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Spotify will Gimlet Media für mehr als 200 Millionen Dollar kaufen

Sehr krass, wenn man bedenkt, dass Alex Blumberg die Podcast-Produktionsfirma erst Ende 2014 gründete (und das natürlich mit einem hervorragenden Podcast begleitete). Qualitativ wären Gimlets Podcasts auf jeden Fall eine Bereicherung für Spotify, aber dass mit der Übernahme wahrscheinlich wie einst bei Schulz & Böhmermann die Podcast-Feeds eingestellt werden und die Inhalte dann (offiziell) nur noch über die Spotify-App erreichbar sind, ist mir jetzt schon ein Dorn im Auge.

Doch egal, ob es nun so kommt oder nicht: es ist spannend zu sehen, wie sich die Podcast-Welt immer weiter professionalisiert. Mein Tipp daher: Um dem Exklusiv-Podcast-Trend von Spotify und Audible entgegen zu wirken, wird Apple alsbald Bezahlpodcasts in der iOS-Podcast-App anbieten, die komfortabel per In-App-Purchase oder Abo erstanden werden können.

Update, 06.02.: Der Deal ist durch. Spotify hat Gimlet für 230 Millionen Dollar gekauft und sich nebenbei auch noch die DIY-Podcast-Plattform Anchor einverleibt. Doch damit soll noch längst nicht Schluss sein: Spotify plant in diesem Jahr insgesamt 500 Millionen Dollar für Übernahmen auszugeben.

Podcast: Business Wars – Marvel vs. DC

Hervorragend produzierte Podcast-Empfehlung, die ich bei Swen entdeckt habe: „Business Wars“ vom Podcast-Label Wondery, das mir bis dato unbekannt war. Der Podcast behandelt in sechs bis acht Folgen langen Staffeln den Konflikt von übergroßen Firmen, die in der selben Branche gegeneinander antreten. Wie z.B. Streaming-Anbieter Netflix, der der Videotheken-Kette Blockbuster das Leben schwer gemacht hat. Oder Nintendo und Sony, die von einstigen Kooperationspartnern zu erbitterten Feinden wurden.

In der dritten Staffel, geht es so etwa um die Comic-Verlagshäuser DC und Marvel und deren Kampf um die Vorherrschaft im Superheldengewerbe. Habe ich mir gerade angehört und hat sich vollends gelohnt. Wer sich für wahrscheinlich ewig andauernden Zwist zwischen Superman und Spider-Man interessiert1, sollte sich diese Staffel unbedingt geben.

Hier die Direktlinks zu den einzelnen Episoden2:

  1. Marvel vs. DC – Origin Stories (mp3)
  2. Marvel vs. DC – The Fantastic Mr. Lee (mp3)
  3. Marvel vs. DC – Copycat (mp3)
  4. Marvel vs. DC – Schemes, Scans, and Double Crosses (mp3)
  5. Marvel vs. DC – Big Screen Heroes (mp3)
  6. Marvel vs. DC – The Cinematic Universe (mp3)
  7. Marvel vs. DC – Interview with Jason Mewes and Reed Tucker (mp3)
  1. Ich für meinen Teil habe übrigens den Großteil meiner Jugend begeistert DC Comics gelesen und habe nie so richtig Zugang zu Marvel gefunden.
  2. Die Präsentation der Inhalte auf der Wondery-Seite ist leider sehr misslungen.

App.net im Fegefeuer der Digitalindustrie

Bleiben wir beim Scheitern: App.net, das im August 2012 nach drakonischen Beschränkungen von Twitter als vielversprechende Microblogging-Alternative startete, hat gestern verkündet, dass die zweite Finanzierungsrunde nicht ausgereicht hat, um weiterhin ein festes Team zu beschäftigen.1 Das von den Nutzer gezahlte Geld soll nun nur noch dazu verwendet werden, den Service „indefinitely“ am laufen zu halten. Der Code soll Open Source gestellt werden und die Plattform im Idealfall als Community-Projekt fortentwickelt werden.

Auch wenn in meiner ADN-Timeline bisweilen anderes zu lesen ist, ist dies das De-Facto-Ende von App.net. Ein Ende, das sich m.E. schon abzeichnete, nachdem man sich nie richtig zum Microblogging bekannte und stattdessen eine Plattform für alles mögliche – vom Cloud-Speicher bis zum Push-Notification-Service – sein wollte. Hätten Gründer Dalton Caldwell & Co. von Anfang an kommuniziert, ein besseres, offeneres Twitter zu bauen (was ADN technisch auch geworden ist), wäre das ganze Konzept sicherlich greifbarer gewesen. So hat man mit allerlei Firlefanz Zeit und Geld vergeudet.

