#netzkultur (589)

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20 Jahre Twitter und 2 Tage twttr.eu

Heute vor genau 20 Jahren ist Twitter gestartet:1

Screenshot des ersten Tweets von Jack Dorsey (“Just setting up my twttr“) vom 21. März 2006.

Passenderweise hat Jan Kus in den letzten zwei Tagen twttr.eu gebaut, für das mich heute Morgen dankens­werter­weise eine Invite von timomeh begrüßte.

Screenshot der twttr.eu Startseite.

Jan beschreibt twttr selbst als Satire & Aprilscherz, baut aber gerade (mit AI-Assistenz) das Feature Set von Early Twitter von 2006-2009 nach, inklusive Twitter-History samt Haken dran, was bereits in twttr davon umgesetzt ist. Timo hat gleich twitpic.eu gestartet, um, klar, wie früher Bilder zu den Tweets ergänzen zu können. Über twttr-Interaktionen, Replies, Favs und Follower wird man derweil per Email informiert.

Aktuell tummeln sich drei, vier Dutzend deutsch­sprachige User auf der Platt­form, die heute zwischen­durch immer mal wieder down war, während Jan neue Features implementiert. Ein eigener Fail Whale ließ nicht lange auf sich warten. Bugs (und z.T. auch Features) verschwanden genau so schnell wieder, wie sie gekommen waren. Ein großer Spaß, der mit der ganzen Meta­diskussion drum­herum auch 20 Jahre später nochmal aufzeigt, was damals™ so unter­haltsam an unserem kleinen, feinen Twitter war.

Dass – Zitat Jan – „das ding jede sekunde um die ohren fliegen [kann]“, ist bei der Namens­gebung wohl klar. Zwar gibt es keine angemeldete Marke für „twttr“, aber es könnte Verwechslungs­gefahr bestehen. Daher: Let’s enjoy it, while it lasts. Und danke an @koos für’s Bauen und schon mal einen spaßigen Samstag.

„You should follow me on twttr here.“

—

Update, 23.03.: Nachdem ich am Samstag noch zu Jan schrieb „Montag Interviews mit euch in Haken Dran?“ bejahte Gavin das am Sonntag und am heutigen Montag kann man ab Minute 50:48 direkt reinhören, was Jan selbst sehr sympathisch zum Projekt erzählt.

  1. Für mich ging’s dann bekannterweise ein paar Monate später im November los. [↩]

HyperCard changed everything

Vorschaubild zum Video. Aktivieren, um das Video zu laden und abzuspielen.
(YouTube Direktlink)

Sehr schönes Video-Essay von YouTuber dreamwieber über HyperCard, die Hypermedia-Application von Bill Atkinson und Apple von 1987, die vor dem Web das Verlinken von (Medien-)Inhalten – auch zu kleinen Anwendungen – erstmals für die breite Masse (der Mac-OS-Nutzer) verfügbar machte.

Ich liebe das Thema Hypermedia bekanntlich, halte Seminare zum Thema und habe meine Firma danach benannt. Ich halte das 1945 beschriebene Konzept des Hyperlinks für eines der wichtigsten der Menschheits­geschichte und bin daher regelmäßig irritiert, dass das nicht Teil der Schulbildung ist (oder?), sondern erst in IT- und Medien-bezogenen Ausbildungen vermittelt wird. Von daher immer gut, wenn so gute Videos das anreißen / thematisieren.

Archive of Archives

Archive of Archives ist – wie der Name schon vermuten lässt – ein Archiv, in dem David Sizemore andere Archivseiten sammelt. Unter anderem werden dort Walkmanland, das Modern Illustrations-Archiv oder das Space Exploration Logo Archive gelistet, die wir zuletzt auch alle hier hatten.

Aber z.B. auch #govbins, wo Fotos von Mülltonnen aus jedem UK Local Council gesammelt werden, oder das Pessimists Archive, das vergangene, gesell­schaft­liche Ängste wie etwa die Lesesucht der 1880er oder die Comics-Code-Ära der 1950er sammelt und mit Zeitungs­aus­schnitten belegt.

Archive of Archives | OpenGraph Preview Image
archiveofarchives.com

Archive of Archives

A curated archive of digital projects, resources, and references.

