#politik (239)

Seite 21 von 24

Zur Drosselkom

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Die Telekom hat vor, die Übertragungsgeschwindigkeit für neu abgeschlossene Tarife nach überschreiten eines bestimmten Traffic-Limits (zwischen 75 und 200 GB pro Monat) zu drosseln. Ihr kennt das von euren Handyverträgen. Auf 384 Kilobit pro Sekunde, was dann auch am Rechner an alte ISDN-Zeiten erinnern dürfte. Mir fehlt gerade die Zeit, um selbst groß was zur Drosselkom-Geschichte zu sagen, aber Christopher Lauer beschreibt die überaus bizarre und ärgerliche Situation sehr schön:

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die privatwirtschaftlich organisierte Deutsche Telekom erbt vom ehemaligen Staatsunternehmen Deutsche Post das durch Steuergelder finanzierte Telefon- und Glasfasernetz. Das baut die Telekom nicht aus. Der Bedarf an breitbandigem Internet steigt aber. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Das Netz ausbauen oder den Mangel verwalten und zum Geschäftsmodell machen. Die Telekom hat sich für letzteres entschieden. Während uns Länder wie Südkorea bei der Geschwindigkeit längst abgehängt haben legt die Telekom für Deutschland den Rückwärtsgang ein. Das ist ungefähr so, als würden wir der Telekom das Straßennetz geben, die lässt es dann verwahrlosen und führt dann eine Maut ein, um die Spuren benutzen zu können, die noch funktionieren.

Er fordert daher dazu auf, die Telekom zu enteignen oder politisch korrekter: denen die Netze abzukaufen. Wäre was, ist aber nicht sonderlich realistisch. Vor allem weil es der Telekom derzeit je eh nur darum geht, ihre Grenzen auszutesten, woraufhin Marcel Weiss zu recht hinweist. Wenn das Traffic-Limit nach Protesten höher gelegt wird, feiert die Politik das ja eh als Erfolg.

Aber um es noch mal klipp und klar zu sagen: An einer gesetzlich festgelegten Netzneutralität führt (nicht nur) meines Erachtens kein Weg vorbei. Alles andere wäre zukunfts- und technologiefeindlich und alles andere als förderlich für den oft angepriesenen „Technologiestandort Deutschland“. Das stört die Politiker sonst zwar auch nicht, aber dieses Mal geht es um sehr viel mehr – und nicht nur um ein paar „Vielsurfer“. (via Nerdcore)

Update, 29.04.2012: So, schon am Tag dieses Postings (aber man kommt ja zu nichts!) haben mich @acky und meine Freundin (!) darauf aufmerksam gemacht, dass ich hier vielleicht noch hätte verdeutlichen sollen, dass die Problematik in dieser Drosselgeschichte vor allem auch darin liegt, dass die Telekom gleichzeitig als Service- und Content-Provider agiert. Eigene Angebote wie „Entertain“ sollen nämlich nicht am Trafficlimit zehren, womit die Neutralität der Datenübertragung faktisch aufgehoben wird. Wisst ihr Bescheid.

Eine übrigens sehr hilfreiche Seite zum Thema und zur nächsten Providerwahl ist werdrosselt.de von @ReneHesse, wo festgehalten wird, wie die verschiedenen Anbieter zur Beschneidung des freien Internetverkehrs stehen.

This Isn’t the Petition Response You’re Looking For

Doch ist sie! Denn das hier ist so großartig: Auf einer Petitionsplattform der Obama-Administration forderten rund 34.000 US-Bürger, dass die USA bis 2016 mit dem Bau eines Todessterns beginnen sollten, um so u.a. neue Jobs zu schaffen. Das Weiße Haus hat nun offiziell auf die Petition geantwortet und mitgeteilt, dass sie keinen Todesstern in Auftrag geben werden, weil sie das in die Luft jagen von Planeten nicht unterstützen und das Geld der Steuerzahler nicht für ein Projekt ausgeben wollen, dass den Konstruktionsfehler aufweist von einem Ein-Mann-Raumschiff in die Luft gejagt zu werden. Pures Internet-, Popkultur- und Fanboy-Gold!

The Administration shares your desire for job creation and a strong national defense, but a Death Star isn’t on the horizon. Here are a few reasons:

  • The construction of the Death Star has been estimated to cost more than $850,000,000,000,000,000. We’re working hard to reduce the deficit, not expand it.
  • The Administration does not support blowing up planets.
  • Why would we spend countless taxpayer dollars on a Death Star with a fundamental flaw that can be exploited by a one-man starship?

→ zur Antwort (via so ziemlich alle anderen Blogs in meinem Feedreader)

Meanwhile in the polish parliament…

Es sind stürmische Zeiten. Nicht nur, aber auch aus netzpolitischer Sicht: Google wird evil, Twitter zensiert Tweets1 und Regierungen wollen, wie Nico so richtig schreibt, das Internet wegreglementieren, weil ihnen die Contentindustrie im Nacken sitzt. Wenig verwunderlich also, dass politische Parteien sich da schon mal mit der unberechenbaren Netz-Guerrilla gemein machen und als Protest gegen das ACTA geschlossen Guy Fawkes-Masken im polnischen Parlament tragen. So geschehen gestern durch die Abgeordneten der linksliberalen Oppositionspartei Ruch Palikota und irgendwie ein sehr surreales, aber sehr gutes Bild. (via Reddit via Nerdcore)

  1. Wobei weder das eine noch das andere für irgendjemanden eine Überraschung darstellen sollte und das Vorgehen beider Firmen nur minimal fortspinnt… []