#science fiction (58)

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Review: Avatar – Aufbruch nach Pandora

Und dann war da natürlich noch Avatar, der letzte große Film des Jahres und – auch auf die Gefahr hin, mein Fazit bereits vorweg zu nehmen – ich bin sogar gewillt, der größte Film des Jahres zu sagen. Und klar: wenn James Cameron, der selbsternannte „König der Welt“, nach zwölf Jahren Kinoabstinenz endlich wieder über den Abspann läuft, dann darf man schon mal die Superlative auspacken. Doch um ehrlich zu sein: Trotzdem ließ mich die „Vorberichterstattung“ zu Avatar für meine (SciFi-Fanboy-)Verhältnisse außergewöhnlich kalt. Irgendwie haben Comic Con-Panels, Trailer und Previews keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, so dass ich in Anbetracht des großen Namens zwar gespannt, aber auch ohne jegliche Erwartung das hiesige, mittlerweile auch mit 3D-Klimbim ausgestattete Kino aufsuchte. (Denn dass man unbedingt dreidimensional nach Pandora aufbrechen sollte, ging auch nicht an mir vorbei.)

Meine Haltung zum Film sollte sich bereits in den ersten Minuten schlagartig ändern. Während die Geschichte vom Ureinwohnervolk (hier in Form blauer Katzen-Aliens), das vom bösen weißen Mann aus ihrem Land vertrieben wird, weil der sich das große Geld erhofft, zwar alles andere als neu ist und auch die Heldenreise, die der gehbehinderte Marine Jake (solide gespielt von Sam Worthington) hier durchlebt, normalerweise keinen Cineasten mehr hinter dem Ofen hervor lockt, funktioniert Avatar hervorragend. Das liegt zum einen daran, dass Cameron sein Handwerk versteht wie kaum ein anderer und wahrscheinlich selbst aus einem Wurstwerbespot ein actiongeladenes Epos machen könnte, zum anderen daran, dass der Zuschauer aus dem Staunen nicht mehr raus kommt.

Denn Pandora sieht (in 3D) fantastisch – und ich meine hier wirklich sowas von absolut fantastisch! – aus, das man auf die vergangenen 162 Minuten zurückblickt als hätte man einen Kurztrip dorthin unternommen. In keinem Moment zweifelt man an der Echtheit der Flora und Fauna oder der Na’vi, der Aliens. Und überhaupt: die Aliens! Nie waren realistisch animierte CGI-Figuren so ausdrucksstark und glaubwürdig wie hier. Ja, Avatar ist ein wahres Fest für die Augen (sofern man diese simplen Regeln beachtet) und Ohren (toller Score von James Horner), das man nicht mehr missen möchte.

Und obwohl die Story nicht allzu viel neues bietet, die Dialoge mitunter etwas zu gewollt sind und hier und da Logiklöcher auftreten, wird auch euer Kopf viel Freude auf Pandora haben, denn selten hat man einen so fesselnden, perfekt (wenn auch sehr klassisch) gemachten und absolut epischen Film gesehen wie eben Camerons Avatar. Vielerorts darf man deswegen vom „Star Wars unserer Generationen“ lesen, aber ob ich wirklich soweit gehen würde, weiß ich noch nicht. Das wird erst mein zweiter Kinobesuch zeigen und ob ich danach erneut so begeistert bin. Bis dahin ist es nur der beste Science-Fiction-Film des Jahres und ein bis zwei Sequel würde ich herzlich willkommen heißen.

EMDb – Rating: 5/5

District 9 – Review

Einmal mehr besser spät als nie1: Als ich irgendwann im August erfuhr, dass der hoch- und viel gelobte SciFi-Streifen Moon im Rahmen des Fantasy Filmfest gezeigt werden würde, war klar, dass ich dahin musste. Diese selbst auferlegte, aber gern erfüllte Pflicht verstärkte sich dann wenige Tage später immens, als klar wurde, dass nicht nur Duncan Jones‘ Debüt, sondern auch das von Neill Blomkamp, namentlich District 9, es ins Programm schaffte – und das nur knapp zwei Wochen nach US-Start. Respekt! Ehrensache, dass ich am ersten Verkaufstag die Kasse des Kölner Cinedoms stürmte, um auf Nummer Sicher zu gehen und Tickets für besagte Filme zu erstehen. Gesagt, getan, standen die Freundin und ich also am dritten Festivaltag vor dem größten Kinosaal des Cinedoms, in den District 9 eigens verlegt wurde und der dennoch ausverkauft war.2

