Einträge von März 2009 (35)

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„Willkommen bei Boston Legal“

Diese grandiosen extradiegtischen Momente, also wenn die Serie ihr eigenes fiktionales Dasein verlässt, wie hier in der zweiten Folge der dritten Staffel, sind einer der Gründe, warum Boston Legal mittlerweile eine meiner absoluten Lieblingsserien geworden ist.

– Wir sind die Neuen!
– Oh bitte! Um neu zu sein, hätten Sie in der letzten Folge kommen müssen.

Startet die Musik!

I watched the Watchmen

Wir hatten ja erfreulicherweise das Glück Watchmen bereits am Mittwoch zu sehen. Seitdem kündige ich ein Review an dieser Stelle an, schreibe die ersten Zeilen nieder, verwerfe sie wieder und fange von vorne an. Scheinbar brauchte ich erstmal Abstand von dieser Adaption eines etwas anderen Comics, zu dem ich ja bereits eine zwiespältige, aber schließlich doch positive Beziehung hatte. Bei Zack Snyders Watchmen sieht das prinzipiell nicht anders aus, was vor allem daran liegt, dass er sich fast Eins zu Eins an die Story des Comics hält. (Mehr über die Handlung könnt ihr dementsprechend meinem Comic-Review entnehmen. Wer sich im Kino überraschen lassen möchte, sollte jedoch davon absehen.) Zwar werden die von mir bemängelten, teilweise recht langweiligen Subplots des Comics zumeist rausgekürzt, dennoch hat dieser aber auch einige Längen. Während die Verfilmung also an den selben Schwächen wie der Originalstoff leidet, ist genau diese originalgetreue Umsetzung eine der Stärken des Films: Dialoge wurden übernommen, Panels haargenau aufs Zelluloid gebannt, dazu zahlreiche selbstreferenzielle Verweise aufs Comic. So wird der Watchmen-Film in der Tat zu einem wahren Fest für Leser und Kenner des Watchmen-Comics. Ein Film „von Fanboys für Fanboys“, wie vielerorts zu lesen war.

Wer sich jedoch nicht dazu zählt, der könnte Probleme mit den Wächtern haben, denn Watchmen ist die unkonventionellste und ergo unzugänglichste aller Comicverfilmungen der letzten Jahre. Bei meinem Kinobesuch konnte ich den anderen Zuschauern die über ihren Köpfen schwebenden, riesigen Fragezeichen förmlich ansehen. Alles was man an anderen Superheldenfilmen mag, existiert hier nicht oder ist anders. Zwar gibt’s im Film mehr und andere Actionsequenzen als im Comic, diese sind aber durchweg durchschnittlich und unspektakulär. Von den Kostümen, Special Effects und Dr. Manhattans Dödel ganz zu schweigen! Und, Gott, der Soundtrack?! – Ein Kapitel für sich.

Doch wenn man von all diesen Kritikpunkten und der unsäglich überproportionalen Nutzung der Snyder-typischen Zeitlupen, die ich schon als Hauptschuldige für die Laufzeit von 163 Minuten ausmachte, absieht, dann kann Watchmen durchaus gefallen. Vor allem eben wenn man mit der Vorlage vertraut ist. Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass man diese, einst als unverfilmbar gegoltene Geschichte hätte besser adaptieren können, doch auch mit der vorliegenden Version kann ich mich anfreunden. Zudem das filmische Ende sehr viel logischer und glaubwürdiger ist, als das von Alan Moore erdachte.

Allerdings ist der Hauptgrund, weshalb ich den Film letztendlich mochte, ein anderer: Der im Comic vom Schurken nach der Offenlegung seines Plans geäußerte Satz „Ich bin kein billiger B-Film-Schurke“ wird auf der Leinwand zu „Ich bin kein billiger Comic-Schurke“, und weist gekonnt daraufhin, womit wir es hier eigentlich zu tun haben: einem Film in der Tradition alter B-Movies. Samt unnötiger Brutalität, übertriebener Splatter-Effekte, einem grotesken Soundtrack, Männern in Strumpfhosen und einem schlecht animierten, blauen Nackedei.

