#urheberrecht (35)

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archive.today is directing a DDOS attack against my blog

Ich habe gerade bei Thomas vom Fall archive.today gelesen, dem offen­sicht­lich in einer Grauzone operierenden Archivierugs­dienst, den ich auch schon mal nutze und hier erwähnt habe, um Paywalls zu umgehen.

Dieser wurde nun nämlich von Wikipedia verbannt, die auf immerhin 400.000 Seiten auf archive.today-Kopien verweist. Diese müssen nun manuell ausge­tauscht werden, wie heise berichtet:

Die Dimension des Vorhabens ist gewaltig. […] Sie sollen nun sukzessive entfernt oder durch sicherere Alternativen wie Internet Archive (archive.org) oder Ghostarchive ersetzt werden. An die Editoren ging der Appell, Links manuell zu prüfen und – sofern die Originalquelle noch online ist – den Archivlink komplett zu löschen oder auf seriöse Anbieter umzustellen.

Die Ursache dafür – und jetzt wird es gleichermaßen interessant wie bizarr – ist dieser zweieinhalb Jahre alte Blogeintrag von Jani Patokallio, in dem er die Hinter­gründe, Betreiber und Finanzierung von archive.today beleuchtet und dabei mit der Namens­nennung wohl auch voll ins Schwarze trifft. Ohne wirklich jemanden zu doxxen, listet Jani hier nämlich, die verschiedenen Aliasse von vermutlich einer Person auf, die wohl aus Russland kommt:

While we may not have a face and a name, at this point we have a pretty good idea of how the site is run: it’s a one-person labor of love, operated by a Russian of considerable talent and access to Europe.

Fraglich ist jedoch die Finanzierung, die zwischen den 10 TB und 300 Euro pro Monat in 2012 schon 2021 bei rund 1.000 TB und deutlich höheren Kosten liegen dürfte. Wie die Person das neben den nur einen Bruchteil abdeckenden Spenden stemmt: unklar.

Was jedoch klar ist: Die Service operiert bestenfalls in einer restlichen Grau­zone. Und was Personen, die urheber­rechtlich geschütztes Wissen kostenlos zugänglich machen möchten, für Repressalien fürchten müssen, wissen wir nicht erst seit Aaron Swartz oder Alexandra Elbakyan. Dass der/die Betreiber/in von archive.today also anonym bleiben möchte: ganz klar.

Wenn da eben nicht dieser besagte, zweieinhalb Jahre alte Blogeintrag wäre, der – das vermutet Joni in seinem oben verlinkten neuen Blogeintrag – nun der Grund für den Angriff auf sein Blog ist: Wie nämlich u.a. Heise berichtete, interessiert sich mittlerweile auch das FBI für die Person hinter archive.today. Heise und ArsTechnica verlinkten in ihrer Berichterstattung dann auch gleich wieder auf Jonis Blogeintrag von 2023.

Das wiederum hat den/die anonyme/n Betreiber/in scheinbar dazu veranlasst, Kontakt zu Jani Patokallio aufzunehmen, mit der Bitte, den Blogpost temporär offline zu nehmen, und als dieser dem nicht folgte, eine Selfmade-DDOS-Attacke auf dessen Blog „Gyrovague“ zu starten. Und zwar wurde, während Nutzer das Captcha von archive.today ausfüllten, kontinuierlich ein JavaScript gefeuert, das die Suche des Blogs mit zufallsgenerierten und somit nicht cachebaren Suchanfragen aufruft und so zu Fall bringen sollte.

Verrückt. Dabei umschreibt Jani die technische Umsetzung und Idee von archive.today durchaus positiv und endet 2023 damit, dass er ihr oder ihm via buymeacoffee.com einen wohlverdienten Kaffee spendieren werde.

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gyrovague.com

archive.today is directing a DDOS attack against my blog

Around January 11, 2026, archive.today (aka archive.is, archive.md, etc) started using its users as proxies to conduct a distributed denial of service (DDOS) attack against Gyrovague, my personal b…

Inside the $621 Million Legal Battle for the ‚Soul of the Internet‘

Major record labels have sued the online library Internet Archive over thousands of old recordings, raising the question: Who owns the past?

