#fernsehen (296)

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Misfits

Vor ein paar Wochen habe ich euch an dieser Stelle die britische SciFi-/Alternate Reality-Serie »Black Mirror« empfohlen und die Gunst der Stunde gleich genutzt, um euch nach britischen Serienempfehlungen zu fragen, damit ich an meinem Brit-TV-Defizit arbeiten kann (schließlich eine Schande für einen Studenten der Film- und Fernsehwissenschaft).

Zusammen gekommen sind dabei einige vielversprechende Serien. So hat Uwe mir bspw. »Skins« empfohlen, eine Serie über upgefuckte Jugendliche, die meine bessere Hälfte allerdings schon in meinem (zuerst passiven) Beisein geguckt hat und von deren dritter und vierter Staffel um Effy und die „zweite Generation“ ich dann echt angetan war (also: Empfehlung!). DerElton empfahl »Spaced«, die Kinderstube von Simon Pegg, Nick Frost und Edgar Wright, der ich mich unbedingt als nächstes annehmen werde. Ron legte mir natürlich »Doctor Who« nahe, wo ich mittlerweile eingestiegen und leicht begeistert bin, und verwies mich, wie Lars, zudem auf »Misfits«, die Serie, um die es im folgenden gehen soll.

»Misfits« ist ein Science Fiction-/Fantasy-/Comedy-/Drama-Hybrid, in dem eine Gruppe Jugendlicher vom Blitz getroffen wird und so – Überraschung, Überraschung! – übernatürliche Fähigkeiten erlangt. Der Twist an der Sache: Die Gruppe besteht aus straffällig gewordenen Jugendlichen, die gerade ihre ersten Sozialstunden ableisten sollen. Dass die Jungs und Mädels fortan also weniger die Rettung der Welt, als vielmehr Eigennutz und Blödsinn im Sinn haben, ist also wenig verwunderlich.

Toll ist dabei, dass die Truppe aus Figuren besteht, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da wären zunächst Nathan, der aufgedrehte Spaßvogel, Curtis, der abgerutschte, ehemalige Vorzeigesportler, Alisha, die männerverschlingende Tussi, Kelly, der (wie sich später noch herausstellt überaus sympathische) Schlägerin und Simon, der schüchterne „Psycho“, der früher oder später zum heimlichen Star der Serie wird. Die fünf müssen sich also nicht nur irgendwie zusammenraufen, sondern auch gleich einen ganzen Haufen überirdischer Geheimnisse für sich behalten und sich mit allerlei abgedrehten, übernatürlichen Vorkommnissen rumschlagen. Dass den Teenagern dabei nicht ganz klar ist, was sie da eigentlich für Superheldenkräfte abbekommen haben, geschweige denn wie diese kontrolliert werden können, macht die Sache nicht einfacher.

Neben dem „Monster of the Week“ gibt es dabei immer einen Staffel-übergreifenden Handlungsbogen, der einen die nur sechs bis acht Folgen umfassenden Staffeln leicht in einem Rutsch verschlingen lässt. Obwohl man ja eigentlich meinen müsste, dass wir das alles schon mal irgendwo gesehen haben… Haben wir auch. Upgefuckte Jugendliche (siehe »Skins«) haben wir mittlerweile schon genauso oft gesehen, wie Superhelden, die keinen Bock darauf haben, Strumpfhosen zu tragen. Hier wird das alles jedoch mit einem perfekt ausbalancierten Figurenensemble präsentiert und mit soviel Political Incorrectness und Humor garniert, dass man eigentlich gar nicht merkt, dass hier zwischen Zeitreisen und Unsterblichkeit eigentlich die mehr oder weniger problematische Alltagswelt von normalen, englischen Heranwachsenden portraitiert wird. Und das, wie gesagt, auf unglaublich unterhaltsame Art und Weise.

Ihr merkt schon, ich kann »Misfits« gar nicht genug loben. Es ist eine kleine, feine Serie, aber erfreulicherweise dennoch all das, was »Heroes«, »Chronicle« und etliche andere Produktionen nicht vermocht haben zu sein. Wer »Skins« und die X-Men liebt, der wird »Misfits« lieben, das verspreche ich euch.

Bisher sind drei Staffeln gelaufen, die vierte Staffel ist für Ende diesen Jahres angesetzt. Die erste und zweite Staffel sind hierzulande bei iTunes, sowie als DVDs und Blu-rays bei Amazon erhältlich und auch ordentlich synchronisiert. Allerdings sollte man zur vollen Entfaltung des Charmes eher den O-Ton bevorzugen (um so in den Genuss von Kellys grandiosem „Fock Off“ zu kommen). Wie bei »Skins« wird es hier wohl auch ein (überflüssiges) US-amerikanisches Remake geben, das 2013 ausgestrahlt werden soll.

