#amazon

“The books will stop working”

Microsoft schließt seinen eBook-Store wegen Erfolglosigkeit zum heutigen 1. Juli, was bedeutet dass alle gekauften Bücher mit Abschaltung der dazugehörigen DRM-Server aufhören zu funktionieren (!). Das ganze wurde mit nur zwei (!) Monaten Vorlaufzeit angekündigt. Kunden sollen ihre Einkäufe erstattet bekommen. Wer sich Notizen in den DRM-geschützten Microsoft-eBooks gemacht hat, verliert diese, bekommt aber 25$ „Entschädigung“.

Der Fall unterstreicht einmal mehr die offenkundigen Probleme, die es mit dem DRM-gestützten Content-Vertrieb gibt: once it’s gone, it’s gone. Microsoft – und wenn es bei ihnen soweit ist wahrscheinlich auch Amazon und Apple – ist natürlich in der glücklichen Lage das Problem mit Geld aus dem Weg zu räumen, was für kleinere Anbieter mit DRM-Content oftmals keine Lösung ist und mit dem Abschalten der Rechteinfrastruktur wären Inhalte und Geld unwiderruflich weg.

Ich würde daher weiterhin dazu raten, DRM-freie Inhalte zu kaufen, wo es nur geht. (Streaming ist mit seiner sowieso zeitlichen Restriktion da eine Ausnahme.) Da ich aber hauptsächlich Sach- und Fachbücher auf meinem Kindle lese, kann ich die meistens direkt ohne lästiges DRM kaufen. Wenn es aber doch mal ein eBook direkt von Amazon sein muss, gibt es da auch Wege.

Also befreit euren Content, damit er so lange funktioniert (!), wie ihr wollt. Das ist die Welt, in der wir jetzt leben.

relentless.com

Jeff Bezos wollte sein Internetunternehmen ursprünglich Relentless nennen. Das heißt unerbittlich, unnachgiebig, erbarmungslos. Freunde rieten ihm ab. Dann wählte er den Namen Amazon, nach dem großen mitreißenden Fluss. Aber bis heute leitet die Website relentless.com direkt auf Amazon weiter.

Wusste ich, trotz Lektüre des Everything Stores, auch noch nicht. Gelernt im typisch kritischen Radio-Feature „Disruptor Amazon – Wie Zerstörung unser Leben schöner machen soll“ von Peter Kessen1, das auch als Podcast verfügbar ist und bei dem sich trotz dystopischer Musikuntermalung und anstrengendem Technologie­pessimismus ggf. das Reinhören lohnt (Stichwort Arbeits­bedingungen und Monopolismus).

  1. Ich hätte hier gerne den Twitter-Feed des Autoren verlinkt, aber den gibt es natürlich nicht. Ebenso wenig wie eine persönliche Webseite, was heißt, dass Herr Kessen nur auf den Webseiten seiner mehr oder weniger von kommerziellen Interessen getriebenen Arbeitgeber agiert. Das nur am Rande. 😉 []

„Alexa, play Die Kassierer on Apple Music“

Music has always been one of Alexa’s most popular features and today we’re excited to announce that Apple Music will be available on Echo devices beginning the week of December 17.

Großartige Neuigkeiten für alle Alexa- und Apple-Music-Nutzer wie mich. Gilt anscheinend erstmal nur für die USA, aber damit ist es nur eine Frage der Zeit bis das auch hierzulande geht.

„Marketing by funny failing“

In der letzten Kolumne von Sascha Lobo ging es um die Revolution der Interaktion von Mensch und Maschine durch Sprachassistenten wie Alexa und Google Home. So unstrittig, wie absehbar.

Allerdings hat mir die Beobachtung, dass das Scheitern von Alexa & Co. derzeit quasi als Marketing Gag fungiert, der die Systeme nur noch interessanter macht, sehr gut gefallen:

Die heutigen Dysfunktionalitäten – Alexa versteht oft lustig schlecht – sind Kinderkrankheiten, Gesprächsstoff für die Kantine, sogar eine Form von Genre-Marketing. Mit jeder Anekdote über einen falsch erkannten Wunsch wird die Funktionalität alltäglicher, die Technologie akzeptierter, der Wunsch, es auszuprobieren größer: Marketing by funny failing.

Ich kann das von mir selbst bestätigen: Als ich kurz nach der Markteinführung hierzulande unser Zuhause mit einem großen Echo und einem Echo Dot ausstattete, hab ich so manche Mittagspause damit verbracht, Alexa-Anekdoten zum besten zu geben. Jeff hat’s gefreut. 🤑

Amazon Echo Show

Nachdem Amazon vor zwei Wochen mit dem Echo Look das erste Alexa-Device mit Kamera (aber ohne Display) vorgestellt hat, kommt heute der Echo Show1, konsequenterweise nun auch mit Display. Neben Videotelefonie mit anderen Alexa-Geräten kann man sich auf Zuruf YouTube-Videos ansehen oder das Bild von kompatiblen Kameras anzeigen lassen („Alexa, show me the nursery.“). 

Genau genommen hat Amazon damit den Teleschirm aus George Orwells 1984 gebaut, wie Motherboard zu Recht anmerkt. Ich persönlich kann mich ganz gut mit der potentiellen Audioüberwachung eines herkömmlichen Echos abfinden (schließlich haben wir auch eins in Küche/Wohnzimmer stehen, sowie noch einen Dot in meinem Arbeitszimmer), mir Videoüberwachung ins Haus zu holen, seh ich aber erstmal nicht. Vor allem wo doch bereits jedes Smartphone alle visuellen Vorzüge des Echo Show abdeckt.

  1. Warum auch Marketing-effektiv an einem Tag releasen? []

Amazon Echo Look

Amazon hat mit dem Echo Look nun das erste Alexa-Device mit Kamera vorgestellt. Der beworbene Use-Case: Unterstützung bei der Auswahl von Outfits und dass man sich auch mal von hinten sehen kann. WTF.

Klar kann Amazon das Featureset auf Cloud-Seite stetig erweitern, aber das ist schon eine merkwürdige, initiale Positionierung, anstatt das Gerät als Alternative zur Indoor Nest Cam aufzubauen. Und dass man sich nach der potentiellen Abhörtechnik nun auch noch Videoüberwachung nach Hause holen soll, war natürlich unabwendbar.