Interessanter Long-Read vom Rolling Stone über die Geschichte des Internet Archive und dessen Rechtsstreitigkeiten.

Aktueller Stein des Anstoßes für die großen Musiklabels ist das Great 78 Project, in dem 78rpm-Schallplatten, frühe Tonträger, die hauptsächlich bis in die 1950er Jahre verwendet wurden und pro Seite nur 3-5 Minuten Audio umfassen, digitalisiert werden.

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rollingstone.com

Inside the $621 Million Legal Battle for the 'Soul of the Internet'

Major record labels have sued the Internet Archive for $621 million over thousands of old recordings, raising the question: Who owns the past?

Ich bin Fan einer Illustratorin. Für ein Projekt würde ich gerne Illustrationen durch sie anfertigen lassen. Wir tauschen uns aus, können uns aber leider nicht einigen. Ich beauftrage jemand anderes, der einen sehr ähnlichen Zeichenstil hat, weil das weiterhin gut zu meinem Projekt passt.

Das ist es, was gerade mit Scarlett Johansson und OpenAI passiert ist. Nicht mehr und nicht weniger. Nur dass OpenAI das hier natürlich möglichst dämlich kommuniziert hat, z.B. indem Altman selbst »Her«-Referenzen gepostet hat, und – noch schlimmer – das scheinbar nicht hat kommen sehen.

Dark Visitors – A List of Known AI Agents on the Internet

Die Fortführung der ChatGPT-Blockierungs­anweisung. Inklusive per API aktualisierbarer robots.txt und WordPress-Plugin.

Ich weiß noch nicht, was ich von der ganzen Thematik halten soll. Einerseits bin ich ganz klar dafür, dass Informationen, die im Netz veröffentlicht werden, frei verfügbar sein sollen, d.h. auch genutzt werden können. Andererseits missfällt mir natürlich, dass eine technologische und wirtschaftliche Vorherrschaft auf Basis dieser frei verfügbaren Inhalte ohne Consent der Autoren aufgebaut wird. Hm. (via Waxy)

Dark Visitors - Track the AI Agents and Bots Crawling Your Website | OpenGraph Preview Image
darkvisitors.com

Dark Visitors - Track the AI Agents and Bots Crawling Your Website

Get realtime insight into the hidden ecosystem of crawlers, scrapers, and AI agents browsing your website

We need to talk about digital ownership

„Ownership“ means ten different things to ten different people. Let’s talk about what we actually want.

Lesenswert: Molly White of Web3 Is Going Just Great-Fame in ihrem sehr verfolgenswerten Newsletter Citation Needed, der auch als Podcast verfügbar ist, über Besitzverhältnisse in digitalen Kontexten, betrachtet aus Konsumenten- und Creator-Sicht.

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citationneeded.news

We need to talk about digital ownership

"Ownership" means ten different things to ten different people. Let's talk about what we actually want.

The Billion Dollar Torrent

Geoffrey Huntley hat mit The NFT Bay einen Pirate-Bay-Klon an den Start gebracht, der tatsächlich aber nur eine Torrent-Datei, das “Billion Dollar Torrent” bereitstellt, die alle als NFT gehandelten Bilddateien enthält und damit satte 17,76 TB groß ist, weil in der Blockchain stecken sie ja nicht.

Die Torrent-Beschreibung fällt entsprechend hart aus, vergleicht das alles (zu recht) mit der Tulpenmanie und lässt auch den ökologischen Wahnsinn nicht unerwähnt1:

Did you know that a NFT is just a hyperlink to an image thats usually hosted on Google Drive or another web2.0 webhost?

People are dropping millions on instructions on how to download images. That’s why you can right click save-as because they are standard images. The image is not stored in the blockchain contract.

As web2.0 webhosts are known to go offline (404 errors) this handy torrent contains all of the NFT’s so that future generations can study this generations tulip mania and collectively go…

„WTF? We destroyed our planet for THIS?!“

Warum die Bilder nicht selbst in der Blockchain gespeichert werden, erklärt der verlinkte, von “Arweave News” veröffentlichte Artikel:

The answer comes down to price. It costs over $1,000,000 to store a gigabyte of data on Ethereum, and while the master grid of punks (Anmerkung von mir: eine 828 KB kleine PNG-Datei) would cost just under $1,000 to store, it’s still not viable from the outset unless a creator is certain they’re going to profit.