In Every Language

Wikipedia has over 300 language editions. Each one picks different images to illustrate the same topic!

Interessantes, kleines Projekt von Riley Walz, den wir hier vorher schon mit seinem „Send to YouTube“-Viewer und nicht nur hier sondern überall mit seinem Epstein-Files-Interface „Jmail“ hatten. Nun vergleicht er wie Wikipedia in unterschiedlichen Sprachen dieselben Themen bebildert. Oben verlinkt ist Happiness, hier Infant, Sandwich, God und Toilet.

In Every Language | OpenGraph Preview Image
walzr.com

In Every Language

Wikipedia has over 300 language editions. Each one picks different images to illustrate the same topic!

Drei interessante Tech-News von heute

Drei interessante Tech-News von heute:

  • Apple hatte heute seinen iPad-Moment für Laptops und hat das MacBook Neo vorgestellt: Ein MacBook auf Basis des iPhone-Chips (!)1 zum Kampf­preis von 599 US-Dollar bzw. hierzulande 699 Euro. Wir dürften hier den sich am besten verkaufenden Laptop ever sehen und den ultimativen Chromebook-Killer. Der Werbespot ist toll, die Details sind toll, es scheint hochwertig produziert zu sein und kann sogar ein externes 4K-Display betreiben. Endlich das MacBook für normale Menschen.
  • Raycast hat Glaze vorge­stellt: Eine AI-Desktop-Anwendung, die Desktop-Anwendungen baut. Keine Browser-basierten Apps, sondern Desktop-Apps für Mac und Windows. Fraglich ist natürlich, ob darin nicht doch Web-Technologien stecken, schließlich sind die Raycast-Extensions2 auch in einer Mischung aus React und nativem Code geschrieben. Ähnliche und ebenfalls spannende Konzepte gibt es auch auf Mobile, aber Raycast hat halt schon bewiesen, dass sie sowas inkl. Store bewerk­stelligen können. Hier ein First Look mit Raycasts Pedro.
  • Accenture, der weltweit agierende IT-Dienstleister mit 800.000 Mitarbei­tenden (davon mehr 11.000 in Deutschland) wird in meiner Branche – und von mir – gerne anekdotisch damit in Verbindung gebracht, den schlechtes­ten Website-Relaunch aller Zeiten hinge­legt haben. Jetzt haben sie jeden­falls Ookla, den Betreiber von Speedtest.net gekauft, was natürlich gut ist, wenn man diverse Tele­kommunikations­unter­nehmen zu seinen Kunden zählt. Man sollte sich nun nach alter­nativen Speed­tests umsehen, denn neutral muss das alles nicht mehr unbedingt sein.

  1. Konkret der A18 Pro vom iPhone 16 Pro. [↩]
  2. Wie z.B. unsere Raycast-Extension für awork. </sales-pitch> [↩]

archive.today is directing a DDOS attack against my blog

Ich habe gerade bei Thomas vom Fall archive.today gelesen, dem offen­sicht­lich in einer Grauzone operierenden Archivierugs­dienst, den ich auch schon mal nutze und hier erwähnt habe, um Paywalls zu umgehen.

Dieser wurde nun nämlich von Wikipedia verbannt, die auf immerhin 400.000 Seiten auf archive.today-Kopien verweist. Diese müssen nun manuell ausge­tauscht werden, wie heise berichtet:

Die Dimension des Vorhabens ist gewaltig. […] Sie sollen nun sukzessive entfernt oder durch sicherere Alternativen wie Internet Archive (archive.org) oder Ghostarchive ersetzt werden. An die Editoren ging der Appell, Links manuell zu prüfen und – sofern die Originalquelle noch online ist – den Archivlink komplett zu löschen oder auf seriöse Anbieter umzustellen.

Die Ursache dafür – und jetzt wird es gleichermaßen interessant wie bizarr – ist dieser zweieinhalb Jahre alte Blogeintrag von Jani Patokallio, in dem er die Hinter­gründe, Betreiber und Finanzierung von archive.today beleuchtet und dabei mit der Namens­nennung wohl auch voll ins Schwarze trifft. Ohne wirklich jemanden zu doxxen, listet Jani hier nämlich, die verschiedenen Aliasse von vermutlich einer Person auf, die wohl aus Russland kommt:

While we may not have a face and a name, at this point we have a pretty good idea of how the site is run: it’s a one-person labor of love, operated by a Russian of considerable talent and access to Europe.