Einige fremdsprachige, blutige und sehenswerte Trailer später durften wir dann miterleben, wie es aussieht, wenn ein kleines Stückchen Genre-Geschichte geschrieben wird. Dabei beginnt alles ganz ruhig: 1982 tritt ein außerirdisches Raumschiff in die Erdatmosphäre ein, stoppt über der südafrikanischen Metropole Johannesburg und verharrt dort. Nach Wochen des ereignislosen Wartens entschließen sich die Menschen in den unbekannten Flugkörper einzudringen, wo sie über eine Million insektoide Außerirdische vorfinden – halb verhungert und ohne irgendeinen Anführer. Die Außerirdischen werden aus dem Flugkörper in ein zunächst provisorisch errichtetes Flüchtlingslager namens District 9 gebracht, welches sich jedoch rasch zu einem Slum entwickelt. Jahrzehnte vergehen und die Bevölkerung Johannesburgs fühlt sich zusehends unwohler mit den abfällig als „prawns“ (Garnelen) bezeichneten Nachbarn aus District 9. Das private Sicherheits- und Militärunternehmen Multinational United (MNU), das mittlerweile über die nun 1,8 Millionen Aliens wacht, sieht sich gezwungen, die Umsiedlung dieser in das weiter entfernte und angeblich sehr viel humanere Lager District 10 zu veranlassen. Als der niedere MNU-Beamte Wikus van de Merwe sich der Aufgabe annimmt, passiert jedoch das Unvorhersehbare: <spoiler>nachdem er im Alien-Lager einer außerirdischen Flüssigkeit ausgesetzt wurde, beginnt er, sich selbst in einen der „prawns“ zu verwandeln und erfährt am eignen Leib, dass es der MNU tatsächlich nicht um das Wohl der Aliens, sondern vielmehr um deren hoch-effizientes, aber für Menschen bisher nicht benutzbares Waffenarsenal geht…</spoiler>

Dabei macht besagter MNU-Mann Wikus nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Wandlung durch: vom unbeholfenen Bürokraten, der nur die eigene kleine Karriere im Blick hat, zum Gejagten und Rächer zwischen den Fronten. Dass diese Verwandlung so greifbar und glaubwürdig ist, ist zum einen der mit Sharlto Copley hervorragenden Besetzung, zum anderen dem Stil des Films selbst zu verdanken. Denn wie aus den Trailern und der Kurzfilmvorlage Alive in Joburg bekannt, beginnt District 9 als Dokumentarfilm und nimmt erst nach Wikus‘ Unfall dessen Position und damit typischere Erzählweisen ein – hierbei dennoch immer wieder durch vermeintliche O-Töne unterbrochen. Eine solche Vorgehensweise und viele weitere, auch und vor allem narrative Elemente des Films sind zwar alles andere als neu3, in dieser Kombination jedoch ungesehen. Beispielsweise kennen wir Xenophobie gegenüber Außerirdischen von Kindesbeinen an (E.T. anyone?), hier wird sie aber erstmals wirklich aussagekräftig: denn so selbstverständlich und glaubwürdig wie Blomkamp sein Szenario auf die Apartheid Südafrikas transferiert, zeigt er doch selbst dem unbedarftesten Zuschauer unausweichlich diesen Schandfleck menschlicher „Zivilisation“ auf. Und schließlich ist es genau dieser Moment, den die Science Fiction zu leisten vermag und der leider allzu gerne zwischen all den Special Effects und Bunnies vergessen4 oder übersehen wird.

Nichtsdestotrotz ist natürlich auch District 9 ein spektakulärer Actionknaller, der – zumindest im letzten Drittel – Explosionen und Splatter en masse bietet und dessen vorderstes Ziel die Unterhaltung des Publikums ist. Dass er dabei nebenbei neue Standards in Sachen SciFi-Action setzt und für das Minibudget von 30 Millionen Dollar nahezu fantastisch aussieht, ist umso beeindruckender.5 Ganz klar: wir haben hier mit Neill Blomkamp und Sharlto Copley zwei fortan äußerst gefragte Männer vor uns, von denen wir noch sehr viel hören und sehen werden.

Kurzum: District 9 ist genau der Science-Fiction-Film (mit Action-Anspruch), den ich mir jedes Mal wünsche, wenn das Licht im Kinosaal ausgeht – und den ich vor District 9 bisher nur ein einziges Mal bekommen habe: 1999 mit The Matrix.

EMDb – Rating: 5/5

  1. Ich bin es zwar leid, jedes Review mit einer Entschuldigung zu beginnen, aber was soll ich tun? Zur Zeit bin ich nun mal voll ausgelastet, da bleibt mir nur der Urlaub um was ordentliches zu schreiben. In diesem Sinne: erneut fettes Sorry, für die überaus späte Veröffentlichung dieses Reviews. []
  2. Manch einer muste sogar mit einem Platz auf der Treppe vorliebnehmen… []
  3. Man denke nur an Cronenbergs Fliege oder die TV-Serie Alien Nation. []
  4. Ja, Mr. Bay, Sie sind gemeint. []
  5. Und wo wir gerade bei Ihnen, Mr. Bay, sind, gerade Blomkamps Minibudget lässt Sie mit Ihren quasi unbegrenzten Mitteln wie einen Dilettanten aussehen. []

