#fernsehen (294)

Seite 15 von 30

Black Mirror

Wer mir bei Twitter folgt wird den Begeisterungssturm neulich mitbekommen haben, als ich mir »Black Mirror«, die neue, im Dezember ausgestrahlte, britische Miniserie von Charlie Brooker, angesehen habe.1 Brooker war u.a. anderem bereits an der Sitcom »Nathan Barley«, dem Zombie-Big-Brother-Mashup »Dead Set« und der Doku »How TV Ruined Your Life« beteiligt – alles Produktionen, von denen man bisher nur gutes gehört hat, von denen ich aber zu meiner Brit-TV-Schande gestehen muss, sie noch nicht gesehen zu haben.2 Nach »Black Mirror« habe ich jedoch vor, das alles schleunigst nachzuholen, denn ich war von der Serie überaus und mehr als angetan und muss sie den Unwissenden unter euch unbedingt empfehlen!

Doch warum eigentlich? Und worum geht’s? In »Black Mirror« geht es um mehr oder weniger nahe gelegene Zukunftsvisionen, die unser heutiges Verhältnis zu Medien und Gadgets auf die Spitze treiben. Brooker selbst spricht von „the dark side of our gadget addiction“ und beschreibt die Serie wie folgt: „Each episode has a different cast, a different setting, even a different reality. But they’re all about the way we live now – and the way we might be living in 10 minutes‘ time if we’re clumsy.“ Das einzige was die drei Episoden eint, ist, dass es um technologische Dystopien geht, ansonsten haben sie nichts miteinander zu tun. Ein Konzept, dass der gestandene Zuschauer bereits aus der »Twilight Zone« kennt. (Und dass man sich von dieser hat inspirieren lassen, offenbart dann sogar die Produktionsfirma im Pressrelease.)

So spielt die erste Episode etwa im England unserer Gegenwart, in dem der Premierminister mitten in der Nacht geweckt wird, da die (fiktive) Kronprinzessin von einer Nacht des Partymachens nicht zurückgekehrt ist und stattdessen ein Erpresservideo auf YouTube eingestellt wurde. Darin verlangen die Entführer vom Premierminister das eigentlich Unmögliche, andernfalls würden sie die zukünftige Queen töten. Und das, was sie dort einfordern, ist so aberwitzig, man müsste die ganze Episode über lachen, wäre die Umsetzung nicht so todernst (und grandios). Für das Staatsoberhaupt beginnt ein medialer Spießrutenlauf, in dem sein Wohl mit der Rettung der Kronprinzessin aufgewogen wird. Mein klarer Favorit, da hier quasi eine Welt entworfen wird, in der Anonymous den Sprung von der Netzguerilla zum Real-Life-Terrorismus vollzogen hat.

Doch auch die anderen beiden Episoden wissen zu überzeugen: Die zweite Episode zeigt uns eine merkwürdige Zukunftsvision, in der Gamification zum Grundpfeiler der Gesellschaft geworden ist: Die Bevölkerung strampelt sich auf Fahrrädern ab, um Punkte zu sammeln, mit denen man Werbeunterbrechungen im Fernsehprogramm überspringen kann. Klar, dass der einzige Ausweg aus diesem Hamsterrad eine Casting Show ist. Nett, aber doch etwas strange, wofür Episode 3 dann aber wieder vollends entschädigt. Denn hier haben die Menschen einen Gedächtnisspeicherchip, der jegliche Erinnerung aufzeichnet, sie wiederholen oder gar auf einem Fernsehgerät anzeigen lässt. Was dann passiert, wenn man Beziehungsprobleme hat, könnt ihr euch sicherlich selbst ausmalen…

Ihr merkt, drei völlig unterschiedliche Folgen, die jedoch alle überaus sehenswert sind. Das sah das UK-Publikum Queen sei dank ähnlich, so dass Hoffnungen auf eine zweite Staffel, obwohl noch nicht angekündigt, nicht ganz unbegründet sein dürften. Die besagten, ersten drei Folgen können als DVD-Box über Amazon geordert werden und Charlie Brooker sollte man spätestens jetzt sowieso ihm Auge behalten.

