Follow Friday: Five Things

Nachdem es letzte Woche eine Empfehlung für euren Podcast-Client gab, folgt heute eine für eure Inbox: „Five Things“ ist ein aus fünf Lesetipps bestehender, täglicher Newsletter von Nico Lumma, seineszeichens Netzmensch und u.a. Co-Vorsitzender des SPD-nahen Digitalvereins D64, der passenderweise auch über einen hervorragenden Netzpolitik-Newsletter verfügt. Dem­entsprechend befassen sich die fünf, bewusst kurz kommentierten Artikel zumeist mit Digitalthemen (Themen von heute: „Self-Aware People, AI Gang Crimes, Smart Warehouses, Self-Driving Cars, AI reconstructs Brain Scans“) und haben eine ausgesprochen hohe „Add to Reading List“-Quote bei mir.

Oscar-Prognose 2018

Heute Abend werden im Dolby Theatre in Hollywood zum 90. Mal die Academy Awards verliehen. Wie schon bei den letzten neunzig sieben Malen darf dazu natürlich nicht meine traditionsreiche Oscar-Prognose fehlen. Mit dem unsäglichen, aber 13-fach nominierten »The Shape of Water« und dem für mich überragenden »Three Billboards outside Ebbing, Missouri« war die Qualitäts­spanne in diesem Jahr ungewohnt groß. Letzterer ist natürlich auch mein unumstößlicher Best Picture-Pick, »The Shape of Water«, so hoffe ich, der Verlierer des Abends. Hier also meine Tipps:

Best Picture: Three Billboards outside Ebbing, Missouri The Shape of Water
Best Directing: Christopher Nolan – Dunkirk Guillermo del Toro – The Shape of Water
Best Actor: Gary Oldman – Darkest Hour
Best Actress: Frances McDormand – Three Billboards outside Ebbing, Missouri
Best Supporting Actor: Sam Rockwell – Three Billboards outside Ebbing, Missouri
Best Supporting Actress: Laurie Metcalf – Lady Bird Allison Janney – I, Tonya
Best Original Screenplay: Three Billboards outside Ebbing, Missouri Get Out
Best Adapted Screenplay: Call Me by Your Name
Best Animated Feature Film: Coco
Best Foreign Language Film: The Square A Fantastic Woman
Best Documentary Feature: Faces Places Icarus
Best Documentary Short: Heroin(e) Heaven Is a Traffic Jam on the 405
Best Short Film: DeKalb Elementary The Silent Child
Best Animated Short Film: Dear Basketball
Best Original Score: The Shape of Water
Best Original Song: „This Is Me“ aus The Greatest Showman
„Remember Me“ aus Coco

Best Sound Editing: Dunkirk
Best Sound Mixing: Dunkirk
Best Production Design: The Shape of Water
Best Cinematography: Blade Runner 2049
Best Makeup and Hairstyling: Darkest Hour
Best Costume Design: Phantom Thread
Best Film Editing: Dunkirk
Best Visual Effects: Blade Runner 2049

= 4x Three Billboards outside Ebbing, Missouri, 4x Dunkirk, 2x Darkest Hour, 2x Blade Runner 2049, 2x Shape of Water

= 4x The Shape of Water, 3x Dunkirk, 2x Three Billboards outside Ebbing, Missouri, 2x Darkest Hour, 2x Blade Runner 2049, 2x Coco

Jahr richtige Tipps Quote
2010 10/151 66,7%
2011 10/24 41,7%
2012 12/24 50%
2013 15/24 62,5%
2014 19/24 79,2% – Highscore!
2015 16/24 66,7%
2016 16/24 66,7%
2017 14/24 58,3%
2018 15/24 62,5%

Mal sehen, ob ich meinen Abwärtstrend der letzten Jahre dieses mal stoppen kann. Morgen früh wissen wir mehr.2

Update, 8:30 Uhr: Buh! Der Großteil der Academy hat seine Screener offensichtlich nicht gesichtet und ist dem unverständlichen Hype um »The Shape of Water« erlegen, der als Gewinner des Abends gilt. Ansonsten schön, dass Jordan Peele für »Get Out« ausgezeichnet wurde, aber sehr schade für Martin McDonagh (»Three Billboards«). Neben meinen opinionated picks haben mich die Dokumentarfilme und der Original Song wieder einen besseren Platz gekostet, aber mit 15 von 24 richtigen Tipps war ich immerhin um einen Tipp besser als im letzten Jahr.

  1. Fragt mich nicht warum, aber aus irgendeinem Grund haben wir in unserem ersten Jahr nicht alle Kategorien getippt.
  2. Im Gegensatz zu früher schlage ich mir heutzutage nicht mehr die Nacht um die Ohren, sondern sehe mir ausgeschlafen am Frühstückstisch irgendeine Zusammenfassung auf YouTube an. Gelobt sei das Internet!

The Shape of Water (2017)

Das für 13 (!) Oscars nominierte Fantasy-Märchen von Guillermo del Toro, in dem sich die Putzfrau einer geheimen 60er-Jahre-Forschungsstation in einen dort gefangenen Fischmann verliebt. Sicherlich das, worauf del Toros Karriere stets hinauslief, aber: What the fuck is wrong with you people?

