#politik

“Hört nicht auf die Verlierer”

Christian Stöcker in einer lesenswerten Kolumne über den europäischen Fußballverband UEFA und den Ölkonzern Exxon, die für den kurzfristigen Gewinn ihrer Mitglieder/Aktionäre langfristige Folgen für die Gesellschaft in Kauf nehmen. Er sieht den Grund dafür, in der „psychologischen menschlichen Grundkonstante »Verlustaversion«“, wonach „Menschen im Zweifel bereit [sind], viel mehr zu tun, um einen nahen Verlust zu vermeiden, als sich – oder gar anderen! – einen Gewinn zu verschaffen“, und zitiert passend den Psychologen Daniel Kahneman:

»Reformpläne, so wie sie ursprünglich ausgearbeitet wurden, produzieren fast immer viele Gewinner und einige Verlierer, während sie insgesamt eine Verbesserung erzielen. Wenn die von den Maßnahmen Betroffenen politischen Einfluss besitzen, werden die potenziellen Verlierer allerdings aktiver und entschlossener sein als die potenziellen Gewinner; das Ergebnis wird daher zu ihren Gunsten verzerrt (…) sein.« (Schnelles Denken, langsames Denken, 2012)

(via daMax)

Urheberrechtsreform: Bundestag stimmt für Upload-Filter und Leistungsschutzrecht

Der Bundestag hat das überarbeitete Urheberrechtsgesetz beschlossen, dass uns schöne neue Upload-Filter und weitere Ausprägungen des bei Verlags­lobbyisten beliebten Leistungsschutzrechts bringt. Aber keine Sorge, die private Nutzung / Veröffent­lichung von „Schnipseln“ ist nun erlaubt und total sinnvoll. Nicht.

Die Ausnahme vom exklusiven Verwertungsrecht für solche Schnipsel aus Video-, Audio- und Textmaterial für nichtkommerzielle Zwecke umfasst 15 Sekunden je eines Filmwerks oder Laufbilds und einer Tonspur, 160 Zeichen eines Texts sowie 125 Kilobyte je eines Fotos oder einer Grafik. Die Klausel erstreckt sich auf nutzergenerierte Inhalte, die weniger als die Hälfte eines Werkes von Dritten enthalten, und grundsätzlich zulässige Auszüge zu den genannten Zwecken „mit anderem Inhalt kombinieren“.

(Hervorhebung von mir. Und das obige Zitat ist schon 495 Zeichen lang…)

The Complete List of Trump’s Twitter Insults (2015-2021)

As a political figure, Donald J. Trump used Twitter to praise, to cajole, to entertain, to lobby, to establish his version of events — and, perhaps most notably, to amplify his scorn. This list documents the verbal attacks Mr. Trump posted on Twitter, from when he declared his candidacy in June 2015 to Jan. 8, when Twitter permanently barred him.

(via John Gruber, who comments this perfectly: „How great, too, that it can be said to be complete.“)

What Parler saw during the Attack on the Capitol

As supporters of President Donald Trump took part in a violent riot at the Capitol, users of the social media service Parler posted videos of themselves and others joining the fray. […] Below is a collection of more than 500 videos that ProPublica determined were taken during the events of Jan. 6 and were relevant and newsworthy. Taken together, they provide one of the most comprehensive records of a dark event in American history through the eyes of those who took part.

ProPublica hat die Videos, die von den aufständischen Trump-Anhängern beim Strum auf das Kapitol selbst auf die rechte, mittlerweile nicht mehr verfügbare Social-Media-Plattform Parler gestellt wurden, gesichtet und in eine irre, interaktive Timeline des Wahnsinns gepackt. (via Waxy)

I just banned Trump from Yonks‘ suggestions list, too.

Fun-fact: In Yonks‘ two year history only two people we’re bothered by the fact, that the „Trump as President“ suggestion showed an orange right next to it and that there also was an countdown to the 2020 election. 🍊

Nichts zu verbergen?

Amsterdam gilt seit jeher als Musterbeispiel gelungener Stadtplanung. Bereits 1851 begann die Stadt, systematisch Daten der Bevölkerung zu erheben, um optimal ihre Ressourcen zu verteilen. Fürs „Bevolkingsregister“ gaben die Einwohner bereitwillig Beziehungsstatus, Beruf und Religions­zugehörigkeit an. 1936 stieg man sogar auf die Datenerfassung mit einem hochmodernen Lochkartensystem um. 1939 aktualisierte eine Volkszählung das Stadtregister nochmals.

Im Mai 1940 rissen die einmarschierten deutschen Besatzer das Register an sich und ermittelten anhand dieses Datenschatzes in wenigen Tagen fast alle jüdischen Einwohner. Ein Großteil der rund 100 000 Amsterdamer Juden wurde ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Von einem Tag auf den anderen entschied ein Marker im Big-Data-Pool über Leben und Tod. Zuvor hatte 90 Jahre lang niemand etwas zu verbergen gehabt – schließlich diente die Erfassung ja dem Wohl aller.