Update, 13. Juli 2012: Soeben wurde eine zweite Staffel offiziell angekündigt.

  1. Damit wir hier direkt alles zusammen haben: Der Mann twittert auch. []
  2. Ich muss sogar gestehen, dass ich bei britischen Serien jenseits der »IT Crowd« ein großes Defizit habe. Ich gelobe Besserung und wollte mich demnächst sogar mal an »Dr. Who« herantrauen. Weitere Empfehlungen gerne in die Kommentare! []

Keine Fortsetzung der »Moviacs« :(

ZDFneo hat dieser Tage auf der offiziellen Facebook-Seite mitgeteilt, dass es keine weiteren Folgen des Filmmagazins »Moviacs« von und mit Nilz Bokelberg und Donnie O´Sullivan mehr geben wird. Das ist überaus schade, da »Moviacs« das mit Abstand unterhaltsamste Filmmagazin im deutschen Fernsehen war – sympathisch, wunderbar subjektiv und eben kein mit Werbesprech untermalter Trailerzusammenschnitt wie man das sonst so gewohnt ist.

In der zwar nur vier Folgen andauernden ersten Staffel haben Nilz und Donnie mir einige unbekannte Perlen näher gebracht und ich hätte mich wirklich gefreut, mehr Filmtipps von den beiden zu bekommen. Da wird leider nichts draus, aber bevor irgendjemand den Stecker zieht, lass ich erst nochmal die Leitung glühen: hier gibt’s die vier Folgen in der ZDF-Mediathek. Get ‚em while you can.

Neues zur Star Wars Live-Action TV Series

IGN hat sich mit LucasFilm-Produzent Rick McCallum über deren neuen Luftkriegs-/Diskriminierungsfilm »Red Tails« unterhalten und die Gelegenheit direkt genutzt, ihn ein bisschen was über die Star Wars Live-Action TV Series zu fragen und erzählen zu lassen. Und dabei hat McCallum einige interessante Dinge angesprochen.1

Zunächst erstmal die wichtigste Nachricht: Der (Arbeits-)Titel der Serie, von der ich hier übrigens das erste Mal vor fünf Jahren berichtete2, ist nicht mehr länger der obige Zungenbrecher, sondern nur noch »Star Wars: Underworld«. Natürlich hat der Titel nichts mit Vampiren und Werwölfen zu tun, sondern verweist lediglich auf die übergreifende, bereits bekannte Handlung der Serie, die zwischen den Prequels und der Original Trilogy spielen und sich mit dem Aufstieg des Imperiums und der Rebellen, sowie Schurken, Kopfgeldjägern und der Mafia beschäftigen soll.

Es liegen, so McCallum, bereits über 50 fertige Skripte vor und jede Folge soll „bigger and more complex than the prequel films“ werden. (Insert joke here, um Slashfilm-Redakteur Germain Lussier zu zitieren.) Das Budget soll dabei bei rund fünf Millionen Dollar pro Folge liegen, was aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch utopisch sei. Daher werde man noch ein paar Jahre warten müssen, bis die technische Entwicklung fortgeschritten ist und die Preise gefallen sind. Lucas sprach 2010 von 4-5 Jahren, McCallum scherzt, dass er hofft, dass das noch zu seinen Lebzeiten passiert.

Außerdem sei man sich noch nicht sicher, in welchem Rahmen »Star Wars: Underworld« gezeigt werden soll. Sowohl die US-Networks, als auch die Pay-TV-Sender haben jeweils Vor- und Nachteile. Beim Free-TV sei der Quotendruck zu hart, die Cable-Bezahlsender seien zwar nachsichtiger, dafür sei aber auch die Reichweite nicht so hoch, und HBO verlangt wohl zuviel Mitspracherechte. Daher möchte man bei LucasFilm die sich gerade grundlegend verändernde TV-Landschaft erst mal beobachten. McCallum spricht hier explizit vom neuen, sagenumwobenen Apple TV, das vielleicht der Kaufkanal werden könnte, den man sich von iTunes erhofft habe.

