(Un)Wort des Jahres

Frankfurt am Main. Wiesbaden. Am heutigen Freitag wurden in Frankfurt am Main sowie in Wiesbaden die Schlagwörter des Jahres bekanntgegeben. Wie die entsprechenden Stellen versicherten kam es dabei ohne Absprachen zu einem Novum in der Geschichte der deutschen Sprachkritik. Erstmals stimmen nämlich das „Wort des Jahres“, das seit 1977 von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) als sprachlicher Jahresrückblick veröffentlicht wird, und das negativ konnotierte „Unwort des Jahres“, welches die Universität Frankfurt am Main seit 1994 jährlich auswählt, überein. Wort und Unwort des Jahres, so die Entscheidung der Hausherren des deutschen Wortschatzes, ist demnach der im Rahmen der von Marcel Reich-Ranicki angestoßenen Qualitätsdebatte um das deutsche Fernsehen entstandene Neologismus „Exkrementenfernsehen“.

Laut GfdS-Pressesprecherin Lisa Seiler fasst der Begriff das zusammen, was „nicht nur Literaturpäpste und Medienwissenschaftler seit langem an der Gestaltung des deutschen Fernsehprogramms auszusetzen haben, sondern auch jeder einzelne Zuhause“. Die gemeinsame Kritik an etwas fundamental schlechtem wie dem „Exkrementenfernsehen“, so die GfdS in ihrer Presseerklärung weiter, zeigt auf beeindruckende Weise die so oft übersehenen Gemeinsamkeiten der durch ehemalige Staaten, Arbeitsverhältnisse, Schichten und Schubladen aufgesplitteten Bevölkerung auf. Bei der Universität Frankfurt am Main ist man hingegen der Auffassung, dass „Exkrementenfernsehen“ lediglich in der Lage sei, einen ganzen Berufszweig zu denunzieren und für die aktuelle Debatte eher schädigend wirke.

Der Begriff „Exkrementenfernsehen“ wurde nur wenige Tage zuvor von dem Studenten Stefan G. erdacht und, so G. in seinem Online-Tagebuch, der deutschsprachigen Welt geschenkt. In der Zeit zwischen der ersten Veröffentlichung durch G. und der Bekanntgabe zur Wahl als Wort des Jahres respektive Unwort des Jahres wurde der Begriff sowohl im Volksmund als auch in (Fach-)Publikationen populär und inflationär genutzt. Dennoch wurden bereits während der Vorstellungen erste Stimmen laut, in denen dem Neologismus die Relevanz für die entsprechenden Titel abgesprochen wurde. Stefan G. definiert sein „Exkrementenfernsehen“ indes als Terminus technicus für den aktuellen Diskurs, da dieser, Zitat G., „allein im Stande ist, das wahre Ausmaß der qualitativ desaströsen deutschen Fernsehlandschaft zu benennen“.


Na gut: Liebe Leser, liebe Wort-Kürer, das war natürlich alles erstunken und erlogen, sprich: Satire. Da die Chancen für’s Exkrementenfernsehen aber dennoch nicht schlecht stehen, darf der Text von Nachrichtenagenturen (und so!) aus aller Welt gerne kopiert werden, sobald sein Wahrheitsgehalt steigt. Womit zu rechnen ist. Definitiv. Ja.

· am veröffentlicht 31.10.2008

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