Es passiert nicht so häufig – allerdings in den letzten Jahren häufiger –, dass MacStories‘ Federico Viticci vollends begeistert von einer App ist und prophezeit, dass wir hier eine neue App-Kategorie in Entstehung sehen. Nach den Klassikern (Editorial, Workflow und Obsidian1) waren es zuletzt Sky, das mittlerweile von OpenAI übernommen wurde und in eurer Codex-App ChatGPT-Super-App auf macOS die fantastischen Computer-Use-Features ermöglicht, sowie OpenClaw (siehe Fußnote #5), Peters Steinbergers Mac-mini-Bestand dezimierender Open-Source-KI-Agent, den (also Steinberger) sich ebenfalls OpenAI einverleibt hat.
Nun berichtet er begeistert von Open Minis, einer kostenlosen, vermeintlichen Open-Source-App2 für iOS, die es im Chatbot-Stil ermöglicht, mit den von Apple bereitgestellten APIs (also Calendar, Reminders, HealthKit, HomeKit, MusicKit, etc.) zu interagieren, was alleine schon ein großer Schritt für einen KI-Agenten wäre und wobei dem man sich fragt, warum ChatGPT, Claude & Co., dies nicht schon längst inkludiert haben. Nein, darüber hinaus, läuft ein kleines Linux-Shell-Image innerhalb der Sandbox der App, das es ermöglicht, darüber hinaus Aufgaben an ein Modell eurer Wahl (!) zu delegieren, MCPs zu nutzen und MinisSkills zu bauen.
Viticci erklärt die Funktionsweise und Möglichkeiten von Open Minis anhand diverser Beispiele und zieht dazu naturgemäß immer wieder den Vergleich zum neuen Siri AI, das den englischsprachigen, Nicht-EU-Nutzer*innen unter uns vielleicht mit iOS 27 zuteil wird. Und sagen wir es mal so: Siri AI schneidet im Power-User-Vergleich nicht ganz so gut ab, wie die Multi-Purpose-Frontier-Modelle mit Zugriff auf Apple-APIs.
Schließlich sieht er Open Minis als einen Beginn einer neuen Welle von KI-Agenten, die sich die APIs auf iOS zu nutze machen werden und so auch in Apples vermeintlichem Walled Garden die Möglichkeiten von KI-Agenten ausreizen werden:
It is ironic that, on the cusp of Siri AI launching to millions of users in English only in a few months, here we have a single indie developer who is shipping an app that puts Siri AI to shame when it comes to getting work done with LLMs on iPhone and iPad today – with any model you want, in any language or region.
Open Minis kommt von einem chinesischen Indie-Entwickler namens Ethan Wang (hier sein GitHub-Profil) und es wird angegeben, dass die App selbst keinerlei Daten sammelt und vollständig lokal läuft (bei den KI-Modellen sieht das natürlich anders aus). Hier findet ihr die Privacy Policy der kostenlosen App, die aber natürlich ein Abo oder API-Keys der diversen KI-Anbieter voraussetzt.3
Ich habe Open Minis gerade installiert, erste, spannende Tests gemacht und werde das weiter beobachten. Egal, ob es nun diese App oder eine andere wird: Die iOS-Büchse der KI-Agenten-Pandora ist geöffnet und ich bin gespannt, was da noch kommen wird. Siri AI wird sicherlich eine schöne Convenience-Lösung für den Alltag, dürfte für unsereins aber doch recht schnell an seine Grenzen stoßen.
- Alles Links zu Erwähnung der Apps in diesem Blog – allerdings habe ich Obsidian, das ich auch nutze, tatsächlich nie hier erwähnt. [↩]
- Im GitHub-Repo der App heißt es: „At the moment, the public source code is still being organized, cleaned up, and optimized for release. We expect to open more of the project in the near future.“ [↩]
- Ob ihr dieser App und/oder der Bewertungsfähigkeit des Apple-Reviews vertrauen möchtet, ist natürlich noch eine andere Frage, aber da die Daten, die in die KI-Modelle fließen, ohnehin als öffentlich zu behandeln sind, vielleicht zu vernachlässigen. [↩]
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