#pixar (17)

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Review-Rundumschlag #4

Da ich während meines Praktikums und in der ersten Vorlesungswoche nicht dazu gekommen bin, hier also meine Eindrücke der zuletzt angesehenen Kinofilme. (Und jetzt, wo ich wieder Vollzeitstudent bin, sollten auch wieder wesentlich mehr Lichtspieltheaterbesuche und ergo mehr Reviews drin sein.)

Wie das Leben so spielt

Wie das Leben so spielt, im Original einfach „Funny People“, ist der neueste Streich von Regisseur, Autor und Produzent Judd Apatow, dem Mann hinter so ziemlich jeder Komödie amerikanischen Ursprungs, die in den letzten Jahren an dieser Stelle gelobt wurde. Nachdem das Apatow-Konglomerat zuletzt mit Pineapple Express einen Ausflug in Actiongefilde und mit Year One in die abseitigere Historien-Parodie wagte, folgen nun wieder ernstere, in der Realwelt angesiedelte Töne. So geht’s in „Wie das Leben so spielt“ um das Comedy-Geschäft selbst: Als der erfolgreiche Star-Comedian George (Adam Sandler) schwer erkrankt, engagiert er den Nachwuchskünstler Ira (Seth Rogen) als seinen Assistent mit dem hintergründigen Ziel jemanden an seiner einsamen Seite zu haben. Schließlich hat George seine große Liebe mit zahlreichen Affären vergrault und wünscht sich im Angesicht des Todes nichts mehr als zu ihr zurückzukehren. Sie hat mittlerweile zwar Familie, doch George nutzt seine Lage, um seine Chancen zu steigern – was für Ira mehr als verwerflich ist…

Nein, man hat es hier wahrlich nicht mit der seichten Komödie zu tun, die manch einer bei den Namen erwartet hätte. Vielmehr ist „Funny People“ eine wahre Tragödie – die, auch bedingt durch das Setting, zu Scherzen aufgelegt ist. Ganz Apatow bewegt sich der Humor dabei unter der Gürtellinie, verfehlt sein Ziel meistens jedoch nicht. Ärgerlich ist dabei nur, dass die eigentlichen Auftritte der Comedians die humorigen Tiefpunkte darstellen. Alltagssituationen und beiläufige Äußerungen weisen da viel mehr Witz auf. Womit wir auch bei der Stärke des Films wären: der Alltäglichkeit der Handlung. Was hier passiert, passiert tausende Male am Tag. Und genau so witzig und unterhaltsam ist „Wie das Leben so spielt“. Oder eben nicht.

EMDb – Rating: 3/5

Die nackte Wahrheit

Eine Komödie von ganz anderem Schlag wäre dann Die nackte Wahrheit („The Ugly Truth“). Sparta-König Gerard Butler und Grey’s Anatomy-Flitte Katherine Heigl, die ja nach dem von Apatow produzierten Knocked Up eigentlich nicht mehr in diesen furchtbaren frauenfeindlichen RomComs mitspielen wollte, kämpfen sich unter der Regie von Robert Luketic durch, richtig, eine Romantic Comedy.1 Genauer gesagt soll er, der Frauenheld und Amateur-Moderator, der in seiner Sendung im offenen Kanal Beziehungstipps gibt und damit sämtliche Quotenrekorde einfährt, ihr dabei helfen, ihre etablierte, aber zunehmend schwächelnde Sendung im ortsansässigen Network auf Vordermann zu bringen. Dass er ihr dabei früher oder später nicht nur beruflich unter die Arme greift, sondern auch das Privatleben der Karrierefrau aufpeppeln will, ist Ehrensache. Wenn da nur nicht diese blöden Gefühle füreinander wären…

Über den Ausgang des Films müssen wir hier keine Worte verlieren, den kann jeder auf Anhieb richtig erraten. Widmen wir uns also dem Weg zum Ziel: Während Katherine Heigl lediglich Stangenware ist, hat man den selbstsicheren TV-Playboy mit Gerard Butler so perfekt besetzt, dass einem das Zusehen und -hören wirklich Spaß macht. Leider hat man jedoch davon abgesehen ihn alleine für 96 Minuten vor die Kamera zu setzen, wodurch das Endergebnis solide, aber nicht umwerfend oder geschweige denn innovativ geworden ist. Sprich: Kann man machen, muss man aber nicht. (Und nur am Rande, weil’s mich im Kino wohl als einzigen gestört hat: der Film ist beschissen geschnitten, aber maybe that’s just me…)

