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Review: Gravity

»Gravity« ist der derzeit gefragteste Film an amerikanischen und deutschen Kinokassen, was in Anbetracht der Umstände durchaus verwundern kann: Viereinhalb Jahre in Vorbereitung (man liest derzeit überall, dass – oho! – zur Realisation erst die technische Entwicklung abgewartet werden musste), fast ausschließlich am Computer entstanden (und trotzdem kein »Avatar«), Kammerspiel-artig mit nur zwei Schauspielern besetzt (normalerweise ja Kinokassengift) und dann auch noch wissenschaftlich akkurat, was die Darstellung des Weltraums angeht (wir wollen Krach!). Klar, dass man sich da mit Sandra Bullock und George Clooney Hollywood-Hochkaräter sichern musste, damit es vielleicht doch an den Kinokassen klingelt. Damit die Leute die Langfassung von dem sehen, was sie im Trailer bereits präsentiert bekamen: Sandra Bullock, die als Wissenschaftlerin Dr. Ryan Stone im Raumanzug am Hubble-Teleskop rumdoktert, unterstützt von Clooneys Space Cowboy Matt Kowalski. Bis plötzlich alles außer Kontrolle gerät und heran rasender Weltraumschrott alles um sie herum in Schutt und Asche zerlegt. Stone ist nicht weiter gesichert und droht ins All abzudriften. Kann Kowalski sie retten?

Das ganze zeigen uns Alfonso Cuarón und seine Postproduction-Crew bereits von Minute Eins an in überaus beeindruckenden Bildern. Bullock und Clooney in realistisch wirkender Schwerelosigkeit, spannendes Weltraumgerät und stets im Hintergrund dieser gigantische, wunderschöne blaue Planet. Sobald man sich an diese wunderbare Ästhetik gewöhnt hat, beginnt dann auch der Thrillride, der einen knapp anderthalb Stunden später sprachlos im Kinosessel zurücklassen wird. Das Film gewordene Kesslersyndrom gehört anschließend mitunter zum beeindruckendsten, was man bisher in Bewegtbildern gesehen hat.

Ein audiovisuelles Fest, dem Cuarón und Cuarón1 dadurch Tiefe verleihen, dass sie Zuschauer und Leinwandheld für ein Science-Fiction-Action-Drama (und generell für’s Mainstream-Kino) ungewöhnlich nah zu einander bringen. Die Kamera “fährt” von der allein im All driftenden Wissenschaftlerin in deren Helm hinein und zurück, wechselt zwischen Außenansicht und Egoperspektive – während ihr alles an Weltraumtechnik um die Ohren fliegt, was die Menschheit zu bieten hat. Dieser Wechsel aus Action und Intimität ist auch, was einen gebannt und angespannt das Geschehen verfolgen lässt. Dass ganz Hollywood-untypisch niemals von der Seite der Astronauten gewichen wird (keine Szene zur Lage in Houston, usw.), verstärkt genau dies gekonnt. Darüber, dass die Figuren so stereotyp geschrieben sind, dass man sie glatt in »Armageddon« erwarten würde, und dass die Story sich so von Problem zu Problemlösung hangelt, als hätte man ihr die Komplettlösung an die Hand gegeben, kann man dann auch mal hinwegsehen. Auch weil Bullock stets ihr bestes gibt.

»Gravity« ist ein Science-Fiction-Epos, das kaum2 Science Fiction und kein Epos ist. Der Film sieht fantastisch aus und die dritte Dimension wurde seit »Avatar« nicht mehr so gekonnt genutzt. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, man muss unbedingt ins Kino, wenn man nur ein bisschen mit »Gravity« liebäugelt. Später auf Blu-ray und Fernseher geht da mit Sicherheit ein ganzes Stück verloren.3 Doch dass »Gravity« vor allem wegen dieser Schauwerte funktioniert, ist Segen und Fluch zugleich. Auf meiner Oscar-Liste steht er aber in jedem Fall.

