Zur Drosselkom

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Die Telekom hat vor, die Übertragungsgeschwindigkeit für neu abgeschlossene Tarife nach überschreiten eines bestimmten Traffic-Limits (zwischen 75 und 200 GB pro Monat) zu drosseln. Ihr kennt das von euren Handyverträgen. Auf 384 Kilobit pro Sekunde, was dann auch am Rechner an alte ISDN-Zeiten erinnern dürfte. Mir fehlt gerade die Zeit, um selbst groß was zur Drosselkom-Geschichte zu sagen, aber Christopher Lauer beschreibt die überaus bizarre und ärgerliche Situation sehr schön:

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die privatwirtschaftlich organisierte Deutsche Telekom erbt vom ehemaligen Staatsunternehmen Deutsche Post das durch Steuergelder finanzierte Telefon- und Glasfasernetz. Das baut die Telekom nicht aus. Der Bedarf an breitbandigem Internet steigt aber. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Das Netz ausbauen oder den Mangel verwalten und zum Geschäftsmodell machen. Die Telekom hat sich für letzteres entschieden. Während uns Länder wie Südkorea bei der Geschwindigkeit längst abgehängt haben legt die Telekom für Deutschland den Rückwärtsgang ein. Das ist ungefähr so, als würden wir der Telekom das Straßennetz geben, die lässt es dann verwahrlosen und führt dann eine Maut ein, um die Spuren benutzen zu können, die noch funktionieren.

Er fordert daher dazu auf, die Telekom zu enteignen oder politisch korrekter: denen die Netze abzukaufen. Wäre was, ist aber nicht sonderlich realistisch. Vor allem weil es der Telekom derzeit je eh nur darum geht, ihre Grenzen auszutesten, woraufhin Marcel Weiss zu recht hinweist. Wenn das Traffic-Limit nach Protesten höher gelegt wird, feiert die Politik das ja eh als Erfolg.

Aber um es noch mal klipp und klar zu sagen: An einer gesetzlich festgelegten Netzneutralität führt (nicht nur) meines Erachtens kein Weg vorbei. Alles andere wäre zukunfts- und technologiefeindlich und alles andere als förderlich für den oft angepriesenen „Technologiestandort Deutschland“. Das stört die Politiker sonst zwar auch nicht, aber dieses Mal geht es um sehr viel mehr – und nicht nur um ein paar „Vielsurfer“. (via Nerdcore)

Update, 29.04.2012: So, schon am Tag dieses Postings (aber man kommt ja zu nichts!) haben mich @acky und meine Freundin (!) darauf aufmerksam gemacht, dass ich hier vielleicht noch hätte verdeutlichen sollen, dass die Problematik in dieser Drosselgeschichte vor allem auch darin liegt, dass die Telekom gleichzeitig als Service- und Content-Provider agiert. Eigene Angebote wie „Entertain“ sollen nämlich nicht am Trafficlimit zehren, womit die Neutralität der Datenübertragung faktisch aufgehoben wird. Wisst ihr Bescheid.

Eine übrigens sehr hilfreiche Seite zum Thema und zur nächsten Providerwahl ist werdrosselt.de von @ReneHesse, wo festgehalten wird, wie die verschiedenen Anbieter zur Beschneidung des freien Internetverkehrs stehen.

· am veröffentlicht 24.04.2013

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