EMDb – Rating: 4/5

I read the Watchmen

Für euch, liebste Leser, scheue ich natürlich keine Kosten & Mühen und so kam es, dass ich mir am Montag die Gesamtausgabe von Watchmen besorgte, um am Mittwochabend im Kino perfekt auf die heiß erwartete Watchmen-Verfilmung vorbereitet zu sein. Warum ich mich erst jetzt mit dem Werk beschäftige, das vom Time-Magazine einst als einziges Comic in der Top 100 der besten Romane des 20. Jahrhunderts aufgeführt wurde, kann ich nicht sagen. Es ist mir wohl irgendwie durch die Lappen gegangen…

Jedenfalls habe ich es tatsächlich geschafft, mich bis Mittwoch durch den über 400 Seiten langen Wälzer durchzukämpfen. Durchzukämpfen? Ja, den Watchmen ist ein ewiges Auf und Ab. Hin und her gerissen zwischen formvollendeter Spannung, strangen Wtf-Momenten und teilweise gähnend langweiligen Subplots. Aber erst mal der Reihe nach; Watchmen versetzt uns ins folgende Szenario: 1985, maskierte Helden wurden bis auf einige Ausnahmen verboten, weshalb die meisten ehemaligen Superhelden inaktiv sind. Der Comedian, einer von ihnen, wird unter mysteriösen Umständen in seiner Wohnung ermordet. Während die Ermittler im Dunkeln tappen, geht der rabiate Superheld Rorschach, der weiterhin seiner Profession nachgeht und von der Polizei wegen Mordes gesucht wird, bereits einer anderen Fährte nach: Er vermutet einen „Maskenmörder“, der die einstigen Helden unschädlich machen will, und macht sich daher auf den Weg diese zu warnen. Bei den anderen Helden wird Rorschach belächelt und das ganze als Paranoia abgetan. Doch nach einem vereitelten Attentat auf Adrian Veidt a.k.a. Ozymandias, dem klügsten Menschen der Welt, und nachdem Dr. Manhattan, die wandelte Atombombe, scheinbar gezielt ins Exil auf den Mars getrieben wurde, scheint sich die Maskenmörder-Theorie zu verdichten. Zudem scheint ein Atomkrieg zwischen Amerikanern und Russen unausweichlich, nachdem der einzige Garant für die Vorherrschaft der USA, Dr. Manhattan, verschwunden ist.

Wow. Wie gesagt, für mich ist Watchmen ein recht zweischneidiges Schwert. Zum einen ganz, ganz großes Kino, zum anderen etliche Seiten, die mit der Entwicklung der unspektakulärsten Figuren vergeudet werden. Am Ende des Comics überwiegt allerdings ganz klar die Haben-Seite: noch nie war ich beim Lesen eines Comics so von der Genialität der Story insgesamt, sowie jeglicher Kleinigkeiten begeistert. Jeder Dialog scheint sorgsamst formuliert worden zu sein und so kommt es, dass der ein oder andere wahrhaftig großartige Satz fällt, wie man es sonst nur aus ganz großer Weltliteratur kennt. Man erahnt, jeder der jemals was für Comics übrig gehabt hat (und jeder andere auch), sollte sich Watchmen zu Gemüte führen. Es ist zwar dann und wann zäh und ich persönlich fand das Ende ziemlich schwach und unbefriedigend, aber bekanntlich ist ja der Weg das Ziel. Und was für ein Weg das hier ist, hui.

» Watchmen-Gesamtausgabe bei Amazon, 436 Seiten, € 29,95.

» Review zur Watchmen-Verfilmung.

Review-Rundumschlag #1

Damit die Reviews hier wieder halbwegs aktuell sind (der Wrestler und die Watchmen wollen ja besprochen werden!) und nicht weil die jetzt besprochenen Filme so wenig her geben folgt nun ein kleiner Review-Rundumschlag.