EMDb – Rating: 4/5

  1. Alfonso Cuarón hat den Film zusammen mit seinem Sohn Jonás geschrieben. []
  2. Des Internets liebster Astrophysiker Neil deGrasse Tyson hat zwar ein paar Sachen per Twitter bemängelt, war aber wohl wie viele andere Wissenschaftler von der Darstellung angetan. []
  3. Die Blu-ray ist wegen des Making Ofs aber dennoch Pflicht. []

Tolles Erklärvideo zum Sonnensystem

 
(YouTube Direktlink)

Überaus tolles Filmchen über das Sonnensystem von Philipp Dettmer, einem Information Designer aus München. Im YouTube-Channel Kurzgesagt findet sich zudem noch ein weiteres Video, dass die Evolution erklärt. Man kann nur hoffen, dass die Truppe um Dettmer da noch viel mehr in petto hat, denn beide Videos (die es jeweils auch in englischer Version gibt), sind informativ, sehen toll aus und machen Lust auf mehr. Und immer wenn ich sowas sehe, denke ich, wie genial das sein muss, heutzutage zur Schule zu gehen, wo man zu jeglichem Thema des Lehrplans erklärendes Bewegtbild bei YouTube & Co. findet.

Wer wird (D)Astronaut?

[Trigami-Review]

Wie aufmerksame (und auch unaufmerksame) Leser dieses Blogs wissen dürften, bin ich ein kleiner Star Wars-Fanboy seitdem ich den Krieg der Sterne 1977 mit sieben erstmals gesehen habe. Und was wünscht sich ein kleiner Fanboy neben den allumfassenden Möglichkeiten der Macht am meisten? Klar, einen Flug im Millenium Falcon. Als Co-Pilot von Han Solo. Einfach durch’s Weltall brettern, vorbei an Sternenzerstörern und Todessternen. Das wärs!

Leider jedoch handelt es sich bei Star Wars – jetzt stark sein oder diesen Satz überspringen – um das fiktionale Gehirngespinst von George Lucas. Ja, auf einen Flug im Millenium Falcon oder auch auf’s Touren durch den Outer Rim darf man somit lange warten. Wem aber auch das heimische Weltall genügen würde (mir zum Beispiel), für den gibt’s jetzt die Möglichkeit dieses alsbald zu bereisen: Dastronauten.de

Bei Dastronauten hat man nämlich die Möglichkeit einen suborbitalen Raumflug zu gewinnen, sofern man Han Solo die Community davon überzeugen kann, dass man den Trip verdient hat. Um an das 200.000 Dollar teure Flugticket zu kommen, geht man wie folgt vor: Auf Dastronauten.de anmelden und dort ein Profil erstellen, inklusive „Warum möchte ich Astronaut werden?“- und „Ich habe keine Angst vor dem Raumflug weil…“-Fragen. Um eine gültige Bewerbung abzugeben, müsst ihr danach noch ein Bild und/oder ein Video hochladen, indem ihr den Menschen (irgendwo) da draußen erklärt, warum sie für euch voten sollen. Hier gilt wohl die altbekannte YouTube-Regel: Wer am besten auf sich aufmerksam macht, erhöht seine Views, ergo seine Gewinnchancen.


[ Into these worlds of unknown danger he rides – he’s the AstroEay! ]

Die Webseite selbst ist in Look und Feel zwar nicht wirklich „Web 2.0“ (sofern wir jetzt mal davon ausgehen, dass „Web 2.0“ ein Adjektiv sein kann), was aber nicht stört: Beim Erstellen meines Profils habe ich mich schnell an alles gewöhnt und mich zurechtgefunden. Und übrigens: mein Profil. Die einmalige Chance auf einen Flug nach „da oben“ konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Zwecks Gewinnchancenerhöhung habe ich keine Kosten und Mühen gescheut und direkt mal dieses AstroEay-Werbevideo produziert (achtet auch auf den leider viel zu leisen Soundtrack!).

Ab dem 30. Juni könnt ihr dann für mein oberkörperfreies Alterego AstroEay (oder meinetwegen auch euch selbst oder andere nette Bewerber) per SMS voten. Sobald das Geld für das Weltraum-Ticket zusammengekommen ist, wird die Wettbewerb-Runde automatisch beendet und der glückliche Dastronaut mit den meisten Votes fliegt gen Himmel. Übrigens sehr schön: Transparenz wird beim Wettbewerb großgeschrieben, so dass man nachvollziehen kann, was mit dem Geld aus dem SMS-Voting passiert. Und sofern nicht genügend Geld für’s Ticket zusammenkommt, damm wird das Geld an Jugend forscht e.V. gespendet. Auch gut.

Also: Bis auf die Tatsache, dass es kein von Han Solo gesteuerter Millenium Falcon sein wird, gibt’s keinen Grund es nicht wenigstens zu versuchen. Vielleicht kann uns dann ja schon bald ein eayz-Leser von seinem Weltraumflug berichten?!