Black Mirror

Wer mir bei Twitter folgt wird den Begeisterungssturm neulich mitbekommen haben, als ich mir »Black Mirror«, die neue, im Dezember ausgestrahlte, britische Miniserie von Charlie Brooker, angesehen habe.1 Brooker war u.a. anderem bereits an der Sitcom »Nathan Barley«, dem Zombie-Big-Brother-Mashup »Dead Set« und der Doku »How TV Ruined Your Life« beteiligt – alles Produktionen, von denen man bisher nur gutes gehört hat, von denen ich aber zu meiner Brit-TV-Schande gestehen muss, sie noch nicht gesehen zu haben.2 Nach »Black Mirror« habe ich jedoch vor, das alles schleunigst nachzuholen, denn ich war von der Serie überaus und mehr als angetan und muss sie den Unwissenden unter euch unbedingt empfehlen!

Doch warum eigentlich? Und worum geht’s? In »Black Mirror« geht es um mehr oder weniger nahe gelegene Zukunftsvisionen, die unser heutiges Verhältnis zu Medien und Gadgets auf die Spitze treiben. Brooker selbst spricht von „the dark side of our gadget addiction“ und beschreibt die Serie wie folgt: „Each episode has a different cast, a different setting, even a different reality. But they’re all about the way we live now – and the way we might be living in 10 minutes‘ time if we’re clumsy.“ Das einzige was die drei Episoden eint, ist, dass es um technologische Dystopien geht, ansonsten haben sie nichts miteinander zu tun. Ein Konzept, dass der gestandene Zuschauer bereits aus der »Twilight Zone« kennt. (Und dass man sich von dieser hat inspirieren lassen, offenbart dann sogar die Produktionsfirma im Pressrelease.)

So spielt die erste Episode etwa im England unserer Gegenwart, in dem der Premierminister mitten in der Nacht geweckt wird, da die (fiktive) Kronprinzessin von einer Nacht des Partymachens nicht zurückgekehrt ist und stattdessen ein Erpresservideo auf YouTube eingestellt wurde. Darin verlangen die Entführer vom Premierminister das eigentlich Unmögliche, andernfalls würden sie die zukünftige Queen töten. Und das, was sie dort einfordern, ist so aberwitzig, man müsste die ganze Episode über lachen, wäre die Umsetzung nicht so todernst (und grandios). Für das Staatsoberhaupt beginnt ein medialer Spießrutenlauf, in dem sein Wohl mit der Rettung der Kronprinzessin aufgewogen wird. Mein klarer Favorit, da hier quasi eine Welt entworfen wird, in der Anonymous den Sprung von der Netzguerilla zum Real-Life-Terrorismus vollzogen hat.

Doch auch die anderen beiden Episoden wissen zu überzeugen: Die zweite Episode zeigt uns eine merkwürdige Zukunftsvision, in der Gamification zum Grundpfeiler der Gesellschaft geworden ist: Die Bevölkerung strampelt sich auf Fahrrädern ab, um Punkte zu sammeln, mit denen man Werbeunterbrechungen im Fernsehprogramm überspringen kann. Klar, dass der einzige Ausweg aus diesem Hamsterrad eine Casting Show ist. Nett, aber doch etwas strange, wofür Episode 3 dann aber wieder vollends entschädigt. Denn hier haben die Menschen einen Gedächtnisspeicherchip, der jegliche Erinnerung aufzeichnet, sie wiederholen oder gar auf einem Fernsehgerät anzeigen lässt. Was dann passiert, wenn man Beziehungsprobleme hat, könnt ihr euch sicherlich selbst ausmalen…

Ihr merkt, drei völlig unterschiedliche Folgen, die jedoch alle überaus sehenswert sind. Das sah das UK-Publikum Queen sei dank ähnlich, so dass Hoffnungen auf eine zweite Staffel, obwohl noch nicht angekündigt, nicht ganz unbegründet sein dürften. Die besagten, ersten drei Folgen können als DVD-Box über Amazon geordert werden und Charlie Brooker sollte man spätestens jetzt sowieso ihm Auge behalten.

Update, 13. Juli 2012: Soeben wurde eine zweite Staffel offiziell angekündigt.

  1. Damit wir hier direkt alles zusammen haben: Der Mann twittert auch. []
  2. Ich muss sogar gestehen, dass ich bei britischen Serien jenseits der »IT Crowd« ein großes Defizit habe. Ich gelobe Besserung und wollte mich demnächst sogar mal an »Dr. Who« herantrauen. Weitere Empfehlungen gerne in die Kommentare! []

Keine Fortsetzung der »Moviacs« :(

ZDFneo hat dieser Tage auf der offiziellen Facebook-Seite mitgeteilt, dass es keine weiteren Folgen des Filmmagazins »Moviacs« von und mit Nilz Bokelberg und Donnie O´Sullivan mehr geben wird. Das ist überaus schade, da »Moviacs« das mit Abstand unterhaltsamste Filmmagazin im deutschen Fernsehen war – sympathisch, wunderbar subjektiv und eben kein mit Werbesprech untermalter Trailerzusammenschnitt wie man das sonst so gewohnt ist.