Wir Star Wars-Fans dürfen also gespannt sein – und sehen wohl noch das ein oder andere Jahr ins Land ziehen, bevor die erste Klappe für »Star Wars: Underworld« fällt.

Update, 13.06.2014: Die Arbeit an der Serie wurde mittlerweile eingestellt.

  1. Das Interview (in einem viel zu lauten Café) gibt’s auch hier bei YouTube. []
  2. Ich schrieb damals: „Geplant für Ende 2008, mittlerweile verschoben auf 2009. Soll zwischen Episode III und A New Hope spielen, pro Folge eine Millionen verschlingen und […] es sollen rund 100 Folgen produziert werden.“ []

Der Tatortreiniger

Stefan Niggemeier berichtet heute über die NDR-Miniserie »Der Tatortreiniger«, von der ihr wahrscheinlich noch nie gehört habt. Weil der NDR quasi alle Spuren verwischt und die Serie unter den Teppisch gekehrt hat. Warum ist nicht so recht nachvollziehbar, da die wenigen Kritiker und Feuilletonisten, die es trotz der Quasi-Nachrichtensperre geschafft haben, sich den Comedy-Vierteiler mit Bjarne Mädel (Ernie aus »Stromberg«) anzusehen, überaus angetan sind. Niggemeier spricht sogar von der lustigsten deutschen Serie seit langem.

Gut also, dass man sich die erste Folge immerhin auf der offiziellen Facebook-Seite (Kostenpunkt: ein Like) und überraschenderweise auch auf der NDR-Seite ansehen kann. Und genau das werde ich jetzt tun habe ich nun getan und kann mich dem Lob nur anschliessen.

The Most Pirated Movies and TV-Shows of 2011

Wie schon im letzten Jahr hat TorrentFreak, weiterhin everybody´s favorite filesharing news blog, Top 10-Listen der am häufigsten per BitTorrent heruntergeladenen Filme und TV-Serien zusammengestellt. Und wieder hat das piratische Publikum einen durchwachsenen Geschmack mit Tendenz zum hirnlosen Einheitsbrei bewiesen: So war der vor Testosteron strotzende Autos-/Action-/Frauen-Kracher »Fast & Furious Five«1 der meist geladene Film 2011, dicht gefolgt vom Absturzzelebrationssequel »Hangover 2« und dem miesen Göttergeplänkel »Thor«. Aber immerhin reihen sich dann noch Perlen wie »Source Code« und »Sucker Punch«2 und diesjährige Oscar-Favorites wie »127 Hours« und »The King’s Speech« dazu. Dass Mainstreams Lieblingssequels »Transformers 3« und »Fluch der Karibik 4« es jedoch nicht in die Top 10 geschafft haben, verwundert dann doch.

Rang Film Downloads Weltweite Einnahmen
1 Fast Five 9.260.000 $626.137.675
2 The Hangover II 8.840.000 $581.464.305
3 Thor 8.330.000 $449.326.618
4 Source Code 7.910.000 $123.278.618
5 I Am Number Four 7.670.000 $144.500.437
6 Sucker Punch 7.200.000 $89.792.502
7 127 Hours 6.910.000 $60.738.797
8 Rango 6.480.000 $245.155.348
9 The King’s Speech 6.250.000 $414.211.549
10 Harry Potter 7.2 6.030.000 $1.328.111.219

(Quelle: TorrentFreak – Top 10 Most Pirated Movies of 2011)