Fraglich ist jedoch die Finanzierung, die zwischen den 10 TB und 300 Euro pro Monat in 2012 schon 2021 bei rund 1.000 TB und deutlich höheren Kosten liegen dürfte. Wie die Person das neben den nur einen Bruchteil abdeckenden Spenden stemmt: unklar.

Was jedoch klar ist: Die Service operiert bestenfalls in einer restlichen Grau­zone. Und was Personen, die urheber­rechtlich geschütztes Wissen kostenlos zugänglich machen möchten, für Repressalien fürchten müssen, wissen wir nicht erst seit Aaron Swartz oder Alexandra Elbakyan. Dass der/die Betreiber/in von archive.today also anonym bleiben möchte: ganz klar.

Wenn da eben nicht dieser besagte, zweieinhalb Jahre alte Blogeintrag wäre, der – das vermutet Joni in seinem oben verlinkten neuen Blogeintrag – nun der Grund für den Angriff auf sein Blog ist: Wie nämlich u.a. Heise berichtete, interessiert sich mittlerweile auch das FBI für die Person hinter archive.today. Heise und ArsTechnica verlinkten in ihrer Berichterstattung dann auch gleich wieder auf Jonis Blogeintrag von 2023.

Das wiederum hat den/die anonyme/n Betreiber/in scheinbar dazu veranlasst, Kontakt zu Jani Patokallio aufzunehmen, mit der Bitte, den Blogpost temporär offline zu nehmen, und als dieser dem nicht folgte, eine Selfmade-DDOS-Attacke auf dessen Blog „Gyrovague“ zu starten. Und zwar wurde, während Nutzer das Captcha von archive.today ausfüllten, kontinuierlich ein JavaScript gefeuert, das die Suche des Blogs mit zufallsgenerierten und somit nicht cachebaren Suchanfragen aufruft und so zu Fall bringen sollte.

Verrückt. Dabei umschreibt Jani die technische Umsetzung und Idee von archive.today durchaus positiv und endet 2023 damit, dass er ihr oder ihm via buymeacoffee.com einen wohlverdienten Kaffee spendieren werde.

archive.today is directing a DDOS attack against my blog | OpenGraph Preview Image
gyrovague.com

archive.today is directing a DDOS attack against my blog

Around January 11, 2026, archive.today (aka archive.is, archive.md, etc) started using its users as proxies to conduct a distributed denial of service (DDOS) attack against Gyrovague, my personal b…

How Substack makes money from hosting Nazi newsletters

The global publishing platform Substack is generating revenue from newsletters that promote virulent Nazi ideology, white supremacy and antisemitism, a Guardian investigation has found.

Es war ja bereits bekannt, dass Substack eine Nazi-Bar ist. Der Guardian hat das nun noch mal belegt. Wenn ihr also einen eigenen Newsletter betreibt, solltet ihr nun noch einmal darüber nachdenken, das nicht via Substack zu tun.

That said: Ich habe auch noch einige eurer Substacks im (kostenlosen) Abo, weil ich eure Inhalte gerne lesen möchte. Das Umfeld dort ist aber ähnlich schlecht wie bei X – wenn auch nicht so öffentlich –, so dass man sich davon alsbald abwenden sollte. Bitte & Danke.

Revealed: How Substack makes money from hosting Nazi newsletters | OpenGraph Preview Image
theguardian.com

Revealed: How Substack makes money from hosting Nazi newsletters

Exclusive: Site takes a cut of subscriptions to content that promotes far-right ideology, white supremacy and antisemitism

a.gup.pe

Screenshot der a.gup.pe Website aus dem Internet Archive

Ich habe gerade erst erfahren, dass a.gup.pe, der Group-Service im Fediverse, im September eingestellt wurde, nachdem die Domain abhanden gekommen ist. Die Kagi KI klärte mich auf:

The service a.gup.pe, which provided decentralized groups on Mastodon, encountered significant issues in September 2025 when its domain name, gup.pe, was reportedly taken before its expiration due to unusual registration terms. This event led to the service’s shutdown, with the domains gup.pe and immers.space expiring and a.gup.pe being replaced by a WordPress site (1).

