#politik

Real-O-Mat

Der Real-O-Mat schaut nicht auf die Wahl­ver­sprechen, sondern gleicht das tatsächliche Abstimmungs­verhalten der Parteien zu aktuellen politischen Themen mit Ihrer persönlichen Position ab. Grundlage sind dabei Anträge und Gesetzentwürfe im Bundestag.

Der Faktencheck-Wahl-O-Mat von FragDenStaat.

Update, 18:48 Uhr: Ergänzung von Beluga: „Das Verfahren führt aber dank Koalitionsdisziplin auch dazu, dass die Ampel-Parteien nicht zu unterscheiden sind. Die FDP sieht im Real-o-mat aus, wie eine moderat-progressive Partei und nicht die Steigbügelhalter, als die sie sich gestern geoutet haben.“

What a year, huh?

Ich wollte mir nach dem Bloggeburtstag eigentlich keine zweiwöchige Auszeit vom Bloggen nehmen, aber dann hat mich die Nachrichtenlage dazu bewegt, doch mal den Stecker zu ziehen. Was für mich als Nachrichtenjunkie1 echt schwierig ist. Keine Podcasts, keine Nachrichten, keine Talkshows, kein RSS, kaum Social Media. Dazu (zum Glück) genug zu tun, sodass ich mich ablenken konnte, während…

  • Mark Zuckerberg Meta auf Linie mit der neuen US-Regierung bringt – und dabei ein völlig absurdes Verständnis von Maskulinität propagiert,
  • Trump, der 45. US-Präsident, zum neuen 47. US-Präsident inauguriert wird und sein Land gleich mit einer Flut aus menschen- und demokratie­feindlichen Dekreten überzieht,
  • Elon Musk nach seinen Pro-AfD-Tweets, zunächst öffentlich mit der AfD-Parteivorsitzenden spricht und dann sogar auf deren Parteitag live dazugeschaltet wird,
  • er, der reichste Mann der Welt, im Rahmen der Inaugurationsfeiern live und unmissverständlich den Hiltergruß zeigt,
  • und hierzulande die CDU/CSU unter Friedrich Merz die viel beschworene Brandmauer einreißt – für eine mit den Stimmen der AfD beschlossene, populistische, nicht bindende Richtungs­entscheidung. Ein Dammbruch, dessen Folgen uns noch die nächsten Jahre beschäftigen wird.

Und das war nur die zweite Januarhälfte 2025. Mit vielen Auslassungen meinerseits.

Ich glaube, ich lege mich für den Rest des Jahres nochmal hin.

Zurück zum Bloggeburtstag. Ich habe es schon in die sehr tollen Kommentare geschrieben: Vielen lieben Dank euch allen für die netten Worte und all eure Kommentare, Posts und Privatnachrichten! Das alles hat mich wirklich gefreut. 🥰

  1. Ich dachte eigentlich, ich sei da nicht auffällig, aber stellt sich heraus, dass nicht jeder Lieblings­nachrichten­moderator*innen hat, diverse journalistische Abos unterhält und hunderte Subscriptions im Podcatcher & RSS-Reader überblickt. []

Wolodymyr Selenskyj bei Lex Fridman

 
(YouTube Direktlink)

Der ukrainische Präsident im Gespräch mit dem amerikanisch-russischen Informatiker und Podcaster Lex Fridman, dem Joe Rogan der Tech-Bros.

Ich habe große Probleme mit der Gesprächs­partner­wahl und Gesprächs­führung von Fridman, das Video ist jedoch aus vielerlei Sicht interessant:

  • Fridman, dessen Eltern selbst in der Ukraine geboren wurden, brüstet sich stets damit, sich mit allen, auch noch so kontroversen Gesprächs­partnern zu unterhalten. Leider vergisst er dabei oftmals die Aussagen von z.B. Tucker Carlson, Donald Trump oder immer wieder Elon Musk einzuordnen oder gar kritisch zu hinterfragen. Er kommt aus einer sehr neutralen oder gar Putin-positiven Position in das Gespräch mit Selenskyj.
  • Selenskyj, der nach eigener Aussage in dem Gespräch, stets bestens vorbereitet in den Dialog geht, weiß das natürlich, hat einen überragenden Rede­anteil, eine klare Argumentation und weicht der Relativierung von Fridman gegenüber kein Stück zurück.
  • Aus diesem Grund kommt er auch nicht Fridmans Bitte nach das Gespräch auf Russisch zu führen, einer Sprache, der beide fließend mächtig sind. Stattdessen wechseln sie stets zwischen Russisch, Englisch (beide) und Ukrainisch (Selenskyj), was bei einem drei­stündigen Interview naturgemäß schwer zu folgen ist, wenn man nicht all dieser Sprachen mächtig ist.
    • Daher hat Fridman sich für diese Episode mit ElevenLabs zusammen­getan, dem aktuell führenden Anbieter von AI-Sprach­synthese. Dadurch gibt es auf YouTube vier Audiotracks (den Originalton als „English UK“, Englisch, Ukrainisch und Russisch), die dank Sprach­synthese so klingen als würden die beiden mit ihrer eigenen Stimme in der ausge­wählten Sprache sprechen. Das ganze ist natürlich nicht mehr lippen­synchron, aber doch außer­ordent­lich gut.