Der Ja-Sager

Nach seinem eher mäßig gelungenen Abstecher ins Thriller-Genre macht Jim Carrey wieder das, was er am besten kann bzw. was wir von ihm erwarten. In Der Ja-Sager spielt Carrey Carl, der nach einer fehlgeschlagenen Beziehung sichtlich vereinsamt und desinteressiert ist, bis er von einem Freund überzeugt wird, an einem Seminar der Ja-Sager teilzunehmen. Fortan bejaht er jede ihm gestellte Frage, rutscht von einer Chance zur nächsten, von einem Fauxpas ins nächste und trifft zwischendurch die große Liebe. Dabei sind die Gags und Wendungen der Story so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Dann und wann bietet das zwar ein paar Lacher, insgesamt handelt es sich jedoch um eine mittelmäßige Vorstellung, der man keine weitere Beachtung zukommen lassen muss. Wenn also, dann auf DVD, bitte.

EMDb – Rating: 2/5

Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht

Vor einem Jahr war ich – wie auch der Rest der Filmwelt der über Film schreibenden Welt – sehr von Juno, dem „etwas anderen Teeniefilm“ (Zitat El Jefe), angetan. Und es liegt natürlich in der Natur des Business, dass erfolgreiche Ideen ausgeschlachtet oder geklaut werden oder man sich zumindest stark von ihnen inspirieren lässt. Nachdem Juno zumindest schon musikalisch fortgesetzt wurde, kommen nun also die Nachahmer. So einer ist Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht. Look & Feel sind nämlich einfach mal dem Achtungserfolg des letzten Jahres entliehen, thematisch aber beleuchtet man anstelle der ungewollten Schwangerschaft eher seichtere Teenie-Themen: die erste/große Liebe. Nick und Norah sind beide 16 Jahre alt und fahren beide auf total alternative Musik ab, die zwar zum Großteil gut ist, von der ich aber überwiegend noch nie etwas gehört hab. Er ist Hetero-Bassist in einer Schwulen-Band und trauert seine Ex Tris hinterher, indem er ihr unentwegt sorgsam zusammengestellte Mixtapes zukommen lässt. Sie ist die Tochter eines Plattenproduzenten und unbekannterweise in den Jungen verliebt, dessen unmittelbar entsorgte Mixtapes sie immer wieder aus dem Schulpapierkorb fischt. In einer ziemlich verrückten Konzertnacht lernen sich die beiden kennen und so weiter und sofort. Leider geht irgendwo zwischen der sichtlich bemühten Story deren Tiefgang verloren, was wirklich schade ist, denn dieser nächtliche Einblick in die New Yorker Indie-Szene hatte so viel mehr Potential.

EMDb – Rating: 2,5/5

Vorbilder

Und dann sind da noch die Vorbilder, der Film, der schon oben in der Überschrift am meistens geteasert wurde, woraus der Eindruck entstehen könnte, dass mir diese Komödie von den besprochenen Filmen am wenigsten gefallen hat. Der Eindruck täuscht! Die Story in der zwei Energy-Drink-Vertreter nach einem Ausraster dazu verdonnert werden, 150 Sozialstunden als „große Brüder“ zu verbringen, ist zwar alles andere als neu, dafür aber sehr sympathisch und, klar, so soll’s ja sein: lustig. Das liegt natürlich zum Großteil an den gegenteiligen Figuren die hier aufeinander treffen: der sarkastische, lustlose, frisch von seiner Freundin verlassene Danny wird dem 15 jährigen zurückgezogenen Live-Rollenspieler Augie zugeteilt; Partylöwe und Energy-Drink-Maskottchen Wheeler wird dem frühreifen, 10 Jahre alten Ronnie zugeteilt, mit dem ihm immerhin das Interesse am weiblichen Körper eint. Obwohl es keine allzu großen Überraschungen geben wird, werden Feunde der Apatow-Komödien (der mit Vorbilder erstaunlicherweise rein gar nichts mit zu tun hat) ihre Freude haben. Und Kiss-Fans auch.

EMDb – Rating: 3/5