EMDb – Rating: 2/5

Oben

Und dann war da noch Oben („Up“), der neue Pixar-Film. Wie die Stammleserschaft weiß, bin ich ja alles andere als ein „Pixar-Fan“, wenngleich mir WALL-E zuletzt richtig gut, um nicht zu sagen überaus sehr gut gefallen hat. Ansonsten kann ich dem Hype aber ausnahmsweise nichts abgewinnen und es interessiert mich dementsprechend kaum bis gar nicht, in welchen verrückten Mikrokosmos John Lasseter & Co. uns im nächsten ihrer Filme entführen. So auch bei „Oben“: alter, verbitterter Mann fliegt mit seinem Haus nach Südamerika; an seiner Seite ein kleiner, dicker Junger. Mit diesem Vorwissen belastet, sollte ich den Kinosaal betreten und in den nächsten 96 Minuten erfahren, dass es in Pixars zehntem Spielfilm jedoch um so viel mehr geht. So flüchtet der 78 jährige Carl, der Zeit seines Lebens als Luftballonverkäufer gearbeitet und zusammen mit seiner Frau Ellie gelebt hat, nach deren Tod vor der Abschiebung ins Altenheim, indem er eben unzählige Ballons an seinem Haus befestigt und damit gen Südamerika, Ellies und seinem Traum entgegen, fliegt. Dass er nebenher den ungeschickten Pfadfinderjungen Russel, der unbedingt ein Abzeichen für „den Alten helfen“ bekommen möchte, mitgenommen hat, trägt nicht unbedingt zu Carls Laune bei. Ebenso wenig, dass am Ziel angekommen ganz neue Probleme auf ihn warten.

Was sich nun nach der umfassenden Nacherzählung von Ellie & Carls Leben anhört, wird tatsächlich in einer zwanzig Minuten kurzen, absolut beeindruckenden, fast dialoglosen Montage abgehandelt, die zeigt, wie sehr man die Animations- und Erzählkunst auf dem Pixar-Campus bereits perfektioniert hat. Danach geht’s zwar konventionell, aber nicht weniger gut weiter: Carl und Russel kommen nach Südamerika, wo ihnen nun jedoch der ortsansässige Altabenteuer das Leben schwer macht. Während dieser Part gewohnte Erzählmuster bietet und alles von sprechenden Hunden zu actionreichem Slapstick zeigt, ist die Tragödie, in der dieser alte Mann steckt, indes jedoch keineswegs vergessen. Umso mehr freut man sich mit ihm, wenn er wieder auf Russel zugehen und schließlich auch Ellies Tod verkraften oder zumindest akzeptieren kann. Unabdingbar für dieses Gefühlschaos ist natürlich ein mitreißender Soundtrack – und den hat Michael Giacchino hier in perfekter Form abgeliefert. Dass die Animationen gewohnt überzeugend sind, ist sowieso klar, so dass mir nur noch folgendes zu sagen bleibt:

„Oben“ ist meiner bescheidenen Meinung nach der bisher beste Pixar-Film und ein wirklich, wirklich, wirklich fantastischer Film. Das ist Kino wie es sein soll. Die Herren Docter und Peterson, ich ziehe meinen virtuellen Hut.

EMDb – Rating: 5/5

  1. Keine Ahnung, was Luketic bisher so geleistet hat, aber er ist immerhin im Gespräch für das Remake des besten Psychodelic-SciFi-Steifen aller Zeiten: Barbarella. Streng dich also an, Junge! []

Disney’s Superhund

Wann immer ein neuer Pixar-Film in die Kinos kommt, regnet es Vorschusslorbeeren: die Geschichte ist traumhaft, die Figuren liebenswert und es sieht fantastisch aus – Eltern wie Kinder sind begeistert. Lange bevor es Computeranimation und Pixar gab, wehte dieser filmische Feenstaub um die Firma Disney. Seitdem ist bekanntlich viel Zeit vergangen und in den letzten zehn Jahren waren die wirklich guten Disney-Filme von Pixar. Also machen nun auch die Walt Disney Animation Studios unabhängig von Pixar CGI-Filme. Nach Meet the Robinsons, zu dessen Sichtung ich keine Lust habe und daher nichts zu sagen kann, kam dieser Tage nun Bolt – Ein Hund für alle Fälle in die Kinos. Nix Pixar, aber vielleicht ja trotzdem sehenswert?

In Bolt geht’s um den gleichnamigen kleinen Hund Bolt, der wiederum Star der Fernsehserie Bolt ist, in der der Superhund Bolt (ziemlich viele Bolts, he?) und sein Frauchen Penny gemeinsam gegen die fiesen Dr. Calico kämpfen. Leider weiß der Hund nicht, dass er der Protagonist einer fiktiven Serie und ergo ohne Superkräfte ist. Als sein Frauchen in einer Episode entführt wird, bricht er kurzerhand aus dem Studio aus, um sie aus den Klauen von Calico zu befreien. Auf seinem Weg trifft er auf die zynische Katze Mittens und das Fanboy-Meerschweinchen Rhino, die ihn auf seinem Weg der Erkenntnis und zu Penny begleiten.

