Saturday Night Adventure

Stellt euch folgende Situation vor: Gegen 3:30 Uhr Nachts verlasst ihr eine Party. Während ihr an der Straße auf euer Taxi wartet, findet ihr euch in einem dieser Wortgefechte wieder, die in unserem Alter schon mal ausgetragen werden müssen. Unvermittelt plötzlich spuckt ihr Blut, Kopf küsst Asphalt, eure Brille ist kaputt (sofern ihr Brillenträger seid) und der linke Schneidezahn geht in die Geschichte ein. Was nun? Ärztlicher Support wäre ganz nett…

Die Welt, wie sie sein sollte: Per Taxi geht’s ins Krankenhaus. Dort bezahlt man euer Taxi (wie zum Beispiel in England üblich) und ihr werdet von einer gutaussehenden Ärztin um eure Schmerzen gebracht. Schließlich geht’s zum zahnärztlichen Notdienst, der rund um die Uhr geöffnet hat, wo dem halben Zahn eine provisorische Krone verpasst wird, damit ihr nicht ausseht wie der Schläger vom Dienst. Um 5:00 Uhr bekommt ihr zuhause euren wohlverdienten Schlaf und am nächsten Morgen geht’s zur weiteren Behandlung zum Zahnarzt.

Die Welt, wie sie ist: Per Taxi geht’s ins Krankenhaus; ihr seid 20 Euro leichter. Es geht Richtung Notaufnahme, wo ihr einer gnomhaften Schwester euer Leid und eure Schmerzen klagt – die höllischen Kopfschmerzen (Aua, der Asphalt!) nicht zu vergessen! „Nein, dafür sind wir hier nicht zuständig!“ entgegnet euer unfreundliches Gegenüber. „Na, wer denn dann? Ich habe Schmerzen!“ eure Antwort. „Wenn sie jetzt nicht gehen, müssen wir die Polizei rufen und sie bekommen Hausverbot!“ Hausverbot im Krankenhaus ist natürlich ne üble Sache. Ja, hier kommt ihr nicht weiter. Erst mal per Auskunft beim zahnärztlichen Notdienst anrufen, der zu eurer freudigen Überraschung erst um 10:00 Uhr Morgens öffnet. Alternative: Nächste Klinik in der nächst größeren Stadt aufsuchen (wäre man Hartz-IV-Empfänger müsste man sich spätestens jetzt von dem ollen Schneidezahn verabschieden, denn das Taxi wäre schlicht unbezahlbar). Das Zauberwort heißt Uniklinik, wo euch nach Abgabe weiterer 10 Euro endlich – mittlerweile sind es 8:00 Uhr – geholfen wird: es gibt Schmerzmittel und neben der Versiegelung eures halben Zahns wird euch eine leichte Gehirnerschütterung diagnostiziert. Schlussendlich werdet ihr aber auch hier an den zahnärztlichen Notdienst verwiesen, der natürlich auch etliche Kilometer entfernt ist. Um 10:00 Uhr trefft ihr beim zahnärztlichen Notdienst ein, wartet eine halbe Stunde im Wartezimmer, eine weitere im Behandlungszimmer und gegen 11:30 Uhr verlasst ihr die Praxis mit einem Röntgenbild eurer Zähne. Nicht mehr, nicht weniger. Montag sollt ihr wiederkommen. Nun aber noch zur Apotheke um weitere Schmerzmittel zu erwerben und schließlich ist man um 13:00 Uhr zuhause. Gute Nacht.
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Leider ist es mir heute genauso ergangen. Zahn fehlt, Kopfschmerz und die Hand hat wohl auch was abgekommen. Nun gut. Dass ich aber eine 10-stündige Odyssee auf mich nehmen musste, um irgendwie ärztlich behandelt zu werden – was im Endeffekt jedoch nicht wirklich was gebracht hat – ist eine Frechheit. Vor allem während der Verantwortliche in dieser Zeit sein Bett vollgefurzt hat. But hey, that’s life … isn’t it?

Shortlink: eay.li/v1 Format: JSON

12 Reaktionen

  1. ouw O_O
    Gute Besserung!
    Und: Wer hat angefangen o_Ò

  2. Bitter. Nee, echt ma, wie scheiße is das denn. Notdienst ab 10 Uhr morgens?

  3. Gerade aufgestanden. Du hast mein Mitleid. Leider ist der Link zu ‚meiner Story‘ gerade offline, aber sie ist in manchen Stellen gleich. Mal schauen ob ich das mal aus der Datenbank fischen kann ;).
    http://www.andiathome.de/fotos/andi_zahn.JPG
    So sah das auch bei mir aus ;). Allerdings habe ich nach Erhebung der Anzeige ins Bett gelegt und bin am nächsten Tag direkt zum zahnärztlichen Notdienst gegangen (Hab allerdings auch sonst nicht viel abbekommen (_ab_bekommen!)).
    Das tolle übrigens: Schneidezahnkronen sieht man richtig bei Leuchtstoffröhrenlicht. Das ist immer lustig ;).

    Gute Besserung!

  4. ich hab auch letztes jahr fast das gleiche durchgemacht! gute besserung.

    und worüber handelte ‚das gespräch‘?

  5. Nice!

  6. nur bei mir war es nich der zahn sondern das auge

    http://img453.imageshack.us/img453/8821/127231054ff1ca647e11sm7.jpg

  7. Ich hätte im Krankehaus einfach der freundlichen gnomhaften Schwester auch ’n Zahn rausgeschlagen und dann geguckt, wo die damit hingeht und wär dann da auch hingegangen. 😉

    Aber leider kenne ich solchen Schwachsinn zu genüge. Ich bin da auch immer sehr geneigt die Leute auf ihren hypokratischen Eid hinzuweisen und offen über Involvierung der lokalen Medien zu diskutieren. Aber meist reicht pures Erbrechen auf die Schuhe des Oberarztes mit anschließender gefaketer Bewustlosigkeit vollkommen aus, um erstmal was Aufmerksamkeit zu bekommen…

  8. Jo, erst mal danke euch allen! 🙂 Falls euch interessiert wie mein halber Schneidezahn aussieht (war heute beim Zahnarzt: nächste Woche kommt wohl die provisorische Krone und irgendwann die richtige), hier ein Bild, das besser wirkt als die Realität:

    Freue mich dann schon auf den Leuschtstoffröhrenspaß (so Dinger haben wir im Wohnzimmer, yeah!). Und wer mit dem Gespräch angefangen hat? Der Typ war äußerst unfreundlich und dann hab ich ihn auf meine nette Art auf sein Fehlverhalten aufmerksam gemacht. Nun ja. Ein Schlag, ein Treffer. Seinerseits.

    Nächste Termine: Do erneut Zahnarzt, Do oder Fr neue Brille kaufen. :kotz: ÄTZEND!

  9. Die Chance auf den ersten Goldzahn und eine schicke pinke Brille in Sternenform, dann fehlt nur noch der hohe pinke Plüsch-Zylinder, passender Mantel aus leuchtenden Tieren und bissgen Bling Bling, und fertig is Pimp Daddy Eay! 😉

  10. ich bin auch für ne pronobrille

  11. Alter Schwede, wo geht denn bitte sowas ab? Lebe ich in einer Luftblase auf einem anderen Planten? Ich fühle mich weltfremd. Und nebenbei krieg ich grad Kreislaufprobleme, das passiert immer, wenn ich mir sowas vorstelle… uuuuuuuh….

  12. Korrekt muss das heißen „Alter Schwedter“! Das ist zeitgenössischer. 😉