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Telekom schaltet De-Mail ab

Mit De-Mail wollte die Regierung eine sichere elektronische Behördenpost etablieren. Nach zehn Jahren und Hunderten Millionen Euro Verlust steigt die Telekom nun aus. Das Ende des Projekts ist das womöglich noch nicht.

Der De-Mail-Dienst (Link zu einem langen, bis zum Absatz „Kritik“ sehr langweiligen Wikipedia-Artikel) wurde vor über zehn Jahren per Gesetz eingeführt – und von Privatleuten, Geschäftswelt und selbst Behörden so gut wie gar nicht angenommen oder genutzt. Das Ausscheiden der Telekom ist nur ein weiterer Sargnagel in dieser überfälligen, digitalen Leidensgeschichte.

Zur Sicherheit verschickt das Bonner Unternehmen die Kündigungsschreiben nicht nur über die Mail selbst, sondern auch per Briefpost.

🤣

Doch Überraschung: Auftritt 1und1/GMX/Web.de, die nun scheinbar die wenigen Telekom-Kunden übernehmen und den „Bullshit made in Germany“ aufrechterhalten wollen. Prima.

Das Social Media Dashboard zur Bundestagswahl 2021

Tolles, interaktives Dashboard vom Tagesspiegel, das aufzeigt, wie und wo die Spitzen­kandida­tinnen und Spitzen­kandidaten dieser Tage posten. Wie zu erwarten, dominiert z.B. die AfD das tiefbraune… äh, tiefblaue Facebook, während Annalena Baerbock die meiste Resonanz auf Twitter bekommt und Van-Laack-Influencer Laschet, klar, auf Instagram steil geht.

Zusammenfassungen der Digitalpolitik in den Wahlprogrammen

Johannes Kuhn hat in seinem Internet-Obser­vatorium die Digitalisierungs­bestrebungen aus den einzelnen Wahlpro­grammen zusammen­gefasst. Spoiler und meine Einschätzung (ohne Reihenfolge): Digital­politisch scheint man am besten bei SPD, Grünen und der FDP aufgehoben zu sein. (via Ole Reißmanns Newsletter)

Aus dem Internet-Observatorium #17 | OpenGraph Preview Image
internetobservatorium.substack.com

Aus dem Internet-Observatorium #17

Digitalpolitik in den Wahlprogrammen

Urheberrechtsreform: Bundestag stimmt für Upload-Filter und Leistungsschutzrecht

Der Bundestag hat das überarbeitete Urheberrechtsgesetz beschlossen, dass uns schöne neue Upload-Filter und weitere Ausprägungen des bei Verlags­lobbyisten beliebten Leistungsschutzrechts bringt. Aber keine Sorge, die private Nutzung / Veröffent­lichung von „Schnipseln“ ist nun erlaubt und total sinnvoll. Nicht.

Die Ausnahme vom exklusiven Verwertungsrecht für solche Schnipsel aus Video-, Audio- und Textmaterial für nichtkommerzielle Zwecke umfasst 15 Sekunden je eines Filmwerks oder Laufbilds und einer Tonspur, 160 Zeichen eines Texts sowie 125 Kilobyte je eines Fotos oder einer Grafik. Die Klausel erstreckt sich auf nutzergenerierte Inhalte, die weniger als die Hälfte eines Werkes von Dritten enthalten, und grundsätzlich zulässige Auszüge zu den genannten Zwecken „mit anderem Inhalt kombinieren“.

(Hervorhebung von mir. Und das obige Zitat ist schon 495 Zeichen lang…)

Nichts zu verbergen?

Amsterdam gilt seit jeher als Musterbeispiel gelungener Stadtplanung. Bereits 1851 begann die Stadt, systematisch Daten der Bevölkerung zu erheben, um optimal ihre Ressourcen zu verteilen. Fürs „Bevolkingsregister“ gaben die Einwohner bereitwillig Beziehungsstatus, Beruf und Religions­zugehörigkeit an. 1936 stieg man sogar auf die Datenerfassung mit einem hochmodernen Lochkartensystem um. 1939 aktualisierte eine Volkszählung das Stadtregister nochmals.

Im Mai 1940 rissen die einmarschierten deutschen Besatzer das Register an sich und ermittelten anhand dieses Datenschatzes in wenigen Tagen fast alle jüdischen Einwohner. Ein Großteil der rund 100 000 Amsterdamer Juden wurde ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Von einem Tag auf den anderen entschied ein Marker im Big-Data-Pool über Leben und Tod. Zuvor hatte 90 Jahre lang niemand etwas zu verbergen gehabt – schließlich diente die Erfassung ja dem Wohl aller.

»Colonia Dignidad – Aus dem Innern einer deutschen Sekte«

📺 Nachdem ich in der letzten Woche im linearen Fernsehen (ja, ich weiß, verrückte Zeiten!) die ARD-Dokumentation »Colonia Dignidad – Aus dem Innern einer deutschen Sekte« gesehen habe, habe ich doch tatsächlich die Ausstrahlung des zweiten Teils in meinen digitalen (!) Kalender eingetragen und eben – auch wieder ganz linear – geschaut.

Sehr gute Doku, zu einer unglaublich schrecklichen, unver­ständlicher­weise über vier Jahrzehnte andauernden Episode deutscher und chilenischer Geschichte. Ich war bisher nicht weiter mit der Kolonie und Sekte vertraut und war erschrocken, wie diablolisch es dort zuging. Harter Stoff, sehr gut aufbereitet und jetzt als Teil 1 und Teil 2 in der ARD-Mediakthek zu finden.

Disney+ startet am 24. März in Deutschland

Vorschaubild zum Video. Aktivieren, um das Video zu laden und abzuspielen. 
(YouTube Direktlink)

Nachdem wir bisher immer das Glück hatten, dass die US-Sender, die in ihrem Heimatland auf eigene Streaming-Services setzen, hier alles zu Netflix oder Prime lizensieren, verschärfen sich die Streaming Wars nun auch hierzulande mit dem Auftreten von Unterhaltungskoloss Disney. Am 24. März wird es soweit sein, Kostenpunkt 6,99 Euro/Monat oder 69,99 Euro/Jahr.

Ich bin gespannt, denn wenn da nicht gerade »The Mandalorian« läuft, reizt zumindest mich das Programm bisher nicht so sehr, dass ich da ein durch­gehendes Abo für mich sehen würde.