#politik

📺 Nachdem ich in der letzten Woche im linearen Fernsehen (ja, ich weiß, verrückte Zeiten!) die ARD-Dokumentation »Colonia Dignidad – Aus dem Innern einer deutschen Sekte« gesehen habe, habe ich doch tatsächlich die Ausstrahlung des zweiten Teils in meinen digitalen (!) Kalender eingetragen und eben – auch wieder ganz linear – geschaut.

Sehr gute Doku, zu einer unglaublich schrecklichen, unver­ständlicher­weise über vier Jahrzehnte andauernden Episode deutscher und chilenischer Geschichte. Ich war bisher nicht weiter mit der Kolonie und Sekte vertraut und war erschrocken, wie diablolisch es dort zuging. Harter Stoff, sehr gut aufbereitet und jetzt als Teil 1 und Teil 2 in der ARD-Mediakthek zu finden.

Corona-Dämmerung für Neoliberalismus: Ende einer Theorie

Ulrike Herrmann in der taz zur pandemie­gemachten Wirtschaftskrise:

Die „Märkte“ versagen, weil sie nur funktionieren könnten, wenn sich die Zukunft verlässlich berechnen ließe. Aktienkurse preisen die Gewinne von morgen ein. Doch wie spätestens in Krisenzeiten auffällt, ist die Zukunft prinzipiell nicht planbar. Daher gibt es keine Alternative zur Solidarität. Also zum Staat.

Der Kapitalismus funktioniert nur, wenn er von einem starken Staat unterstützt, gebändigt und gerettet wird.

The Case For – The best argument for each of the 2020 Democratic frontrunners

Die Redakteure von Vox.com haben die besten Argumente für die demokra­tischen Kandidaten der US-Vorwahlen gesammelt und zeigen so, ob es Bernie, Elizabeth Warren, Mayor Pete oder Joe Biden1 sein sollte, der oder die gegen Donald Trump antreten sollte.

Sehr interessant, wenn ihr euch für den US-Wahlkampf interessiert.

  1. Die Auflistung habe ich nicht zufällig in dieser Reihenfolge geschrieben. []

Seit dem #Brexit-Referendum 2016 waren wir vier mal in UK. 1x quer durch England gereist, 1x quer durch Schottland. Uns gegenüber fast überall: Remain oder Reue. Eine Schande, dass es jetzt dennoch zu diesem rückwärts­gewand­ten Nonsens kommt. We’re gonna miss you. 🇬🇧🇪🇺😔

EuGH verbietet deutsches Leistungsschutzrecht

Ein Nonsens-Gesetz weniger. Hat ja nur sechs Jahre gedauert und innovative, journalistische Digital­angebote so lange hierzulande blockiert.

Jetzt soll das europäische Leistungs­schutzrecht a.k.a. Artikel 11 der EU-Urheber­rechtsreform schnell in deutsches Recht überführt werden, fordern die, die zugunsten ihrer Lobby und ihres Geldbeutels gerne auch mal die internationale Konkurrenz­fähigkeit ihres Kontinents opfern.

Vice (2018)

»Vice« erzählt vom Werdegang Dick Cheneys, der als Vize-Präsident unter Obermarionette George W. Bush zum de-facto mächtigsten Mann der Welt wurde. Das ganze ist hervorragend geschminkt, besetzt und gespielt (Chirstian Bale als Cheney, Sam Rockwell als Bush und Steve Carell als Donald Rumsfeld) und zeigt in ungewohnter Essayform, wie der Taugenichts Cheney zum rücksichts­losen Taktierer wurde. Regisseur und Autor Adam McKay reiht dabei absurd Komisches und abartig Erschreckendes so gekonnt aneinander, dass außer Frage steht, dass die politischen Geschehnisse von damals das mehr als beunruhigende, politische Amerika der Gegenwart zu verantworten haben.  Rating: 4/5

„Kaltgestellt – Endspiel für Assange“

Was macht eigentlich Julian Assange? Theaterregisseurin Angela Richter hat ihn in der ecuadorianischen Botschaft in London besucht, in der er seit sieben Jahren ausharrt, um einer Auslieferung in die USA zu entgehen, in der, wie sich zwischenzeitlich herausstellte, tatsächlich undurchsichtige Strafanzeigen gehen ihn bestehen.

Seit März letzten Jahres lebt Assange in der Botschaft unter Vollüberwachung praktisch in Isolation, zuletzt hat man ihm die Heizung abgestellt und das Bett weggenommen. Ecuador will ihn offensichtlich loswerden und ihm den weiteren Aufenthalt dazu möglichst schwierig gestalten. Derweil verliert die Öffentlichkeit das Interesse am Fall Assange. Warum dessen Schicksal aber so wichtig ist, egal wie man zu seiner Person und seinem Schaffen steht, stellt Richter konsequent heraus:

Was ihm mitten in Europa seit Jahren widerfährt, zeigt, was jedem widerfahren könnte, der es wagt, seine Stimme zu erheben und die Wahrheit über die Mächtigen zu enthüllen. Und das nicht etwa in Russland oder China, sondern im freien Westen.

Der Ball liegt beim Vereinigten Königreich, wo man die Zusage einer Nicht-Auslieferung in die USA aber weiterhin verweigert.