Beim Fernsehen beweist die raubkopierende Zunft dann aber etwas mehr Geschmack: Auf »Dexter« folgen da schon die üblichen Verdächtigen, wobei hier vor allem der Fall »Game of Thrones« interessant ist: Mehr Downloads als US-Zuschauer, ein Umstand, der neben HBOs Paywall vor allem der internationalen Verfügbarkeit geschuldet sein dürfte. Denn während die Houses, HIMYMs und TBBTs mittlerweile recht zügig ihren Weg z.B. ins hiesige Abendprogramm finden und selbst »The Walking Dead« nur mit einer Woche Verspätung in etlichen Ländern der Welt ausgestrahlt wird, zeigt sich doch, dass einem beim Festhalten an alten Verbreitungstraditionen potentiell bezahlende Rezipienten3 einmal mehr durch die Lappen gehen.

Rang Serie Downloads Ø US-Zuschauer pro Folge (laut Nielsen)
1 Dexter 3.620.000 2.190.000
2 Game of Thrones 3.400.000 3.040.000
3 The Big Bang Theory 3.090.000 15.980.000
4 House 2.760.000 9.780.000
5 How I Met Your Mother 2.410.000 12.220.000
6 Glee 2.200.000 9.210.000
7 The Walking Dead 2.060.000 7.260.000
8 Terra Nova 1.910.000 9.220.000
9 True Blood 1.850.000 5.530.000
10 Breaking Bad 1.730.000 2.580.000

(Quelle: TorrentFreak – Top 10 Most Pirated TV-Shows of 2011)

Doch generell stellt TorrentFreak einen Rückgang der Downloads fest – zumindest was BitTorrent-Downloads angeht. Gründe dafür sind unter anderem in immer mehr und besseren legalen Alternativen zu sehen. Hulu, Netflix, iTunes und Sender-Apps bieten jedem (amerikanischen) Zuschauer, der gewillt ist, einen kleinen Obolus zu entrichten, die Möglichkeit zeitversetzt fernzusehen, und das sogar einfacher und schneller als die zwielichtigen Downloadportale. Ja, selbst aktuelle US-Serien schaffen es schon mal im O-Ton in ausländische iTunes Stores, so hört man.4

Dennoch sollte und muss da wohl noch einiges passieren. Mit der unmittelbaren Verfügbarkeit neuer US-Serien im deutschen iTunes Store oder bei deutschen Pay-TV-Sendern geht man jedenfalls in die richtige Richtung. Doch sollte man sich vom Schein nicht trügen lassen: Die sinkenden BitTorrent-Downloadzahlen hat man wahrscheinlich den schulhofweit bekannten Streaming-Seiten und – Kim Schmitz lässt grüßen – diversen One-Click-Filehostern zu verdanken, die sich noch nicht so sehr im Kreuzfeuer der Ermittlungsbehörden und Abmahnanwälte befinden.

Nichtsdestotrotz: Es bewegt sich was5 und das ist ja erst mal gut.

  1. Den ich bezeichnenderweise neben »Rango« als einzigen auf der Liste nicht gesehen habe, was ich auch nicht unbedingt vorhabe zu ändern, solange ihr mir jetzt nicht von der Großartigkeit des Films vorschwärmt… []
  2. Der Film wurde nach dem Kinobesuch von den uns begleitenden Damen als „frauenfeindlich“ bezeichnet, aber uns Jungs hat Zack Snyders knöchelhoch tiefgehende Männerphantasie zumindest optisch überaus gut gefallen. []
  3. Und das heißt nicht unbedingt „aktiv bezahlende“, sondern auch Zuschauer, die durch Werbeunterbrechungen ein Plus in des Studios Kassen spülen würden. []
  4. Zum Beispei »True Blood«, das hierzulande für 2,50 pro Folge im O-Ton mit deutschen Untertiteln heruntergeladen werden kann. []
  5. Unter anderem der Preis pro Kinobesuch nach oben, was zu einer erneuten Piraterie-Renaissance führen könnte, aber das ist ein anderes Thema… []