Selenskyj richtet sich in seinen, somit übersetzen Aussagen immer wieder direkt an Donald Trump, das amerikanische Volk und äußert auf Nachfrage, wie sehr er doch Elon Musk respektiere. Aus seiner Sicht ist das alles mehr als verständlich und genau richtig. Das Problem – das er so nicht benennt – liegt weiterhin darin, dass die EU und allen voran Deutschland viel zu zögerlich in der umfänglichen Unterstützung der Ukraine bleibt. Womit es abzuwarten bleibt, welche Dynamik das in den kommenden Wochen unter Trump annehmen wird. Hoffen wir das beste (eine starke, abgesicherte Ukraine).

Ich freue mich auf meinen Babelfisch.

Nur um das mal festzuhalten: Gestern hat Elon Musk das Video einer „rechtsextremen deutschen Webvideoproduzentin“1 mit dem Kommentar „Only the AfD can save Germany“ retweetet2. Es folgten weitere Pro-AFD-Postings, eine Videodanksagung von Alice Weidel an Musk, die populistische Ausschlachtung des Attentats von Magdeburg und die Beleidigung von Bundeskanzler Olaf Scholz als „incompetent fool“, der sofort zurücktreten solle.

Gleichzeitig ist Musk aktuell der Einflüsterer von Präsident­schafts­rückkehrer Donald Trump, dessen republikanische Partei gerade nach einer Twittertirade von Musk ein mal mehr mit dem „Shutdown“ droht.

  1. So Wikipedia. []
  2. Keine Verlinkung zu diesem Mist. []

“Abwiegeln, relativieren, täuschen – so redete die FDP ihren Skandal klein”

„Es ist Wahlkampf. Wo ist die Nachricht?“, „Ich halte das für eine glatte Lüge.“, „Dieser Begriff wurde nicht genutzt.“

Stellt sich heraus, die FDP hat nicht nur minutiös den Koalitionsbruch vorbereitet, sondern danach – Überraschung! – auch über das Vorhandensein ihres geschmacklos betitelten „D-Day“ gelogen. Alles andere als das politische Aus von Christian Lindner und dem „F-Kabinett“ wäre eine F-Farce.

Christian Lindner: Das liberale Drehbuch für den Regierungssturz

Geheime Sitzungen, Präsentationen, Strategiepapiere: Recherchen der ZEIT zeigen, wie die FDP den Bruch der Ampel wochenlang vorbereitete. Der Name der Operation: „D-Day“

„Demokratie stirbt an der Paywall“ hat Thomas The Atlantic im April zitiert, der eben diesen Artikel konsequenterweise hinter der Paywall versteckt hat. Wie zutreffend das ist, kann man leider seit Freitag an dem oben verlinkten ZEIT-Artikel sehen.

Es ist wahrscheinlich die wichtigste Recherche im Zusammenhang mit dem Ampel-Aus. Sie zeigt wie vertrauenswürdig Christian Lindner und die FDP sind (nämlich gar nicht), wie wenig Respekt dort für den politischen Prozess herrscht („D-Day“) und offenbart, dass die FDP für mindestens vier Jahre auf’s politische, außerparlamentarische Abstellgleis gehört. Nicht die politische Karriere von Volker Wissing gehört beendet, sondern die von Christian Lindner und seinen Adjutanten.

Zum Glück gibt es alternative Wege, um den Artikel im Volltext aufzurufen: Auf Bluesky, Threads, X/Twitter und Mastodon werden fleißig Geschenk-Links geteilt. Weiterhin gibt es Archive.today, wo der Artikel im Volltext archiviert wird (z.B. hier). Lesen & teilen!

A Terrible Night

 
(YouTube Direktlink)

Jimmy Kimmel ab Minute 7:43 im obigem Video:

It was a terrible night for women, for children, for hundreds of thousands of hard-working immigrants who make this country go, um…

For healthcare, for our climate, for science, for journalism, for justice, for free speech. It was a terrible night for poor people, for the middle class, for seniors who rely on social security, for our allies in Ukraine… For NATO. For the truth and democracy and decency and it was a terrible night for everyone who voted against him.

And guess what? It was a bad night for everyone who voted for him, too – you just don’t realize it yet.