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Nachtrag zu Omarchy, DHH und „Ricing“

Vor zwei Wochen hatte ich mich mit der neuen heißen Linux-Distribution Omarchy beschäftigt, die gerade vielerorts Aufmerk­samkeit erregt und erfährt, da sie agentisch entwickelt und vor allem auch so angepasst werden kann.

Damit passt sie eigentlich genau hierher. Openness, DIY und KI1 sind wieder­kehrende Themen in diesem Blog, aber so einfach ist es diesmal eben nicht.


Erkenntnisgewinn

Ich hatte bereits mitbekommen, dass David Heinemeier Hansson, kurz DHH, dessen Firmenblog (Link zur Wayback-Machine) ich damals las und von dem ich in den 2000ern und 2010ern staunend Bücher zu Software-Management und Unternehmens­führung gelesen habe, zwischen­zeitlich äußerst konservativ und kontrovers geworden ist. Aber nach Veröffent­lichung des Beitrags und des ersten Nachtrags habe ich dann erfahren – und es wurde mir dankens­werter­weise auch von Felix per Kommentar zugetragen –, wie katastrophal das ist, was DHH da von sich gibt. Wie etwa der Medienbäcker aufklärt:

Oh wait, this DHH guy seems to be pretty racist anyways. Holy shit, he openly talks about „re­mi­gra­ti­on“ and „de­mo­gra­phic re­pla­ce­ment“. Well, I sure hope I don’t have to read that name ever again. Or anything about „re­mi­gra­ti­on“ for that matter.

Besonders bitter wird es dann, wenn man sich ansieht, wie der Ruby on Rails-Creator DHH — der gerne damit prahlt, dass Claude sich weigerte, einen seiner rassistischen Texte ins Italienische zu übersetzen (Quelle) — mit Omarchy weiteren Einfluss in der Open-Source- und Linux-Szene gewinnen will und gewinnt und diese damit weiter nach seinen Vor­stellungen formen könnte. tante hat dazu mit „Power Grab“ einen sehr guten, Überblick gebenden Artikel veröffent­licht:

DHH is using his position and his influence to accumulate donations that he then can distribute to projects that align with his fascist worldview and ambitions. […] The Omarchy foundation will be where projects in desperate need of funding will be pointed. And will a project focused on human rights and social justice get funding from our fascist overlord?


Prominente Unterstützer

Screenshot von der 'Stop Omarchy'-Website.

Ein Problem ist nämlich bereits, dass und wie viel Funding die Omarchy-Foundation bekommt. Brennan Kenneth Brown hat dazu mit „Stop Omarchy“ eine kleine Neocities-Seite erstellt, die aufzeigt, wer Omarchy wie finanziell unterstützt. Ein Auszug:

Despite this [Anmerkung von mir: Gemeint ist all der Scheiß von DHH.], more than a dozen top tech executives and corporations have pledged millions to the Omarchy / Omacom Foundation. They include the CEOs of Shopify, Stripe, Dell, Cloudflare, Block, Dropbox, Coinbase, and others, as listed on Omarchy’s patrons page.

Corporations including 1Password and DigitalOcean are also contributing to Omarchy’s funding, with DigitalOcean giving $1 million a year for three years.

Man sollte also in Betracht ziehen, diesen Unternehmen in Zukunft aus dem Weg zu gehen und/oder ihnen gegenüber zu protestieren, was ihre Unter­stützung für Omarchy und DHH angeht. … What is wrong with you, 1Password?


That said, ich bin kein Fan von Online-Prangern. Dass hier Firmen und CEOs von großen Tech-Unternehmen gelistet werden, ist fein für mich, aber wenn ich das richtig sehe, sind darunter auch Einzel­personen, die sich sicherlich falsch verhalten, aber vielleicht nicht derart in der Öffent­lichkeit stehen, dass man sie hier erwähnen müsste. Andererseits (Minute 3:33).


„Ricing“

Aber es geht noch weiter: daMax hat mich zudem in den Kommentaren dankens­werterweise weiter darauf hingewiesen, dass der im Linux-Umfeld gängige Begriff „Rice“ bzw. „Ricing“ problematisch ist, weil er eine rassistische Abwertung ist.

Der Hintergrund des Begriffs, der im Linux-Kontext die Individuali­sierung des Desktops durch Window-Manager, Themes, Icons usw. meint, ist der US-amerikanischen Auto- und Motorrad­szene der 80er-Jahre entliehen, wo „rice burner“ eine abwertende Bezeichnung für japanische beziehungs­weise ost­asiatische Fahrzeuge war und „riced out“ ober­flächliche Modifi­kationen ohne Leistungs­gewinn beschrieb. Das später erfundene Backronym „Race Inspired Cosmetic Enhancement“ beseitigt den problema­tischen Ursprung nicht, sondern verschleiert ihn.

Ich hatte „Ricing“ bisher immer mit der klein­teiligen Konfiguration (wie eben bei Reiskörnern) assoziiert, was rück­blickend wohl etwas naiv war. Ich werde darauf selbstredend fortan verzichten und habe den ent­sprechenden Beitrag plus Nachtrag-Teaser – die einzigen „Ricing“-Nennungen in diesem Blog – um eine ent­sprechende Infobox mit Verweis auf diesen Beitrag ergänzt und Textstellen ent­sprechend angepasst.


