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Twitter beschneidet API

Das Twitter-Debakel geht weiter: Twitters Produktmanager Michael Sippey hat einen neuen Blogeintrag verfasst, in dem er auf die bevorstehenden Änderungen der API-Version 1.1 eingeht. Außerdem unterstreicht er nochmal den Ratschlag von letztem Jahr, keine traditionellen Twitter-Clients mehr zu entwickeln. Marco Arment hat das kalifornische Schönsprech „übersetzt“ und unter dem Strich steht da, dass all das, was Twitter vorher großartig gemacht hat, so nicht mehr erlaubt ist. Oder wie Ben Brooks es treffend als Analogie zu Apple formuliert:

…this is the moment in Twitter´s life where they kicked Steve Jobs out of the company and told Sculley to run it.

Der Gedanke in Zukunft ausschließlich bei App.net zu posten und die Inhalte nur noch zu Twitter zu iftttten, verliert jedenfalls zunehmend an Schrecken. In diesem Sinne: Ich bin – Überraschung, Überraschung! – @eay auf App.net.

Profitgier essen Apps auf

Wie wohl fast jeder ernsthafte Twitter-User nutze ich den Service hauptsächlich durch Apps von Drittanbietern (mein Favorit ist seit jeher Echofon). Die vielen guten Clients sind das, was Twitter groß gemacht hat und der (einzige?) große Vorteil gegenüber allen anderen Social Networks. Twitter scheint das aber zunehmend zu vergessen: Im März 2011 legte man externen Entwicklern bereits nahe, keine kompletten Clients mehr zu programmieren (hier der Originalpost von Twitter-Developer Ryan Sarver), gestern wurde Product Manager Michael Sippey dann nochmal konkreter und kündigte an, dass die API-Guidelines in den kommender Wochen verschärft werden. In Twitter-Neusprech liest sich das dann so:

We´re building tools for publishers and investing more and more in our own apps to ensure that you have a great experience everywhere you experience Twitter, no matter what device you´re using. You need to be able to see expanded Tweets and other features that make Twitter more engaging and easier to use. These are the features that bring people closer to the things they care about. These are the features that make Twitter Twitter. We’re looking forward to working with you to make Twitter even better.

Und „bring people closer to the things they care about“ ist dabei nicht viel mehr als eine Beleidigung an jeden nicht vollkommen verblödeten Leser des Twitters Dev-Blogs (also wahrscheinlich alle), denn eigentlich steht da: Die Nutzer näher an die Inhalte bringen, die Twitter interessieren. Und das sind bekanntlich Werbung und der Content von Premium-Partnern, wie bspw. der New York Times, deren Artikel fortan direkt unter einem Tweet angeteasert werden.

Die Beweggründe dafür sind natürlich offensichtlich: Twitter muss Geld verdienen und hat sich irgendwann mal dazu entschieden, das mit Werbung zu versuchen. Und diese spült umso mehr Dollars in die Tasche umso mehr Nutzer sie sehen. Also werden Twitter.com und die offiziellen Apps mit Discover-Tabs und Inline-Werbung zugepflastert. Im Gegensatz zu den Twitter-Clients der Drittanbieter: Klar, hier können Werbe-Tweets reingeschleust werden, aber kann man die Entwickler auch dazu zwingen, so schwachsinnige Funktionen wie eben das Discover-Tab so prominent zu platzieren, wie das in Twitters eigener iPhone-App der Fall ist? Wohl eher nicht. Und wenn ihr nicht für uns seid, seid ihr gegen uns.

Marcel schlägt also zu Recht kostenpflichtige Pro-Accounts vor, deren Nutzer dann nicht mit dem ganzen Werbeblödsinn behelligt werden. Ich würde sogar soweit gehen: Twitter sollte die Nutzung von Drittanbieter-Clients ausschließlich zahlenden Pro-Usern zugänglich machen. So wären (bis auf die Werbeindustrie) alle glücklich: Die Intensivnutzer, Twitters Finanzabteilung und die App-Entwickler. Andernfalls bzw. wenn alles so kommt wie jetzt angekündigt, ist das den Entwicklern gegenüber ziemlich genau das, was Gruber als „dick move“ bezeichnen würde.

Wenn iOS- und Mac-Entwickler Brent Simmons, der Mann hinter Glassboard und zuvor NetNewsWire, nun also eine Twitter-Alternative fordert, ist das überaus verständlich. Wer Dave Winers Blog liest, wird sowieso jeden zweiten Tag mit dem Gedanken konfrontiert. Nach Simmons würde sich eine Art Parallelsystem anbieten, die von den Drittanbietern zusätzlich zum Twitter-Support integriert wird und die auf Basis von RSS und OPML Tweets und Follow-Informationen bereitstellt, ohne dabei eine zentrale Plattform zu benötigen. Sobald das System dann etabliert ist, sollte man den Twitter-Support rauswerfen und Dick Costolo & Co. mit ihren Werbefuzzis allein lassen. Prinzipiell eine gute Idee, auch wenn die meines Erachtens technisch schwierig zu bewerkstelligen ist.1 Hoffen wir also, dass es gar nicht erst soweit kommen muss.

