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„Digitale Bücherverbrennung“: Diese Menschen retten Daten vor der Trump-Zensur

Interview von netzpolitik.org mit dem deutschen Historiker Sebastian Majstorovic, der sich für die Sicherung der öffentlichen Daten einsetzt, die gerade im großen Stil durch die Trump-Administration bzw. Musks DOGE vernichtet werden. Er beschreibt das Geschehen so:

Was in den USA passiert, ist nicht nur politische Zensur. Es ist eine digitale Bücherverbrennung. Als Historiker ist es mir wichtig, historische Begriffe gut und angemessen zu verwenden. Bücherverbrennung ist die beste Analogie, die ich mir vorstellen kann.

Wir sehen hier die ersten Auswirkungen eines Technofaschismus. Eine neue Form des Faschismus, in der die Tech-Oligarchen Hand in Hand mit Reaktionären arbeiten und Daten das Mittel der Kontrolle und Unterdrückung sind. Es gibt noch einen historischen Begriff, der mir in der öffentlichen Diskussion bisher zu kurz kommt: Was gerade in den USA passiert, ist Gleichschaltung. Das ist der Begriff, den man nutzen muss, wenn die Exekutive in Behörden, Justiz, Universitäten und Kultureinrichtungen politische Säuberungen durchführt, um diese Institutionen ideologisch gefügig zu machen.

Auf der Suche nach einem seltenen Porno? Einfach die Herausgabe nach dem Informationsfreiheitsgesetz bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien fordern

Genau das hat nämlich gerade ein Unbekannter gemacht, der auf der Suche nach dem vergriffenen Pornofilm »Carl Ludwig, 2. Teil – Carl Ludwigs heiße Träume« war. Das Kölner Verwaltungsgericht litt mit ihm gab ihm Recht und urteilte, die BPjM müsse den Film als amtliche Information nach § 2 IFG herausgeben.

Entweder war da in einem bisher ungeahnten Ausmaß Not am Mann oder das ist ein ziemlich beeindruckender Akt des Trollens, der die Bundesprüfstelle, die „qua Amtsauftrag über eines der bestsortierten Pornoarchive weltweit [verfügt]“, zur amüsanten Anlaufstelle für seltene Medienprodukte degradiert.

20. Jahrestag des Tian´anmen-Massakers


Heute vor 20 Jahren wurden die Demonstrationen der Demokratiebewegung in China blutig niedergeschlagen. Einen Tag später stellte sich ein später „Tank Man“ oder „Unknown Rebel“ genannter, unbekannter Mann vor eine Panzerkolonne. Das Foto, dessen Hintergründe im NYT-Blog Lens beleuchtet werden und das hier oben mit Lego nachgestellt wurde, ging um die Welt. Diese missbilligte das Vorgehen der chinesischen Regierung verständlicherweise und der „Vorfall“ ist uns heute allen als Tian’anmen-Massaker bekannt. — Den Chinesen jedoch nicht. Dank Zensur und der 1984-ähnlichen Auslöschung der Geschichte hat man es geschafft, dass etwa chinesische Studenten keinerlei Ahnung haben, was auf dem Bild zu sehen ist.

Da eayz.net laut dieser Webseite jedoch noch nicht von der Great Firewall of China geblockt wird, besteht mit diesem Post immerhin der Hauch einer Chance, dass einer unserer milliarden chinesischen Leser hellhörig wird und sich fragt, was auf obigem Lego-Bildchen eigentlich zu sehen ist, den Links folgt und vor Ort eine neue Demokratiebewegung anzettelt. (via & mehr)
(Foto „Tiananmen Square“ von Balakov, cc-lizensiert.)