Der Tag, an dem Klaatu kam

Vor einer Woche überlegten sich die zwei New York City Boys und meine neidische Wenigkeit den Abend mit leichtester Kost á la Death Race ausklingen zu lassen. Also Uhrzeit der Aufführung gecheckt, zum Kino gefahren und an der Kasse drei Karten bestellt. „Oh, die Herren, der läuft heute nicht.“ Aber, aber! „Es sind noch Plätze in der Premiere von Der Tag, an dem die Erde stillstand frei…“ Na gut! Drei Getränkebestellungen später betreten wir den menscheleersten Saal, den das Kino wahrscheinlich jemals bei einer Premiere hatte. Es handelt sich um ein Remake eines Sci-Fi-Streifen aus den 50ern, Neo spielt die Hauptrolle und auf dem Original-Poster ist ein Roboter, der Laserstrahlen aus seinem Auge schießt, zu sehen, soviel wussten wir. Und dass der Trailer beschissen war. Aber wir wollen ja fair bleiben und erst mal abwarten…

Da saßen wir also, sahen wie Sphären auf der Erde auftauchen und aus der größten ein riesiger Roboter und ein schmieriges Keanu-Reeves-Alien mit dem klangvollen Namen Klaatu rausstolpert. Die amerikanische Regierung bekommt’s natürlich mit der Angst zu tun und macht einen Film mehr alles falsch, was man nur falsch machen kann. Klaatu (Klaatu!) kann derweil flüchten und was der Zuschauer schon in den ersten zwanzig Minuten erahnt, erfahren die Verantwortlichen erst endlos lange 80 Minuten später: <Spoiler>Klaatu will die Menschheit vernichten, weil diese die Erde vernichtet. Und das, da sind sich Klaatus Volk und Al Gore einig, geht ja mal gar nicht.</Spoiler>

Woah. Ein weiteres Beispiel dafür, wie man 100 Minuten seines Lebens verschwenden kann und auch noch dafür zur Kasse gebeten wird. Während die Original-Story die Zuschauer 1951 noch fesseln, zum Nachdenken bewegen und schockieren konnte, ist das, was man dem Zuschauer 2008 vorsetzt einfach nur noch nervig. Liebe Filmemacher, wir wissen doch bereits das wir den Planeten zerstören! Warum also muss Klaatu kommen und erstmal sein Tänzchen aufführen, bevor er ebenfalls zu diesem Schluß kommt, dann aber doch irgendwie die Kurve kriegt? Ja, „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ ist in keiner Weise überraschend oder interessant und nur im Entferntesten unterhaltsam. Die Animationen sind schlechter als – festhalten! – bei Fantastic Four 2 und alles in allem verlässt man den Kinosaal mit dem Gedanken, dass es produktiver und amüsanter gewesen wäre, hätte 20th Century Fox die 80 Millionen Dollar, die der Film gekostet hat, im und mit dem Regenwald verbrannt und kurzen Prozess mit unserem Planeten gemacht. Damit die Erde nie mehr stillstehen muss.

Einziger Pluspunkt: Der M. Night Shyamalan-Film The Happening vom Sommer diesen Jahres, der uns ja mit einer ähnlich innovativen Handlung bekehren wollte, ist noch schlechter.

EMDb – Rating: 0,5/5

Möge der Saft mit dir sein!

Die 1987er Science-Fiction-Parodie Spaceballs kommt ins Fernsehen. Nein, nicht als Wiederholung, sondern als eigene animierte TV-Serie. Im Herbst soll’s soweit sein und bei YouTube gibt’s den Promotrailer zu sehen (… was gibt’s eigentlich nicht bei YouTube zu sehen?). Laufen sollen die neuen Abenteuer von Yoghurt, Lord Helmchen, Lone Starr und Möter Waldi (halb Mensch, halb Köter) auf dem US-Sender G4 – und kurz darauf sicherlich auch auf Bit Torrent Television. Angesichts der neuen, gelungenen Star-Wars-Parodien á la Robot Chicken und demnächst sicherlich auch Family Guy darf man gespannt sein, was uns die Spaceballs Animated Series neues bieten will. Vertrauen wir auf den Saft von Executive Producer Mel Brooks!

Sarah Connor Chronicles

Keine Angst, es geht hier um keine zweite Staffel von „Sarah & Marc in Love“ (und „Gülcans Traumhochzeit“ ist eh viel besser). Stattdessen geht’s um die neue TV-Serie Terminator: The Sarah Connor Chronicles, die im Frühjahr 2008 beim US-Sender Fox ausgestrahlt werden soll. Inhalt, kurz & knapp: Sarah Connor und ihr Sohn John sind nach den Ereignissen des zweiten Films auf der Flucht vor der Polizei und werden zu allem Überfluss auch noch von den allseits bekannten Killerrobotern aus der Zukunft heimgesucht. Könnte unterhaltsam werden.

Wer schon mal reinschauen will, kann sich den Trailer ansehen oder sich die ganze erste Episode mittels der bekannten Vertriebswege besorgen. Folge Eins hat es nämlich irgendwie aus der Zukunft von 2008 zu uns ins SkyInternet von 2007 geschafft. Voll Science Fiction!