Einträge von Juni 2012

Profitgier essen Apps auf

Wie wohl fast jeder ernsthafte Twitter-User nutze ich den Service hauptsächlich durch Apps von Drittanbietern (mein Favorit ist seit jeher Echofon). Die vielen guten Clients sind das, was Twitter groß gemacht hat und der (einzige?) große Vorteil gegenüber allen anderen Social Networks. Twitter scheint das aber zunehmend zu vergessen: Im März 2011 legte man externen Entwicklern bereits nahe, keine kompletten Clients mehr zu programmieren (hier der Originalpost von Twitter-Developer Ryan Sarver), gestern wurde Product Manager Michael Sippey dann nochmal konkreter und kündigte an, dass die API-Guidelines in den kommender Wochen verschärft werden. In Twitter-Neusprech liest sich das dann so:

We´re building tools for publishers and investing more and more in our own apps to ensure that you have a great experience everywhere you experience Twitter, no matter what device you´re using. You need to be able to see expanded Tweets and other features that make Twitter more engaging and easier to use. These are the features that bring people closer to the things they care about. These are the features that make Twitter Twitter. We’re looking forward to working with you to make Twitter even better.

Und „bring people closer to the things they care about“ ist dabei nicht viel mehr als eine Beleidigung an jeden nicht vollkommen verblödeten Leser des Twitters Dev-Blogs (also wahrscheinlich alle), denn eigentlich steht da: Die Nutzer näher an die Inhalte bringen, die Twitter interessieren. Und das sind bekanntlich Werbung und der Content von Premium-Partnern, wie bspw. der New York Times, deren Artikel fortan direkt unter einem Tweet angeteasert werden.

Die Beweggründe dafür sind natürlich offensichtlich: Twitter muss Geld verdienen und hat sich irgendwann mal dazu entschieden, das mit Werbung zu versuchen. Und diese spült umso mehr Dollars in die Tasche umso mehr Nutzer sie sehen. Also werden Twitter.com und die offiziellen Apps mit Discover-Tabs und Inline-Werbung zugepflastert. Im Gegensatz zu den Twitter-Clients der Drittanbieter: Klar, hier können Werbe-Tweets reingeschleust werden, aber kann man die Entwickler auch dazu zwingen, so schwachsinnige Funktionen wie eben das Discover-Tab so prominent zu platzieren, wie das in Twitters eigener iPhone-App der Fall ist? Wohl eher nicht. Und wenn ihr nicht für uns seid, seid ihr gegen uns.

Marcel schlägt also zu Recht kostenpflichtige Pro-Accounts vor, deren Nutzer dann nicht mit dem ganzen Werbeblödsinn behelligt werden. Ich würde sogar soweit gehen: Twitter sollte die Nutzung von Drittanbieter-Clients ausschließlich zahlenden Pro-Usern zugänglich machen. So wären (bis auf die Werbeindustrie) alle glücklich: Die Intensivnutzer, Twitters Finanzabteilung und die App-Entwickler. Andernfalls bzw. wenn alles so kommt wie jetzt angekündigt, ist das den Entwicklern gegenüber ziemlich genau das, was Gruber als „dick move“ bezeichnen würde.

Wenn iOS- und Mac-Entwickler Brent Simmons, der Mann hinter Glassboard und zuvor NetNewsWire, nun also eine Twitter-Alternative fordert, ist das überaus verständlich. Wer Dave Winers Blog liest, wird sowieso jeden zweiten Tag mit dem Gedanken konfrontiert. Nach Simmons würde sich eine Art Parallelsystem anbieten, die von den Drittanbietern zusätzlich zum Twitter-Support integriert wird und die auf Basis von RSS und OPML Tweets und Follow-Informationen bereitstellt, ohne dabei eine zentrale Plattform zu benötigen. Sobald das System dann etabliert ist, sollte man den Twitter-Support rauswerfen und Dick Costolo & Co. mit ihren Werbefuzzis allein lassen. Prinzipiell eine gute Idee, auch wenn die meines Erachtens technisch schwierig zu bewerkstelligen ist.1 Hoffen wir also, dass es gar nicht erst soweit kommen muss.