Es ist schon verwunderlich, dass diese Big-Brother-Thematik und die Kritik an diesen Reality-Formaten Einzug ins Familienkino findet, daher aber umso begrüßenswerter. Die Kleinen wird’s nicht stören, die großen haben ihren Spaß, denn der kleine Bolt kann sich ganz genau zwischen Truman Burbank und Buzz Lightyear einreihen, die ja beide ebenfalls nicht wissen wie ihnen geschieht. Allein dieser Ansatz würde Bolt zu einem der sehenswerteren Animationsfilme mit sprechenden Tieren machen. Jedoch ist der Film auch noch über alle Altersgrenzen hinweg zutiefst amüsant (die Tauben! Ich habe geheult vor lachen…), eine wirklich nette Superhelden-Hommage und weiß zu allem Überfluss die Pixar-Fans durch zahlreiche Verweise auf deren Werke zu unterhalten (immerhin haben die Verantwortlichen zuvor dort ihren Lebensunterhalt bestritten). Da sieht man dann auch schon mal über die schwächere zweite Hälfte und die Disney-typische Gesangseinlage hinweg.

EMDb – Rating: 3,5/5

PS: Ich habe leider nicht die 3D-Version von Bolt gesehen, sondern nur die klassisch zweidimensionale. Die 3D-Variante lief hier nur zu studentenunfreundlichsten Uhrzeiten…

WALL-E and EVE in Love

Durch all die Reinfälle, die uns im hiesigen Sneak Preview in all den Jahren schon vorgesetzt wurden, glaubte ich ja selbst nicht mehr dran: Ein Film vom Kaliber eines WALL-E in der Sneak? Never! Doch, als ich den Vorfilm Presto sah, wusste ich, dass man mich heute eines besseren belehren würde. Ich habe also schon den neuen, in der englischsprachigen Presse so hochgejubelten Pixar-Film gesehen. WALL-E ist bekanntermaßen der Name des kleinen Roboters, der die Erde aufräumen muss, die von den Menschen total zugemüllt wurde. Für ein paar Jahre haben sich die Übeltäter daher auf Raumschiffe ins All gerettet. Was eigentlich als fünfjähriger Kurztrip geplant war, dauert nun schon 700 Jahre und eigentlich ist keine Besserung in Sicht, denn WALL-E ist der letzte seiner Art. Und das ist ganz schön viel Müll für so nen kleinen Roboter.

Doch alle paar Jahre schickt das von Robotern gesteuerte Menschen-Raumschiff ein paar Sonden auf die Erde, um zu überprüfen, ob sich die Situation gebessert hat und es wieder pflanzliches Leben auf dem ehemals blauen Planeten gibt. Eine dieser Sonden ist EVE und sie landet genau in WALL-Es Nachbarschaft, der direkt ein Auge auf sie geworfen hat. Wie’s weitergeht soll an dieser Stelle nicht verraten werden…

Denn der Film hat – was zumindest ich nicht wusste, da ich Spoiler-Reviews bisher vermieden hab – noch mehr als WALL-Es und EVEs Romanze auf der Erde zu bieten. Ja, im Verlauf des Films wird klar, dass Pixar hier einen neuen E.T. für eine neue Generation geschaffen hat. WALL-E ist lustig und spannend, traurig und schön. Und das sage ich als jemand, der nicht jedes Jahr dem Pixar-Hype erliegt. Ansehen!

EMDb – Rating: 4,5/5

Computerrattenkochfilm

Ich sag’s ja: man kommt ja einfach zu nichts mehr. Filme werden geguckt, klar, aber ne Meinung dazu zu verfassen, zieht sich dann in letzter Zeit doch immer etwas länger hin. Egal. Was soll ich auch über einen Film sagen, den ihr euch so oder so anseht und der von den Kritikern hochgelobt wird? Ja, es geht um Ratatouille, den neuen Pixar-Film mit der kochenden Ratte, der optisch – Pixar-standesgemäß – wieder zur feinsten Computerkunst gehört, mit der man seine Augen verwöhnen kann. Der Film ist – und hier kommt der springende eayz-Punkt, der uns von der breiten Masse abhebt – gut, aber ich war doch schon arg verwundert, als ich heute in einem Kritikspiegel las, dass jeder meinungsmachende Mensch dem Rattenfilm die volle Punktzahl gegeben hat. Haben hier die Namen Pixar und Bird die Vorschusslorbeeren bekommen? Ich finde nämlich sowohl Findet Nemo als auch Die Unglaublichen besser. Daher: Ratatouille ist nicht hervorragend, nicht sehr gut, sondern solide gut. IMHO.