Das Developer Incentive Program, das Entwicklern einen finanziellen Anreiz bot, Apps für die Plattform zu entwickeln, wurde im Rahmen der Kostenminimierung natürlich eingestellt. Durch den fehlenden Third-Party-Support ist zu erwarten, dass es kaum Neuanmeldungen bei App.net geben wird und viele bisherige Nutzer ihre Abonnements auslaufen lassen werden. Wenn die Early Adopter in einem Jahr erneut zur Kasse gebeten werden, könnte dies dann das tatsächliche Ende bedeuten. Bis dahin verweilt App.net im Fegefeuer der Digitalindustrie, einem Teufelskreis aus enthusiastischen Altnutzern und ausbleibenden Neuen. Ich hoffe, dass die Community das Ding um ihretwillen laufen lassen kann, erwarte aber nicht mehr allzu viel. Schade.

„You should follow me on App.net Twitter here.“

  1. Raus damit: Ich hab meinen Teil geleistet, wer von euch hat’s verschissen?

Amazon kauft die Digital-Comics-Plattform ComiXology

Nachdem Amazon das Buchgeschäft gleich zwei Mal revolutioniert hat, ist die ernsthafte1 Ausweitung auf Comics der nächste logische, lange überfällige Schritt. ComiXology soll als eigene Marke/App weiterbestehen.

Update, 27.04.2014: In der neuesten Version von ComiXology gibt’s keinen Shop mehr, alle Käufe müssen über die ComiXology-Webseite getätigt werden (wobei es eine für den US-amerikanischen und eine für den europäischen Markt gibt). Wie schon bei der Kindle-App möchte Amazon so wohl die Apple-Steuer von 30 Prozent umgehen. Der Reiz der ComiXology-App schnell US-Comics kaufen zu können, geht damit verloren, was gleichermaßen schade wie doof ist.

Wenn’s schon so ein Umweg sein muss, dann doch lieber DRM-freie Comics bei Image kaufen und mit ComicZeal (iTunes-Partnerlink) auf dem iPad lesen.

Update, 28.04.2014: CBR hat mit ComiXology gesprochen – und ein paar unbefriedigende Antworten bekommen. Nee, Amazon, so macht ihr euch keine Comicfreunde. (via @Weltraumhirsch)

  1. Amazon hat zwar bereits vereinzelt Comics angeboten, bisher jedoch ausschließlich für die eigenen Kindle-Tablets.

Carousel, Dropbox‘ eigene Foto-App

Dropbox hat heute endlich eine eigene Foto-App veröffentlicht, mit der sich die in der Cloud gespeicherten Fotos (halbwegs) komfortabel durchsuchen lassen. Hier der Blogeintrag dazu, hier der Download-Link.

Ich selbst habe seit einigen Monaten sämtliche Handy-/Smartphone-Fotos seit 2004 in meiner Dropbox liegen – per Hazel automatisch nach Jahren/Monaten sortiert; heavily inspired by Federico Viticci’s setup – und bisher mit Unbound (halbwegs) komfortabel durchsucht. Unterwegs bei Treffen mit Freunden mal eben Fotos von vor zehn Jahren rausholen zu können, hat jedenfalls was. Schön, dass Dropbox das auch so sieht und man sich nicht mehr mit der furchtbaren Foto-Ansicht der Standard-App abmühen muss. Und da wird demnächst sicherlich noch einiges verbessert und ergänzt werden (löschen und bearbeiten von Fotos, Code-Sperre der App, Everpix-Features, Börsengang).

Und als nächstes dann bitte ne Dropbox-eigene, webbasierte Office-Suite.

Update, 10.04.2014: Viticci hat sich Carousel im Detail angesehen.

Update, 18.04.2014: Dropbox hat nun Loom gekauft, einen Service zur Verwaltung von Fotos in der Cloud. Ganz offenkundig, um die eigene Fotofunktionalität zu verbessern. Jetzt noch preislich ordentliche Angebote (= billigerer Speicher) und ich bin zufrieden.

Einblick in die Daten des gescheiterten Startups Everpix

Von gescheiterten Startups hört man immer wieder (oder gar nicht mehr, was meistens dasselbe ist). Was man jedoch selten zu hören bekommt, sind die Gründe, warum ein Dienst seine Pforten schließen musste. Der Photo-Storage-Dienst Everpix, der nach zwei Jahren Entwicklung und trotz angetaner Nutzer im Dezember schließen musste, ist damals die Flucht nach Vorne angetreten und hat The Verge ausführlich Rede und Antwort gestanden, wie es dazu kommen konnte. Nun haben sie bei GitHub sämtliche Zahlen ungeschwärzt nachgelegt, was einen ungewohnten, durchaus interessanten Blick in die (US-)Startup-Welt gewährt.

Die Ironie des ganzen: Bei all der positiven Presse, die Everpix seit bekannt werden der Schließung bekommen hat – ich würde den Dienst, den ich bis dahin nicht kannte, nun auch wirklich gerne nutzen –, kämen sie heute mit Sicherheit auf ausreichend zahlende Kunden. (via MacStories)