Andererseits: Microblogging wird ja auch total überschätzt. Oder um es nochmal mit Grubers Worten zu sagen: „Twitter = Jackass of the Week“

  1. Der RSS-Feed müsste irgendwo gehostet werden (von einer dahinter liegenden Datenbank, die als Archiv für die eigenen Statusmeldungen – formerly known as Tweets – fungiert, mal abgesehen). Und das könnte dann wiederum der eigene Webspace sein (und würde unsere Eltern somit ausschließen), der einer zentralen Plattform (herzlichen Glückwunsch, you created the next Twitter!) oder direkt auf Servern der App-Entwickler passieren (eigentlich gut, nur was ist, wenn der App-Entwickler pleite geht?) []

Falschparkerpranger

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(Vimeo Direktlink)

So das hier kein Fake ist, ist das ein sehr geschickter, aber auch sehr fragwürdiger Einsatz von Technologie: Um russische Falschparker, die kreuz und quer auf Gehwegen usw. parken, einer gewissen sozialen Kontrolle auszusetzen, hat die Website The Village eine App entwickelt/gemacht/erdacht (?), mit der Passanten die Autos der Parksünder sammeln können. Deren Autos sollen dann benachbarten Surfern auf der Village-Seite als eine Art Werbebanner vorgesetzt werden1, der sich nur entfernen lässt, wenn man Kennzeichen usw. bei Facebook teilt. So soll dann ein Falschparkerpranger entstehen, der die Beschuldigten zur Einsicht und einem besseren Parkverhalten bringen soll.

Was bei Falschparkern noch relativ lustig ist, ist kaum weiter gedacht natürlich sehr erschreckend: Bald schon würde es Plattformen für Nachbarn geben, die ihre Hundescheiße nicht entfernt haben, zu laut Musik gehört haben, zu schnell durch die 30er Zone gefahren sind oder zu kurze Röcke anhatten. Kurzum: Mit sowas würde eine regelrechte Denunziationsindustrie entstehen, die zunächst zwar just for fun ist, nach kurzer Zeit aber bereits Begehrlichkeiten bei den Behörden wecken würde. Südkoreanische Verhältnisse quasi. Also halten wir fest: Lieber die Finger davon lassen. (via Kottke)

  1. Die benachbarten Surfer sollen dabei anhand der IP-Adresse ermittelt werden, was meines Wissens nach also nicht wirklich mit Nachbarschaften, sondern eher nur mit ganzen Ortschaften funktionieren würde. []

To do or not to do (oder: Ein Loblied auf Due)

Auf die Frage, wie seine Eltern ihn beschreiben würden, entgegnete einer meiner Freunde neulich in einem Bewerbungsgespräch: „Als faule Socke.“ Obwohl das wahrscheinlich der Wahrheit entspricht (ich kenne seine Eltern, Gruß an der Stelle) und obwohl ich ihn ansonsten wegen genau dieser Mit-nichts-was-zu-tun-heit schätze, war das wohl nicht der klügste Moment seinen Humor spielen zu lassen. Die meisten anderen (und ich) hätten wohl irgendwas von „engagiert“, „verantwortungsbewusst“ und „zielstrebig“ geschwafelt – und gelogen.

Denn die meisten (und ich) sind tatsächlich faule Socken. Faule Socken, die erst durch das große Geld, Spaß an der Sache oder andere Hilfsmittelchen motiviert werden müssen. Hilfsmittelchen wie To-Do-Listen und Getting Things Done-Spökes. Denn während es mir im Büro und im Studium überaus leicht fällt (siehe wahlweise ‚Spaß an der Sache‘ oder ‚Das große Geld‘), Listen zu schreiben, abzuarbeiten und abzuhaken, wird das privat schon schwieriger. Grillkohle kaufen, die Lovefilm-DVD einwerfen und den alten Schulfreund an seinem Geburtstag anrufen, kann überaus schwierig sein, wenn man einen fast unüberwindbaren inneren Schweinehund oder – und hier kommt meine Achillesferse – unendliche Vergessenheit sein Eigen nennt.

Doch wie heißt es so schön: there’s an app for that. Und so habe ich mich auf den weiten Weg gen AppStore gemacht, um mich mit einer To-Do-Listen-App einzudecken. Das muss so 2008 gewesen sein und wegen der unfassbar großen Auswahl an To-Do- und GTD-Apps hat die Suche nach der Herzensapp bis vor wenige Wochen angedauert. Also sage und schreibe knappe drei Jahre, nur um eine ordentliche Applikation zu finden, die meinen (eigentlich recht simplen) Ansprüchen genügt und mich nicht mit allerhand überflüssigem Feature-Mist erschlägt.

In der Riege der Apps mit allerhand überflüssigem Feature-Mist bin ich dem alteingesessenen Platzhirsch Things begegnet, ebenso wie 2Do und Todo. Das Problem hier: viel zu viele Funktionen, die gar niemand braucht außer David Allen persönlich. Wenn ich nämlich all meine Tasks in Projekte und Kategorien einordnen, taggen und verschieden hoch priorisieren soll, brauche zumindest ich einen Taskmanager für meinen Taskmanager. Und wer sich überlegt hat, Aufgaben mit Geotags zu versehen, gehört sowieso erschossen (es sei denn er ist der Erfinder der Geotags, dann ginge das schon in Ordnung).

