Oscar-Prognose 2013

In wenigen Stunden ist es soweit, die Academy of Motion Picture Arts and Sciences verleiht zum 85. Mal die Annual Academy Awards. Und wie schon in den letzten drei Jahren versuche ich mich wieder an einer Prognose und werde die Nacht gebannt vor dem Fernseher verbringen. Dieses Jahr leider jedoch ohne meinen geschätzten Oscar-Nacht-Kumpanen Sebastian und zwei, drei siebenunddreißig Bier, da ich morgen früh relativ fit sein muss, um die Lieferung unserer neuen Couch entgegen zu nehmen.1

Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass es in diesem Jahr sehr viel schwerer ist, die richtigen Oscar-Gewinner zu tippen, da diesmal kein wirklich umwerfender Film dabei ist. Dieses Jahr habe ich das Kunststück vollbracht, alle als Best Picture nominierten Filme zu sehen und obwohl da definitiv gute Filme drunter sind, fehlen Kracher wie in den letzten Jahren. Kein »Hurt Locker«, kein »Avatar«, kein »Social Network«, »King’s Speech«, »The Artist« oder »Hugo«. Stattdessen nur ein guter, aber keinesfalls herausragender Tarantino (»Django Unchained«), sehr viel amerikanisches Mittelmaß (»Lincoln«, »Zero Dark Thirty«) und die erfolgreichste Musicalverfilmung aller Zeiten (»Les Misérables«), die wenn daran scheitert, dass sie ein Musical ist. Und »Argo«, der wahrscheinlich beste Film, muss ohne Nominierung zur besten Regie auskommen – bis auf zwei Mal (1932: »Grand Hotel«, 1990: »Driving Miss Daisy«) ein Ausschlusskriterium.

Ich bin also mal gespannt, wie ich mit meinem Tipp so abschneide, und ob ich mit meiner Prognose richtig liege oder ob sich der Abwärtstrend der letzten Jahre fortsetzt (2010: fünf mal daneben, 2011: zehn mal daneben, 2012: zwölf mal daneben).

Best Picture: Argo
Directing: Michael Haneke, Amour2 Ang Lee, Life of Pi
Leading Actress: Emmanuelle Riva, Amour Jennifer Lawrence, Silver Linings Playbook
Leading Actor: Hugh Jackman, Les Misérables Daniel Day-Lewis, Lincoln
Supporting Actress: Anne Hathaway, Les Misérables
Supporting Actor: Tommy Lee Jones, Lincoln Christoph Waltz, Django Unchained
Original Screenplay: Moonrise Kingdom, Wes Anderson & Roman Coppola3 Django Unchained, Quentin Tarantino
Adapted Screenplay: Argo
Foreign Language Film: Amour
Animated Feature: Wreck-It Ralph4 Brave
Cinematography: Life of Pi
Makeup and Hairstyling: Les Misérables
Original Score: Life of Pi
Original Song: Skyfall, Adele
Production Design: Les Misérables Lincoln
Costume Design: Anna Karenina
Animated Short Film: Paperman
Live Action Short Film: Curfew
Film Editing: Zero Dark Thirty Argo
Sound Editing: Zero Dark Thirty + Skyfall
Sound Mixing: Les Misérables
Visual Effects: Life of Pi
Documentary Feature: Searching for Sugar Man
Documentary Short: Mondays at Racine Inocente

= 5x Les Misérables, 3x Amour, 3x Life of Pi, 2x Argo, 2x Zero Dark Thirty
= 4x Life of Pi, 3x Argo, 3x Les Misérables, 2x Django Unchained, 2x Lincoln, 2x Skyfall

Selbstredend gebe ich während der Verleihung wieder per Twitter meinen Senf zu den Geschehnissen in L.A. ab und morgen, wenn wir alle mehr wissen, wird dieser Beitrag natürlich aktualisiert und die Richtigkeit meines Tipps für alle Zeit festgehalten.

Update, 25.02.2013: Die Couch wurde fünf Minuten vor Ende des siebenstündigen (!) Zeitfensters geliefert und steht mittlerweile, sieht gut aus und ist bequem. Aber das interessiert euch nicht wirklich, ihr wollt was zu den Oscar-Ergebnissen hören. Wie ihr oben sehen könnt, lag ich 15 von 24 Mal richtig. Mit neun falschen bin ich also immerhin wieder besser als 2011 und 2012.

Ansonsten gab es keine großen Überraschungen: Der überschätzte, da inhaltlich mehr als dünne »Life of Pi« war der Abräumer des Abends und Jennifer Lawrence wurde für ihr meiner Meinung nach nur gutes Spiel in »Silver Linings Playbook« als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Ansonsten wurde Pixars Abo auf’s Animated Feature verlängert und Waltz gewann für Doktor King Schulz eine weitere Goldtrophäe. »Moonrise Kingdom« ging leider leer aus, aber das war auch zu erwarten.

Der Höhepunkt der Abends war gleich zu Beginn der Auftakt von und mit Seth MacFarlane, der erstmals die Oscars moderiert hat und das, auch wenn’s zum Ende hin langweiliger wurde, besser als sonst irgendjemand in den letzten Jahren gemacht hat. Vor allem als Billy Crystal. MacFarlanes „We saw your Boobs“-Song war jedenfalls ein Instant-Klassiker und wenn er’s nächstes Jahr wieder macht, hätte ich absolut nichts dagegen. Im Gegenteil.

  1. Ja, es ist tragisch: Im Dolby Theatre zelebrieren die Reichen und Schönen heute diejenigen von ihnen, die gerade den Höhepunkt ihrer Karriere erreichen und ich sitze allein und nüchtern vorm heimischen Fernsehgerät, um morgen die Lieferung einer Couch auf die Reihe zu bekommen…
  2. Wahrscheinlich ist Spielberg der sichere Tipp, aber wenn man »Lincoln« gesehen hat (ein besserer TV-Zweiteiler), weiß man, wie ungerechtfertigt das wäre.
  3. Mein absoluter Favorit unter allen nominierten. Wenn schon sonst nichts, dann muss »Moonrise Kingdom« wenigstens hier gewinnen.
  4. Aber wahrscheinlich bekommt »Brave« den Pixar-Oscar, obwohl der mehr als mittelmäßig war und mir überhaupt nicht gefallen hat…
· am veröffentlicht 24.02.2013

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