Wir haben hier hauchdünne Figuren, die in ihrer Einfachheit kaum zu unterbieten sind1, einfallslos besetzt wurden2, alibihaft divers konstruiert sind3 oder zutiefst unglaubwürdig agieren4. Eine Romanze die das Wort nicht verdient, wirkt sie doch so als hätte sie ein pubertierender Junge erdacht.5 Und schließlich einen Konflikt zwischen Geheimdiensten, der für die Handlung vollkommen irrelevant ist.

Um für mehr als ein Dutzend Academy Awards nominiert zu werden, reicht es zudem anscheinend aus, seinen Film mit einer Vielzahl von unnötigen, weil absolut unbedeutsamen Referenzen auf’s Kino und Classical Hollywood zu spicken. Eine Prise Gesellschaftskritik und fertig ist der Best Picture-Nominee. Ich kann das alles beim besten Willen nicht verstehen. Ja, der Film ist solide gemacht, das war’s dann aber auch. Rating: 1/5

  1. TIL: Frauen, die in der Badewanne masturbieren, sind offen für speziesübergreifende Liebschaften mit Wasserlebewesen.
  2. Michael Shannon, der einzige Hoffnungsschimmer in dieser grotesken Horror-Hommage, darf 1:1 seine Paraderolle aus »Boardwalk Empire« aufleben lassen – ein Hoch auf die einfallsreiche Casting-Agentin!
  3. Der schwule Nachbar, der sich nach Zurückweisung durch einen heterosexuellen Mann gezwungen sieht, seine zuvor getroffene, kategorisch ausgeschlossene Entscheidung keine Straftat zu begehen, zu revidieren.
  4. Der Wissenschaftler, der seiner Staatszugehörigkeit trotzt und eine folgenschwere Entscheidung für die Wissenschaft trifft, opfert im Moment des Sieges doch alles.
  5. Eier. Das Geheimnis sind Eier.

Get Out (2017)

Guter, kleiner „Social Thriller“ von Jordan Peele, der gekonnt den Alltags­rassismus, dem sich Schwarze in den USA ausgesetzt sehen, aufzeigt und auf die Spitze treibt, indem er einen Schwarzen die zunächst freundlich-bemühte Familie seiner weißen Freundin in der Provinz besuchen lässt, was alsbald in ein beunruhigendes, rassistisches Mysterium umschlägt. Rating: 3.5/5

Follow Friday: Kulturindustrie

Ich möchte mal etwas neues versuchen und hier regelmäßig kleine Follow-Empfehlungen aussprechen, die jenseits der Einzelverweise auf rezipierens­werte Artikel, Projekte, Audiobeiträge oder Videos liegen. Anstatt also Owleys lesenswerten Check der Oscar-Animationsfilme 2018 zu verlinken, würde ich in diesem neuen Segment Owley selbst empfehlen und euch dazu auffordern, ihm möglichst überall zu folgen.1 Doch soll es dabei nicht nur um Personen gehen, sondern um alles, was ich für folgenswert halte: Neben Bloggern und Twitterern auch Podcasts, Newsletter, YouTube-Channels, Vero-User, und und und. Das ganze dann als wöchent­liche Serie am Freitag, benannt nach dem einst auf Twitter entstandenen Follow Friday.

Den Anfang macht mit Kulturindustrie ein Podcast „in dem vier Menschen miteinander über Pop- und andere Kultur sprechen“. Diese vier sind Alexander Matzkeit, Sascha Brittner, Lucas Barwenczik und Mihaela Sartori. Die besprochene Pop- und Restkultur umfasst dabei neben Film und Fernsehen, auch Bücher, Comics und Musik. Die Diskussion lebt dabei wie so oft von den unterschiedlichen Interessen und der offenkundigen Expertise der vier. Neue Folgen gibt’s ca. alle anderthalb Wochen und auch wenn ich nicht immer mit den vieren d’accord gehe, hat Kulturindustrie zuletzt doch den Sprung ins Favorites-Folder meines Podcatchers geschafft.

  1. Was ihr auch tatsächlich tun solltet. Sorry for being an example, Owley. 😉

Three Billboards outside Ebbing, Missouri (2017)

Der neue, für sieben Oscars nominierte Film von Martin McDonaghIn Bruges«, »Seven Psychopaths«). Vordergründig geht es um den brutalen Mord an einer Jugendlichen und wie deren Mutter das Versagen der örtlichen Polizei mit den titelgebenden Billboards öffentlich anprangert. Tatsächlich geht es aber viel­mehr um den Einblick in die fiktive Kleinstadt Ebbing und wie die Bewohner mit dieser Ausnahmesituation umgehen.

McDonagh-typisch geht es dabei mitunter sehr derbe zur Sache. Und gerade bei dem Wechsel zwischen diesen komischen und all den tragischen Momenten, in denen sich kurz zuvor verhasste Figuren tolerieren, helfen, zu Menschen werden, trifft »Three Billboards« auf hervorragende Weise stets den richtigen Ton. So gutes Schauspiel1, so gut inszeniert. Alles richtig gemacht, Highscore. Rating: 5/5

  1. Allen voran Frances McDormand und Sam Rockwell. McDormand spielt damit bereits in dreien meiner All-Time Favorites mit: »Fargo«, »Moonrise Kingdom« und ja neuerdings auch »Three Billboards outside Ebbing, Missouri«.