Das ist überaus schade, konnte man doch durch die Nennung von z.B. @filmeundserien@a.gup.pe sicherstellen, dass das eigene Posting bei allen im Feed auftauchte, die ebenfalls der @filmeundserien-Gruppe folgten. Gleiches galt für @frontend, @fussball & Co. Eine schöne Möglichkeit zur Vernetzung, insbesondere während die Hashtags auf Mastodon unter der Dezentralität leideten.1

Genutzt haben das wenige Tausend Fediversierte™ von denen auch ein paar überlegt haben, den Dienst neu zu starten, was aber bisher doch nicht weiter verfolgt wurde. Schade, denn a.gup.pe war ein, wenn auch erstmal wenig zugängliches, aber spannendes Tool im Fediverse.

  1. Eines der coolsten Features im vermeintlich dezentralen Bluesky sind dahingehend die Custom Feeds, wie z.B. der, den ich über den 1. FC Köln betreibe. [↩]

How Browsers Work

I built the guide with many tiny interactive examples you can play with to help you go get through the technical details and build an intuition of how browsers work.

Schöne interaktive Erklärung und Demonstration der Funktionsweise von Browsern von Dmytro Krasun. Werde ich fortan in meinen Web-Technologie-Seminaren aufgreifen und zeigen – worin heute übrigens, wie passend, die Prüfungen von diesem Semester stattfinden.

How Browsers Work | OpenGraph Preview Image
howbrowserswork.com

How Browsers Work

The guide is for engineers and curious people who use the web every day, but never built a mental model of how browsers work.

posting frequenz ≥ 7/woche

Felix hat beobachtet und festgehalten, dass aktuell einige Blogger – so auch ich – wieder täglich ins Internet schreiben. Unter anderem AnJe, die das sogar schon seit 2015 tut und beschreibt, was sie damals dazu bewegt hat:

Irgendwo las ich damals ein Interview mit einem Künstler, der sagte, er würde jeden Tag einen Text schreiben, 364 davon wären nicht gut, aber der eine 365ste, der wäre super, nur hätte er den nie geschrieben, wenn er die anderen 364 nicht auch geschrieben hätte.

Durch den selbst auferlegten Zwang, jeden Tag etwas abliefern zu müssen, egal was, Hauptsache irgendetwas, gelänge es ihm, seine eingebaute, eigene, oberkritische Qualitätskontrolle zu überwinden, die ansonsten so kritisch wäre, dass sie auch gute Texte gnadenlos verrisse.

Ich kenne besagtes Interview nicht, finde den Gedanken aber überaus nachvoll­ziehbar. So habe ich nach diesem Blogpost von November, in dem ich passenderweise Felix zitiere, festgehalten, dass „50 bis 60% meiner potentiellen Posts niemals meinen Kopf, meine Bookmarks oder meinen Entwurfsordner [verlassen]“. Worauf Sascha, den ich hier zuletzt wiederum begeistert für sein tägliches Bloggen in 2025 feierte, damals kommentierte:

Das habe ich jahrelang gemacht und es hat mich sehr unglücklich gemacht. Dieses Jahr nahm ich mir vor, jeden Tag mindestens einmal zu posten, egal was. Das war ein göttlicher Segen für mein Wohlbefinden. Agree to disagree! Blog weg den Shit!

Und genau das mache ich gerade mit großem Spaß. Ich bin mir zwar sicher, dass ich das arbeits- und lebens­bedingt die nächsten 341 Tage nicht durch­gehend schaffen werde, aber alleine den „Blog weg den Shit!“-Spirit wieder­entdeckt zu haben, ist ein großer Gewinn für mich und hoffentlich auch euch. Umso besser, dass es anderen auch so geht. 💪

posting frequenz ≥ 7/woche | OpenGraph Preview Image
wirres.net

posting frequenz ≥ 7/woche

ich sehe in meiner „blogrolle“ und meinem feedreader, dass sehr viele menschen aus meiner blogblase jetzt wieder regelmässig oder gar täglich ins internet schreiben.