In der zwar nur vier Folgen andauernden ersten Staffel haben Nilz und Donnie mir einige unbekannte Perlen näher gebracht und ich hätte mich wirklich gefreut, mehr Filmtipps von den beiden zu bekommen. Da wird leider nichts draus, aber bevor irgendjemand den Stecker zieht, lass ich erst nochmal die Leitung glühen: hier gibt’s die vier Folgen in der ZDF-Mediathek. Get ‚em while you can.

Neues zur Star Wars Live-Action TV Series

IGN hat sich mit LucasFilm-Produzent Rick McCallum über deren neuen Luftkriegs-/Diskriminierungsfilm »Red Tails« unterhalten und die Gelegenheit direkt genutzt, ihn ein bisschen was über die Star Wars Live-Action TV Series zu fragen und erzählen zu lassen. Und dabei hat McCallum einige interessante Dinge angesprochen.1

Zunächst erstmal die wichtigste Nachricht: Der (Arbeits-)Titel der Serie, von der ich hier übrigens das erste Mal vor fünf Jahren berichtete2, ist nicht mehr länger der obige Zungenbrecher, sondern nur noch »Star Wars: Underworld«. Natürlich hat der Titel nichts mit Vampiren und Werwölfen zu tun, sondern verweist lediglich auf die übergreifende, bereits bekannte Handlung der Serie, die zwischen den Prequels und der Original Trilogy spielen und sich mit dem Aufstieg des Imperiums und der Rebellen, sowie Schurken, Kopfgeldjägern und der Mafia beschäftigen soll.

Es liegen, so McCallum, bereits über 50 fertige Skripte vor und jede Folge soll „bigger and more complex than the prequel films“ werden. (Insert joke here, um Slashfilm-Redakteur Germain Lussier zu zitieren.) Das Budget soll dabei bei rund fünf Millionen Dollar pro Folge liegen, was aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch utopisch sei. Daher werde man noch ein paar Jahre warten müssen, bis die technische Entwicklung fortgeschritten ist und die Preise gefallen sind. Lucas sprach 2010 von 4-5 Jahren, McCallum scherzt, dass er hofft, dass das noch zu seinen Lebzeiten passiert.

Außerdem sei man sich noch nicht sicher, in welchem Rahmen »Star Wars: Underworld« gezeigt werden soll. Sowohl die US-Networks, als auch die Pay-TV-Sender haben jeweils Vor- und Nachteile. Beim Free-TV sei der Quotendruck zu hart, die Cable-Bezahlsender seien zwar nachsichtiger, dafür sei aber auch die Reichweite nicht so hoch, und HBO verlangt wohl zuviel Mitspracherechte. Daher möchte man bei LucasFilm die sich gerade grundlegend verändernde TV-Landschaft erst mal beobachten. McCallum spricht hier explizit vom neuen, sagenumwobenen Apple TV, das vielleicht der Kaufkanal werden könnte, den man sich von iTunes erhofft habe.

Wir Star Wars-Fans dürfen also gespannt sein – und sehen wohl noch das ein oder andere Jahr ins Land ziehen, bevor die erste Klappe für »Star Wars: Underworld« fällt.

Update, 13.06.2014: Die Arbeit an der Serie wurde mittlerweile eingestellt.

  1. Das Interview (in einem viel zu lauten Café) gibt’s auch hier bei YouTube. []
  2. Ich schrieb damals: „Geplant für Ende 2008, mittlerweile verschoben auf 2009. Soll zwischen Episode III und A New Hope spielen, pro Folge eine Millionen verschlingen und […] es sollen rund 100 Folgen produziert werden.“ []

Der Tatortreiniger

Stefan Niggemeier berichtet heute über die NDR-Miniserie »Der Tatortreiniger«, von der ihr wahrscheinlich noch nie gehört habt. Weil der NDR quasi alle Spuren verwischt und die Serie unter den Teppisch gekehrt hat. Warum ist nicht so recht nachvollziehbar, da die wenigen Kritiker und Feuilletonisten, die es trotz der Quasi-Nachrichtensperre geschafft haben, sich den Comedy-Vierteiler mit Bjarne Mädel (Ernie aus »Stromberg«) anzusehen, überaus angetan sind. Niggemeier spricht sogar von der lustigsten deutschen Serie seit langem.

Gut also, dass man sich die erste Folge immerhin auf der offiziellen Facebook-Seite (Kostenpunkt: ein Like) und überraschenderweise auch auf der NDR-Seite ansehen kann. Und genau das werde ich jetzt tun habe ich nun getan und kann mich dem Lob nur anschliessen.