Andererseits: Microblogging wird ja auch total überschätzt. Oder um es nochmal mit Grubers Worten zu sagen: „Twitter = Jackass of the Week“

  1. Der RSS-Feed müsste irgendwo gehostet werden (von einer dahinter liegenden Datenbank, die als Archiv für die eigenen Statusmeldungen – formerly known as Tweets – fungiert, mal abgesehen). Und das könnte dann wiederum der eigene Webspace sein (und würde unsere Eltern somit ausschließen), der einer zentralen Plattform (herzlichen Glückwunsch, you created the next Twitter!) oder direkt auf Servern der App-Entwickler passieren (eigentlich gut, nur was ist, wenn der App-Entwickler pleite geht?)

Star Wars-Familienautoaufkleber


„Baby on Board“ und „Justin“-Aufkleber waren gestern. Star Wars-affine Eltern von heute stecken ihre Kinder nicht nur in kleine Vader & Leia-Kostüme, nein, sie verzieren die Familienkutsche auch noch mit den aktuellen Familienverhältnissen: Ein Vader, eine Padme, ein kleiner Stormtrooper und für den unmenschlich behaarten Jüngsten ein kleiner Ewok. Möglich wird das mit Star Wars Family Car Decals, die für 15 Dollar bei ThinkGeek zu erstehen sind, für die man dann einen umfangreichen Bogen mit allerlei großen und kleinen Sternenkriegern bekommt. Doch Vorsicht: Vor dem Aufkleben auf’s Auto ist die Zusammenstellung der Familie genauestens zu prüfen, damit’s nachher nicht zu ähnlich prekären Familienverhältnissen wie bei den Skywalkers kommt! (via Laughing Squid)

.gif der Woche #87


Aus aktuellem Anlass, da ich ja gerade die erste (bzw. siebenundzwanzigste) Staffel von »Doctor Who« gucke, das alles ziemlich gut finde und Christopher Eccleston als neunter Doctor eine (wie ich vermute; ich hab ja keinen Vergleich) gute Figur macht.

Halbfinale

Heute ist es also soweit: Der Klassiker, das Trauma, Deutschland trifft auf Italien. Ich bin zwar frohen Mutes, aber ganz so unbeschwert wie beim erwarteten Viertelfinalsieg bin ich dann doch nicht mehr. Ich hätte unsere Elf heute sehr viel lieber gegen England antreten sehen. Denn dann wäre unsere Finalteilnahme bereits jetzt beschlossene Sache gewesen. Aber so? Angstgegner, nein, aber Ehrfurcht ist schon angesagt. Also hoffen wir das Beste und sagen: Bis Sonntag! 😛

Update, nach dem Spiel: Das war wohl nichts. Tragisch. Das Trauma hat somit ein achtes Kapitel. Aber egal, dann putzen wir sie halt nach 19 Jahren. Dennoch: Wir sind (mit ein bisschen Abstand zum Abpfiff) faire Verlierer und gratulieren den Italienern!

Misfits

Vor ein paar Wochen habe ich euch an dieser Stelle die britische SciFi-/Alternate Reality-Serie »Black Mirror« empfohlen und die Gunst der Stunde gleich genutzt, um euch nach britischen Serienempfehlungen zu fragen, damit ich an meinem Brit-TV-Defizit arbeiten kann (schließlich eine Schande für einen Studenten der Film- und Fernsehwissenschaft).

Zusammen gekommen sind dabei einige vielversprechende Serien. So hat Uwe mir bspw. »Skins« empfohlen, eine Serie über upgefuckte Jugendliche, die meine bessere Hälfte allerdings schon in meinem (zuerst passiven) Beisein geguckt hat und von deren dritter und vierter Staffel um Effy und die „zweite Generation“ ich dann echt angetan war (also: Empfehlung!). DerElton empfahl »Spaced«, die Kinderstube von Simon Pegg, Nick Frost und Edgar Wright, der ich mich unbedingt als nächstes annehmen werde. Ron legte mir natürlich »Doctor Who« nahe, wo ich mittlerweile eingestiegen und leicht begeistert bin, und verwies mich, wie Lars, zudem auf »Misfits«, die Serie, um die es im folgenden gehen soll.