Den gesamten Omarchy-Beitrag habe ich aber, bis auf die dokumentierten Änderungen, aus Gründen der Nachvollzieh­barkeit unverändert gelassen.

Was eine Shit Show.

  1. Ja, der Diskrepanz meiner KI- gefolgt von Klima-Posts bin ich mir schmerzlich bewusst. [↩]

Omarchy – Keyboard- and AI-First, Opinionated Linux

Update, 14.09.: Mir war bei Verfassen dieses Beitrags nicht klar, wie problematisch DHH, der Autor von Omarchy ist, oder dass der Begriff des „Rice“/“Ricing“, was die Customi­zation des Betriebs­systems beschreibt, einen rassistischen Ursprung hat. Ich habe diesen Post daher folgender­maßen aktualisiert: 1. Links zu DHHs Website entfernt, 2. Vorkomm­nisse von „Ricing“, wo es inhalt­lich Sinn, macht durch Customi­zation ersetzt. Schließlich habe ich all die Hinter­gründe nochmals in diesem neuen Blog­eintrag ausführ­lich behandelt.

Kurze Lebendmeldung aus dem Krankenlager: Ich liege seit gestern Abend halbwegs flach, was 1. unge­wöhn­lich für mich ist und 2. insbesondere da es dem Rest der Familie gut geht (hoffen wir, dass das so bleibt!).

Heute hatte ich jedenfalls tagsüber genug Gelegen­heit, zwischen Couchschlaf und dem FC‑Spiel – ein sehr schöner Auftakt, siehe meinen Mastodon‑Post – mich durch YouTube zu klicken1. Dabei wurde mir immer wieder Omarchy vorge­setzt, die seit letztem Jahr von David Heinemeier Hansson2 entwickelte Linux-Distri­bution, die gerade in Version 4.0 „Quattro“ erschienen ist und sich auf die Fahnen geschrieben hat, gut auszu­sehen, Keyboard- und AI-first zu sein und natürlich opinionated von ihrem Autor zu sein. Dass ich den aus offen­sicht­lichen Gründen schwierig finde, ist klar.

Vorschaubild zum Video. Aktivieren, um das Video zu laden und abzuspielen.
(YouTube Direktlink)

Was ich jedoch in den Videos von seinem auf Arch Linux, Hyprland und Wayland basierenden Open-Source-Betriebssystem gesehen habe, stimmt mich bzgl. Linux und der Zukunft von Personal Computing ganz positiv, ist es hier doch einer kleinen Gruppe gelungen, ein spannendes, entwickler­freund­liches, etwas anderes OS zu bauen bzw. so vorzu­konfigu­rieren, das man keine Technik­teile gegen die Wand werfen möchte [drama­tisierte Darstellung von Linux-Nutzung].

Klar, auf den Schultern von Giganten und unter Einsatz einer Trilliarde Tokens, aber es zeigt, was möglich ist. Insbesondere, dass jegliches Verhalten bis hin zum UI über Configs angepasst werden kann, zeigt, hier noch im freien Developer-Umfeld, was in Zukunft für jedermann in einer Sandbox möglich sein wird. Und es motiviert OpenAI & Co. vermutlich doch noch ein eigenes OS zu bauen. Ohje.


Update, 14.09.: Bei „Rice“/“Ricing“ handelt es sich um einen abwertenden Begriff mit rassis­tischem Ursprung. Ich habe ihn hier wo inhaltlich sinnvoll gestrichen und durch Customi­zation ersetzt. Mehr Infos dazu in diesem neuen Blog­eintrag.

Update, 31.08: Auf Mastodon/in den Kommentaren hat libewa richtiger­weise angemerkt, dass es diese Individualisierung, genannt Ricing3, schon immer gab und man vielleicht nicht seinen eigenen „Rice mit Extra-Bash als Distro ver­kaufen und dafür Millionen sammeln“ sollte – vor allem wenn man die darunter liegenden Sicherheits­konzepte nicht vollends durch­blickt. Und natür­lich finden sich solche Probleme auch bei Omarchy Quattro sofort: “Omarchy: Any User Process Can Escalate to Root”. Oh-oh.

Kurz zur Konkretisierung: Dass die AI-erarbeitete Linux-Distribution eines Linux-Neulings nicht ideal ist, war zu erwarten – wenn auch nicht so schlimm. Aller­dings ging es mir darum nicht: Was ich an dem Projekt interessant finde, ist das jemand mit vergleichs­weise geringen Mitteln (außer Zeit und natürlich dem Geld für die Trilliarde Tokens) in der Lage ist, sowas umzu­setzen. Stellen wir uns jetzt mal vor, hier wäre kein Blender, sondern jemand am Werk, der oder die genau weiß, was er oder sie tut. Und das stimmt mich positiv.