Also eine Nummer simpler. Hier laufen einem dann Task Eater, Dropkick und Wunderlist über den Weg. Alles viel einfacher als oben, meist nur Aufgaben anlegen und abhaken. Das wiederum ist mir dann jedoch zu wenig – am liebsten hätte ich eine Cloud-basierte Backup-/Sync-Lösung und allen voran eine ordentliche Erinnerungsfunktion, weil ich sonst praktisch nichts mehr mit den Tasks mache als sie angelegt zu haben. Alle gerade genannten Apps machen das eine oder andere zwar gut, aber einen rundum guten Ansatz konnte ich’s bis hierhin nirgendwo finden.

Und dann habe ich meine bessere Hälfte, die kein iPhone besitzt, bei ihrem Selbstmanagement beobachtet. Und siehe da: ohne AppStore und Netzzugang bietet ihr Dumbphone alles, was man eigentlich braucht. Mittels einer einfachen, zuverlässigen Erinnerungsfunktion. Doch was bei den Nokia-, Siemens-, Motorola- und Sagem-Handys des vergangenen Jahrtausends Gang und Gäbe war, hat Apple irgendwie vergessen (oder es ist Steve Jobs‘ Rotstift zum Opfer gefallen). Und genau das hat Due, die selbsternannte „missing reminder app“, sich auf die Fahnen geschrieben: die Erinnungsfunktionslücke von Apple zu füllen.

Und das macht sie meines Erachtens mit Bravour. Ich nutze Due seit einem Monat, habe zwischenzeitlich rund 56 Erinnerungen/Tasks angelegt und bereits 48 abgearbeitet. Was definitiv Dues penetrantem und daher (für mich) außerordentlich guten Erinnerungsmechanismus zuzuschreiben ist. Die App erinnert einen nämlich unentwegt im Minutentakt daran, die Aufgabe zu erledigen – mit der Option sie um 10, 20, 30 Minuten usw. beziehungsweise eine Stunde, einen Tag usw. zu verschieben. Das ist so nervig gut, dass ich im vergangenen Monat (so gut wie) nichts vergessen habe. Dass Due dann auch noch mit Dropbox-Sync daher kommt, ist selbstredend auch mehr als erfreulich. Lediglich das Zusammenspiel des iPhone-Due mit dem iPad-Due könnte optimiert werden und hat bei mir soweit geführt, dass ich’s wieder vom iPad runtergeschmissen habe. Das lag jedoch weniger an der App selbst, als viel mehr an Beschränkungen von iOS und dessen suboptimalem Notification-System (doch dazu später in einem eigenen Artikel mehr).

Aber, aber, so geht’s ja nicht, werden die Korinthenkacker unter euch nun entgegnen, das ist ja keine „richtige“ To-Do-/GTD-App! Aber wisst ihr was? Das ist mir egal, denn für mich (und scheinbar viele, viele andere) erfüllt Due genau diesen Zweck: mir beim Organisieren meiner Aufgaben zu helfen. Meine To-Do-Listen, die zeitunabhängig abgearbeitet werden müssen, landen derweil in SimpleNote, das im Zusammenspiel mit Notational Velocity meinen bisherigen Favoriten TaskPaper abgelöst hat. Wer nämlich To-Dos jenseits von vorgefertigten Formularen und Checkboxen möglichst frei niederschreiben möchte, der kommt an SimpleNote oder dem immer noch sehr guten TaskPaper einfach nicht vorbei.

Aber Due, ich sag’s nochmal, das ist richtig gut. Und hätte mir das vorher jemand gesagt, Mensch, was hätte ich ein Geld gespart…

(iTunes-Partnerlink: Due im AppStore)

Vier gewann

It’s Rate iOS App Friday und so möchte ich hier mal vier Games vorstellen, die mich in den letzten zwei Wochen Bahnfahrten und Toilettengänge Langeweile überstehen ließen. Denn sind wir mal ehrlich: was man da manchmal für’n Kölsch an Spielspaß geboten bekommt, ist mitunter nicht weniger als sensationell. Wollen wir den Appstore-Millionären Entwicklern also ein bisschen danken und unter die Arme zu greifen:

The Incident (5?) wurde hier schon empfohlen, aber weil’s mein iPhone-Spielefavorit ist, gleich nochmal; Piczle Lines (4?) ist ein Sudoku-ähnliches Zahlenpuzzle mit Suchtgefahr und kostenloser (!) Einstiegsdroge; bei Osmos (5?) lässt man ganz gechillt (zumindest am Anfang…) Weltraumlebenwesen verschmelzen; hinter dem vielsagenden Titel Dodonpachi Resurrection (4?) verbirgt sich ein ansehnliches japanisches Bullet Hell-Shoot ‚em Up für die Spielhallen-Opis unter uns (via).

Und was spielt ihr so? (Xboxen, Playstations und StarCrafts sind ja sooo 2005…)