglich recht behalten wird. Andererseits befinden wir uns dann schon inmitten der zweiten 20 Jahre und können langsam wieder daran arbeiten, aus dem Tal der Innovations­losigkeit herauszukommen. Webstandards wie Webmention und Micropub stimmen mich zuversichtlich, dass wir den Plattformen bald doch etwas entgegen­zusetzen haben. So oder so: Es bleibt spannend.

Follow Friday: Five Things

Nachdem es letzte Woche eine Empfehlung für euren Podcast-Client gab, folgt heute eine für eure Inbox: „Five Things“ ist ein aus fünf Lesetipps bestehender, täglicher Newsletter von Nico Lumma, seineszeichens Netzmensch und u.a. Co-Vorsitzender des SPD-nahen Digitalvereins D64, der passenderweise auch über einen hervorragenden Netzpolitik-Newsletter verfügt. Dem­entsprechend befassen sich die fünf, bewusst kurz kommentierten Artikel zumeist mit Digitalthemen (Themen von heute: „Self-Aware People, AI Gang Crimes, Smart Warehouses, Self-Driving Cars, AI reconstructs Brain Scans“) und haben eine ausgesprochen hohe „Add to Reading List“-Quote bei mir.

Oscar-Prognose 2018

Heute Abend werden im Dolby Theatre in Hollywood zum 90. Mal die Academy Awards verliehen. Wie schon bei den letzten neunzig sieben Malen darf dazu natürlich nicht meine traditionsreiche Oscar-Prognose fehlen. Mit dem unsäglichen, aber 13-fach nominierten »The Shape of Water« und dem für mich überragenden »Three Billboards outside Ebbing, Missouri« war die Qualitäts­spanne in diesem Jahr ungewohnt groß. Letzterer ist natürlich auch mein unumstößlicher Best Picture-Pick, »The Shape of Water«, so hoffe ich, der Verlierer des Abends. Hier also meine Tipps:

Best Picture: Three Billboards outside Ebbing, Missouri The Shape of Water
Best Directing: Christopher Nolan – Dunkirk Guillermo del Toro – The Shape of Water
Best Actor: Gary Oldman – Darkest Hour
Best Actress: Frances McDormand – Three Billboards outside Ebbing, Missouri
Best Supporting Actor: Sam Rockwell – Three Billboards outside Ebbing, Missouri
Best Supporting Actress: Laurie Metcalf – Lady Bird Allison Janney – I, Tonya
Best Original Screenplay: Three Billboards outside Ebbing, Missouri Get Out
Best Adapted Screenplay: Call Me by Your Name
Best Animated Feature Film: Coco
Best Foreign Language Film: The Square A Fantastic Woman
Best Documentary Feature: Faces Places Icarus
Best Documentary Short: Heroin(e) Heaven Is a Traffic Jam on the 405
Best Short Film: DeKalb Elementary The Silent Child
Best Animated Short Film: Dear Basketball
Best Original Score: The Shape of Water
Best Original Song: „This Is Me“ aus The Greatest Showman
„Remember Me“ aus Coco

Best Sound Editing: Dunkirk
Best Sound Mixing: Dunkirk
Best Production Design: The Shape of Water
Best Cinematography: Blade Runner 2049
Best Makeup and Hairstyling: Darkest Hour
Best Costume Design: Phantom Thread
Best Film Editing: Dunkirk
Best Visual Effects: Blade Runner 2049

= 4x Three Billboards outside Ebbing, Missouri, 4x Dunkirk, 2x Darkest Hour, 2x Blade Runner 2049, 2x Shape of Water

= 4x The Shape of Water, 3x Dunkirk, 2x Three Billboards outside Ebbing, Missouri, 2x Darkest Hour, 2x Blade Runner 2049, 2x Coco

Jahr richtige Tipps Quote
2010 10/151 66,7%
2011 10/24 41,7%
2012 12/24 50%
2013 15/24 62,5%
2014 19/24 79,2% – Highscore!
2015 16/24 66,7%
2016 16/24 66,7%
2017 14/24 58,3%
2018 15/24 62,5%

Mal sehen, ob ich meinen Abwärtstrend der letzten Jahre dieses mal stoppen kann. Morgen früh wissen wir mehr.2

Update, 8:30 Uhr: Buh! Der Großteil der Academy hat seine Screener offensichtlich nicht gesichtet und ist dem unverständlichen Hype um »The Shape of Water« erlegen, der als Gewinner des Abends gilt. Ansonsten schön, dass Jordan Peele für »Get Out« ausgezeichnet wurde, aber sehr schade für Martin McDonagh (»Three Billboards«). Neben meinen opinionated picks haben mich die Dokumentarfilme und der Original Song wieder einen besseren Platz gekostet, aber mit 15 von 24 richtigen Tipps war ich immerhin um einen Tipp besser als im letzten Jahr.

  1. Fragt mich nicht warum, aber aus irgendeinem Grund haben wir in unserem ersten Jahr nicht alle Kategorien getippt.
  2. Im Gegensatz zu früher schlage ich mir heutzutage nicht mehr die Nacht um die Ohren, sondern sehe mir ausgeschlafen am Frühstückstisch irgendeine Zusammenfassung auf YouTube an. Gelobt sei das Internet!