»Misfits« ist ein Science Fiction-/Fantasy-/Comedy-/Drama-Hybrid, in dem eine Gruppe Jugendlicher vom Blitz getroffen wird und so – Überraschung, Überraschung! – übernatürliche Fähigkeiten erlangt. Der Twist an der Sache: Die Gruppe besteht aus straffällig gewordenen Jugendlichen, die gerade ihre ersten Sozialstunden ableisten sollen. Dass die Jungs und Mädels fortan also weniger die Rettung der Welt, als vielmehr Eigennutz und Blödsinn im Sinn haben, ist also wenig verwunderlich.

Toll ist dabei, dass die Truppe aus Figuren besteht, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da wären zunächst Nathan, der aufgedrehte Spaßvogel, Curtis, der abgerutschte, ehemalige Vorzeigesportler, Alisha, die männerverschlingende Tussi, Kelly, der (wie sich später noch herausstellt überaus sympathische) Schlägerin und Simon, der schüchterne „Psycho“, der früher oder später zum heimlichen Star der Serie wird. Die fünf müssen sich also nicht nur irgendwie zusammenraufen, sondern auch gleich einen ganzen Haufen überirdischer Geheimnisse für sich behalten und sich mit allerlei abgedrehten, übernatürlichen Vorkommnissen rumschlagen. Dass den Teenagern dabei nicht ganz klar ist, was sie da eigentlich für Superheldenkräfte abbekommen haben, geschweige denn wie diese kontrolliert werden können, macht die Sache nicht einfacher.

Neben dem „Monster of the Week“ gibt es dabei immer einen Staffel-übergreifenden Handlungsbogen, der einen die nur sechs bis acht Folgen umfassenden Staffeln leicht in einem Rutsch verschlingen lässt. Obwohl man ja eigentlich meinen müsste, dass wir das alles schon mal irgendwo gesehen haben… Haben wir auch. Upgefuckte Jugendliche (siehe »Skins«) haben wir mittlerweile schon genauso oft gesehen, wie Superhelden, die keinen Bock darauf haben, Strumpfhosen zu tragen. Hier wird das alles jedoch mit einem perfekt ausbalancierten Figurenensemble präsentiert und mit soviel Political Incorrectness und Humor garniert, dass man eigentlich gar nicht merkt, dass hier zwischen Zeitreisen und Unsterblichkeit eigentlich die mehr oder weniger problematische Alltagswelt von normalen, englischen Heranwachsenden portraitiert wird. Und das, wie gesagt, auf unglaublich unterhaltsame Art und Weise.

Ihr merkt schon, ich kann »Misfits« gar nicht genug loben. Es ist eine kleine, feine Serie, aber erfreulicherweise dennoch all das, was »Heroes«, »Chronicle« und etliche andere Produktionen nicht vermocht haben zu sein. Wer »Skins« und die X-Men liebt, der wird »Misfits« lieben, das verspreche ich euch.

Bisher sind drei Staffeln gelaufen, die vierte Staffel ist für Ende diesen Jahres angesetzt. Die erste und zweite Staffel sind hierzulande bei iTunes, sowie als DVDs und Blu-rays bei Amazon erhältlich und auch ordentlich synchronisiert. Allerdings sollte man zur vollen Entfaltung des Charmes eher den O-Ton bevorzugen (um so in den Genuss von Kellys grandiosem „Fock Off“ zu kommen). Wie bei »Skins« wird es hier wohl auch ein (überflüssiges) US-amerikanisches Remake geben, das 2013 ausgestrahlt werden soll.

Viertelfinale

Das Bier ist kalt gestellt, die Mettbrötchen liegen bereit, die Stimmung ist gut. Heute Abend trifft die DFB-Elf im Viertelfinale auf Griechenland, den krassen Außenseiter unter den letzten letzten Acht. In der Zeitung bringt es Gert auf der Heide auf den Punkt (Rundschau-Ausgabe von heute, Nr. 143):

Niemand spricht es aus, aber wenn der DFB ein Gewinnspiel „Ein Fan darf gegen Griechenland auflaufen“ ausgeschrieben hätte, würde das kaum jemanden beunruhigen.

In diesem Sinne: Bis Donnerstag im Halbfinale! 😉

Update, 23. Juni: Hat doch wunderbar geklappt. Mein Tipp bei Bwin war übrigens 4:1, aber der Boateng wollte ja nicht, dass ich ein kleines großes Sümmchen gewinne…