Und nochmal zu DHH: Matt Birchler hat in seinem Podcast in der letzten Woche (Folge “This phone folds. It folds!”) ganz gut einge­ordnet, warum Omarchy gerade verfängt:

It’s gotten quite a bit of press. And it’s because DHH is a really annoying, kind of evil guy in some ways. Let’s just say extremely problematic. But anyway, he gets attention.

Und auch das stimmt natürlich. Omarchy ist nur eine weitere Distribution. Ricing Customization ist bei allen von diesen möglich. Und das hier ist nur bekannt, weil DHH bekannt ist.

Was ich also hätte schreiben sollen: AI-basiertes Ricing Customization stimmt mich positiv was die Zukunft von Personal Computing angeht, in der man sein System (dann hoffent­lich sicher) einstellen kann, wie es einem beliebt.


Update, 14.09.: Ein großer Nachtrag bzgl. Omarchy, DHH und „Ricing“.

  1. Falls Google fragt, lebe ich jetzt in einem Hotel ist Bratislava. [↩]
  2. Update, 14.09.: Link zu seiner persönlichen Website entfernt. [↩]
  3. Update, 14.09.: Link auf eine Definition des Begriffs entfernt, die den problematischen Hintergrund außen vor ließ. [↩]
Omarchy | OpenGraph Preview Image
omarchy.org

Omarchy

Beautiful, Fun & Opinionated Linux by DHH

Little Snitch for Linux

Der von mir schon ewig1 genutzte und geschätzte Mac-Netzwerk­monitor Little Snitch ist für Linux erschienen. Das ist sehr gut, denn ohne Zweifel würde ich an dem Tag, wo ich kein macOS mehr nutze, wohl ein Linux-Nutzer werden.

Genau das hat sich nämlich auch Christian von Little-Snitch-Entwickler Objective Development gedacht, als er zuletzt auf Linux unterwegs war, wie er im passender­weise „Because nothing else came close“ betitelten Blogeintrag zum Release schreibt.

Little Snitch for Linux ist kostenlos und „will stay that way“ (!) und ist, wie er schreibt, hauptsächlich ein Privacy-Tool und nicht wie unter macOS ein Security-Tool.

  1. Ich wünsche viel mehr Menschen, die Befriedigung zu erfahren, die daraus entsteht, einen eigenen Blogeintrag nach über einem Jahrzehnt, verlinken zu können, weil noch irgendwie relevant. [↩]
Little Snitch for Linux | OpenGraph Preview Image
obdev.at

Little Snitch for Linux

Discover powerful applications such as Little Snitch Mini, Little Snitch, LaunchBar and Micro Snitch.

Are we stuck with the same Desktop UX forever?

Vorschaubild zum Video. Aktivieren, um das Video zu laden und abzuspielen.
(YouTube Direktlink)

In this talk, Scott Jenson gives examples of how focusing on UX – instead of UI – frees us to think bigger. This is especially true for the desktop, where the user experience has so much potential to grow well beyond its current interaction models. The desktop UX is certainly not dead, and this talk suggests some future directions we could take.

Großartiger Vortrag beim Ubuntu Summit 25.10 von Scott Jenson, seines Zeichens UX-Designer, der zuvor bei Apple und Google gearbeitet hat und nun Mastodon und Home Assistant unterstützt.

Während Jenson über die UX unserer Desktop-Betriebssysteme und fehlende Innovationen in dem Bereich von Apple & Co. spricht und sich damit natürlich an die Linux-Entwickler im Raum richtet, droppt er so viele Konzepte und Ideen, dass ich – ohne selbst Operating Systems zu designen, sondern nur kleine und manchmal große Anwendungen – vor Inspiration geflasht war, den Talk schon drei Mal geguckt habe und natürlich auch den Studierenden meines User-Experience-Seminars nahegelegt habe.

Wenn ihr euch für das Feld interessiert, also eine große Empfehlung!

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Update, 03.08.: Hier berichte ich über einen Follow-Up-Vortrag von Jenson zur Weiterentwicklung der Desktop-UX.

Ubuntu-Probefahrt

Während die ganze Blogwelt Lobeshymnen auf Leopard scheibt und es sich einige, fuchsige Füchse sogar auf ihren PCs installieren, habe ich heute einen Blick in die wunderbare Welt von Linux geworfen. Und das geht so: Ubuntu-CD runterladen, brennen und neustarten und – tada! – das Live-System zaubert ein voll funktionsfähiges Ubuntu-System auf meinen fiesen Windows-Rechner. Betriebssystem testen war nie einfacher!

Aber auch generell als Betriebssystem überzeugt Ubuntu – ich könnte mir durchaus vorstellen es zu installieren und Vollzeit zu nutzen. Bisher habe ich jedoch zwei Kritikpunkte: keine Standardschriftarten wie Arial und Verdana (vgl. Screenshot von eayz), kein iTunes. Für beide Probleme gibt es jedoch dürftige Lösungen, die mich zumindest milde stimmen und mich mit einer Parallel-Installation von Windows und Ubuntu liebäugeln lassen.

Den Test per Live-System, das von der CD startet, kann ich jedenfalls schon mal jedem empfehlen, der sich für so’n Kram interessiert. Lohnt sich und ist mehr OS X als Windows.