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Schauspieler Noah Wyle eröffnet 1999 als Steve Jobs die Macworld-Keynote

Ich habe gerade ein mal mehr »Pirates of Silicon Valley« gesehen und bin immer wieder begeistert, wie treffsicher der Film bereits 1999 den Weg von Apple und Microsoft nachverfolgt und (auch für die Zukunft) aufzeigt. Was ich bisher jedoch nicht wusste, und erst nach Lektüre des Wikipedia-Eintrags erfuhr, war, wie Steve Jobs und Steve Wozniak auf die Darstellung ihrer Person reagierten.

Während Woz einfach Woz ist, also ziemlich zufrieden damit war, hat Jobs sich öffentlich nur über den Schauspieler Noah Wyle geäußert, dessen Nachahmung er für sehr gelungen hielt. Und offensichtlich sogar so gelungen, dass er Wyle 1999 zur Macworld einlud und ihn an seiner Stelle die Keynote eröffnen ließ. Habe ich, wie gesagt, bisher nicht gewusst und auch noch nie gesehen – und da es ja vielleicht einigen von euch ähnlich gehen könnte, hier das Video des Auftritts:

 
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Steve Jobs über das Leben und Scheitern

Die Monetarisierung von Steve Jobs‚ digitalen Überresten geht weiter mit einem 1994 geführten Interview der Santa Clara Valley Historical Association, die demnächst in Gänze käuflich zu erwerben sein wird. Hier zwei bemerkenswerte Ausschnitte daraus, in denen Jobs über das Leben und das Scheitern philosophiert:

 
(YouTube Direktlink)

When you grow up you, tend to get told that the world is the way it is and your life is just to live your life inside the world, try not to bash into the walls too much, try to have a nice family, have fun, save a little money. That´s a very limited life. Life can be much broader, once you discover one simple fact, and that is that everything around you that you call life was made up by people that were no smarter than you. And you can change it, you can influence it, you can build your own things that other people can use. Once you learn that, you´ll never be the same again.

 
(YouTube Direktlink)

Most people never pick up the phone, most people never ask. And that´s what separates, sometimes, the people that do things from the people that just dream about them. You gotta act. And you gotta be willing to fail… if you´re afraid of failing, you won´t get very far.

(via Brain Picking and swissmiss)

Here’s to the Crazy One


Steve Jobs ist heute im Alter von nur 56 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben. Der Gründer und CEO der mittlerweile wertvollsten (Technologie-)Firma der Welt erlag damit seiner jahrelangen Krebserkrankung. Dazu wurde heute von vielen viel lesenswertes und von Medienseite vor allem viel Blödsinn („iGod“) geschrieben und sich gefragt, was nun aus Apple wird. Doch das ist egal, denn wir hatten eine gute Zeit: Steve, Steves Produkte und ich. Danke dafür.

Und jetzt bin ich dafür die Think Different-Kampagne neu aufzulegen und den Werbespot mit Steve Jobs‘ Bild abzuschließen. Finde ich passend und nach allem, was ich über Jobs gelesen habe, vermute ich, dass er sich – zu Recht! – genau da sieht. „Because the people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who do.“

„It´s a lot like working for a giant startup with a low tolerance for imperfection.“

Lesetipp für die anwesenden Apple-Fanboys: In der aktuellen Ausgabe des Fortune Magazine gibt es einen interessanten Einblick in die Arbeitsläufe bei Apple. Leider verbirgt sich Adam Lashinskys „How Apple works: Inside the world’s biggest startup“ jedoch hinter ’ner Paywall, aber Wired hat eine gute Zusammenfassung.

Im Gespräch mit (ehemaligen) Apple-Mitarbeitern zeichnet Lashinsky dabei das altbekannte Bild des Diktators Steve Jobs, das den Apple-Chef schon seit Jahren begleitet, in den letzten Jahren aber in den Hintergrund rückte, da überall von seiner Mäßigung zu lesen war. Tatsache, so Lashinsky, ist jedoch weiterhin, dass Jobs am Infinite Loop auf den Tisch haut – wie als prominentes Beispiel das MobileMe-Team erfahren musste, als dieses ein völlig unbrauchbares Produkt veröffentlichte.

Das WTFigste™ dass Lashinsky erfahren haben will: die von Jobs angeordnete Einrichtung der so genannten „Apple University“. Dahinter soll sich ein Programm verbergen, in dem von einem Yale-Dekan ausgewählte Wirtschaftsprofessoren die wichtigsten Apple-Entscheidungen der letzten Jahre untersuchen, um so dafür zu sorgen, dass Apple auch nach dem Ableben Jobs‘ weiterhin wie zu dessen besten Zeiten weitergeführt wird. Klingt wie eine South Park-Folge, ist aber so bizarr, dass es wahrscheinlich wahr ist.

Steve Jobs = Apples Auteur

Im September letzten Jahres hat John Gruber während der dConstruct-Konferenz in Brighton einen überaus hörenswerten Vortrag zum Thema „The Auteur Theory of Design“ gehalten. Nach einem Schwenk durch die Filmgeschichte kommt Gruber zu der Feststellung, dass die (umstrittene) Auteur-Theorie, die im Regisseur den zentralen Gestalter – also den Autor – eines Films sieht, auch wunderbar auf die Technologiebranche – oder besser: Apple – angewandt werden kann. Demnach wäre Steve Jobs Apples Auteur, der geistige Vater von Mac, iPod, iPhone und iPad.

Wenngleich wir natürlich wissen, dass der Auteur-Ansatz hinkt und hakt, da der Regisseur niemals allein für die Umsetzung seines Films verantwortlich sein kann, finde ich Grubers Schlussfolgerung durchaus reizvoll. Denn wann immer ein neues Apple-Produkt erscheint schreien Medien und Apfeljünger1 gleichermaßen auf und bejubeln Jobs‘ Genialität. Was wiederum ein klassischer Fall von „Auteur Desire“, dem Verlangen nach dem Genie hinter dem wie auch immer gearteten Endprodukt, ist.

Soweit geht Gruber in seinem Vortrag zwar nicht – er spricht schließlich vor Programmierern und Web 2.0-Fuzzis und will keine kulturelle Einordnung des Apple-Mythos liefern –, aber es ist, wie gesagt, ein sehr hörenswerter Speedrun durch die Auteur-Theorie, der ein paar nette Denkanstöße zum Film und Apple liefert.

(.mp3-Download, mehr Infos)

  1. Jaja, mich eingeschlossen.