Und mit eben diesem Arweave gibt es – Überraschung! – natürlich eine Blockchain-basierte Lösung für permanenten Speicher (sie nennen das “permaweb”). Für viele NFTs ist das aber auch schon zu spät. Immerhin: Der versteigerte WWW-Source-Code, den wir zuletzt hier hatten, liegt in der Tat schon dort.

  1. Andererseits nimmt er dann doch Crypto-Spenden für sein Projekt/seine Arbeit entgegen. Nun gut. []

Urheberrechtsreform: Bundestag stimmt für Upload-Filter und Leistungsschutzrecht

Der Bundestag hat das überarbeitete Urheberrechtsgesetz beschlossen, dass uns schöne neue Upload-Filter und weitere Ausprägungen des bei Verlags­lobbyisten beliebten Leistungsschutzrechts bringt. Aber keine Sorge, die private Nutzung / Veröffent­lichung von „Schnipseln“ ist nun erlaubt und total sinnvoll. Nicht.

Die Ausnahme vom exklusiven Verwertungsrecht für solche Schnipsel aus Video-, Audio- und Textmaterial für nichtkommerzielle Zwecke umfasst 15 Sekunden je eines Filmwerks oder Laufbilds und einer Tonspur, 160 Zeichen eines Texts sowie 125 Kilobyte je eines Fotos oder einer Grafik. Die Klausel erstreckt sich auf nutzergenerierte Inhalte, die weniger als die Hälfte eines Werkes von Dritten enthalten, und grundsätzlich zulässige Auszüge zu den genannten Zwecken „mit anderem Inhalt kombinieren“.

(Hervorhebung von mir. Und das obige Zitat ist schon 495 Zeichen lang…)

EuGH verbietet deutsches Leistungsschutzrecht

Ein Nonsens-Gesetz weniger. Hat ja nur sechs Jahre gedauert und innovative, journalistische Digital­angebote so lange hierzulande blockiert.

Jetzt soll das europäische Leistungs­schutzrecht a.k.a. Artikel 11 der EU-Urheber­rechtsreform schnell in deutsches Recht überführt werden, fordern die, die zugunsten ihrer Lobby und ihres Geldbeutels gerne auch mal die internationale Konkurrenz­fähigkeit ihres Kontinents opfern.

“The books will stop working”

Microsoft schließt seinen eBook-Store wegen Erfolglosigkeit zum heutigen 1. Juli, was bedeutet dass alle gekauften Bücher mit Abschaltung der dazugehörigen DRM-Server aufhören zu funktionieren (!). Das ganze wurde mit nur zwei (!) Monaten Vorlaufzeit angekündigt. Kunden sollen ihre Einkäufe erstattet bekommen. Wer sich Notizen in den DRM-geschützten Microsoft-eBooks gemacht hat, verliert diese, bekommt aber 25$ „Entschädigung“.

Der Fall unterstreicht einmal mehr die offenkundigen Probleme, die es mit dem DRM-gestützten Content-Vertrieb gibt: once it’s gone, it’s gone. Microsoft – und wenn es bei ihnen soweit ist wahrscheinlich auch Amazon und Apple – ist natürlich in der glücklichen Lage das Problem mit Geld aus dem Weg zu räumen, was für kleinere Anbieter mit DRM-Content oftmals keine Lösung ist und mit dem Abschalten der Rechteinfrastruktur wären Inhalte und Geld unwiderruflich weg.

Ich würde daher weiterhin dazu raten, DRM-freie Inhalte zu kaufen, wo es nur geht. (Streaming ist mit seiner sowieso zeitlichen Restriktion da eine Ausnahme.) Da ich aber hauptsächlich Sach- und Fachbücher auf meinem Kindle lese, kann ich die meistens direkt ohne lästiges DRM kaufen. Wenn es aber doch mal ein eBook direkt von Amazon sein muss, gibt es da auch Wege.

Also befreit euren Content, damit er so lange funktioniert (!), wie ihr wollt. Das ist die Welt, in der wir jetzt leben.